Karla Frenkel - Raveh

Familie und Kindheit - Deportation und Lager - Nachkriegszeit - Aktuelles - Lebenslauf

Nach der Befreiung

Karla Raveh verließ 1949 Deutschland und zog mit ihrem Mann nach Israel. Sie mussten sich zunächst nach Arbeit umsehen und lebten in dieser Zeit sehr bescheiden in einer kleinen Wohnung.

Später bekamen sie zwei Söhne, die heute längst erwachsen sind und schon eigene Familien haben. Leider verstarb Frau Ravehs Mann sehr jung, und sie musste sich dann allein durchschlagen. Heute lebt sie in Quiriat Tivon ( zwischen Haifa und Nazareth ) und freut sie sich über fünf Enkelkinder, was sie sehr glücklich macht.

1988 wurde sie zur Ehrenbürgerin der Stadt Lemgo ernannt.

In den Sommerferien kommt sie häufig zurück nach Deutschland und wohnt dann in Lemgo in der Wohnung ihrer Großeltern. In dieser Zeit spricht und diskutiert sie viel mit jungen Menschen. Sie setzt sich dafür ein, dass eine Zeit wie die des Nationalsozialismus nie wiederkommen soll. Sie spricht für Toleranz und Menschenwürde und hofft, dass ihre Worte die Jugendlichen erreichen und aufrütteln. Dabei wirkt sie jung und voller Schwung. Sie klagt nicht und sie verteilt keine Schuld. Man bekommt kein schlechtes Gewissen, wenn man ihr zuhört, sondern ist offen, alles das aufzunehmen, was sie sagt. Sie berichtet darüber, was damals war und glaubt daran, dass Menschen sich zum Guten verändern lassen, wenn sie fühlen und wissen, was falsch und schlecht ist.

Frau Raveh ist eine tolle Frau. Sie hat mich sehr beeindruckt, und ich muss sie einfach gern haben, respektieren und bewundern.

Ivonne Kandale (Schülerin der 6b der Karla-Raveh-Gesamtschule)

 

Aus Sicht einer Kollegin, die bei dem erwähnten ersten Treffen in dem Haus Frau Ravehs dabei war, kann ich die Einschätzung Ivonnes nur unterstützen.

Diese Frau in ihrer Offenheit, Freundlichkeit und Klugheit erleben zu dürfen, war etwas ganz Besonderes für mich. Keinerlei Verbitterung oder Schuldzuweisung schwangen in ihren Berichten und Einschätzungen, die sie uns gegenüber äußerte, mit. Aus Gefühl und Erinnerung heraus berichten und mahnen, nicht jammern, klagen oder anklagen - das war es, was sie vermittelte.

Sie vermittelt ihren Zuhörern den Glauben an eine bessere Zukunft, an eine Zeit, in der Toleranz, Mitmenschlichkeit und Menschenwürde eine Chance haben.

Und Frau Raveh spricht nicht nur von dieser Zielsetzung, sie engagiert sich und handelt, spricht mit Jugendlichen und Erwachsenen und vor allem - sie macht Mut. Mut, ein solches Zukunftsbild nicht im Vorfeld als hoffnungslos oder naiv abzuschreiben, sondern sich dafür einzusetzen.

Frau Raveh macht uns vor, dass man trotz schrecklichster Erfahrungen an eine bessere Welt und das Gute glauben kann und zeigt uns, dass Willen und Tatkraft benötigt werden, diesen Glauben in Realität zu verwandeln.

Annette Pölert-Klassen (Lehrerin der Karla-Raveh-Gesamtschule)

 

 

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