Nazim Hikmet 

 


(20.01.1902-03.06.1963)

 

Sein Leben:

 

Nazim Hikmet war einer der ersten und wichtigsten Dichter der türkischen Literatur des 20.Jahrhunderts. Er wurde am 20. Januar 1902 in Saloniki (Griechenland) geboren und starb am 03. Juni 1963 in Moskau. Mit der Abstammung der osmanischen Gesellschaft wurde Nazim als Sohn eines Paschas geboren. Sein Vater, Bey Nazim Hikmet, war ein Staatsbeamter und seine Mutter, Aisha Dshalila, eine Kunstmalerin. Hikmets Arbeiten wurden in einige Sprachen übersetzt. In seinem Heimatland wurde er für sein marxistisches Engagement verhaftet. So war er auch einer der Hauptkritiker der türkischen Massaker an die Armenier zwischen 1915 - 1922. Er nannte die Poesie im Gefängnis „Das Blutigste der Künste“. Seine Gedichte halfen ihm in der Haft zu überleben. Insgesamt verbrachte er ca. 17 Jahre im Gefängnis.

1921 ging er für vier Jahre nach Moskau an die kommunistische Universität für die Werktätigen des Orients um zu studieren. Vier Jahre später, 1925, kehrte er in sein Heimatland (Türkei) zurück. Hier arbeitete er an einer Revue. 1928 zog es Hikmet erneut nach Moskau. In seiner Abwesenheit wird er in der Türkei zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt und an der Grenze Hopa (Türkei) festgenommen und für 7 Monate ins Gefängnis von Ankara eingesperrt. 1929 erschien sein erster Gedichtband mit „835 Zeilen“. Darin dichtet er in der Tradition der osmanischen Poesie. 1934 wird er wieder zu 5 Jahren Haft verurteilt, ein Jahr später jedoch freigesprochen. 1935 werden Bücher von ihm bei Militärschülern gefunden, was ihm wieder eine Verurteilung von 15 Jahren einbringt. Als er sich gegen die Politik der Nationalsozialisten in Deutschland und gegen die Politik Francos in Spanien engagiert, bringt man ihn erneut vor Gericht und verurteilt ihn für 28 Jahre und 4 Monate. 1950 wird er nach 12 Jahren Haft aufgrund weltweiter Proteste freigelassen. Aus Furcht um das Leben seiner Frau und seines Sohnes kann er das Land nicht verlassen. Er muss zum Militär, was für ihn Lebensgefahr bedeutet, weil viele hier schon ihren Tod gefunden hatten.

4 Monate vor seinem Tod schreibt er das Gedicht „Von dem Leben“, in dem ausdrücklich beschrieben wird, was er durchgemacht hat und wie er zu seinem Leben steht. 1951-1958 flüchtet er mit 49 Jahren mit einem Ruderboot auf dem Schwarzen Meer. Er wird von einem rumänischen Handelsschiff aufgenommen. Nun geht er über Rumänien nach Moskau, wo er vom Geheimdienst KGB überwacht wird, da er auch hier als unbequemer Intellektueller eingestuft zu werden scheint. Mit 61 Jahren stirbt er in Moskau.

Hikmet reiste trotz seiner Krankheit nach Afrika, China, Kuba, Paris, Rom, Prag und zuletzt nach Moskau, wo er bis 1963 blieb und dort starb. Zwar ist Türkei ein demokratisches Land, doch es brauchte ziemlich lange, bis sie sich dem Westen gegenüber öffneten. Meinungsfreiheit ist nur im geringem Maße in der Türkei zu sehen.

 

Seine bedeutendsten Werke:

 

Yasamak:                                                                 Leben:

 

Yasamak bir agac gibi,                               Leben wie ein Baum

Tek ve hür,                                                    Einzeln und frei

Ve bir orman gibi kardescesine,   Und brüderlich. Wie ein Wald

Bu Bizim Hasretimiz!                                              Das ist unsere Sehnsucht

 

 

100 Jahre Nazim Hikmet

 

1902 bin ich geboren!

In meine Geburtsstadt kam ich nie wieder,

Ich kehre nicht gerne um!

Seit meinem 14 Lebensjahr schreibe ich Verse!

Manche Menschen kennen die Arten der Gräser oder der Fische,

Ich kenne die Arten der Einsamkeit!

Ich war in Kerkern und in Grand-Hotels,

Ich hungerte oft, war auch im Hungerstreik

Und lernte manche Speisen nicht kennen!

Mit 30 sollte ich hängen!

Mit 48 sollte ich den Friedenspreis bekommen.

Meine Bücher erscheinen in 30 bis 40 Sprachen,

Nur in meiner Türkei,

İn meiner Muttersprache sind sie verboten.

 

 

24 Eylül 1945                            24 September 1945

 

En güzel deniz:             Das schönste Meer:

Henüz gidilmemiş olanıdır... es ist noch unbefahren...

En güzel cocuk:             Das schönste Kind:    

Henüz büyümedi.             Es ist das noch nicht Erwachsene

En güzel günlerimis:        Unsere schönsten Tage:

Henüz yaşamadiklarimiz.          Es sind die noch nicht gelebten.

Ve sana söylemek            Das allerschönste Wort, was ich

istedıgım en güzel söz:     Dir sagen wollte:

Henüz söylememiş            Es ist das noch nicht ausge-

oldugum sözdür...           sprochene Wort...

 

Sehnsucht

 

Hunderte Jahre ist es her, seit ich nicht mehr

İn dein Gesicht sah

Deine Taille nicht mehr umschlang

Nicht mehr in deinem Auge stand

An deinen klaren Verstand keine Fragen

Mehr stellte

Nicht mehr die Wärme deines Bauchs

Spürte.

Seit hundert Jahren erwartet mich in einer

Stadt eine Frau.

 

Weitere Werke von Nazim Hikmet!

 

1.Yeşil Elmalar, 1965 – (Grüne Äpfel)

 

2.Sevdalı Bulut, 1968 – (verliebte Wolken)

 

3.Kan Konuşmas, 1965 – (Blut redet nicht) u.v.m

 

 

Die Geographie

Die Türkei ist ein riesiges Land. Vom West nach Ost erstreckt es sich über 2200 km und vom Norden bis zum Süden sind es 910 km. Hiermit liegt Istanbul genau so weit weg von Venedig wie von seiner eigenen östlichen Grenze. Das Land liegt zwischen dem 35. und dem 42. Grad NL 25. und 44. Grad OL.

map with historical sightsIn GMT Zeit ist die Türkei +2.00 GMT (von Oktober bis April). Während der Sommerzeit ist es +3.00 Stunden GMT. (April bis zum Oktober)

 

 

 

Die Türkei ist das einzige Land der Welt, und damit Istanbul die einzige Stadt der Welt, die sich auf zwei Kontinenten befindet. Der Bosphorus, das Marmara Meer und die Dardanellen trennen Europa und Asien voneinander. Thrakien ist der Europäische Teil der Türkei und belegt 3% der Flaeche. Die anderen 97% werden durch Anatolien - dem asiatischen Teil eingenommen.. Anatolien hat zwei große Hochplateaus, das Anatolische Plateau in der Mitte des Landes und das Armenische Plateau im Osten des Landes. Die Berge und Bergketten werden durch mindestens 15 Flüsse durchzogen, unter denen sich die berühmten Tigris (Dicle) und Euphrates (Firat) befinden.

 

Die Geschichte!!

 

Kleinasien war schon in der Steinzeit besiedelt. Erst 1964 wurde bei Çatalhüyük (nahe Konya) eine geschlossene Wohnsiedlung aus der Zeit um 6000 v. Chr. ausgegraben. Eindrucksvolle Zeugnisse aus der Bronzezeit sind die Grabbeigaben aus den Königsgräbern von Alacahöyük, einem vorhethitischen Stadtstaat.

Bis zum 19. Jahrhundert nannte man die heutige Türkei das osmanische Reich.

 

1876 - 1909

Im 19. Jahrhundert erhält das osmanische Reich eine erste (kurzlebige) Verfassung. Der Russisch-Türkische Krieg (1877-78) endet mit dem Verlust der meisten europäischen Gebiete. Nach der Revolution der "Jungtürken" (1908) wird der reformfeindliche Sultan Abdullhamit abgesetzt.

 

1909 - 1918

Mehmet V. Der Tripolisfeldzug (1911-12), die beiden Balkankriege (1912-13) und der Erste Weltkrieg (1914-18) stellen die Türkei vor neue Aufgaben, so dass die wichtigen Reformen nur teilweise durchgeführt werden können. Die Türkei steht auf seiten der Mittelmächte und läuft nach dem Zusammenbruch 1918 Gefahr, vollständig von den Alliierten besetzt zu werden.

 

1919

Landung des Mustafa Kemal in Samsun. Er ruft zum bewaffneten Widerstand gegen die Invasoren, die Anatolien annektiert haben, auf und bricht die Beziehungen zur Regierung des Sultans ab.

 

1920

In Ankara wird die "Große Nationalversammlung" einberufen, die Mustafa Kemal zum

Präsidenten wählt. Ein Sonderfrieden mit Frankreich und ein Freundschaftsvertrag mit Russland werden abgeschlossen. Die Griechen werden nach Kämpfen (1921-22) aus Anatolien vertrieben. Thrakien wird wiedergewonnen.

 

1921

Das Sultanat wird abgeschafft. Die Griechische Armee erleidet nach mehreren Kämpfen von 1921 – 1922 in Anatolien eine absolute Niederlage und wird in Izmir in die Ägäis getrieben.

 

1923

24. Juli. Friedensvertrag von Lausanne. Ankara wird neue Hauptstadt.

24. Oktober. Die "Türkische Republik", mit Ankara als Hauptstadt, wird proklamiert.

Präsident der Republik ist Mustafa Kemal Pasa, später ATATÜRK ("Vater aller Türken") genannt.

 

1924

Abschaffung des Kalifats. Erste Verfassung der Republik.

 

1925

Beginn der großen Reformen: Lateinische Schrift, Frauenstimmrecht, Einehe,

Gregorianischer Kalender, Verbot des Fes, Anerkennung des Sonntags als Ruhetag,

gebraucht von Familiennamen u.a. Diese Neuerungen machen die Türkei zu einem

modernen Staat.

 

1936 Meerengenkonvention von Montreux.

 

Kemal nahm grundlegende Reformen zur Modernisierung der Türkei in Angriff (Kemalismus): Übernahme westeuropäischer Rechtssysteme, Trennung von Staat und Religion, Einführung der Lateinschrift und der Familiennamen, rechtliche Gleichstellung der Frau, Aufbau einer eigenen Industrie, Zurückdrängung des ausländischen Einflusses in der Wirtschaft. Es unterblieb jedoch eine durchgreifende Agrarreform. Einzige zugelassene Partei war die Republikanische Volkspartei. Außenpolitisch lehnte sich die Türkei zunächst an die Sowjetunion an; auf der Konferenz von Montreux 1936 erhielt sie die Hoheitsrechte über die Dardanellen zurück. Frankreich trat 1938/39 das Gebiet von Alexandrette (Iskenderun) an die Türkei ab. 1939 wurde ein Beistandspakt mit Großbritannien und Frankreich geschlossen. Nach dem Tod Atatürks 1938 wurde Ismet Inönü Staatspräsident und führte dessen Politik fort. Im 2. Weltkrieg blieb die Türkei neutral; sie erklärte erst 1945 formell Deutschland den Krieg. Nach dem Krieg schloß sich die Türkei dem westlichen Bündnissystem an; 1952 trat sie der NATO bei, 1955 dem Bagdad-Pakt (seit 1959 CENTO, 1979 aufgelöst). 1963 wurde die Türkei mit der EWG assoziiert.

Die mit der Einführung des Mehrparteiensystems seit 1946 zugelassene Demokratische Partei gewann 1950 die Wahlen und stellte mit ihrem Parteivorsitzenden C. Bayar den Staats- und mit A. Menderes den Ministerpräsidenten. Ihre Regierung, die sich von Grundsätzen des Kemalismus abwandte und die Opposition mit diktatorischen Mitteln auszuschalten suchte, wurde 1960 durch einen Staatsstreich des Militärs gestürzt, Menderes 1961 hingerichtet. Nach vorübergehender Militärdiktatur ging die Regierung 1961 wieder in zivile Hände über (mehrere Koalitionskabinette). Die Nachfolgerin der Demokratischen Partei, die Gerechtigkeitspartei, gewann die Wahlen 1965; ihr Führer S. Demirel wurde Ministerpräsident und blieb es nach einem weiteren Wahlsieg 1969. Er wurde 1971 vom Militär zum Rücktritt gezwungen. Die folgenden Kabinette waren vom Militär abhängig. Die Wahlen 1973 und 1977 erbrachten keine klaren Mehrheitsverhältnisse. Demirel und B. Ecevit, dessen sozialreformerische Republikanische Volkspartei 1977 knapp die absolute Mehrheit verfehlte, standen mehrmals abwechselnd an der Spitze labiler Koalitions- oder Minderheitsregierungen.

Als die politische Radikalisierung immer mehr zunahm und sich eine Einigung der beiden großen Parteien unter Demirel und Ecevit als unmöglich erwies, übernahm das Militär 1980 erneut die Macht. Generalstabschef K. Evren wurde Staatsoberhaupt. Die Militärregierung suspendierte die Verfassung, verbot die Parteien und stellte die innere Ruhe mit drakonischen Mitteln wieder her. Den bisher führenden Politikern wurde die politische Betätigung untersagt. Nach dem Putsch auf Zypern* 1974 besetzte die Türkei ein Drittel der Insel und erkannte als einziger Staat die 1983 einseitig proklamierte Türkische Republik Nordzypern an. Hierdurch sind die Beziehungen zum NATO-Partner Griechenland stark belastet.

Eine auf Veranlassung der Militärs ausgearbeitete neue Verfassung wurde 1982 in einer Volksabstimmung angenommen. Damit verbunden war die Wahl General Evrens zum Staatspräsidenten auf 7 Jahre. 1983 fanden Parlamentswahlen statt, bei denen nur drei neugegründete Parteien zugelassen waren. Die von den Militärs nicht favorisierte Mutterlandspartei (AnaP) errang die absolute Mehrheit; ihr Führer T. Özal wurde Ministerpräsident. 1987 wurde durch Volksabstimmung das Betätigungsverbot für frühere Politiker aufgehoben. Bei der anschließenden Parlamentswahl konnte die Mutterlandspartei ihre Mehrheit behaupten. Özal wurde 1989 zum Staatspräsidenten gewählt. Bei den Parlamentswahlen 1991 löste die Partei des Rechten Weges unter Führung von S. Demirel die Mutterlandspartei als stärkste politische Kraft ab. S. Demirel bildete mit der Sozialdemokratischen Volkspartei eine Koalitionsregierung. Im April 1993 starb überraschend Staatspräsident Özal. Zu seinem Nachfolger wurde Demirel gewählt. Mit T. Ciller übernahm erstmals eine Frau das Amt des Ministerpräsidenten. Bei vorgezogenen Neuwahlen im Dezember 1995 gewann die islamistische Refah-Partei unter N. Erbakan die meisten Stimmen. Neuer Ministerpräsident an der Spitze einer konservativen Koalitionsregierung wurde jedoch M. Yilmaz (AnaP). Bereits im Sommer 1996 zerbrach die Koalition an inneren Zwistigkeiten. N. Erbakan, der Führer der Refah-Partei, bildete mit der Partei des Rechten Weges eine neue Regierung. 1997 trat Erbakan von seinem Amt zurück. Neuer Ministerpräsident wurde M. Yilmaz, der nach einem Misstrauensvotum des Parlaments im November 1998 zurücktrat. Sein Nachfolger wurde im Januar 1999 B. Ecevit, der auch nach den Neuwahlen im April 1999 im Amt blieb. Er bildete eine Koalitionsregierung mit der Partei der Nationalen Bewegung und der Mutterlandspartei.

 

*Ein ständiger Unruhefaktor sind die Autonomieforderungen der Kurden im Südosten der Türkei. Der militärische Konflikt mit den Kurden verschärfte sich 1995 weiter. Türkische Truppen marschierten in den Nordirak ein, um dort kurdische Truppen zu bekämpfen.