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Exil-Club
Exilliteratur 1933–1945

Exilliteratur: Merkmale, Gedichte und Autoren einer Epoche im Exil

Als Exilliteratur bezeichnet man die Werke deutschsprachiger Autorinnen und Autoren, die zwischen 1933 und 1945 aus dem nationalsozialistischen Machtbereich fliehen mussten. Zu den wiederkehrenden Merkmalen der Exilliteratur zählen der Verlust der Heimat, die Anklage des Regimes und das Schreiben für ein Publikum in der Ferne. Dieses Archiv sammelt ihre Stimmen – von der Exillyrik bis zu den großen biografischen Zeugnissen der Zeit.

Zur Exillyrik
Schreibtisch eines Autors im Exil mit Schreibmaschine, Manuskripten und Koffer
Abb. 1 — Topographie der Emigration

Was ist Exilliteratur?

Die Exilliteratur ist eine der prägenden Strömungen der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Sie umfasst jene Texte, die im Exil entstanden, nachdem die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 tausende Schriftstellerinnen und Schriftsteller zur Flucht zwang. Anders als eine klassische Stilepoche ist die Exilliteratur nicht durch ein gemeinsames ästhetisches Programm bestimmt, sondern durch eine geteilte historische Erfahrung: Vertreibung, Heimatverlust und das Schreiben in der Fremde.

„Wir sind keine Flüchtlinge. Wir sind Emigranten. Wir sind nicht freiwillig gegangen." — Bertolt Brecht

Merkmale der Exilliteratur

Die zentralen Merkmale der Exilliteratur ergeben sich aus der Situation ihrer Verfasser. Wiederkehrende Themen sind der Verlust der Heimat, die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, das Leben in fremden Ländern und die Hoffnung auf Rückkehr. Formal reicht das Spektrum von der politischen Lyrik über den historischen Roman bis zum Essay und zur Reportage. Viele Werke verstehen sich ausdrücklich als Widerstand – als Versuch, ein „anderes Deutschland" zu bewahren. Zu den typischen Merkmalen der Exilliteratur zählt daher auch ihr appellativer, oft dokumentarischer Charakter.

Die Lebensumstände im Exil waren dabei höchst unterschiedlich. Manche Vertriebenen fanden in Paris, Amsterdam, Prag oder Moskau vorübergehend Aufnahme, andere gelangten über lange Fluchtwege nach Mexiko oder in die Vereinigten Staaten. Diese geografische Zersplitterung erschwerte den Austausch, prägte aber zugleich die Vielfalt der Stimmen, die in der Fremde entstanden.

Bekannte Gedichte der Exilliteratur

Kaum eine Gattung verdichtet die Erfahrung des Exils so unmittelbar wie die Lyrik. Bekannte Gedichte der Exilliteratur sind Bertolt Brechts „Über die Bezeichnung Emigranten" und „Gedanken über die Dauer des Exils", in denen sich Trotz und Ungewissheit mischen. Auch Autoren wie Erich Kästner, Nelly Sachs oder Else Lasker-Schüler prägten die Exillyrik. Eine vertiefende Betrachtung dieser Gedichte der Exilliteratur findet sich im Bereich Exillyrik.

Wichtige Autoren der Exilliteratur

Zu den wichtigen Autoren der Exilliteratur gehören Thomas Mann, der aus dem kalifornischen Exil sprach, Bertolt Brecht, dessen Weg über Skandinavien in die USA führte, sowie Anna Seghers, Lion Feuchtwanger und Stefan Zweig. Diese Autoren der Exilliteratur schrieben unter sehr unterschiedlichen Bedingungen, teilten aber die Erfahrung, ihr Publikum und ihre Sprache verloren zu haben. Ein eigenes Kapitel widmet dieses Archiv Bertolt Brecht und seinen Gedichten im Exil.

Exilliteratur als Epoche: historischer Hintergrund

Die Exilliteratur als Epoche wird üblicherweise auf die Jahre 1933 bis 1945 datiert, greift aber weit über die deutsche Literatur hinaus. Sie steht im Zusammenhang mit dem Naturalismus und anderen Strömungen, gegen die sich die nationalsozialistische Kulturpolitik richtete, und sie berührt die großen Zeugnisse der Verfolgung wie das Tagebuch der Anne Frank. Die folgende Chronologie ordnet die Epoche der Exilliteratur in ihren zeitgeschichtlichen Rahmen ein.

Sammlung

Kuratierte Themengebiete

Chronologie der Zäsuren

  1. 1933

    Machtübernahme

    Mit der Bücherverbrennung im Mai 1933 beginnt die Vertreibung. Die erste große Fluchtwelle deutschsprachiger Schriftstellerinnen und Schriftsteller setzt ein.

  2. 1938

    „Anschluss" & Novemberpogrome

    Nach der Annexion Österreichs verschärft sich die Lage. Auch Wien, lange ein Zufluchtsort, wird für viele Autoren unhaltbar.

  3. 1945

    Kriegsende

    Das Ende des Zweiten Weltkriegs stellt die Emigranten vor eine schwierige Frage: Rückkehr in ein zerstörtes Land oder Verbleib im Exil?

  4. 1949

    Remigration

    Nur ein Teil der Vertriebenen kehrt zurück. Das Exil bleibt als Bruch und als literarisches Erbe bestehen.

Häufige Fragen zur Exilliteratur

Was ist Exilliteratur?

Als Exilliteratur bezeichnet man die Werke deutschsprachiger Autorinnen und Autoren, die zwischen 1933 und 1945 aus dem nationalsozialistischen Machtbereich fliehen mussten und ihre Texte im Exil verfassten.

In welchem Zeitraum wird die Epoche der Exilliteratur verortet?

Die Epoche umfasst die Jahre 1933 bis 1945 – von der Machtübernahme der Nationalsozialisten und den Bücherverbrennungen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Was sind die wichtigsten Merkmale der Exilliteratur?

Wiederkehrende Merkmale sind der Verlust der Heimat, die Anklage des Nationalsozialismus, das Leben in der Fremde und die Hoffnung auf Rückkehr. Formal reicht das Spektrum von politischer Lyrik über den historischen Roman bis zum Essay.

Welche Autoren zählen zu den wichtigsten Vertretern?

Zu den bekanntesten Autoren der Exilliteratur gehören Thomas Mann, Bertolt Brecht, Anna Seghers, Lion Feuchtwanger, Stefan Zweig sowie die Lyrikerinnen und Lyriker der Exillyrik wie Nelly Sachs und Else Lasker-Schüler.

Welche Rolle spielte die Lyrik in der Exilliteratur?

Die Lyrik – die sogenannte Exillyrik – verdichtete die Erfahrung des Exils besonders unmittelbar. Kurze, ortsunabhängige Gedichte ließen sich auch ohne Verlag verbreiten und wurden zur beweglichsten Form des literarischen Widerstands.

Was unterscheidet die Exilliteratur von der Inneren Emigration?

Autoren der Exilliteratur verließen Deutschland und schrieben aus dem Ausland. Die „Innere Emigration“ meint dagegen Schriftsteller, die im Land blieben und sich innerlich vom Regime distanzierten, ohne offen Widerstand leisten zu können.

„Ein Archiv bewahrt nicht nur Texte, sondern Stimmen, die zum Schweigen gebracht werden sollten."

Der Exil-Club ist ein redaktionelles Bildungsarchiv. Es sammelt und ordnet Fragmente der Literatur- und Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts – von der Exilliteratur über die Biografien einzelner Persönlichkeiten bis zu den historischen Umbrüchen, die diese Werke geprägt haben.