|
1. Einleitung
Der Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien stand lange Jahre im Interesse der Weltöffentlichkeit. Die Bilder des Krieges sind sicher vielen noch im Gedächtnis. Nur wenige registrierten jedoch, wie es nach einem solchen Krieg in dem Land weiter ging. Wie kann man die Menschen wieder an einen normalen Alltag heranführen? Gerade nach einem Bürgerkrieg bedeutet dies eine schwierige Aufgabe, weil die Menschen, die nun in Frieden zusammen leben sollen, zuvor gegeneinander kämpften.
Der Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina bestand aus einem besonders komplizierten Geflecht aus Kampfhandlungen von Serben, Kroaten und Muslime, bei denen es schwierig zu erkennen ist, wer wann gegen wen kämpfte. Um also den Prozess der Versöhnung nachvollziehen zu können ist es nötig, einen Überblick über den Bürgerkrieg zu erhalten.
Die UNO führt Friedensmissionen in ehemaligen Kriegsgebieten nun schon lange Jahre durch. Ein Blick auf die Geschichte wird zeigen, dass sich die Aufgaben, Ziele und die Organisation im Laufe der Jahre verändert und erweitert haben. Auf die überaus wichtige Arbeit der UNO kann die Welt mittlerweile kaum mehr verzichten, wie man an dem Beispiel des Einsatzes in Bosnien-Herzegowina sieht. Man kann davon ausgehen, dass die Situation dort ohne die Bemühungen der Vereinten Nationen bei weitem nicht so entspannt wäre, wie es heute der Fall ist.
Auch die EU engagierte sich in Bosnien-Herzegowina. In Verpflichtung gegenüber der UNO entsandte sie Hans Koschnick als EU-Administrator nach Mostar. Er sollte die beiden getrennten Stadthälften wieder zusammenführen und die Bewohner Mostars, Muslime und Kroaten, wieder miteinander versöhnen. An seiner Arbeit kann man erkennen mit welchen Schwierigkeiten Mitarbeiter der Friedensmissionen zu kämpfen haben.
2.Hauptteil
2.1 Das Land Bosnien-Herzegowina und der Krieg
Um die Probleme zu verstehen, die es gibt bei dem Ziel den Menschen Sicherheit und Frieden in einem Land zu bringen, möchte ich zunächst ein paar allgemeine Daten zu der Region anführen. So ist es möglich das Leben der Menschen besser einschätzen zu können und auch die Probleme des Landes zu erkennen. Weiter ist es sehr schwierig den Krieg und den gesamten Konflikt auf dem Balkan verständlich zu machen, ohne die Gründe für den immensen Hass zwischen den verschiedenen Volksgruppen aufzugreifen. Auch heute noch gibt es sehr viele Konflikte sowohl innerhalb des Landes, als auch speziell in Mostar, die auf Geschehnissen basieren, die während des Krieges geschehen sind. So ist es auch wichtig einen Überblick über die Kriege auf dem Balkan und speziell über den Krieg in Bosnien-Herzegowina zu geben.
2.1.1 Bosnien-Herzegowina
Bosnien-Herzegowina hat eine Fläche von 51.233 km2 und grenzt an Kroatien, Serbien und Montenegro. Das kontinentale Klima sorgt für sehr kalte Winter und sehr heiße Sommer. Die Luftverschmutzung ist durch die dort ansässige Metallindustrie sehr hoch. Durch den Krieg ist die gesamte Infrastruktur schwer beschädigt und teilweise immer noch zerstört. Die Bevölkerung spricht zu 99 % serbokroatisch. Die Wirtschaftskraft in Bosnien-Herzegowina war schon zu Zeiten des ehemaligen Jugoslawiens sehr schwach. Zusammen mit Mazedonien rangierte die damalige Teilrepublik in wirtschaftlicher Hinsicht auf den letzten Plätzen innerhalb des damaligen Jugoslawiens. So war sie auch zu dieser Zeit schon auf die Einfuhr von Lebensmitteln angewiesen. In der Zeit von Tito förderte dieser in Bosnien-Herzegowina die Militärindustrie, so dass der Zusammenbruch Jugoslawiens nach der Zeit Titos massive Arbeitslosigkeit und Inflation zur Folge hatte. Auch heute noch stellt die Waffenproduktion einen wichtigen Industriezweig des Landes dar, neben der Stahlproduktion und dem Bergbau, der Automontage und der Industriezweige von Textil, Tabak, Möbel und Öl. Die Landwirtschaft hingegen kann in Bosnien-Herzegowina die Menschen nicht ernähren.
2.1.2 Gründe für den Hass zwischen den einzelnen Volksgruppen
Erst der Hass, der zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen auf dem Balkan bestand und teilweise immer noch besteht, machte einen Bürgerkrieg auf dem Balkan möglich. Die Gründe für den Hass sind sehr vielfältig und daher schwierig zu erklären. Jedoch kann es durch einen kurzen Überblick über die Geschichte der Region und dem Verhältnis der Völker untereinander gelingen eine grobe Einschätzung der Beziehungen zwischen den Volksgruppen zu bekommen.
Während des Königreiches Jugoslawien regierten die Serben und unterdrückten so die anderen Volksgruppen Jugoslawiens. Innenpolitisch gab es schon damals große Unruhen zwischen den Völkern. Als Tito dann nach dem Zweiten Weltkrieg für eine Politik des Volkes eintrat, bekam er großen Zulauf, weil sich alle dadurch größere Macht erhofften und die Angst, dass Russland sie unter ihre Herrschaft stellte, hielt sie zusammen. Auch Tito erkannte die Gefahren des aufkommenden Nationalismus und unterdrückte ihn mit Gewalt. So schafften es die Machthaber, solange Tito lebte, den nationalistischen Widerstand klein zu halten. Nach dem Tod Titos und mit der immer kleiner werdenden Macht Moskaus wurde der Zusammenhalt im Land immer schwächer. Auf dem Land war der Nationalismus sehr viel stärker ausgeprägt, als in der Stadt. Die Vorurteile überlieferten sich in der ländlichen Region von Generation zu Generation. Dies nutzte die nationalistische Propaganda der einzelnen Volksgruppen, so dass der Nationalismus schließlich in einen Hass gegenüber den anderen überging und auch die Städte ereilte.
2.1.3 Der Krieg auf dem Balkan
Nach dem ersten Weltkrieg und jahrhundertelanger türkischer Herrschaft auf dem Balkan entstand Jugoslawien, das „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“. Nach dem Zweiten Weltkrieg befreiten die kommunistischen Partisanen unter Führung von Josip Broz Tito Belgrad von den Nazis und errichteten so ein kommunistisches Regime in Jugoslawien.
Nach Titos Tod am 4.Mai 1980 kam die Frage nach einer neuen Regierung Jugoslawiens auf. Es wurde ein achtköpfiges Präsidium gebildet, in dem ein Vertreter jeder Teilrepublik Jugoslawiens vertreten war. Der Vorsitz wechselte jährlich. Anfang der 90er Jahre begann sich das Einparteiensystem in den Republiken aufzulösen und es fanden freie demokratische Wahlen statt. Bei den Wahlen des 2. Dezembers 1990 in Bosnien-Herzegowina ging der muslimisch-nationalistisch eingestellte Alija Izetbegovic als Präsident hervor. Als am 15. Mai 1991 die Wahl eines Kroaten an die Spitze des Präsidiums an den Serben scheiterte, begann Jugoslawien zu zerbrechen; sowohl Slowenien, Kroatien und Mazedonien forderten die Unabhängigkeit ihres Staates, wie auch die Albaner für den Kosovo, während Serbien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina über ein verkleinertes Jugoslawien berieten.
2.1.4 Krieg in Bosnien-Herzegowina
Die ersten Gefechte in Bosnien-Herzegowina traten am 21. August 1991 auf. Die bosnischen Serben kämpften für einen gemeinsamen Staat mit Serbien und Montenegro und riefen am 9. Januar 1992 die Serbische Republik in Bosnien-Herzegowina aus. Als das bosnische Parlament sich jedoch für die Unabhängigkeit des Landes aussprach, sahen die Serben dies als Kriegserklärung und boykottierten die darauf folgende Volksabstimmung, in der 99,4 % für eine Unabhängigkeit Bosnien-Herzegowinas stimmten. Daraufhin rief Präsident Itzetbegovic am 3. März 1992 die Unabhängigkeit aus. Die Kämpfe gingen indes weiter und flammten immer wieder an neuen Orten auf. Um den Krieg zu schlichten, vermittelte nun die EU zwischen Muslimen, Serben und Kroaten. Sie einigten sich darauf, Bosnien-Herzegowina in Kantone mit eigener Verwaltung aufzuteilen. Über die Aufteilung sollte ein Ausschuss entscheiden. Die bosnischen Serben gründeten daraufhin ihre eigene Republik mit eigener Verfassung. Als am 7. April 1992 die EU Bosnien-Herzegowina als unabhängigen Staat anerkannte, traten sie aus allen ihren Ämtern zurück und verkündeten ihre Serbische Republik Bosnien-Herzegowinas als unabhängig. Währenddessen gründeten Serbien und Montenegro die Bundesrepublik Jugoslawien. Die Kämpfe im Land schritten immer weiter voran. Nachdem der Ausnahmezustand ausgerufen wurde, bat Itzetbegovic die UNO um militärischen Beistand. Dieser wurde zwar abgelehnt, jedoch forderte die UNO das sofortige Ende der Kämpfe und verhängte Wirtschaftssanktionen gegen Serbien und Montenegro. Am 12.Mai 1992 wurde Radovan Karadzic Staatspräsident der serbischen Republik Bosnien-Herzegowinas und begann eine eigene Armee aufzubauen. Im Juni des selben Jahres stationierte die UNO dann doch erste Truppen in Sarajewo. Einen Monat später verständigten sich die Regierenden von Bosnien und Kroatien auf ein Bündnis gegen die Serben. Im Oktober kam es erstmals auch zu heftigen Kämpfen zwischen Kroaten und Muslimen. Ende des Jahres gab die NATO bekannt, auch sie würde militärisch eingreifen. Im Januar entwickelten Vermittler der UNO und der EU einen Plan zur Neugliederung Bosnien-Herzegowinas in zehn Provinzen, einen Verfassungsentwurf und ein Waffenstillstandsabkommen. Dieser nach seinen Entwicklern benannte „Vance-Owen-Plan“ wurde sofort von Kroatien und dem kroatischen Vertreter in Bosnien-Herzegowina und im März auch von Itzetbegovic unterzeichnet. Die bosnischen Serben stimmten nur der Verfassung und dem Waffenstillstandsabkommen zu, die territoriale Einteilung des Gebietes lehnten sie allerdings ab. Im März 1993 verbündeten sich die kroatische und bosnische Armee. Die NATO überwachte das vom UN-Sicherheitsrat beschlossene mit allen Mitteln durchzuführende Flugverbot für Militärflüge über Bosnien-Herzegowina. Am 15.April zog der bosnische Präsident seine Unterschrift unter dem Vance-Owen-Plan zurück, woraufhin auch die Serben diesen komplett ablehnten. Diese eroberten indes immer mehr Gebiete, so dass im Mai 1993 70% Bosniens unter ihrer Führung stand. Bei den Genfer Friedensverhandlungen, die am 15.Juni stattfanden, erklärte man den Vance-Owen-Plan endgültig als gescheitert. Es wurde ein neuer Plan ausgearbeitet, der die Teilung Bosnien-Herzegowinas in drei unabhängige Staaten vorsah. Dabei wären 52% des Landes den Serben zugesprochen worden, 30% den Muslimen und die restlichen 18% den Kroaten, wobei die Städte Mostar und Sarajewo einen Sonderstatus erhalten sollten. Dieser Plan wurde von den Serben befürwortet, wo hingegen die Kroaten einige Änderungen forderten und der Plan von den Muslimen komplett abgelehnt wurde. Auch im bosnischen Parlament fand der Plan keine Mehrheit. Inzwischen kämpften alle drei Kriegsgegner weiter gegeneinander, besonders in Zentral-, Nord- und Ostbosnien. Anfang 1994 nahmen die Kämpfe auch in den von der UNO zum Schutz der Zivilbevölkerung eingerichteten Schutzzonen zu. In Sarajewo wurden derweil aufgrund eines NATO-Ultimatums ein Großteil der schweren Waffen entfernt. Am 23. Februar kam es zu einem Waffenstillstandsabkommen zwischen den bosnischen Muslimen und den Kroaten, woraus am 2. März die Bosnisch-Kroatische Föderation entstand. Diese Föderation startete daraufhin eine Offensive gegen die bosnischen Serben. Diese griffen im Frühjahr auch Einheiten der UN-Schutztruppe an. Eine neue Kontaktgruppe erarbeitete ein neues Konzept für die Teilung des Landes. Demnach fielen 51% der Bosnisch-Kroatischen Föderation zu und der Rest sollte den Serben überlassen werden. Am 23. Juli 1994 begann Hans Koschnick als EU-Administrator seine Arbeit in Mostar. Seine Aufgabe sollte es sein, die beiden getrennten Stadthälften wieder zusammen zu führen. Da die bosnischen Serben den jüngsten Plan der Kontaktgruppe ablehnten, brach der Rest Ex-Jugoslawiens alle politischen und wirtschaftlichen Verbindungen zu ihnen ab, was sie enorm schwächte. So sahen die Muslimen im September 1994 ihre Chance und versuchten den Konflikt militärisch für sich zu entscheiden. Nachdem am 24.November die Serben erneut die Schutzzone Bihac angriffen, begann die NATO Luftangriffe zu fliegen. Auch im Juli 1995 griffen die bosnischen Serben wieder eine Schutzzone an. Diesmal überfielen sie die Stadt Srebrenica hinter dem Rücken der Blauhelmsoldaten und verübten ein regelrechtes Massaker an den muslimischen Bewohnern der Stadt. Im November 1995 kam es zu dem Friedensvertrag von Dayton. Dieser sollte die Kampfhandlungen beenden und den Weg für die Rückkehr der zahlreichen Flüchtlinge in ihre früheren Wohnorte freimachen. Weiter wurde festgehalten, dass der Staat Bosnien-Herzegowina als einheitlicher anerkannter Staat bestehen bleibt, der aus der muslimisch-kroatischen Föderation, die wie schon früher vorgesehen 51% des Gebietes zugesprochen bekamen und der Serbischen Republik in Bosnien-Herzegowina bestehen soll. Eine unabhängige Kommission sollte über die Einhaltung der Menschenrechte wachen. Es wurde ein humanitäres Hilfsprogramm und freie Wahlen von der Staatengemeinschaft organisiert und eine internationale Friedenstruppe unter Führung der NATO sollte für langfristigen Frieden sorgen. Am 14. September 1996 wurden dann entsprechend dem Friedensabkommen Präsidiums- und Parlamentswahlen abgehalten. Das Präsidium bestand aus drei Staatspräsidenten: Alija Itzetbegovic als Vertreter der Muslimen, der Serbe Momeilo Krajisnik und die Kroaten wurden von Kresimir Zubak vertreten. Aufgabe der UNO war es hierbei, Minderheiten zu den Wahlen in ihren Vorkriegswohnort zu begleiten und so zu schützen. Im Dezember des selben Jahres erteilte der UN-Sicherheitsrat das Mandat für eine neue Friedenstruppe in Bosnien-Herzegowina. Bei der geplanten Rückführung der Bürgerkriegsflüchtlinge kam es zu Übergriffen von kroatischen Neusiedlern auf Rückkehrer, die diese erschwerten und dafür sorgten, dass Hilfsmaßnahmen für den Wiederaufbau gestoppt wurden. Im Juni 1998 wurde die Konvertibilna Marka, die neue bosnische Währung eingeführt, die für das gesamte Land galt. In dieser Zeit konnten einige Kriegsverbrecher festgenommen werden, die vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag vor Gericht gestellt werden sollten. Bei den Parlamentswahlen am 11.September 2000 wurde von den jeweiligen Volksgruppen hauptsächlich nationalistisch gewählt. Auch heute noch bewegen sich die Teilrepubliken eher auseinander als hin zu einem gemeinsamen Staat. Der wirtschaftliche Aufbau des Landes erfolgt nur langsam. Die Rückkehr vieler Flüchtlinge wird durch immer wieder auftretende Übergriffe überschattet. Viele Kriegsverbrecher sind weiter auf der Flucht, unter anderem auch der ehemalige Präsident der bosnischen Serben Radovan Karadzic. 2003 zieht die UNO nun ihre Truppen ab und überlässt der EU die Nachfolge.
2.2 Die UNO
Die UNO ist unparteiisch. Dies ist wohl unabdingbar für das Erreichen ihrer Ziele: die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit. Eine Aufgabe der UNO ist die Konfliktprävention, das heißt sie sollte die Eskalation von Streitigkeiten in Kriege verhindern. Dafür versucht sie die gegnerischen Parteien an einen Verhandlungstisch zu bringen. Falls es doch zu einem Krieg kommt, besteht die Aufgabe der UNO in der Friedensbildung, so dass der Frieden wieder hergestellt wird. Des Weiteren hat die UNO die Macht Friedenssicherung auch durch die Durchsetzung von Zwangsmaßnahmen zu erreichen. Um einen dauerhaften Frieden in ehemaligen Kriegsregionen zu schaffen ist die Friedenskonsolidierung sehr wichtig. Das bedeutet die Region wird auch nach Ende des Krieges bei ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, dem Durchsetzen von sozialer Gerechtigkeit, der Achtung der Menschenrechte, der Regierungsführung und der Demokratisierung unterstützt.
2.2.1 Geschichte der UNO
Am zehnten Januar 1920 nahm der Völkerbund mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages seine Arbeit auf. Es war eine Idee des Präsidenten der USA Woodrow Wilson mit dem Ziel nach dem Ersten Weltkriege eine Versöhnung ohne Rache zu erreichen. Die erste Sitzung fand am 15. November 1920 statt. In der Folgezeit gelang es dem Bund Kriege zu verhindern und zu beenden, Abrüstungen durchzusetzen, Flüchtlingen zu helfen und zwischen Gegnern zu vermitteln. Nach Hitlers Machtergreifung in Deutschland 1933 trat Deutschland aus dem Völkerbund aus und andere Staaten folgten. Es gelang dem Völkerbund nicht den Zweiten Weltkrieg zu verhindern. 1944 diskutierten Vertreter der USA, Großbritanniens, der UdSSR und Chinas über neue Ziele und Struktur einer Weltorganisation, bevor sie dann 1945 die Absicht erklärten, eine allgemeine internationale Organisation zu gründen, die Frieden und Sicherheit auf der Welt erhalten solle. Daraufhin wurde eine UN-Charta ausgearbeitet. Am 10.Januar 1946 tagte zum ersten mal die UN-Generalversammlung. Zu den wichtigsten Entscheidungen zählten die Deklaration der Menschenrechte sowie Konventionen, die zur Beseitigung aller Formen von Rassendiskriminierung, Diskriminierung von Frauen, Intoleranz gegenüber Religion und Glauben, Folter und für Kinderrechte sorgen sollten. Sie setzten sich entscheidend gegen Massenvernichtungswaffen ein. Die Entsendung von Blauhelmsoldaten, die Truppen der UNO, in Krisenregionen wurde zum Hauptbestandteil der Arbeit. 1972 wurde zum ersten mal eine Umweltkonferenz abgehalten. Aufgrund der erfolgreichen friedenserhaltenden Operationen erhielten die Vereinten Nationen 1988 den Friedensnobelpreis. Eine schwierige Aufgabe stellte der Zerfall Jugoslawiens für die UNO dar. Trotz der Stationierung von Blauhelmsoldaten in Kroatien im Januar 1992 brach im April des selben Jahres der Krieg in Bosnien-Herzegowina aus. Im Mai 1993 wurde das internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag errichtet, um Kriegsverbrecher des ehemaligen Jugoslawien anklagen zu können. Das Massaker 1995 in Srebrenica stellte einen großen Rückschlag für die Vereinten Nationen dar: Hinter dem Rücken der Blauhelmsoldaten wurden ethnische Säuberungen durchgeführt, wobei zahlreiche Menschen starben.
2.2.2 Organisation der UNO
Die UNO besteht aus sechs Hauptorganen: dem internationalen Gerichtshof, dem Sicherheitsrat, der Generalversammlung, dem Wirtschafts- und Sozialrat, dem Treuhandrat und dem Sekretariat.
Der internationale Gerichtshof nahm seine Arbeit am ersten Juli 2002 auf. Er geht aus dem für den Krieg im ehemaligen Jugoslawien errichteten internationalen Kriegsverbrechertribunal hervor und hat die primäre Aufgabe, Kriegsverbrecher zur Rechenschaft zu ziehen. Er besteht aus 15 Richtern. Diese Richter werden von der Generalversammlung und von dem Sicherheitsrat für neun Jahre gewählt.
Dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gehören 15 Mitglieder an. Fünf der Mitglieder, Frankreich, China, die Russische Föderation, Großbritannien und die USA, sind ständige Mitglieder des Sicherheitsrates und besitzen auch gleichzeitig das sogenannte Vetorecht. Dieses Vetorecht besagt, dass bei einer Neinstimme eines dieser Länder ein Einsatz der UNO nicht stattfindet, egal, ob die Mehrheit für diesen Einsatz stimmte. Die anderen zehn Mitglieder werden von der Generalversammlung für zwei Jahre gewählt. Jedes Jahr wechseln fünf nicht-ständige Mitglieder. Der Sicherheitsrat trägt die Hauptverantwortung für die Wahrung bzw. die Wiederherstellung des Weltfriedens. Er ergreift Maßnahmen und kann Mandate an Zweckbündnisse oder Regionalorganisationen, wie zum Beispiel der NATO erteilen. Die Entscheidungen, die getroffen werden, sind für alle Mitglieder verbindlich. Sie treten fast täglich zu Sitzungen zusammen, in denen sie über aktuelle Konflikte und deren Beilegung beraten.
Die Aufgabe der Generalversammlung besteht darin, alle internationalen Fragen und Angelegenheiten zu diskutieren. Damit wird sie zum wichtigsten Beratungsorgan der UNO. Vertreten sind in der Generalversammlung alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen. Einmal jährlich, von September bis Dezember tritt sie zu einer Jahrestagung zusammen; sonst wird sie nur aufgrund aktueller Ereignisse einberufen.
Für die Organisation der verschiedenen Wirtschaftsorganisationen wurde der Wirtschafts- und Sozialrat eingerichtet. Seine Aufgabe ist die Lösung von wirtschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Problemen auf der Welt.
Der Treuhandrat war ursprünglich für die Verwaltung der Treuhandgebiete der UNO vorgesehen. Da jedoch mittlerweile auch das letzte Treuhandgebiet der UNO, Palau, seine Unabhängigkeit erklärte, hat er seine Arbeit eingestellt. Er kann jedoch immer noch bei Bedarf einberufen werden.
An der Spitze des Sekretariats steht der Generalsekretär der Verneinten Nationen, Kofi A. Annan aus Ghana. Er wurde am 29. Juni 2001 für weitere fünf Jahre von der Generalversammlung auf Vorschlag des Sicherheitsrates wieder gewählt. Er leitet die Generalversammlung und bekam 1991 für seine Bemühungen für den Frieden den Friedensnobelpreis.
2.2.3 Friedenseinsätze der UNO
Bei Friedenseinsätzen der Vereinten Nationen geht es darum dauerhafte politische Lösungen für einen dauerhaften Frieden zu finden. Das primäre Mittel ist die sogenannte „vorbeugende Diplomatie“, bei der versucht wird, Kriege schon vor deren Ausbrechen durch Verhandlungen zu verhindern.
Die UNO bezieht ihren neutralen Status bei der Friedenssicherung aus den unparteiischen Truppen, die aus verschiedenen Nationen bestehen. Es sollte keine der Kriegsparteien bevorzugt werden. Bei einem Friedenseinsatz bedarf es der Zustimmung des Landes, in dem der Einsatz stattfindet und möglichst auch der, der Streitparteien.
Es gibt zwei Arten von Truppen: Zum einen Beobachtungstruppen, die unbewaffnet sind, zum anderen Friedenstruppen, die bewaffnet sind, ihre Waffen jedoch nur zur Selbstverteidigung benutzen dürfen.
Die Einsätze werden von den Mitgliedsstaaten der UNO, insbesondere den Mitgliedern des Sicherheitsrates beschlossen.
Bei einem Friedenseinsatz hat jedes Land seine eigenen Truppen, die ihren eigenen Kommandeur haben. Ein UNO-Kommandeur hat den Hauptbefehl über alle Truppen. Die Soldaten tragen die Uniform ihres Landes und einen blauen Helm oder ein blaues Barett, was ihnen den Namen „Blauhelmsoldaten“ gibt. Jede Regierung entscheidet selbst, ob sie sich an einem Einsatz beteiligen oder nicht, und kann auch jederzeit seine Truppen wieder abziehen.
Im Laufe der Geschichte haben sich die Aufgaben der Friedenseinsätze geändert. Wo es früher hauptsächlich darum ging, Konflikte zwischen verschiedenen Staaten zu schlichten, geht es nun meist um Konflikte innerhalb der Staaten; Bürgerkriege, die aus ethnischen Konflikten entstehen. Dabei ist vor allem die humanitäre Hilfe gefragt wie auch der Schutz der Zivilbevölkerung. Auch die Hilfe beim Wiederaufbau ist enorm wichtig um einen dauerhaften Frieden zu erreichen. So hilft die UNO bei der Rückführung der Flüchtlinge, der Instandsetzung der Infrastruktur, dem Wiederaufbau der Wirtschaft und der Förderung der sozialen Entwicklung, um so ein Fundament für den Frieden zu schaffen und die tief sitzenden Ursachen des Krieges zu beseitigen.
Wichtig für solche Einsätze ist die politische Rückendeckung der Staaten. Wenn die Truppen ein klares durchführbares Mandat bekommen, dazu noch genügend Personal, Ausstattung und finanzielle Unterstützung sind die Grundlagen für einen erfolgreichen Einsatz geschaffen.
2.2.4 Die UNO in Bosnien-Herzegowina
Die UNO sendete am 8. Juni 1992 die ersten UNPROFOR-Soldaten nach Sarajewo. Die Arbeit für den Frieden gestaltete sich jedoch als sehr schwierig. Das Problem der UNO in Bosnien-Herzegowina bestand darin, dass sie in eine Region geschickt wurden, in der kein Frieden herrschte, sondern der Krieg immer noch andauerte. Sie hatten nur ein unklares, teilweise widersprüchliches Mandat. Es war eine Aufgabe, die weit über ihre bisherigen Tätigkeiten der Friedenssicherung hinausging. Es fehlte zum einen die feste politische Unterstützung im Land und zum anderen fehlte es an genügend Personal, Ausrüstung und finanziellen Mitteln. Die Kriegsparteien akzeptierten die Waffenruhe nicht und waren auch nicht zur Zusammenarbeit mit den UN-Schutztruppen bereit. Schwierig war es auch, sogenannte Zwangsmaßnahmen durchzuführen. Immer, wenn man eine solche versuchte durchzusetzen, wurde von der betroffenen Gruppe die Unparteilichkeit der Vereinten Nationen in Frage gestellt. Ein weiterer negativer Aspekt der Zwangsmaßnahmen im wirtschaftlichen Bereich sind die Folgen für die Bevölkerung. Durch solche Maßnahmen versucht man, die Machthaber des Landes zu der Zusammenarbeit zu zwingen, trifft jedoch meistens das Volk. So war es schwierig Zwangsmaßnahmen gegen die Kroaten oder Serben durchzusetzen, wollte man das Elend innerhalb des Volkes nicht noch vermehren.
2.2.5 Flüchtlingshilfe der UNO in Bosnien-Herzegowina
Ein immer noch andauerndes Projekt der UNO, um auch nachhaltig den Frieden zu sichern ist die Flüchtlingsrückführung. Diese Rückführung ist auch im Friedensvertrag von Dayton festgehalten. Projekte der Flüchtlingshilfe werden von der UNHCR, einer Unterorganisation der UNO, vor Ort durchgeführt. Ihre Aufgaben bestehen darin, die Sicherheit der Flüchtlinge sicherzustellen. Dies gilt vor allem bei denjenigen, die als Minderheit in eine von einer anderen Volksgruppe dominierten Region zurückkehren. Weiter muss für die Flüchtlinge Wohnraum zur Verfügung gestellt werden. Viele Wohnungen wurden während des Krieges zerstört und die, die unversehrt blieben sind mittlerweile meist von anderen Menschen bewohnt. So ist es in den seltensten Fällen möglich, dass die Flüchtlinge zurück in das Haus ziehen könne das sie vor dem Krieg bewohnten. Die UNHCR bietet nun Zelte und Übergangsunterkünfte an, bis die zurückkehrenden Flüchtlinge eine neue Unterkunft gefunden haben. Besonders der Schutz und die Reintegration von Minderheiten stellt ein großes Problem dar. Kurz nach Ende des Krieges wurde aus Angst vor neu aufflammenden Konflikten die „ethnische Säuberung“ auch bei der Rückführung der Flüchtlinge weiter betrieben. An den Orten gab es nun neue Mehrheiten und zunächst wurden nur diejenigen zurückgeführt, die auch dieser Mehrheit entsprachen. So schaffte man es keine neuen Konflikte herbeizuführen. Jedoch macht es diese Art und Weise der Rückführung jetzt um so schwerer Minderheiten zurückzuführen. Oft ist es auch schwierig, die örtlichen Behörden davon zu überzeugen, die Reintegration von Minderheiten zu fördern. Manchmal wurde sogar versucht die Rückführung zu verhindern und selbst wenn diese gelingt, ist das Überleben nicht leicht. Diskriminierungen, Schikanen und teilweise auch Gewalttaten drohen. Auch erhöhte Steuern und Abgaben, Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt und Hindernisse beim Zugang der Kinder von Minderheiten zu Bildungseinrichtungen sind keine Ausnahmefälle. Man erkennt, dass der Hass teilweise immer noch tief verwurzelt ist und nur schwer aus den Köpfen der Menschen zu bekommen ist. Immer wieder gibt es Zwischenfälle, die die Arbeit behindern. Jedoch beginnt langsam die Annäherung zwischen den Menschen. Ein Beispiel der Annäherung und Versöhnung bietet eine Gemeinde oberhalb der Stadt Gorazde. Dort erklärten die ehemals verfeindeten Gruppen und Gemeinschaften von Muslimen und Serben nun zusammenarbeiten zu wollen und so gemeinsam für eine gute Zukunft zu arbeiten. So gibt es immer wieder kleine Schritte, die die Mitarbeiter optimistisch stimmen.
2.3 Hans Koschnick in Mostar
2.3.1 Biographie Hans Koschnick
Hans Koschnick wurde am 02.04.1929 in Bremen geboren. Sein Vater wurde als marxistischer Gewerkschaftler von den Nationalsozialisten verfolgt. Auch er war als gelernter Verwaltungsbeamte ein engagierter Gewerkschaftler und Mitglied der ÖTV. Von 1967 bis 1985 war er regierender Bürgermeister der Stadt Bremen. Zwischenzeitlich übernahm er Funktionen wie den Vorsitz des Bundesrates (1970/71 und 1981/82) und der Präsidentschaft des deutschen Städtetages (1971-77); er war stellvertretender Parteivorsitzender der SPD (1975-79) und gehörte lange Jahre dem Bundesvorstand der Partei an. 1986 bis 90 war er Abgeordneter der SPD im Bundestag, bevor er dann 1994 bis 1996 nach Mostar ging. Für sein Engagement dort erhielt er im Juni 1997 den Hessischen Friedenspreis. Von November 1998 bis ins Jahre 2001 war er Bosnienbeauftragter der Bundesregierung und war somit verantwortlich für die Rückführung der Flüchtlinge in ihre Heimat nach Bosnien-Herzegowina. Er wird immer wieder als Schlichter in Tarifstreitigkeiten eingesetzt. Erst kürzlich im Dezember 2002 konnte er zum vierten Mal seit 1996 in den Tarifverhandlungen des öffentlichen Dienstes schlichten. Er wird als energischer und temperamentvoller Mensch beschrieben, der als „geborener Vermittler“ gilt.
2.3.2 Hintergrund- Koschnick und Jugoslawien
Hans Koschnick fuhr in den fünfziger Jahren bereits das erste mal nach Jugoslawien. Damals ging es um den Austausch mit jugoslawischen Jugendlichen. Als politisch Interessierter empfand er die Entwicklung in Jugoslawien als sehr spannend, weil sie eine Alternative zu den beiden damaligen Weltmächten Russland und USA darstellte. Später nahm er als Bremer Gewerkschaftler Kontakt mit slowenischen Gewerkschaften auf und auch als Bremer Bürgermeister suchte er Kooperationsmöglichkeiten mit Slowenien, die er beispielsweise beim Schiffsbau fand. Unter der Regierung Brandt/Genscher reiste er nach Jugoslawien, um die Beziehungen zwischen den beiden Ländern wieder aufzunehmen, die einst nach der Anerkennung der DDR durch Jugoslawien abgebrochen worden waren. Des Weiteren war er an theoretischen Diskussionen in Jugoslawien beteiligt und hatte so „30 Jahre theoretische und praktische Erfahrung in Jugoslawien“
2.3.3 Die Aufgabe Hans Koschnicks in Mostar
In dem Friedensabkommen von Dayton wird Mostar ein spezieller Abschnitt gewidmet, in dem die besondere Funktion der Stadt betont wird. Mostar war einst vor dem Krieg eine Vorbildgemeinde, in der Kroaten und Muslime friedlich zusammenlebten. Dieses friedliche Zusammenleben wurde durch den Krieg zerstört. Die Vereinten Nationen sollten sich jetzt in Mostar besonders engagieren, um so ein Zeichen für ganz Bosnien-Herzegowina zu setzen. Die Stadt Mostar sollte die muslimisch-kroatische Föderation mehr zusammenführen.
Hans Koschnick war im Auftrag der EU in Mostar tätig. Dieses Mandat erfolgte in Verpflichtung der EU gegenüber der UNO, nachdem kroatische und bosnische Führungseliten um einen neutralen Vermittler gebeten hatten. Seine Aufgabe war es die beiden Stadthälften wieder zusammenzuführen und somit eine Versöhnung der beiden Bevölkerungsgruppen von Muslimen und Kroaten zu erreichen. Des Weiteren hatte er die Aufgabe den Aufbau der zerstörten Stadt voran zu treiben. Die Frage, wieso Hans Koschnick, also ein Deutscher, für diesen Auftrag ausgewählt wurde, ist schwierig zu
beantworten. Es gibt unterschiedliche Meinungen und Vermutungen. Zum einen gab es von muslimischer und kroatischer Seite das Argument der traditionellen Freundschaft zwischen ihnen und Deutschland. Dies jedoch kann nicht der einzige ausschlaggebende Punkt für die Führungseliten gewesen sein. Es spielte sicherlich sowohl der wirtschaftliche Stand Deutschlands innerhalb der EU, als auch der erwartete Protest der Serben eine wichtige Rolle. Diesen Protest wollten die Kroaten und Muslimen dafür nutzen, einen Bonus bei der Verteilung der Gelder und Hilfen zu erhalten. Innerhalb der EU empfand man die Wahl eines Deutschen ebenfalls als gut. Die Deutschen stellten keine Truppen in der ehemaligen Kriegsregion, sondern nahmen bisher nur Flüchtlinge auf, was durchaus für ein weiteres Engagement der Deutschen auf dem Balkan sprach. Viele sahen in dem Auftrag auch eine „mission impossible“ ,die kaum erfolgreich werden könne und so waren sie froh, nicht für die unabwendbare Niederlage verantwortlich gemacht werden zu können. Also begann Hans Koschnick am 23. Juli 1994 seine Arbeit in Mostar.
2.3.4 Mostar
2.3.4.1 Mostar 1994
1994 waren in Mostar 80 % der Bausubstanz zerstört. Die Stadt bestand aus Trümmern und Ruinen, wobei der kroatische Teil der Stadt davon weniger stark betroffen war, als der muslimische. Dort war es sehr viel schlimmer. Es wird berichtet, dass dort nichts Substanzielles mehr vorhanden war. Nicht alle Teile der Stadt waren mit Trinkwasser und Elektrizität versorgt und die Müllabfuhr funktionierte nicht mehr, was zur Folge hatte, dass Mostar in Müll versank. Die Stadt war strikt zwischen den Muslimen in Mostar-Ost und den Kroaten in Mostar-West geteilt. Zwischen den Frontlinien waren Schutzwälle aus gestapelten Sandsäcken und Autobussen errichtet, obwohl der Krieg eigentlich vorbei war. Vereinzelt gab es immer noch Scharfschützen und Granaten. Ein Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks, der 1994 bei dem Aufbau Mostars beteiligt war, berichtet sogar von mafiaähnlichen Strukturen. Weiter berichtet er, die Stadt sei vollkommen ausgestorben gewesen. Wenn die Menschen durch die Stadt mussten, seien sie nicht gegangen, sondern gerannt. Sie seien von Anstrengung, Angst, Hoffnungslosigkeit und Elend gezeichnet gewesen.
2.3.4.2 Die Arbeit Hans Koschnicks und die Schwierigkeiten in Mostar
Als Hans Koschnick am 23. Juli 1994 seine Arbeit in Mostar begann, wollte er einen besseren und schnelleren Aufbau der Stadt erreichen, als es in Deutschland 1945 der Fall gewesen war. Er wusste jedoch, dass die Voraussetzung dafür das Vorhandensein von
genügend Mitteln und Mitarbeitern war, und vor allem die Bereitschaft der Bevölkerung, die Stadt gemeinsam wieder aufbauen zu wollen. Letzteres stellte ein weit größeres Problem dar. Genau diese Menschen wurden vor nicht allzu langer Zeit durch nationalistische Propaganda gegeneinander aufgehetzt und fügten sich im Bürgerkrieg gegenseitig tiefe körperliche und seelische Verletzungen zu. Aus diesen Gründen stellte die Versöhnung der Einwohner eine größere Herausforderung für Hans Koschnick dar, als der materielle Aufbau der Stadt. Er musste zum Beispiel harte Verhandlungen führen, um es zu ermöglichen, dass Menschen die Grenze zwischen Mostar-West und Mostar-Ost passieren durften und umgekehrt. Seinen ersten Erfolg stellte die Versorgung aller Bürger mit Strom und Wasser dar. So gelang es ihm das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Da er versuchte jedem zu helfen, hatte niemand das Gefühl benachteiligt zu werden. Dieses Vertrauen war jedoch anfangs nur sehr schwach. Die Menschen waren von den westlichen Ländern und deren Diplomatie enttäuscht. Sie hatten das Gefühl, es würden ständig Beschlüsse gefasst, der Wille zur Umsetzung der Beschlüsse fehle jedoch. So waren sie zunächst auch sehr skeptisch gegenüber dem EU-Administrator. Er schaffte es jedoch durch den Bau von Schulen, Kindergärten und Häusern das Vertrauen zumindest von der muslimischen Seite zu bekommen. In der Zusammenarbeit mit der kroatischen Seite gab es immer wieder Rückschläge. Der kroatische Bürgermeister forderte sogar schriftlich den Abzug Hans Koschnicks, weil er der Auffassung war, die Teilung der Stadt sei das Beste. Am 11. September 1994 wurde das erste Attentat auf den EU-Administrator verübt. Kroatische Extremisten schossen mit einer Panzerfaust auf das Hotel Hans Koschnicks. Nicht alle Kroaten waren gegen die Arbeit der EU in Mostar. Viele begrüßten sie sogar, hatten jedoch Angst, dies in der Öffentlichkeit zuzugeben, weil es ein zu großes Risiko war. Hardliner übten auf kroatische Polizisten teilweise soviel Druck aus, dass die Gefahr bestand, dass sie gegen die Befürworter Hans Koschnicks Gewalt anwenden würden.
2.3.4.3 Koschnick hört auf
Anfang 1996 erarbeitete Hans Koschnick einen Plan, der die Teilung Mostars in sechs Verwaltungsbezirke und einen Zentralbezirk vorsah. Diesen Plan legte er am 31.Januar 1996 der Außenministerkonferenz in Luxemburg vor, die diesem einstimmig annahm. Am siebten Februar wollte Hans Koschnick von seinem Hotel in den muslimischen Teil Mostars fahren. Auf der Strasse befand sich jedoch eine große Menschenmenge, die die gepanzerte Limousine einkeilte. Zunächst versuchten sie das Auto umzuwerfen, was ihnen jedoch nicht gelang. Daraufhin wurde aus dieser Menge mindestens sieben mal auf das Auto geschossen. Hans Koschnick dagegen blieb ruhig und gelassen und zündete sich in der Limousine einen Zigarillo an. Damit wollte er den Menschen symbolisieren, dass er keine Angst hat. In diesem Moment realisierte der EU-Administrator nicht, in welcher Gefahr er steckte. Dies merkte er erst im nachhinein, wie er später berichtete. Diese „kroatische Revolte“ war die Reaktion der kroatischer Extremisten auf den Plan zur Aufteilung Mostars. Der kroatische Bürgermeister der Stadt war jedoch auch nicht unbeteiligt. Er hatte nämlich den kroatischen Polizisten angeordnet, nicht einzugreifen, obwohl sie rechtlich dazu verpflichtet waren, für die Sicherheit der EU-Abgeordneten zu sorgen. Auch die kroatische Presse erwähnte diesen Vorfall am nächsten Tag nicht. Koschnick war auch nach diesem zweiten Attentat auf ihn weiter auf der Suche nach einer Lösung zur friedlichen Zusammenführung der beiden Stadtteile.
So handelte er im Vorfeld des EU-Gipfeltreffens in Rom am 17. Februar einen Kompromiss aus, dem sowohl die Kroaten, als auch die Muslime zustimmen konnten. Als er dann in Rom anreiste, stellte er fest, dass die EU auch den kroatischen Bürgermeister der Stadt Mostar eingeladen hatte. Das war der Mann, der zehn Tage zuvor den Polizisten angeordnet hatte ihn nicht zu beschützen, der nicht mit der EU zusammen arbeiten wollte und schriftlich den Abzug Hans Koschnicks aus Mostar gefordert hatte. Daraufhin erklärte Koschnick, wenn die EU mit solchen Menschen zusammenarbeite, dann werde er gehen. So legte er sein Mandat nieder und beendete so nach diesem „Betriebsunfall der Diplomatie“ , wie er es bezeichnet, früher als geplant seine Arbeit in Mostar. Sein Abgang wurde jedoch nicht als Niederlage empfunden. Er wurde als „Triumphator“ bezeichnet und ging „in allen Ehren“ . Seine Nachfolge übernahm der frühere Bürgermeister von Valencia, Ricardo Pérez Casado.
2.3.5 Die alte Brücke über Mostar
Ein gutes Beispiel für den internationalen Versuch der Versöhnung in Mostar stellt die alte Brücke in Mostar dar. Vor dem Bürgerkrieg, als Mostar noch als Vorbildgemeinde für das friedliche Zusammenleben der Kulturen stand, war die Brücke das Wahrzeichen der Stadt. Die 427 Jahre alte Brücke verband die beiden Stadtteile Mostar-Ost, welches von den Muslimen bewohnt wurde, und Mostar-West, wo die bosnischen Kroaten wohnten und stellte den Mittelpunkt des Lebens in Mostar dar. Es war eine Fußgängerbrücke, die zu klein für Lastwagen oder ähnliches war.
Anfang des Krieges, als die Muslime und die Kroaten noch gemeinsam gegen die Serben
kämpften, verteidigten sie gemeinsam die Stari Most, wie die Brücke in Mostar genannt wird. Doch am 8. November 1993 zerbombten die Kroaten die Brücke. Dies war ein tiefer Schlag gegen die Muslime. Die Brücke hatte für die Muslime immer einen höheren Stellenwert gehabt, als für die Kroaten, weil sie einst von den Türken in Mostar errichtet worden war. So sehen manche Kroaten die Brücke als Symbol der türkischen Okkupation in Mostar. Bei den Aufbauarbeiten der Brücke fanden Experten jedoch heraus, dass das Fundament bereits von den Christen gebaut wurde, die Brücke also als Zeichen beider Volksgruppe gesehen werden kann.
Jetzt wird die Brücke von Organisationen aus dem Westen wieder aufgebaut. Wenn der Bau fertig ist, soll die Brücke exakt so aussehen, wie früher. Sie soll als Anstoß zur Versöhnung von Kroaten und Muslimen dienen.
Zur gleichen Zeit wird nun nach dem Schuldigen der Zerstörung gesucht. In Verdacht steht ein kroatischer General, der den Befehl zum Abschuss der Brücke erteilt haben soll. Der bestreitet dies jedoch und konnte so auch vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag nicht verurteilt werden.
2.3.6 Mostar heute
Die Stadt Mostar selbst berichtet auf ihrer Tourismus-Homepage von einer „Stadt im Wandel“ . Es gäbe viele gemischte Ehen und die Region erhole sich von dem Krieg. Sie berichten von dem Aufbau der Altstadt, der fast abgeschlossen sei. In der Realität braucht es aber noch sehr viel Zeit, bis die Stadt zu einer „multi-ethnischen Gemeinde“ zusammenwächst.
Auch heute noch, zehn Jahre nachdem die Brücke, die die beiden Stadthälften miteinander verband zerstört wurde, gibt es zwei Elektrizitätsbetriebe, zwei Telefonnetze, zwei Forstbetriebe, zwei Arbeitsämter, zwei Busbahnhöfe, zwei Universitäten, zwei Schulsysteme, die ihre Abschlüsse untereinander nicht anerkennen, zwei Krankenhäuser, zwei Zivilrechtsordnungen und zwei Verwaltungen. Die Stadt besteht immer noch aus zwei Teilen, die noch nicht zusammengewachsen sind. Die Muslime sind zur Versöhnung bereit, unter der Voraussetzung, dass die Kroaten ihre Schuld anerkennen und sie um Verzeihung bitten. Die Kroaten hingegen sehen keine Notwendigkeit der Versöhnung und sehen die einzige Lösung darin, die Stadt endgültig zu trennen. Die Vorurteile zwischen den beiden Volksgruppen sind immer noch sehr stark und man erzählt sich Kriegslegenden, die von Gräueltaten der anderen berichten.
In der Stadt gibt es immer noch Probleme mit der Wasserversorgung und mehrere einhundert Wohnungen sind nicht bewohnbar, was die Rückführung von Flüchtlingen erschwert. Es gibt politische Probleme, denn die Kroaten versuchen sich immer noch gegen die grundsätzlichen Strukturen des Aufbaus Mostars zu wehren und leisten Widerstand. Mittlerweile gibt es eine gemeinsame Müllabfuhr. Dies kam jedoch nur zustande, weil die kroatische Müllabfuhr Konkurs anmelden musste, und jetzt der Müllbetrieb der Bosniaken, wie sich die Muslimen nennen, die Müllabfuhr in ganz Mostar übernimmt.
Ein großes Problem stellt das Schulsystem dar. Derzeit gibt es zwei verschiedene Schulsysteme mit verschiedenen Lehrplänen. Das größte Problem einer einheitlichen Schule in Mostar ist der Geschichtsunterricht. Wie wird die jüngste Geschichte des Landes vermittelt? Wie wird die Schuld der einzelnen Volksgruppen vermittelt? Dies ist sehr schwer, weil die Gruppen größtenteils ihre eigene Schuld am Geschehenen nicht anerkennen wollen.
Die beiden Bürgermeister der Stadt blicken jedoch zuversichtlich in die Zukunft und beteuern, dass der politische Wille zur Versöhnung da sei.
3.Schluss
3.1Frieden in Bosnien-Herzegowina?
Auf die Frage nach Frieden in Bosnien-Herzegowina kann man keine eindeutige Antwort geben, weil jeder „Frieden“ anders definiert. Es gibt keine Schusswechsel und offene Kämpfe mehr in Bosnien-Herzegowina. Bis zu einem absoluten und sicheren Frieden ist es jedoch noch ein weiter Weg. Auch acht Jahre nach dem Friedensvertrag von Dayton gibt es noch große Unterschiede zwischen der Serbischen Republik in Bosnien-Herzegowina und der Bosnisch-Kroatischen-Föderation. Die serbische Einheit ist gut organisiert, wo hingegen bei dem Zusammenschluss der bosnischen Kroaten und Muslimen immer noch sehr viele Menschen an der Macht sind, die im Krieg als Kriegstreiber galten. Trotz der offiziellen Zweiteilung des Staates gibt es in dem Land immer noch drei regierungsähnliche Strukturen und drei Armeen. Außerdem sind die Kroaten immer noch verbittert darüber, dass die serbische Republik in dem Friedensvertrag anerkannt wurde, sie ihre Kroatische Republik aufgeben mussten und nun mit den Muslimen eine gemeinsame Föderation bilden müssen. Die Gemeindeverwaltungen funktionieren nur dort wirklich, wo die Bevölkerung von einer ethnischen Gruppe eindeutig dominiert wird. Die drei Bevölkerungsgruppen haben verschiedene Auffassungen des Zusammenlebens in ihrem Land. Auf der einen Seite sprechen sich die Muslime für ein engeres Verhältnis untereinander in ihrem gemeinsamen Land aus, auf der anderen Seite wollen sich die bosnischen Kroaten und Serben eher abspalten von den anderen.
Sieht man sich die Situation im Land an, kommt man zu der Frage, ob der Friedensvertrag von Dayton fehlgeschlagen ist. Der Friedensvertrag wurde abgeschlossen, als die Kampfhandlungen noch nicht gestoppt waren. Dies war das primäre Ziel des Vertrages, welches durchaus erreicht wurde. Jedoch kann man aus heutiger Sicht auch Dinge erkennen, die damals in den Vertrag aufgenommen hätten werden müssen. Zum Beispiel gab es für die Zigeuner im ehemaligen Jugoslawien einen Sonderstatus, eine Art Minderheitenschutz. Dieser Sonderstatus entfiel nach dem Vertrag, was zu Übergriffen auf Zigeuner führte. Weiter ist es zu kritisieren, dass in diesem Vertrag sehr viele sinnvolle Abkommen getroffen worden sind, die nicht eingehalten wurden und für deren Einhaltung sich nicht genügend eingesetzt wurde. Zwar hörte der Krieg und die Kämpfe nach der Unterzeichnung des Abkommens auf, die ethnischen Säuberungen gingen jedoch weiter. Zwar nicht unbedingt mit roher Gewalt, jedoch durch Drohungen und Diskriminierungen. Allerdings gibt es auch viele Annäherungen und Fortschritte in dem von dem Bürgerkrieg zerrütteten Land. Zum Beispiel ist die Bewegungsfreiheit mittlerweile für jeden Bürger im ganzen Land gewährt. Diese Tatsache, die wir für selbstverständlich halten, ist ein großer Fortschritt. Die Angst der Menschen, ein Gebiet zu betreten, das von einer anderen Bevölkerungsgruppe dominiert wird, wird immer geringer. Langsam beginnen die Menschen zu begreifen, dass der Hass, den sie den anderen entgegenbringen, nur durch Propaganda hervorgerufen wurde und es keine wirklichen Gründe dafür gibt. Ihre Einstellung zum Krieg hat sich verändert. Kurz nach dem Krieg waren viele Menschen noch der Meinung der Krieg sei richtig gewesen und wollten weiter für ihre Überzeugung kämpfen. Sie waren nicht zum Frieden bereit, weil niemand sein Kriegsziel erreicht hatte und sie deswegen nicht mit der Nachkriegsordnung zufrieden waren. Es dauert lange, bis die Wunden des Krieges in der Bevölkerung verheilen. Dennoch ist es mittlerweile möglich, mit den Menschen über die Zukunft zu reden und nicht nur über die Vergangenheit. Nun drängen die Fragen nach Arbeitsplätzen, der Ausbildung der Kinder und nach der Auszahlung der Renten. Dies ist ein entscheidender Schritt zum Frieden. Die Schritte zum Frieden sind zwar klein, aber dafür stabil. Trotzdem ist die Versöhnung der Völker noch nicht erreicht und wird auch noch einige Zeit dauern. Der Grundstein muss damit gelegt werden, dass die Menschen erkennen, dass der Krieg falsch war. Eine wichtige Aufgabe der internationalen Gemeinschaft ist es nun den Menschen beizubringen, ihre politischen Ziele anders als mit Krieg durchzusetzen. Die Demokratie etabliert sich nur langsam in dem Bewußtsein der Bevölkerung. Ein sehr positiver Aspekt ist das überraschend hohe Bildungsniveau in Bosnien-Herzegowina. Arbeitskräfte aus dieser Region sind in der ganzen Welt begehrt.
|