Zur Einleitung




Ein Blick auf die südafrikanische Geschichte
Ein Überblick des Lebens Mandelas
Mandela als politischer Gefangener
Der Weg zur demokratischen Republik
Mandela als Staatspräsident
Truth and Reconciliation Commission
Die Gefängnisinsel


Die Autoren



Einwanderung und Besiedlung Südafrikas

       Im Jahre 1488 umrundete der Portugiese Bartolomeu Dias das "Kap der guten Hoffnung". Der Holländer Jan van Riebeeck gründete 1652 die erste europäische Siedlung in der Table Bay, das heutige Kapstadt, die als Versorgungsstation für die Schiffe, die zwischen den Niederlanden und dem mittleren Osten als Teil der "Dutch East India Company" kursierten, diente. Ende des 17. Jahrhunderts wanderten niederländische, deutsche und französisch-hugenottische Siedler in den Stützpunkt ein. Dort trafen sie auf die Eingeborenenstämme der Khoikhoi und San, welche ins Landesinnere flohen oder sich als billige Arbeitskräfte auf den Farmen der Einwanderer verdingten. Nach und nach rückten die weißen Siedler nach Norden und Osten vor, wo sie mit dem halbnomadischen Volk der Bantu in Konflikt gerieten, der in die "Kaffernkriege" ausartete.
Großbritannien kontrollierte das Kap während den Napoleonischen Kriegen nur sporadisch. Aber der Wiener Kongress erklärte es 1814 zum englischen Hoheitsgebiet. 1820 begannen großangelegte Ansiedlungsprogramme und gleichzeitig wurden Sklavenhandel und -haltung unterbunden. Hiermit bedrohten sie die Existenzgrundlage der weißen Farmer. Als das Land durch die britischen Siedlungen knapper wurde und eine Dürreperiode einsetzte machten sich 1836 ca. 10000 Buren (Bauern) auf den "Groot Trek" ins Landesinnere. Nach langwierigen



Kämpfen mit Zulus und Ndebele gründeten sie die unabhängigen Staaten Transvaal (1852) und Oranje-Vrystaat (1852) im Norden des Landes.
Als 1867 am Oranje Diamanten gefunden und 1886 am Witwatersrand Gold entdeckt wurde, strömten britische Geschäftsleute und Bergbauindustrielle ins Land und forderten Mitbestimmungsrechte in der Politik, welches zu starken Spannungen mit den Buren, und schließlich zum Burenkrieg, führte.


Entstehung und Ausbau des Apartheid-Systems

Die Farmer, welche sich selbst als "Afrikaaner" bezeichneten, mussten die britische Oberherrschaft anerkennen, wurden aber als Führer der in die Südafrikanische Union zusammengeschlossenen Burenstaaten eingesetzt. Durch die in dem calvinistischen Glauben wurzelnde Überzeugung, sie seien ein auserwähltes Volk mit göttlicher Sendung, welches sich die primitiven Schwarzen zum Untertan machen solle, entwickelten sie innerhalb kurzer Zeit das Apartheidsystem, die weitgehende Trennung der Rassen. Bereits 1911, drei Jahre vor der Gründung des Hauptträger der Apartheid, der "Nasionale Party", wurden die bestbezahlten Arbeitplätze für Weiße reserviert. Kurz darauf begann die Landenteignung der Schwarzen und deren Verteilung in Reservate. In den Zwanzigerjahren wurden Umsiedlungen in die Städte für Schwarze eingegrenzt, getrennte Wohnorte wurden etabliert und weiße Arbeitsplätze stark subventioniert. Vollständig ausgebaut wurde das Apartheidsystem jedoch erst unter Malan und Verwoerd. Ab 1950 wurde die Bevölkerung amtlich in vier Kategorien unterteilt: Weiße, Mischlinge, Asiaten und Schwarze. Das Verbot von Mischehen und Geschlechtsverkehr zwischen Weißen und Nichtweißen, die Zuweißung bestimmter Wohngebiete, Rassentrennung im Schulwesen, bei Sport und kulturellen Veranstaltungen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, Badestränden, Toiletten, Bänken, Restaurants, Behörden und Parks wurden gesetzlich eingeführt. 1959 wurde das Wahlrecht der Schwarzen, 1968 das der Mischlinge entzogen.

Das Massaker von Sharpville

Widerstand

Der "African National Congress" wurde 1912 als wichtigste Widerstands- bewegung der Schwarzen gegründet. In den ersten Jahrzehnten agierten die Vertreter gewaltlos mit Protesten, Petitionen, Flugblättern, usw. Es folgten beabsichtigte Übertretungen der Apartheidgesetze. Der nach 1948 wachsende Widerstand wurde durch die Regierung unterdrückt und 1950 wurde gegen den kommunistischen Einfluss auf den ANC ein Gesetz erlassen. Somit hatte die Apartheid unabsichtlich auch die USA als Vertreter des Westen im "Kalten Krieg" auf ihre Seite gezogen. Es wurde jegliche Opposition erstickt und die meisten der ANC-Führer, u.a. Nelson Mandela, wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch der ANC kämpfte aus dem Untergrund und Exil weiter. In den Siebzigerjahren bekam der Protest eine neue Welle durch eine wirtschaftliche Krise und verschlechterten Lebensbedingungen der Schwarzen. Eine 100 000 Arbeiter starke Streikserie in Durban 1973 und monatelange Schüler- und Studentenaufstände, die brutal durch die Polizei niedergeschlagen wurden, erregten weltweites Aufsehen. Auch die Wirtschaft litt unter den Boykotten und Streiks.

Wandel der Apartheid

Deshalb wurde in den Achtzigern unter P. W. Botha die Apartheid "modernisiert". Das hieß die Entschärfung der Situation durch die Abschaffung einiger rassistischer Gesetze, auf anderer Seite jedoch die Zementierung der weißen Vorherrschaft durch neue Gesetzte. Weitere blutige Auseinandersetzungen erschütterten das Land. Die 1989er Wahlen wurden von einem Generalstreik begleitet, der durch den ANC und die "United Democratic Front", ein Zusammenschluss von rund 700 kommunalen, kirchlichen und gewerkschaftlichen Oppositionen, organisiert wurde. Zusätzlich gab es gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Anhängern des nach Selbständigkeit strebenden Königs der Zulu, welcher sogar bei den Weißen Unterstützung suchte, um seine Ziele zu erreichen.

Das Ende der Apartheid

Der neugewählte Staatspräsident F. W. de Klerk entschloss sich, mit dem ANC ein Einverständnis zu finden. Alle politischen Gefangenen wurden freigelassen und die diskriminierenden Gesetze abgeschafft, sodass ein Neuanfang begonnen werden konnte. Nach den ersten demokratischen Wahlen Südafrikas 1994 wurde Nelson Rolihlahla Mandela als erster schwarzer Staatspräsident vereidigt.

  Zur Einleitung Zum Anfang der Seite Mandelas Biographie