Karla Frenkel - Raveh

Familie und Kindheit - Deportation und Lager - Nachkriegszeit - Aktuelles - Lebenslauf

Deportation

Als Erste traf die Maßnahme der Deportationen eine alte Bekannte der Frenkels und wenig später Karlas Tanten und ihren Onkel Ernst. Sie wurden in den Osten deportiert, und spätestens seit diesem Zeitpunkt wussten alle Lemgoer Juden, dass es nun auch sie treffen könnte.

Am 27. Juli 1942 musste sich dann auch Karlas Familie auf der Polizeiwache in Lemgo zur Deportation melden. Das Gepäck, das sie mit auf die Reise ins Unbekannte mitnahmen, durfte nicht mehr als 25 Kilo wiegen. Über ein "Auffanglager" in Bielefeld schaffte man die Menschen dann zum Güterbahnhof, von wo ein Zug sie nach Theresienstadt brachte.

Im Stadtarchiv Detmold findet man in den entsprechenden Unterlagen den Hinweis, dass "am 28. Juli 1942 die letzten noch in Lemgo verbliebenen Volljuden nach Theresienstadt" deportiert wurden.

Die Juden wurden vor ihrem Abtransport auf dem Marktplatz in Lemgo gesammelt. Viele Bürger kamen um zu beobachten, was dort geschah.
Es zeigte sich, dass keineswegs alle diese Maßnahme der Partei unterstützten. Es kam sogar zu einem Zwischenfall. Die Frau des Lehrers versuchte, den Juden Wurst und andere Lebensmittel zuzustecken. Nach Mitteilung des Ortsgruppenleiters Schlichtung wurde Frau Heumann daraufhin polizeilich festgenommen. Am nächsten Tag war in der Zeitung zu lesen: "Eine Überprüfung dieses Vorfalls ist eingeleitet." Nationalsozialistisch gefestigte Volksgenossen mussten den Zweiflern unter den anwesenden Lemgoer Bürgern klar machen, dass diese Aktion völlig berechtigt und auch unbedingt notwendig sei. Dem wurde entgegnet, dass "sehr viele Juden dabei seien, die sehr viel Gutes getan hätten und die noch lange nicht so schlecht seien wie die "Weißen" Juden."
Innerhalb kirchlich gebundener Kreise wurde geäußert: "Wenn sich das deutsche Volk nur nicht eines Tages die Strafe Gottes zu vergegenwärtigen hat."

Die Lager

Theresienstadt

TheresienstadtKarlas Großmutter starb als Erste im KZ. Sie konnte den Abschied aus der geliebten Heimat und das Leid und Elend um sie herum nicht verkraften.

Am 16. Okt. 1944 schlug das Schicksal erneut zu. Die gesamte Familie Frenkel war auf eine Transportliste gesetzt worden, bis auf die Großmutter Rosenberg, Helga und Karla selbst. Niemand wusste wohin es gehen sollte. Helga wollte den Rest der Familie auf keinen Fall verlassen und ließ sich auf Umwegen auch auf diese Liste setzen. Sie verließen Theresienstadt mit unbekanntem Ziel - Keiner sah sie je wieder. In der Hölle von Auschwitz kamen sie alle ums Leben.

Karla dagegen blieb zunächst in Theresienstadt. Sie wohnte, getrennt von den Erwachsenen, in einem Haus, in dem nur junge Menschen untergebracht waren. Das war für die Jugendlichen Glück im Unglück.
Was Karla Frenkel noch in Theresienstadt erlebte und erduldete, ist in ihrem Buch 'Überleben' und in ihren Briefen, die sie an die Schülerinnen und Schüler der Karla-Raveh-Gesamtschule schrieb, nachzulesen.

Auschwitz-Birkenau

AuschwitzSchließlich kam auch Karla auf eine der Transportlisten. In gewisser Weise war sie sogar froh darüber, denn sie hoffte, ihre Lieben dadurch wieder zu sehen. Sie wurde nach Auschwitz - Birkenau deportiert.

Nach zwei Tagen und zwei Nächten erreichte sie in einem mit Menschen vollgestopften Viehwaggon das Todeslager. Es waren 2038 Menschen.

Um ihren Durst zu stillen hatte sie während dieser "Reise" immer wieder aus einer Flasche, die ein Mithäftling in seiner Jackentasche versteckt hielt, getrunken. Es handelte sich dabei, ohne dass sie dieses wusste, um ein alkoholisches Getränk. Dieses Getränk rettete ihr wahrscheinlich das Leben, denn der Alkohol verringerte die Angst und ließ sie bei der Eingangsselektion genau das Richtige tun.

Nach einer grausamen Zeit in Auschwitz, mit "Apellstehen und allen möglichen Schikanen, die ein gesundes menschliches Gehirn kaum ahnt und nur eine unnormale Bestie sich ausdenken kann", wurde Karla erneut verschickt. Dieses Mal fuhr der Viehtransport mit den Gefangenen nach Bergen - Belsen, in der Nähe von Hannover.

Bergen-Belsen

Bergen-BelsenDort kamen sie bei schneidendem Wind und eisiger Luft an, mussten vom Zug aus, trotz Hunger und Entkräftung, zum Lager marschieren und wurden dort in einem Zelt untergebracht, das nur unzureichend befestigt war. Karla hatte Glück. Eine Frau, die in Theresienstadt mit ihren Eltern ein Zimmer geteilt hatte, schenkte ihr ein Stück Brot - vielleicht das Leben.

Wie die Ankunft so verlief auch die kommende Zeit in Bergen- Belsen. Die Verpflegung war völlig unzureichend und die Behandlung unmenschlich. Karla fragte sich im Nachhinein immer wieder, wie sie diese Zeit hat überleben können.

In ihrem Buch 'Überleben' schreibt sie: "Es war schrecklich deprimierend, so dahin zu vegetieren, der Hunger plagte uns schrecklich und man war bis aufs äußerste gereizt. (...) Einmal trieb man uns plötzlich zur Arbeit heraus. Wir mussten tiefe Gräben machen, die sollten für neue Latrinen sein. Der für uns verantwortliche SS-Mann war ein ganz brutaler Kerl, er schrie und tobte wie ein Wilder. Ich weiß nicht mehr genau, was ein Mädchen ihm nicht gut genug gemacht hatte, er jedenfalls haute dem Mädel mit voller Wucht den Spaten auf den Kopf."

Doch wieder hatte sie Glück. Bevor das Lager aufgelöst wurde und die Exekutionen und Todesmärsche begannen, wurde sie erneut verschickt.

Salzwedel

Nach dem üblichen Apellstehen bei eisiger Kälte wurden die Mädchen dort auf ein großes Fabrikgelände geführt und in Hallen zur Arbeit eingeteilt. Es war eine Munitionsfabrik.

Der Tag begann um 4.00 Uhr früh mit "Apellstehen", die Arbeitszeit dauerte von 6.00 Uhr bis 18.00 Uhr abends und der Tag endete erneut mit "Apellstehen". Es wurde in Tag- und Nachtschichten gearbeitet und, wie in allen Lagern, war die Ernährung völlig unzureichend. Genauso sah es mit den hygienischen Verhältnissen aus.

Ganz zum Schluss dieser schrecklichen Zeit sollten die Insassen des Lagers erschossen werden, um mögliche Zeitzeugen zu beseitigen. Die französischen Kriegsgefangenen, die ebenfalls dort untergebracht und noch kräftiger waren als die anderen Häftlinge, verhinderten die Erschießungen und so wurde Karla endlich im April 1945 von amerikanischen Soldaten befreit.

Aber dreizehn Mitglieder der Familie Frenkel haben den Holokaust nicht überlebt. Sie wurden von den Nazis ermordet. Wir wollen sie nicht vergessen!

 

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Liedstrophe

 

 

 

 

Karla Raveh schreibt dazu ...
Brief8

 

 

 

 

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Brief9

 

 

 

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