Karla Frenkel - Raveh |
|
|
|
|
DeportationAls Erste traf die Maßnahme der Deportationen eine alte Bekannte der Frenkels und wenig später Karlas Tanten und ihren Onkel Ernst. Sie wurden in den Osten deportiert, und spätestens seit diesem Zeitpunkt wussten alle Lemgoer Juden, dass es nun auch sie Am 27. Juli 1942 musste sich dann auch Karlas Familie auf der Polizeiwache in Lemgo zur Deportation melden. Das Gepäck, das sie mit auf die Reise ins Unbekannte mitnahmen, durfte nicht mehr als 25 Kilo wiegen. Über ein "Auffanglager" in Bielefeld schaffte man die Menschen dann zum Güterbahnhof, von wo ein Zug sie nach Theresienstadt brachte. Im Stadtarchiv Detmold findet man in den entsprechenden Unterlagen den Hinweis, dass "am 28. Juli 1942 die letzten noch in Lemgo verbliebenen Volljuden nach Theresienstadt" deportiert wurden. Die Juden wurden vor ihrem Abtransport auf dem Marktplatz in Lemgo gesammelt. Viele Bürger kamen um zu beobachten, was dort geschah. Die LagerTheresienstadt
Am 16. Okt. 1944 schlug das Schicksal erneut zu. Die gesamte Familie Frenkel war auf eine Transportliste gesetzt worden, bis auf die Großmutter Rosenberg, Helga und Karla selbst. Niemand wusste wohin es gehen sollte. Helga wollte den Rest der Familie auf keinen Fall verlassen und ließ sich auf Umwegen auch auf diese Liste setzen. Sie verließen Theresienstadt mit unbekanntem Ziel - Keiner sah sie je wieder. In der Hölle von Auschwitz kamen sie alle ums Leben. Karla dagegen blieb zunächst in Theresienstadt. Sie wohnte, getrennt von den Erwachsenen, in einem Haus, in dem nur junge Menschen untergebracht waren. Das war für die Jugendlichen Glück im Unglück. Auschwitz-Birkenau
Nach zwei Tagen und zwei Nächten erreichte sie in einem mit Menschen vollgestopften Viehwaggon das Todeslager. Es waren 2038 Menschen. Um ihren Durst zu stillen hatte sie während dieser "Reise" immer wieder aus einer Flasche, die ein Mithäftling in seiner Jackentasche versteckt hielt, getrunken. Es handelte sich dabei, ohne dass sie dieses wusste, um ein alkoholisches Getränk. Dieses Getränk rettete ihr wahrscheinlich das Leben, denn der Alkohol verringerte die Angst und ließ sie bei der Eingangsselektion genau das Richtige tun. Nach einer grausamen Zeit in Auschwitz, mit "Apellstehen und allen möglichen Schikanen, die ein gesundes menschliches Gehirn kaum ahnt und nur eine unnormale Bestie sich ausdenken kann", wurde Karla erneut verschickt. Dieses Mal fuhr der Viehtransport mit den Gefangenen nach Bergen - Belsen, in der Nähe von Hannover. Bergen-Belsen
Wie die Ankunft so verlief auch die kommende Zeit in Bergen- Belsen. Die Verpflegung war völlig unzureichend und die Behandlung unmenschlich. Karla fragte sich im Nachhinein immer wieder, wie sie diese Zeit hat überleben können. In ihrem Buch 'Überleben' schreibt sie: "Es war schrecklich deprimierend, so dahin zu vegetieren, der Hunger plagte uns schrecklich und man war bis aufs äußerste gereizt. (...) Einmal trieb man uns plötzlich zur Arbeit heraus. Wir mussten tiefe Gräben machen, die sollten für neue Latrinen sein. Der für uns verantwortliche SS-Mann war ein ganz brutaler Kerl, er schrie und tobte wie ein Wilder. Ich weiß nicht mehr genau, was ein Mädchen ihm nicht gut genug gemacht hatte, er jedenfalls haute dem Mädel mit voller Wucht den Spaten auf den Kopf." Doch wieder hatte sie Glück. Bevor das Lager aufgelöst wurde und die Exekutionen und Todesmärsche begannen, wurde sie erneut verschickt. SalzwedelNach dem üblichen Apellstehen bei eisiger Kälte wurden die Mädchen dort auf ein großes Fabrikgelände geführt und in Hallen zur Arbeit eingeteilt. Es war eine Munitionsfabrik. Der Tag begann um 4.00 Uhr früh mit "Apellstehen", die Arbeitszeit dauerte von 6.00 Uhr bis 18.00 Uhr abends und der Tag endete erneut mit "Apellstehen". Es wurde in Tag- und Nachtschichten gearbeitet und, wie in allen Lagern, war die Ernährung völlig unzureichend. Genauso sah es mit den hygienischen Verhältnissen aus. Ganz zum Schluss dieser schrecklichen Zeit sollten die Insassen des Lagers erschossen werden, um mögliche Zeitzeugen zu beseitigen. Die französischen Kriegsgefangenen, die ebenfalls dort untergebracht und noch kräftiger waren als die anderen Häftlinge, verhinderten die Erschießungen und so wurde Karla endlich im April 1945 von amerikanischen Soldaten befreit. Aber dreizehn Mitglieder der Familie Frenkel haben den Holokaust nicht überlebt. Sie wurden von den Nazis ermordet. Wir wollen sie nicht vergessen!
|
|