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B1 - Einleitung
B 1.1 – Vorwort und Begründung des Themas
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich eingehend mit der Verfilmung von „Im Fadenkreuz – allein gegen Alle“ 1), die sich an die Begebenheiten um den Absturz zweier amerikanischer Kampfjet-Piloten über Bosnien im Jahre 1995 anlehnt. Wenn man allerdings einem Film wie diesen zum Thema für eine 15-Seitige Hausarbeit im Leistungskurs Politik-und-Wirtschaft macht, muss man sich die Frage gefallen lassen, warum man gerade diese Auswahl getroffen hat. Dafür gibt es natürlich mehrere Gründe: Wer diesen Film sieht (der übrigens dadurch entstanden ist, dass Bill Clinton, der damals Präsident der Vereinigten Staaten war, nach der bravourösen Rettung O’Gradys vorschlug, einen auf diesen Ereignissen basierenden Film zu drehen) ist der unbedingten Anteilnahme an den Dingen, die der junge Pilot Chris Burnett (gespielt von Owen Wilson) nach dem Abschuss seines F-16 Kampfjets und der brutalen Hinrichtung seines Co-Piloten Michael Stackhouse durch serbische Milizen erlebt, ausgesetzt. Wenn man als Zuschauer weiß, dass diese Ereignisse nicht gänzlich ausgedacht sind, sondern ihnen ein wahres Ereignis zugrunde liegt, dann kommt man möglicherweise zum Nachdenken über die schockierenden Ereignisse, die in den Wirren des damals herrschenden Bürgerkriegs geschehen sind. Als meine Aufgabe habe ich es gesehen, den Film mit den realen Begebenheiten zu vergleichen und dem Leser einen Einblick in die Welt dieses Films zu vermitteln. Dazu werde ich im weiteren Verlauf dieser Arbeit auf Dinge wie den geschichtlichen Hintergrund der Filmvorlage und die Frage nach der „Echtheit“ der realen Ereignisse, die Unterschiede zwischen Film und Realität und beispielsweise auch die technische Seite der Verfilmung zu sprechen kommen. In dieser Hausarbeit werde ich verschiedene Dinge so formulieren, wie ich sie erlebt habe, als ich den Film gesehen haben. Meine Kritiken werden sich möglicherweise nicht mit anderen Kritiken zu diesem Film decken und sie haben natürlich keine absoluten Gültigkeitsanspruch, aber sie spiegeln das wider, was ich über diesen Film denke.
B 2 - Hauptteil
B 2.1 – Inhaltsangabe von „Im Fadenkreuz“
Bosnien-Herzegowina, 1995. Der amerikanische Kampfpilot Chris Burnett (Owen Wilson) befindet sich zusammen mit seinem Partner Michael Stackhouse (Gabriel Macht) auf einem routinemäßigen F16-Erkundungsflug, der ihnen von Admiral Reigart (Gene Hackman) als Strafe dafür, dass Burnett ihm gegenüber den Wunsch geäußert hat, die Army zu verlassen und dabei harte Worte gefallen sind, „aufgebrummt“ worden ist, als sie illegale militärische Aktivitäten in einer militärischen Sperrzone entdecken und um diese mit der im Jet eingebauten Kamera aufzunehmen ihre vorgeschriebene Route verlassen.
Lokar (Olek Krupa), Kommandant der serbischen Milizen, der von seinen Truppen über die Störenfriede informiert worden ist, zögert nicht lange und lässt den US-Jet kurzerhand abschießen.
Die beiden Piloten entkommen mit ihrem Schleudersitz aus der brennenden und fast gänzlich zerstörten Maschine und landen per Fallschirm wenig später auf dem Boden. Als Burnett seinen Kameraden Stackhouse, der sich beim Auslösen des Schleudersitzes eine Wunde am Bein zugezogen hat, zurücklässt um auf ein nicht weit entferntes Hochplateau zu steigen um einen Funkspruch abzusetzen und sich bereits im Schutz des Waldes befindet, muss er mit ansehen, wie sein Freund und Copilot von den Milizen nach einem kurzen Gespräch erschossen wird. Durch den Schrei des Entsetzens, den Burnett von sich gibt, werden die Milizen auch auf ihn aufmerksam und eine gnadenlose Jagd beginnt.
Während Burnett die Order erhalten hat, sich zum nächsten offiziellen UNO-Auffangpunkt zu begeben, der auf der Karte, die er bei sich trägt, eingezeichnet ist, findet auf dem Flugzeugträger, von dem aus die beiden Piloten gestartet waren, ein Disput über das weitere Verfahren statt. Admiral Reigart will sofort ein Einsatzkommando in das Gebiet schicken, um Burnett abzuholen. Doch bevor er seinen Plan umsetzen kann, bekommt er das Verbot „von oben“, weil der kurz vor dem Abschluss stehende Friedensvertrag 2) gefährdet werden könnte, und muss sich wohl oder übel fügen.
Als Burnett später beinahe gefasst wird, sendet man nun doch eine Rettungstruppe aus, doch als die bosnische Armee, die versprochen hat, bei der Suche nach Burnett zu helfen, in einer Stadt eine Leiche mit Burnetts Kampfanzug findet, gilt dessen Tod als sicher und die Rettungstruppe wird zurückgerufen.
Burnett, der auf pro-amerikanische Bürger gestoßen ist, kann sich mit deren Hilfe und mit der Tarnung eines Milizen-Kampfanzugs bis zur vorher vereinbarten Position retten und muss nun mit ansehen, wie die Rettungshubschrauber vor seinen Augen abdrehen. Hoffnungslos und mit letzter Kraft kann er zur Landestelle seines Fallschirms zurückkehren und den im Schleudersitz integrierten Peilsender aktivieren, so dass man an Bord des Flugzeugträgers nach einiger Zeit zu der Feststellung kommt, dass Burnett lebt. Admiral Reigart schickt gegen den Willen seines Vorgesetzten einen zweiten Rettungstrupp los, der Burnett und die Kameraaufnahmen nach einem Gefecht mit den serbischen Milizen schließlich aus dem Kugelhagel rettet.
B 2.2 – Hintergrund
Die realen Ereignisse um Scott O’Grady im Juni 1995 sind von O’Grady selbst ungleich unspektakulärer, wenn auch nicht weniger fesselnd nach seiner Rettung folgendermaßen wiedergegeben worden: NATO-Kampfjets sollen durch Patrouillen im Luftraum über Bosnien ein Flugverbot über dem Bürgerkriegsgebiet durchsetzen – zu ihnen gehört auch Scott O’Grady. Während des Fluges wird seine F-16-Maschine von einer serbischen Luftabwehrrakete getroffen. Für O'Grady beginnt ein dramatischer Kampf ums Überleben. "Als die Rakete einschlug, war das wie ein schwerer Autounfall. Das Flugzeug explodierte und zerbarst. Alles brannte, ich war mitten im Feuer. So schnell es ging, griff ich nach dem Hebel des Schleudersitzes.“ 3) Die F-16 raste mit 350 Meilen pro Stunde über das Land hinweg, als ein Lämpchen im Cockpit aufblinkte: Seine Maschine wurde von einer Rakete verfolgt. "Ich habe die Rakete nicht kommen sehen. Zwischen der Anzeige im Cockpit und dem Einschlag des Geschosses vergingen nur wenige Sekunden." 3)
Nachdem er sich per Schleudersitz aus der Maschine befreit hatte, einigermaßen wohlbehalten gelandet war und wieder festen Boden unter den Füßen hatte, sah er sich serbischen Truppen und Fahrzeugen gegenüber, und „konnte sehen, dass sie Waffen trugen und wie Paramilitärs gekleidet waren“ 3). O’Grady hatte allen Grund zu befürchten, dass er getötet würde, wenn er den Milizen in die Hände fallen würde, und flüchtete deswegen so schnell als möglich in den nahegelegenen Wald. Insgesamt sechs Tage lang ernährte sich O’Grady nur von Ameisen und Gräsern, versteckte sich tagsüber und versuchte nachts per Funk Kontakt zu amerikanischen Truppen aufzunehmen, ständig in der Angst, von seinen Verfolgern entdeckt und getötet zu werden.
In der Nacht des 8. zum 9. Juni empfing ein Jagdflieger, der auf einem Erkundungsflug im Rahmen der Rettungsmaßnahmen für O’Grady unterwegs war, ein Notrufsignal: „Hier ist Basher five two“ – O’Grady war es gelungen, ein Notrufsignal abzusetzen und auf sich aufmerksam zu machen. Direkt nachdem das Signal eingegangen war, wurde auf der USS Kearsearge, dem „Mutterschiff“ O’Grady’s ein Rettungstrupp von über 60 Soldaten, die mit vier Kampfhubschraubern in das Absturzgebiet starteten, zusammengestellt.
Im fraglichen Gebiet nahmen die Retter den völlig erschöpften und wegen Wassermangel ausgetrockneten Piloten auf und brachten ihn, nachdem noch drei der vier Helikopter von Boden-Luft-Raketen getroffen worden waren, zurück an Bord des Flugzeugträgers.
B 2.3 – Vergleich zwischen Film und Realität
Wenn sich ein Film an realen Ereignissen orientiert und darauf aufbaut, so lassen sich die Regisseure zumeist spezielle Spielereien oder Kunstgriffe einfallen, die die vielleicht etwas trockene oder in der Rohform möglicherweise für Zuschauer uninteressante „Originalgeschichte“ etwas aufzuwerten und interessanter zu machen. Auch bei „Im Fadenkreuz“ ist es nicht anders: Welche Unterschiede der Film gegenüber den von Scott O’Grady erzählten und in B 2.2 bereits eingehend beschriebenen reellen Ereignissen aufweist, werde ich versuchen, anhand einiger Beispiele aufzuzeigen.
Zuerst einmal liegt es nahe, die Hauptperson etwas näher unter die Lupe zu nehmen. Der reale Scott O’Grady unterscheidet sich nicht unwesentlich zu Chris Burnett, der ihn im Film mimt. Während Chris Burnett deutlich macht, dass er den Sinn der Kontrollflüge über der entmilitarisierten Zone nicht nachvollziehen kann und dass er bald aus der Navy austreten möchte, weil er das „sinnlose Herumgefliege“ langsam leid ist (und das auch seinem Vorgesetzten Admiral Reigart in einer etwas respektlosen Art und Weise klarmachen will) und glaubt, seinen Land lange genug gedient zu haben, legt Scott O’Grady – wie er selbst in einem Interview aussagte – Wert darauf, dass man als Zuschauer weiß, dass das respektlose Verhalten Burnetts (das auch das Missachten von Befehlen nicht ausschließt, als er sich im Feindgebiet befindet), keinesfalls sein eigenes Verhalten während seiner unfreiwilligen und gefährlichen Flucht vor den Milizen in Bosnien widerspiegelt, er sogar gänzlich davon Abstand nimmt und klarmacht, dass er selber niemals während dieser Tage Befehle missachtet oder sich respektlos gegenüber Vorgesetzten verhalten habe.
Als nächster Punkt sind die Umstände des Absturzes und der Flucht zu untersuchen. Hierzu will ich versuchen die Begebenheiten der Realität und des Filmes so darzustellen, als seien sie gleichzeitig passiert. Man stelle sich also vor, die beiden Männer seien gleichzeitig am selben Punkt abgestürzt. Beide müssen beobachten, wie ihr Copilot auf grausame Art und Weise hingerichtet wird, und flüchten zunächst vor den näherkommenden Milizen. Doch von dort an unterscheiden sich die Ereignisse. Während im Film zuerst nur ein Spezialist mit einem Scharfschützengewehr ausgesandt wird, um den flüchtigen Piloten zu suchen, erwähnte O’Grady nicht, dass er nur einen einzigen Verfolger hinter sich hatte, sondern spricht von einer größeren Gruppe, die ihm auf den Fersen gewesen sei.
Zum Zeitpunkt, als O’Grady immer noch auf der Flucht durch den Wald ist, befindet sich Burnett bereits an einem Auffangpunkt und muss dann erfahren, dass er dort nicht abgeholt werden kann, weil ein Befehl von „ganz oben“ es verbietet. Dann verfolgen seine Kameraden an Bord des Flugzeugträgers per Satellit, wie er auf der Flucht vor seinen Häschern zuerst stürzt, reglos liegen bleibt, seine Verfolger links und rechts von ihm alles absuchen und schließlich unverrichteter Dinge wieder abziehen – Burnett ist in ein Massengrab gestürzt, der Leichenberg hat ihn vor der Entdeckung bewahrt. Dieses Ereignis spiegelt reelle Ereignisse wider, denn: „Am 11. Juli 1995 wurde Srebrenica von serbischen Truppen unter dem Kommando von General Ratko Mladic eingenommen. Die sogenannten UNO-Schutztruppen leisteten keinen Widerstand. Auf die Besetzung der Stadt folgte eines der schwersten Massaker des Bosnienkrieges, bei dem schätzungsweise 8000 muslimische Bosnier ermordet wurden.“ 4) Die Massengräber von Srebrenica sind bekannt, doch der echte Scott O’Grady versteckte sich tagsüber in Felsspalten und dichten Wäldern, während seine Verfolger zeitweise sogar mit Helikoptern nach ihm suchten und dass er auf derartige
stumme Zeugen der Gräueltaten der Serben gestoßen ist, erwähnte er in keinem offiziellen Bericht.
Auch das nächste maßgebliche Ereignis, nämlich das Aufeinandertreffen Chris Burnetts mit den Amerika gegenüber freundlich gesinnten Bosniern, die ihm vorerst Zuflucht gewähren und ihn mit dem Nötigsten versorgen, erlebte der „echte“ Pilot nicht. Er ernährte sich von Gräsern und Kleintieren und kam außer mit seinen Rettern mit keinem Menschen in Kontakt und die spektakuläre Flucht Burnetts im Film über das explodierende Minenfeld ist somit auch nicht geschehen. Ganz im Gegenteil bewegte sich O’Grady – wie beschrieben – nur über unbewohntes Gebiet und zwar solange, bis er von den Rettungstruppen aufgenommen wurde.
Auch der wesentlichste Bestandteil, der den Film erst „verlängert“ und spannend gestaltet, findet in der Wirklichkeit keine Entsprechung: Das Eingreifen der Rettungstruppe der Amerikaner wird im Film dadurch verzögert, dass man auf NATO-Seite fürchtet, die Rettung des Piloten könnte den laufenden Friedensprozess stören und somit keine Rettungstruppe aussenden möchte. Admiral Reigart, Vorgesetzter von Lieutenant Chris Burnett muss sich in der Schlussphase des Films erst über Befehle hinwegsetzen, um den Piloten zu retten. Die Realität sieht jedoch anders aus: Scott O’Grady konnte über lange Zeit hinweg keine Funksprüche absetzen, da das felsige und bergige und damit sehr unwegsame Gelände die Signale des Funkgeräts blockierte. Er hatte zudem die schwierige Aufgabe, seine Kameraden an Bord des Flugzeugträgers erst einmal davon zu überzeugen, dass er noch am Leben war. Seine Flucht dauerte also fast sechs Tage, erst dann konnte er einen Funkspruch absetzen, der die Flugzeugträger-Besatzung dazu brachte, ein Rettungskommando zusammenzustellen, um O’Grady zu retten.
So lassen sich jede Menge Unterschiede zwischen Film und Realität finden, die aber erst auffallen, wenn man sich näher damit auseinandersetzt. Eine weitere (wenn auch nur kleine und unbedeutende) Auffälligkeit ist, dass die Jahreszeiten im Film zu wechseln scheinen. Scott O’Grady stürzte eigentlich im Juni (des Jahres 1995) ab, im Film fallen bereits die ersten Blätter und kurze Zeit später muss sich Chris Burnett durch heftige Schneeschauer mühen – sehr fragwürdig.
Erst in der Schluss-Szene des Films kann die Realität sozusagen „mithalten“. Der Hubschauber-Konvoi, der Burnett schließlich abholen soll, sieht sich plötzlich einer mittelgroßen Kampfgruppe der Milizen gegenüber und zögert nicht lange, so dass es zu einer Schlacht kommt zwischen den amerikanischen Hubschrauberbesatzungen und den Milizen, die um jeden Preis verhindern wollen, dass der Feind in den Besitz der Videoaufnahmen kommt, die Burnett vor dem Abschuss von der militärischen Sperrzone und den illegalen Aktivitäten in ihr gemacht hatte. Die „echten“ Retter Chris Burnetts alias Scott O’Grady beschrieben die Ereignisse auf ähnliche Weise, allerdings nicht weniger spektakulär, wenn auch die direkte Konfrontation mit feindlichen Einheiten ausblieb. US-Colonel Christopher Gunther beschrieb es so: „Es wurden drei Boden-Luft-Raketen und eine Menge kleinerer Geschosse auf uns abgefeuert, drei von unseren vier Hubschraubern wurden getroffen 5)." Die Retter entkamen allerdings ansonsten unbeschadet, während im Film einige Besatzungsmitglieder vom starken Abwehrfeuer der Milizen ganz offensichtlich getötet werden.
Zusammenfassend kann man den Film als mäßig realistisch bezeichnen, denn die wahren Ereignisse um Scott O’Grady kann er aufgrund der zugegebenermaßen wenig spektakulären Geschichte um den Absturz, spiegelt er beim besten Willen nur unzureichend wider. Auch die normalerweise wahrscheinlich tödlichen Situationen, aus denen Chris Burnett scheinbar mühelos entkommt, lassen den Zuschauer erahnen, dass hier die wahren Begebenheiten zu sehr ausgeschmückt wurden. Doch ein Leckerbissen bleibt er für echte Fans von tiefsinnigen Actionfilmen trotz allem.
B 2.4 – War die Rettung von O’Grady echt? - die politischen Zusammenhänge
Sieht man sich die Umstände der Rettung Scott O’Gradys an, so kommen möglicherweise Fragen auf, ob seine Rettung nicht möglicherweise inszeniert war und als Deal zwischen dem damaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton und der serbischen Administration zu deuten ist. Mehrere Hinweise lassen darauf schließen, dass es so war: „But it seems that the Bosnian Serb Gen. Ratko Mladic (and/or Serbia’s President Slobodan Milosevic), made a deal, brokered by the UN, intended to make Clinton look good at home. They released the captive pilot and let the marines "rescue" him.“ Möglicherweise könnte es sich also um eine geheime Absprache gehandelt haben, die Bill Clinton mit Mladic getroffen hat, um vor dem amerikanischen Volk als Helfer in der Not aufzutreten und die Stärke und unbedingt variable Einsatzkraft der amerikanischen Armee deutlich zu machen. Doch wie konnten die Serben einen Piloten eintauschen, die sie laut dessen eigenen Aussagen gar nicht in ihrer Gewalt hatten? Dazu einige Presseaussagen, die ich zur besseren Verständlichkeit übersetzt habe:
1. Aussage, 2. Juni 1995: Admiral Leighton Smith sagt gegenüber CNN, dass der Pilot unbestätigten Meldungen zufolge von den Serben gefangen genommen worden sei. 6)
2. Aussage, 3. Juni 1995: Ein NATO-Sprecher teilt mit, dass es Hinweise vom Führer der Bosnischen Serben, General Ratko Mladic, gebe, wonach seine Truppen den Piloten gefangen genommen hätten.
3. Aussage, 4. Juni 1995: General Mladic macht noch einmal deutlich, dass es keine Geiselfreilassungen oder Informationen über den Piloten geben werde, bis er in einem Treffen mit dem Führer der UN-Truppen in Jugoslawien, Bertrand Janvier, gewisse Sicherheiten erhalten habe.
4. Aussage, 8. Juni 1995: Nachdem ein NATO-Pilot ein Signal O’Grady empfangen hat, brauchen die NATO-Generäle nur 5 Stunden, um die äußerst riskante (weil bei Tageslicht durchzuführende) Rettungsaktion zu planen und auszuführen! Dazu fragte ein Nato-Offizier um Erlaubnis, eine serbische Radarstation zerstören zu können, um eine Entdeckung der Rettungstruppen zu verhindern. Die Erlaubnis wurde aus unbekannten Gründen verweigert. Die bosnischen Serben geben zu, die NATO-Aktion sei keine Überraschung. Die serbische Radarstation wurde einige Stunden nach Start der Rettungsaktion aktiviert, und wenn die Serben wirklich durch die Aktion überrascht worden wären, so hätten sie spätestens dann die Gefahr erkannt und dementsprechend gehandelt.
5. Aussage, 9. Juni 1995: In einer Presseerklärung teilt die NATO mit: Die NATO wird ab sofort versuchen, Flüge über bosnisches Gebiet zu vermeiden und wird nur noch die küstennahen Gebiete auf Wasserseite überfliegen, stattdessen werden ab sofort Weitsicht-Radaranlagen eingesetzt, um das Gebiet zu kontrollieren.
6. Aussage, 9. Juni 1995: Aus der New-York-Times: Heute hat das Weiße Haus eine Anfrage des bosnischen Premierministers, das Waffenembargo gegen die Muslim-geführte Regierung von Bosnien zu lockern, abgelehnt und zugleich durch Präsident Clinton bekräftigt, dass man jeden Versuch zur Legalisierung einer solchen Änderung der Embargo-Poltik sofort blockieren werde.
Daraus ergibt sich folgendes (möglicherweise fiktives) Gesamtbild: Scott O’Grady stürzt am 2. Juni 1995 über Bosnien nach einem Abschuss durch serbische Raketen ab. Serbische Paramilitärs nehmen ihn kurze Zeit später gefangen, um ihn als Druckmittel gegen die USA zu verwenden und möglicherweise einen „Deal“ auszuhandeln. Während von beiden Seiten durch Pressemitteilungen absichtlich keine eindeutige Stellung bezogen wird, obwohl man längst über den Verbleib O’Gradys Bescheid weiß, handelt man zwischen Amerika und Serbien. Der serbische Präsident Slobodan Milosevic und sein General Ratko Mladic handeln schließlich mit den USA einen Kompromiss aus, der es ihnen gestattet, unbeobachtete Militäraktionen in entmilitarisierten Zonen Bosniens durchführen zu können (weil sie sich versichern lassen, dass keine weiteren Kontrollflüge über diesen Gebieten stattfinden) und verlangen zugleich, dass das bereits bestehende Waffenembargo gegen Bosnien nicht gelockert werden darf. Man wird sich schließlich einig, und die Rettung O’Gradys wird nach kurzer „Planungsphase“ durchgeführt.
Diese Theorie wird dadurch verstärkt, dass Beobachter meinen, der Pilot habe kurz nach seiner Rettung für einen Menschen, der sich über mehrere Tage nur von Gräsern usw. ernährt habe und aufgrund des Wassermangels eigentlich völlig entkräftet und ausgetrocknet sein müsste, recht gut und gesund ausgesehen habe. Außerdem sprechen einige Aussagen für die Inszenierung der Rettung: Warum will Bill Clinton, der vorher ausgesagt hatte, dass man die Serben – wenn nötig – bekämpfen werde, nun doch „nur“ per Radar das Land kontrollieren und das obwohl die Serben ein amerikanisches Flugzeug abgeschossen hatten, was eigentlich aus amerikanischer Sicht zumindest gemäßigte Rache erfordert hätte? – völlig untypisch für die USA.
Es wären noch weitere Hinweise aufzuzählen, doch letztendlich kommt man noch zu der Frage, warum die Rettungshubschrauber – obwohl es ein „abgekartetes Spiel“ war – letztendlich doch noch beschossen und auch getroffen wurden. Alles Inszenierung? Möglicherweise, doch hätten dabei ohne weiteres Menschen zu Schaden kommen können, es bleiben also beide Seiten fraglich und die Wahrheit wird so schnell wahrscheinlich nicht ans Licht kommen.
B 2.5 – Hintergrund: Zusammenarbeit zwischen amerikanischen Regierung und Hollywood
Wenn ein Action-Film gedreht werden soll, für den schwere militärische Fahr- und Flugzeuge wie Flugzeugträger, Panzer, Hubschrauber oder Ähnliches benötigt werden, muss man sich als Regisseur – wenn man die Effekte und Vehikel nicht aus dem PC herauszaubern will – an das amerikanische Militär wenden. Hier macht auch der Regisseur von im Fadenkreuz, John Moore, keine Ausnahme und so wird dem aufmerksame Zuschauer direkt zu Anfang des Films auffallen, dass er mit propagandistischem Material gespickt ist, das allerdings gut getarnt ist. Wir diese Propaganda überhaupt erst in den Film hineinkommt, lässt sich durch einen einzigen Mann erklären: Philip Strub. Er ist die offizielle Verbindung zwischen der Filmindustrie und dem Pentagon. Er ist dafür verantwortlich zu entscheiden, welche Regisseure für welche Drehbücher und vor allem für welches Geld den Militärfundus an Fahr- und Flugzeugen nutzen dürfen und hat zu diesem Zweck schon sehr viele Drehbücher umgeschrieben. Wer also die Mittel der US-Streitkräfte nutzen möchte, muss an Strub vorbei. Genau das haben schon Regisseure von berühmten Filmen probiert, die allerdings oftmals aus verschiedenen Gründen abgelehnt wurden: „Forrest Gump“ weil die Armee keinen Trottel aufnehmen würde. “An Officer and a Gentleman" wegen zu viel Sex und Flucherei. Wolfgang Petersens “Outbreak", weil der Film die Schuld an einer Seuche einem Biowaffenprogramm der amerikanischen Armee gibt. Und “Space Cowboys" weil es Testpiloten zeigt, die absichtlich ein Flugzeug abstürzen lassen.“7) – Wer es allerdings doch schafft, von Strub (für viel Geld) die Erlaubnis zu bekommen, die amerikanischen Mittel nutzen zu können, der muss sich darüber im Klaren sein, dass man im Pentagon das Drehbuch so zurechtschnipseln wird, dass es nichts auf Amerika und/oder die amerikanische Armee kommen lässt: „Fred Zinnemanns “From Here To Eternity" bekam 1953 die Unterstützung des Pentagon, nachdem Donna Reeds Rolle als Geliebte von Montgomery Clift so umgeschrieben wurde, dass sie die Hostess eines Offiziersclubs war, und keine Prostituierte wie in der ursprünglichen Fassung. Doch weil Burt Lancasters Sergeant Warden Offiziere haßt, sagt Philip Strub “würden wir das heute nicht mehr machen." 7)
Dass sich die Investition, die das Pentagon durch die Unterstützung mancher Filme tätigt, durchaus auch lohnt, zeigt sich am Beispiel des bekannten Action-Films „Topgun“, in dem Tom Cruise in der Hauptrolle als Kampfjet-Pilot agiert: “Top Gun" brachte damals Tausende neuer Rekruten zu den Luftstreitkräften. Nicht zuletzt, weil die Navy in den Foyers der Kinos mobile Rekrutierungsbüros errichtete.“ 7)
Doch zurück zu „Im Fadenkreuz“: Propaganda wird hier zumeist für Amerika und nicht in erster Linie für das amerikanische Militär betrieben. In dieser Richtung auffallende Szenen gibt es zuhauf: Auf dem Flugzeugträger, von dem Burnett und sein Partner Stackhouse später zu ihrem Flug aufbrechen, findet ein Gespräch zwischen diesen beiden und einem ihnen ganz offensichtlich bekannten Kollegen von den US-Marines statt, der sie mit einer flammenden Rede daran erinnert, warum man hier sei. „Vergesst nicht, warum ihr hier seid! Wir sind die Marines, wir erledigen die Drecksarbeit, ihr seid die Navy [..].“ 8) Auch in der Unterhaltung mit Admiral Reigart wird deutlich, dass man – wenn man nicht in Amerika vor Anker liegt – „grundsätzlich im Krieg“ ist und seinem Land zu dienen hat.
Doch dafür, dass Moore mit dem Militär und mit Strub zusammengearbeitet hat, gibt es noch einen anderen wichtigen Grund: Ohne diese Zusammenarbeit wären die zugegebenermaßen äußerst imposanten Aufnahmen des Flugzeugträgers und der Flugzeuge, auch des Abschusses, - wie bereits erwähnt - nicht ohne PC-Hilfe möglich gewesen. Doch dies ist und bleibt der einzige positive Punkt. Schlecht ist, dass Fehler, die möglicherweise während der O’Grady-Aktion von amerikanischen Verantwortlichen gemacht wurden, natürlich ausgespart wurden – doch handelt es sich hierbei natürlich auch nicht um einen Tatsachenbericht, sondern um einen auf realen Ereignissen basierenden Actionfilm.
B 2.5 – Die Art der Verfilmung von „Im Fadenkreuz“
Die interessanteste Seite an diesem Film, der übrigens 2001 in den Kinos anlief, ist die Art, wie er umgesetzt wurde. Denn Actionfilme gibt es viele, wer auf dem Markt überzeugen will, muss neben einer interessanten Story und guter Schauspielerbesetzung auch aufwändige und hochwertige Technik bieten können, die mindestens auf dem Stand des bis dahin möglichen ist. Eine interessante Story wurde durch Scott O’Grady persönlich vorgelegt, nun war es die Sache des Teams um MTV-Werbefilm-Regisseur John Moore, die Schauspieler auszuwählen und zu verpflichten und sich um die Umsetzung des Drehbuchs zu kümmern. In der Rolle Scott O’Gradys findet sich Owen Wilson als Chris Burnett wieder, der bereits in Filmen wie „Meine Braut, ihr Vater und ich“ oder „Zoolander“ zu überzeugen wusste. Er und Admiral Reigart, der von Altstar Gene Hackman gemimt wird („Der Staatsfeind Nr. 1“, „Pearl Harbor“), spielen die beiden Hauptrollen im Film, alle anderen Rollen wurden von weniger bekannten „Stars“ übernommen. Wenn man die beiden Hauptdarsteller genauer unter die Lupe nimmt, fallen Schwächen auf. Gerade von Gene Hackman ist man qualitativ hochwertigere Filme gewohnt, denn obwohl er seine Rolle bestmöglich umsetzt, kann er nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie von einer gewissen „Eindimensionalität“ 9) belegt ist und „dass der weise und nicht minder aufrechte Reingart zur Schablone eines Charakters verkommt.“ 10) Owen Wilson wirkt ebenfalls nicht in jeder Szene überzeugend und setzt unpassender weise manchmal den „Dackelblick“ auf, den man bereits aus anderen Filmen von ihm gewohnt ist.
Mehr gelungen ist John Moore die technische Umsetzung. Von aller erster Güteklasse – und das steht außer Frage – sind vor allem die Flugszenen, wenn die F-18 von Missiles gejagt und schließlich zerstört wird. Moore setzte hier auf beeindruckende Bilder, die zeigen, welche Geschwindigkeiten erreicht werden, ohne dass das „Tacho“ des Flugzeugs ins Bild kommt. Die nervenaufreibende Hetzjagd wird durch hektische Funksprüche der beiden Piloten und Szenenwechsel zurück zum Flugzeugträger, wo die Kamera zwischen Monitoren und hin-und-her-eilenden Personen wechselt. Besonders auffällig ist, dass Moore auf die bereits aus Filmen wie Matrix und auch in anderen Filmen danach oft verwendete „Bullet-time“-Technik zurückgreift, die es zulässt, dass sich die Kamera um ein sich im Stillstand befindliches Objekt herumbewegt. Auch die zahlreichen Zeitlupen und „Freeze“-Effekte (wird unter anderem eingesetzt, wenn die Rakete ins Flugzeug einschlägt und die beiden Piloten eine „Schrecksekunde“ durchleben, die durch die „Freeze-Time“ eindrucksvoll vermittelt wird, da das Bild komplett für ca. eine Sekunde einfriert) machen den Film aus technischer Sicht gerade zu Anfang zu einem Leckerbissen. Doch leider konnte man auf die Hilfe aus dem PC auch hier nicht verzichten und setzte ihn für Explosions- und Rauchszenen ein. So ist beim Aufkommen von Burnetts Schleudersitz ein hässlicher „Schnee-Spritz-Effekt“ zu sehen, der mehr nach einer offenen Feuerstelle aussieht, als nach herumwirbelndem Schnee.
Die bereits aus „Der Soldat James Ryan“ bekannte Verwendung der Handkameratechnik, die noch einmal einen besonderen Akzent auf die Hektik legt, setzt Moore oft, aber leider nicht besonders gezielt ein. Während Spielberg in seinem oben erwähntem Meisterwerk die Handkamera vor allem bei den Szenen der Landung der alliierten Truppen in der Normandie einsetzt um zu zeigen, welche Hektik und Unsicherheit in den Köpfen der Soldaten herrscht, werden im „Fadenkreuz“ alle Szenen, die im „Feindesland“ spielen, per Handkamera übermittelt, was nicht unbedingt ein Vorteil ist, sondern auch in eher ruhigen Szenen ein hektisches Gefühl beim Zuschauer aufkommen lässt - doch John Moore ist eben eigentlich Werbefilmer und normalerweise darauf bedacht, ein Produkt ansprechend und mit viel Effekt zu verkaufen. Nicht zu übertrieben sind die Gefechtsszenen zu Ende des Films, als der amerikanische Hubschrauberkonvoi unter Beschuss genommen wird, gestaltet. Hier wird auf Realismus wert gelegt, keine wilden und unsinnigen Explosionen und herumwirbelnde Körper, sondern vor allem gezielte Schüsse bekommt der Zuschauer zu sehen.
Insgesamt würde ich den Film trotz einiger Schwächen vor allem auch wegen der passend eingesetzten Szenenmusik (Rock beim Starten des Kampfjets, wehleidige Klaviermusik beim Betrachten der Massengräber) und der atemberaubenden Effekte während des Fluges als von technischer Seite absolut gelungen bezeichnen – sehenswert allein deswegen.
B 3 – Schluss
B 3.1 – Die internationale Rezeption von „Im Fadenkreuz“
Für Filme wie „Im Fadenkreuz“, die internationale Probleme ansprechen (Massaker unter Radko Mladic in Srebrenica und anderswo und wackelige Friedensverträge, wie der Vertrag von Dayton), finden sich international meist mehr Kritiker – sowohl von positiver, als auch von negativer Seite, da reale Probleme, die filmisch umgesetzt werden, ein größeres Forum an Zuschauern haben, als fiktive Streifen. So wurde sich mit im Fadenkreuz intensiv auseinandergesetzt und nachfolgend möchte ich die Rezeption in Amerika mit der Serbien vergleichen. Außerdem – wenn auch am Rande – werde ich auf die deutsche Meinung zum Film eingehen.
Wie amerikanische Kritiker den Film bewerten, wird an einigen Beispielen deutlich:
"Politics bad. Boom boom good." 11) (“Politik schlecht – Ballerei gut.”) - "This preposterous military thriller doesn't even make an effort to be believable." (Dieser alberne Militär-Thriller macht noch nicht mal einen Versuch, glaubwürdig zu sein.) - "You get the feeling the filmmakers didn't want to make anyone think too hard about what's going on here behind the scenes of the main storyline." (“Man hat das Gefühl, dass die Filmemacher nicht vorhatten, irgendjemand zu sehr darüber nachdenklich zu machen, was neben der Hauptgeschichte passiert”) - "The only thing certain about Behind Enemy Lines is that Mr. Wilson is in it for the chance to work with Mr. Hackman, and Mr. Hackman is in it for the money." (Das Einzig sichere bei Im Fadenkreuz ist, dass Herr Wilson (Der Darsteller des Piloten [Anm. D. Verf.]) nur wegen der Chance, mit Herrn Hackman zusammenzuarbeiten, mitgemacht hat und Herr Hackman wegen des Geldes).
Insgesamt herrscht über diesen Film also eher eine negative Meinung, da er - nach Meinung der Kritker - nicht genug auf die Ereignisse, die überhaupt dazu geführt haben, dass die UN eingreifen musste, eingeht, sondern die Akzente eher auf wilde und stupide Ballerszenen setzt und dazu noch (auch aufgrund der Tatsache, dass Chris Burnett oftmals dem nahezu sicheren Tod entkomme) wenig glaubwürdig ist.
Leider hat mir mein Interview-Partner, ein deutschsprachiger Serbe, der mir die Rezeption des Films im serbischen Raum schildern wollte, einen Strich durch die Rechnung gemacht, weil er mir seine Rezension nicht rechtzeitig zugesandt hat. So muss ich davon ausgehen, dass auch in Serbien die Kritiker nicht allzu viele gute Haare am Film lassen und ihn – nicht anders als in Deutschland oder Amerika – für geringen Tiefgang und diverse Ballerszenen kritisieren. (Doch eine halbe Seite Text hat mich der Verlust der versprochenen Rezension mindestens gekostet, Anm. d. Verf.)
In Deutschland wird der Film – genau wie in Amerika – wegen seiner geringen Glaubwürdigkeit scharf kritisiert und von vielen Kritikern sogar mit stumpfsinnigen Ballerfilmen alá Rambo auf eine Stufe gesetzt: „Ich befürchte, daß "die Amerikaner" uns in Zukunft mit noch mehr solcher Machwerke fluten werden“ 12) meint zum Beispiel Andreas Edler von filmfacts.de und fügt hinzu: „Nein, ich will nichts von "wahrer Begebenheit" hören ... so wird es nicht gewesen sein.“ 13) – Doch es gibt auch einige wenige positive Meinungen zu „Im Fadenkreuz“: „Zugegeben beeindruckt der Streifen durch seine sehr gelungen Kameraperspektiven und –einstellungen und punktet zudem mit den untermauernden Licht- und Farbschattierungen“ 14), doch die technische Seite ist zumeist das einzige, was den Kritikern ein kleines Lob entlocken kann, im Allgemeinen gilt der Film auch hier als zu oberflächlich und stumpfsinnig.
B 3.2 – Eigene Einschätzung: Kann der Film Realität vermitteln?
Wer den Film das erste Mal sieht wird – wie bereits in B 1.1 erwähnt – (auch wenn es die meisten nicht zugeben wollen) von den Dingen, die Chris Burnett auf seiner Flucht vor den Milizen erlebt, doch einigermaßen bewegt. Ob die Ereignisse realistisch sind oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Als ich den Film das erste Mal gesehen habe, war mir zu keiner Zeit von der ersten bis zur letzten Minute langweilig. Besonders die Abschussszene und die nervenaufreibenden Minuten, in denen der Jet von Raketen verfolgt wird, sind meiner Meinung nach technisch perfekt umgesetzt worden.
Doch was spätestens beim zweiten mal Ansehen auffällt, und beim dritten mal anfängt zu nerven oder wahlweise auch zu belustigen, sind die absolut simplen und unrealistischen Feinbilder und die Durchschaubarkeit des Films. Die Grenzen zwischen „Gut und Böse“ sind unrealistisch klar abgesteckt: Die „guten“ Amerikaner führen den Krieg vom Flugzeugträger aus (auf dem sie übrigens IMMER im Krieg sind, es sei denn, das Schiff liegt in der San-Diego-Bay vor Anker – was eine ziemlich verquere Message ist), sind sauber rasiert und sympathisch.
Die „bösen“ Milizen haben den ganzen Tag offenbar nichts anderes zu tun, als sich sinnloserweise auf mitten im Wald platzierten Panzern herumzulümmeln (wenn sie nicht gerade in den Ecken von dunklen Gewölben herumstehen), zu rauchen und harmlose und unschuldige NATO-Piloten vom Himmel zu holen. Sie tragen gefälschte Sportjacken, haben Stoppelbärte, bärbeißige Mienen (egal was sie gerade sagen oder tun), brummeln serbokroatisch, das per Untertitel transportiert wird. Ganz anders diejenigen Menschen im „Feindesland“, die den Amerikanern freundlich gesinnt sind: Die nämlich empfangen den Piloten, als er zufällig mit ihnen zusammentrifft und sie nach Wasser fragt, mit einer Flasche echter Coca-Cola, hören außerdem Elvis, kauen Kaugummi und einer trägt ein Ice-Cube (amerikanischer Hip-Hopper) T-Shirt.
Die Europäer (im Film in Person des NATO-Generals Piquet) sind natürlich diejenigen, die nicht einsehen wollen, dass das Leben eines einzigen Piloten eventuell wichtiger sein könnte als ein kurz vor dem Abschluss stehender und äußerst wackeliger Friedensvertrag. Der General spricht mit einem „undefiniert südländischen“15) Akzent und wirkt im ganzen Film äußerst herzlos.
Letztendlich ist es sehr enttäuschend, dass der Film aus der Grundlage nicht das gemacht hat, was die Eingangsszene, als serbische Freischärler auf den Massengräbern von Srebrenica junge Bäume pflanzen, verspricht und nur ein von Pathos und Propaganda triefendes amerikanisches Heldenepos geworden ist, statt einem tiefsinnige Antikriegsfilm.
Wenn man also die Frage beantworten soll, ob dieses Heldenepos Realität vermitteln kann, so würde ich die Antwort geben: Ja, aber nicht die echte Realität.
Denn realistisch ist der Film meiner Meinung nach zumindest beim ersten Mal Sehen schon, aber nicht in Bezug auf die Ereignisse, die ihm zugrunde liegen. Deswegen ist er auch nicht im Genre „Dokumentarfilm“, sondern unter „Action“ zu finden
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