Begegnungen
mit ehemaligen Schülern und Schülerinnen,
die emigrieren konnten.

Erste Briefe

an Ralph Eisemann in New Jersey (früher Breisach),

an Else Pripis in Jerusalem (früher Emmendingen) und

an Carl Jaburg in New Jersey (früher Ihringen und Freiburg)

Wir sprachen darüber, wie man jemanden anspricht, den man nicht kennt und der
ein so tragisches Schicksal erlebt hat. Wir suchten Formulierungen, was uns gar
nicht leicht fiel.
Schließlich fasste Frau DD alle Aspekte zusammen und das Ergebnis war der Text,
den wir als Brief nach Jerusalem und als Email in die USA verschickten (siehe unten).
Ralph Eisemann reagierte sofort und freute sich sehr über unser Interesse.
Von Carl Jaburg hörten wir lange nichts, bis er dann doch mit einer e-mail reagierte
und seine Hilfe bei der Recherche anbot.
Frau Pripis meldete sich nie aus Jerusalem. Wir fanden heraus, dass sie keine Briefe
schreibt. Sie scheute sich aber überhaupt nicht, mit Frau DD am Telefon manche
Fragen über die „jüdische Schule“ in unserer Schule zu beantworten. Vor allem

hatte sie von allen Zeitzeugen nach dieser langen Zeit die klarste Vorstellung davon,
wo das Klassenzimmer gelegen hatte („eine halbe Treppe hoch, da waren zwei
kleine Zimmer”). Über ihren Lebensweg wissen wir aber noch zu wenig.

  Rosita Dienst – Demuth, Geschichtslehrerin,
und Schüler der Klasse 9b der Lessing-Realschule Freiburg,
22.Mai 2002
Sehr geehrter Herr Eisemann,
entschuldigen Sie bitte, wenn wir Sie als Fremde anschreiben.
Wir sind Schüler und Schülerinnen der Klasse 9b der
Lessing-Realschule, Lessingstraße 1 am Dreisamfluss in
Freiburg i. Br..
Von unserer Geschichtslehrerin Frau Dienst – Demuth wissen
wir, dass an unserer Schule zwischen 1935 und 1938 zwei
Schulklassen für jüdische Kinder und Jugendliche bestanden
haben. Nach der Pogromnacht im November 1938 wurden diese
Schüler im Jüdischen Gemeindehaus in der Eisenbahnstraße
weiterunterrichtet. Wir wissen auch, dass viele von diesen
jüdischen Schulkindern und ihre beiden Lehrer am
22. Oktober 1940 aus Baden ausgewiesen und nach Gurs depor-
tiert wurden.
Dass diese jüdischen Kinder unter Hitler so diskriminiert,
verfolgt, deportiert und ermordet worden sind, war unsag-
bares Unrecht.
Wir wollen die Erinnerung an diese Schüler und ihre Lehrer
in Freiburg wach halten.
Unsere Lessing – Schule war vor über 64 Jahren auch Ihre
Schule. Wir bitten Sie uns zu helfen, mehr über diese Zeit
zu erfahren und auch die Namen ihrer Schulkameraden in Er-
fahrung zu bringen.
Uns interessiert auch, wo das Klassenzimmer war, damit wir
dort eine Erinnerungstafel anbringen können.
Unsere Geschichtslehrerin Frau Dienst – Demuth ist mit
Frau Walesch – Schneller aus Breisach befreundet und arbei-
tet mit ihr im Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeinde-
haus in Breisach e.V. zusammen. Wir sind glücklich darüber,
dass wir über sie Ihren Namen und Ihre Adresse erfahren
haben, und hoffen, dass Sie diesen Brief bei guter Gesund-
heit erhalten.
Lieber Herr Eisemann, wir würden uns sehr über eine Antwort
von Ihnen freuen.
Mit herzlichen Grüßen
Sonja Hummel, Ines Räuber, Helko Arnold, Josipa Mlinar,
Bianca Rose, Alana Ritter, Janja Dorin, Isabell Schwarz,
Manuel Vollherbst, Sergej Nikonov, Simon Geisselbrecht,
(Schülerinnen und Schüler der Klasse 9b der Lessing –
Realschule Freiburg, 15 und 16 Jahre alt),
Rosita Dienst – Demuth,
Geschichtslehrerin an der Lessing – Realschule Freiburg.
E-mail: rosita.dienst-demuth@t-online.de