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Der Brand von 1933

Reichstagsbrand 1933: Ursachen, Folgen und Reichstagsbrandverordnung

In der Nacht zum 28. Februar 1933 stand das Berliner Reichstagsgebäude in Flammen. Binnen Stunden nutzten die Nationalsozialisten den Brand, um die Grundrechte außer Kraft zu setzen – der Beginn der Diktatur.

Exil-Club · Redaktion

Der Brand von 1933
Abb. — Der Brand von 1933

Der Reichstagsbrand: Hergang in der Nacht zum 28. Februar 1933

Am Abend des 27. Februar 1933 bemerkten Passanten Feuerschein im Berliner Reichstagsgebäude. Innerhalb kurzer Zeit stand der Plenarsaal in Vollbrand; die Feuerwehr konnte das Gebäude nicht mehr retten. Noch in derselben Nacht wurde der Niederländer Marinus van der Lubbe als mutmaßlicher Brandstifter festgenommen. Der Reichstagsbrand traf das noch junge NS-Regime nur vier Wochen nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler – und wurde umgehend politisch genutzt.

Ursachen und die offene Täterfrage

Bis heute ist die Frage nach den Ursachen des Reichstagsbrands nicht abschließend geklärt. Die offizielle Version machte van der Lubbe als Einzeltäter verantwortlich. Historiker diskutieren jedoch seit Jahrzehnten, ob nationalsozialistische Stellen selbst beteiligt waren, um einen Vorwand für die Verfolgung der politischen Linken zu schaffen. Sicher ist: Die Nationalsozialisten reagierten mit auffälliger Geschwindigkeit und schoben den Brand den Kommunisten in die Schuhe.

Die Reichstagsbrandverordnung und ihre Folgen

Bereits am Morgen des 28. Februar 1933 wurde die Reichstagsbrandverordnung erlassen. Sie hob zentrale Grundrechte auf und erlaubte Verhaftungen ohne richterlichen Beschluss. In den folgenden Tagen wurden tausende Regimegegner inhaftiert. Die Reichstagsbrandverordnung blieb bis zum Ende des „Dritten Reiches“ in Kraft und bildete zusammen mit dem Ermächtigungsgesetz das juristische Fundament der Diktatur.

Vom Brand zum Ermächtigungsgesetz

Der Reichstagsbrand stand nicht für sich allein, sondern war der erste Schritt einer raschen Kette von Maßnahmen. Die Reichstagsbrandverordnung schuf die rechtliche Grundlage für Verhaftungen und Zensur; nur drei Wochen später, am 23. März 1933, folgte das Ermächtigungsgesetz. Es erlaubte der Regierung, Gesetze ohne Zustimmung des Parlaments zu erlassen, und hebelte damit die Gewaltenteilung endgültig aus. Innerhalb weniger Wochen war aus der Weimarer Demokratie eine Diktatur geworden. Der Reichstagsbrand markiert in dieser Abfolge den entscheidenden Wendepunkt, weil er den Nationalsozialisten den Vorwand lieferte, den sie brauchten. Historiker sprechen daher von einer „legalen Revolution“ – einem Staatsstreich, der sich in die Form von Verordnungen und Gesetzen kleidete.

Der Reichstagsbrandprozess in Leipzig

Von September bis Dezember 1933 verhandelte das Reichsgericht in Leipzig gegen van der Lubbe und vier weitere Angeklagte, darunter den bulgarischen Kommunisten Georgi Dimitrow. Das Verfahren sollte eine kommunistische Verschwörung beweisen – geriet jedoch zum Fehlschlag für die Anklage: Dimitrow verteidigte sich so wirkungsvoll und wandte sich derart offensiv gegen den als Zeugen geladenen Hermann Göring, dass der Prozess international Aufsehen erregte. Am Ende sprach das Gericht die kommunistischen Angeklagten aus Mangel an Beweisen frei; nur van der Lubbe wurde verurteilt und Anfang 1934 hingerichtet. Die Freisprüche waren dem Regime eine derartige Niederlage, dass es politische Prozesse künftig dem neu geschaffenen Volksgerichtshof übertrug – einem willfährigen Sondergericht ohne die Unabhängigkeit der ordentlichen Justiz.

Erinnerung und historische Deutung

Bis heute streiten Historiker über die Frage, wer den Reichstag in Brand setzte. Lange galt die These vom Alleintäter van der Lubbe als widerlegt; ebenso verbreitet war die Annahme, die Nationalsozialisten selbst hätten das Feuer gelegt. Die Forschung ist sich in dieser Frage bis heute nicht einig, und die Quellenlage lässt kein endgültiges Urteil zu. Unstrittig ist jedoch die Wirkung: Unabhängig davon, wer das Streichholz hielt, nutzte das Regime den Brand mit kühler Berechnung, um die Demokratie auszuhebeln. Genau deshalb ist der Reichstagsbrand zum Sinnbild dafür geworden, wie eine Krise – ob herbeigeführt oder nur ausgenutzt – zur Errichtung einer Diktatur missbraucht werden kann. Diese Lehre macht das Ereignis bis in die Gegenwart zu einem mahnenden Bezugspunkt.

Zeitgenössische Reaktionen im Ausland

Der Reichstagsbrand und die anschließende Verfolgungswelle fanden international ein starkes Echo. Emigrierte Gegner des Regimes versuchten früh, die Öffentlichkeit über die wahren Vorgänge in Deutschland aufzuklären. In Paris erschien 1933 das sogenannte „Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitlerterror“, das die These einer nationalsozialistischen Täterschaft verbreitete und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Parallel dazu inszenierten Exilanten in London einen „Gegenprozess“, der van der Lubbe entlasten und die eigentlichen Hintermänner benennen sollte. Beide Aktionen waren propagandistisch zugespitzt und historisch nicht in allen Punkten stichhaltig, doch sie lenkten den Blick der Weltöffentlichkeit auf die Methoden des neuen Regimes. Für viele ausländische Beobachter wurde am Umgang mit dem Reichstagsbrand zum ersten Mal deutlich, wie skrupellos die nationalsozialistische Führung Recht und Wahrheit ihren Zwecken unterordnete. So trug das Ereignis auch dazu bei, das Bild des „Dritten Reiches“ im Ausland früh zu prägen.

Der Reichstagsbrand als Auslöser des Exils

Für viele Schriftstellerinnen, Schriftsteller und Intellektuelle war der Reichstagsbrand das unmissverständliche Signal zur Flucht. Bertolt Brecht etwa verließ Deutschland einen Tag nach dem Brand. Wenige Monate später folgten die Bücherverbrennungen. So steht der Reichstagsbrand am Anfang jener Vertreibung, aus der die Exilliteratur hervorging. Innerhalb weniger Monate verließen hunderte Schriftsteller, Wissenschaftler und Künstler das Land; viele von ihnen sollten nie zurückkehren. So markiert die Brandnacht nicht nur eine juristische, sondern auch eine kulturelle Zäsur – den Beginn des Aderlasses, der das deutsche Geistesleben für ein Jahrzehnt ins Ausland verlagerte.

Häufige Fragen

Wann war der Reichstagsbrand?

Der Reichstagsbrand ereignete sich in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933, wenige Wochen nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933.

Wer legte den Reichstagsbrand?

Als Täter wurde der Niederländer Marinus van der Lubbe verhaftet und hingerichtet. Ob er allein handelte oder die Nationalsozialisten selbst beteiligt waren, ist bis heute historisch umstritten.

Was war die Reichstagsbrandverordnung?

Die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ vom 28. Februar 1933 setzte wesentliche Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft – darunter Presse-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit sowie den Schutz vor willkürlicher Verhaftung.

Welche Folgen hatte der Reichstagsbrand?

Die Verordnung ermöglichte die Verfolgung politischer Gegner, vor allem der Kommunisten, und ebnete den Weg zum Ermächtigungsgesetz vom März 1933. Für viele Schriftsteller und Intellektuelle war der Brand das Signal zur Flucht.

Warum gilt der Reichstagsbrand als Beginn der Diktatur?

Mit der Reichstagsbrandverordnung wurden rechtsstaatliche Schranken beseitigt. Sie blieb bis 1945 in Kraft und bildete die juristische Grundlage für Verhaftungen, Zensur und die Ausschaltung der Opposition.

Was bedeutete der Reichstagsbrand für die Literatur?

Der Brand und die folgende Verfolgung lösten die erste große Fluchtwelle deutschsprachiger Autoren aus. Wenige Wochen später begannen die Bücherverbrennungen – der Beginn der Exilliteratur.