Die „jüdische Schule“
in unserer Lessingschule
war vergessen


Erste Spuren
und ein Betriebspraktikum
im Stadtarchiv Freiburg

Die „jüdische Schule“ an unserer Lessingschule war bis zum Frühjahr 2001 vergessen. In der
Festschrift der Lessing - Realschule im Jahre 1985 wird sie nicht erwähnt.
Die Leitung der Schule und selbst engagierte ältere Geschichtslehrer sind erstaunt, als sie zum
ersten Mal darüber erfahren.
Es war im Frühjahr 2001, als unsere Geschichtslehrerin Frau Dienst – Demuth in Breisach
zufällig Frau Else Pripis aus Jerusalem vorgestellt wurde. Sie war bei Dr. Christiane
Walesch – Schneller, der Vorsitzenden des „Fördervereins Ehemaliges Jüdisches
Gemeindehaus in Breisach e.V.” zu Besuch. Detailliert sprach sie über ihre Zeit in der
Lessingschule, in der sie die „jüdische Schule“ besuchen musste, weil die Schule in
Emmendingen ab 1936 keine jüdischen Kinder mehr duldete.
Ralph Eisemann aus Breisach erging es genau so: Er musste die Realschule Breisach 1936
verlassen und seinen Abschluss in der „Jüdischen Schulabteilung” in der Lessingschule absol-
vieren. Er hatte Frau Walesch – Schneller sein Abschlusszeugnis anvertraut, dessen Kopie
Frau DD gleich mitnahm.
Allerdings war der Name der Lessingschule auf diesem Dokument nicht erwähnt, da die
„jüdische Schule“ ja nur 2 kleine Räume benutzen durfte und die jüdischen Kinder sich
nicht als Lessing - Schüler und –Schülerinnen fühlen sollten. Die folgenden Dokumente,
die der Schüler Helko Arnold bei seinem Betriebspraktikum im Stadtarchiv FR gesucht
und gefunden hat, bestätigen allerdings die Existenz der „jüdischen Schule“ im Gebäude
der Lessingschule vom Oktober 1936 bis zur Reichspogromnacht am 10. Nov. 1938.

 


Entlassungszeugnis von Ralph Eisemann einer Grund- und Hauptschule Freiburg im
Breisgau. Der Name „Lessingschule” bleibt unerwähnt.

 
 
Zwei Schulräume in der Lessingschule zur „Errichtung einer jüdischen Schulabteilung” in Freiburg.
Zur Lage der Schulräume gibt es bis jetzt nur Vermutungen.
 
 
Der 2. Lehrer Kaufmann wird von der jüdischen Gemeinde Freiburg bezahlt. (Die 1. Lehrkraft
Frau Doktor Mendel-Weil wurde bis zur Reichsprogromnacht vom Staat bezahlt).
 
 
Nach der Reichspogromnacht findet kein Unterricht mehr statt. Jüdische Kinder sollen
noch mehr ausgegrenzt werden: zuerst kein Unterricht mit „arischen“ Kindern im gleichen
Klassenzimmer, jetzt kein Unterricht mehr mit „arischen“ Schülern im gleichen Gebäude.
 
 

Der Schulunterricht für die „jüdischen Schulen“ wurde ab Ostern 1939 im Jüdischen
Gemeindehaus weitergeführt.
 
 
Die Israelitische Gemeinde muss jetzt für das ehemals eigene Gemeindehaus an die Stadt
Freiburg Miete bezahlen und für die Instandsetzungskosten (der Zerstörungen in der
Reichspogromnacht vermutlich!) selbst aufkommen.