Wie
der Scharlach half, ihr Leben zu retten
Am
10. März 1923 wurde Else Geismar in Gießen geboren.
Ihre Eltern Max und Hedwig Geismar waren aus Breisach und Emmendingen
nach Weilburg/Lahn gezogen und führten dort ein Geschäft.
Als 1932 die antijüdische Stimmung zunahm, zogen Hedwig, Else und
ihr
jüngerer Bruder Alfred nach Emmendingen. Während der Ferien
besuchte Else
in Breisach ihre Verwandten, die in der heutigen Münsterbergstraße
lebten.
In Breisach sind auch ihre Großeltern Rosa und Moritz Geismar
begraben.
Nach einer Lehre als Weißnäherin bei den Schwestern Mayer
in Emmendingen trat sie in
Köln eine Stelle in einem jüdischen Kinderheim an. Ihr Vater
brachte sie zum Zug; sie sah
ihn nie wieder. Max und Hedwig Geismar wurden mit allen anderen Emmendingern,
badischen und saarpfälzischen Juden am 22. Oktober 1940 nach Gurs
in Südfrankreich
deportiert. Davon erfuhr Else Geismar von der Heimleiterin in Köln.
Noch konnte sie
Briefe an die Eltern schicken und empfangen, die ein Onkel in der Schweiz
vermittelte.
Elses Eltern wurden von Gurs nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
1941 wurde die Situation für Juden in Deutschland immer gefährlicher.
Im August 1942
wurde Else Geismar mitgeteilt, daß das Deutsche Reich ihr gesamtes
Vermögen einzieht.
Die Gestapo bestimmte sie für einen Transport nach Minsk, das wäre
ihr sicherer Tod
gewesen. Ich bekam Scharlach und deshalb wurde ich zurückgestellt.
Aus Freiburg bekam sie einen Brief, geschrieben am 6. August 1942: Liebe
Else! Es ist
so traurig, wenn man sagen muß: Ich bin so froh, dass du krank
bist, und hoffe nur, daß
du noch eine Weile bleiben kannst, wo Du bist.
Nach einigen Wochen im Krankenhaus bekam sie am 14. 9. 1942 die Mitteilung,
daß
sie am 17.9. 1942 zum Abwanderungstransport nach Theresienstadt
eingeteilt sei.
Else Geismar überlebte ihre Haft im Konzentrationslager Theresienstadt
(bei Prag).
Sie musste als Näherin von Wehrmachtsuniformen arbeiten. Das hat
ihr wahrscheinlich
ein zweites Mal das Leben gerettet.
Else Geismar erzählt auch von ihrem Bruder Alfred, der in Berlin
arbeitete. Er sollte im
November 1942 nach Auschwitz deportiert werden. Im Gedenkbuch des Bundesarchivs
für alle ermordeten Juden steht, dass er Selbstmord beging.
1946 zog Else Geismar nach Palästina und lebt heute in Jerusalem
mit ihrer Familie.
Sie hofft, daß einer ihrer Enkel sie bei dem nächsten Besuch
in Deutschland begleiten wird.

Unser
sehr unvollkommenes Wissen über den Lebensweg von Else Pripis wurde
durch
Christiane Walesch-Schneller in letzter Minute ergänzt.