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1. Vorwort
„Im Juli 1995 wurden Tausende von Männern und Jugendlichen entlang des „Pfads von Leben und Tod“ umgebracht, der sich zwischen Srebrenica und Tuzla erstreckt.
„Wie lange, meinen Sie, wird es dauern, um all die sterblichen Überreste entlang des Pfads aufzusammeln?“ fragte ich Masovic.
Er dachte kurz darüber nach. „Meine Enkelkinder könnten noch damit beschäftigt sein, in Dutzenden von Jahren.“ “
Ich habe mich für dieses Thema meiner Arbeit entschieden, weil solche grausamen Ereignisse nie wieder passieren dürfen. Damit die Menschen so etwas vermeiden können, müssen sie darüber aufgeklärt sein. Jedes Ereignis hat unterschiedliche Sichtweisen und es ist wichtig, auch alle zu berücksichtigen. Ich möchte mit dieser Arbeit jedem Leser die Chance bieten, sich mit dem Thema vertraut zu machen und für sich ein Urteil zu bilden. Mir steht eine allgemeine Beurteilung nicht zu. Dafür habe ich mich noch zu wenig mit dem Thema beschäftigt. Ich möchte nur aufzeigen, dass es massive Fehler und Lücken aller beteiligten Seiten gegeben hat. Daraus sollte man Lehren ziehen. So etwas darf nie wieder geschehen!
2. Die Entstehung der Schutzzone um Srebrenica

Die Serben kontrollierten bis 1992 einen großen Teil Westbosniens und auch bis auf einige Ausnahmen Ostbosnien. Strategisch unwichtige Städte wie Zepa, Cerska und Srebrenica waren noch in muslimischer Hand. Zwischen Sommer und Herbst 1992 wurden die meisten in Zentralbosnien lebenden Muslime in Richtung der Enklaven oder bosnisch regiertem Gebiet vertrieben. Die Lebensmittelvorräte der Enklaven wurden knapp.
Srebrenica, die einstige Silberbergbaustadt, hatte zu diesem Zeitpunkt über 37 000 muslimische Einwohner. Am 18. April 1992 starteten die Serben ihre erste Offensive gegenüber Srebrenica. Die muslimische Bevölkerung floh in die Wälder. Am 20. April schlugen die Bewohner zurück. An der Spitze der Offensive stand der fünfundzwanzigjährige Polizist Naser Oric. Er war von diesem Zeitpunkt an einer der wichtigste Verteidiger Srebrenicas.
Anfang Mai verstärkten die Serben ihre Bemühungen die Stadt zu erobern. Am 8. Mai ermordeten Oric und seine Gefolgsleute den Anführer der örtlichen Serben. Eine Massenexekution von Serben begann. Im Gegenzug dazu ermordeten die Serben Hunderte männlicher Muslime in Bratunac.
Die Muslime entschlossen sich, auch serbisches Territorium zurück zu erobern. Einer der Hauptgründe war Nahrungsmangel.
Zwischen Mai 1992 und Januar 1993 griffen Muslime serbische Dörfer an und zerstörten sie. Sie folterten die Serben, ließen sie bei lebendigen Leibe verbrennen. Es heißt, dass in dieser Zeit mehr als 1300 ums Leben gekommen seien.
Der Hass der Serben wurde immer größer und sie sammelten Beweise gegen die Kriegsverbrechen der Muslime. Die Eroberung serbischer Gebiete machte einen Zusammenschluss der Enklaven von Zepa und Srebrenica im September 1992 möglich. Das Ziel der muslimischen Angriffe war die Unterbrechung des serbischen Korridors und die Errichtung eines eigenen Korridors zwischen Tuzla und Kroatien. Immer wieder eroberten die Muslime Teile des Korridors, doch die serbischen Gegenangriffe schlugen sie zurück. Im Februar eroberten die Serben Kamenica im Norden. Dadurch war Srebrenica abgeschottet. Die US-Regierung entschloss sich, Nahrungsmittel mit Fallschirmen über der Enklave abzuwerfen. Daraufhin verlangte der UN-Sicherheitsrat, dass gehandelt werden müsse. Der Kommandant der UNPROFOR in Bosnien-Herzegowina General Phillip Morillon fuhr nach Cerska, um sich einen eigenen Eindruck zu machen. Seinen Angaben nach waren keine Spuren eines Massakers auffindbar. Am achten März verhandelte Mladic mit dem Kommandant der bosnischen Armee General Sefer Halivovic über einen Waffenstillstand. Mladic garantierte freies Geleit für Frauen und Kinder und alte Menschen. Die Männer allerdings müssten auf die Gnade der serbischen Armee hoffen. Halivovic war verzweifelt und befahl seiner Armee, eine Gegenoffensive in Srebrenica zu starten. Das war allerdings unmöglich, weil alle Soldaten mit der Verteidigung nördlicher Städte beschäftigt waren. Der Angriff der Serben ging weiter. Der UNPROFOR Kommandant bemühte sich um eine friedliche Lösung für die Enklave. Nach seinem Besuch ließ er fünf Blauhelmsoldaten in Srebrenica. Auf dem Weg aus der Stadt legten sich Frauen und Kinder vor sein Auto. Man hatte ihn als Geisel genommen. Daraufhin verkündete er, das Srebrenica unter dem Schutz der UN-Streitkräfte stände. Einige UNO Mitglieder waren über den Alleingang Morillons nicht erfreut. Er hatte sein Leben in Gefahr gebracht, anstatt sich um die Leitung der UNPROFOR Truppe zu kümmern. Selbst nachdem der Kriegsrat von Srebrenica ihn freiließ, blieb er. Die Serben hatten keinen Angriff auf die Stadt gewagt, seit er dort war. Am 15. März macht sich Morillon auf den Weg, neue Verhandlungen zu führen. Sofort fingen die serbischen Angriffe erneut an. Die in Srebrenica anwesenden Blauhelmsoldaten verhinderten einen starken Angriff. Auf Befehl des UNPROFOR- Kommandeurs verließen diese Srebrenica am 13. April. Kurz darauf starten schwere Angriffe der Serben. Am 16. April waren die Muslime bereit, zu kapitulieren. Srebrenica stand kurz vor der Eroberung. Milosevic bestritt zu diesem Zeitpunkt, dass die Serben die Stadt erobern wollten. Er erlaubte UN-Personal Zutritt zu der Enklave, damit sie sich von seinen Aussagen überzeugen konnten. Der Kommandeur der serbischen Armee Mladic war nicht eingeweiht in den Alibiplan Milosevics. Er war bereit zur Einnahme der Stadt. Kurz bevor die Serben am 16. April Srebrenica endgültig einnehmen konnten, feuerte Naser Oric als letzten Verteidigungsversuch zwanzig Granaten ab. Die Serben zogen sich zurück. Zwei Stunden später wurden die Stadt und ihre umliegenden Gebiete mit Resolution 819 des UN-Sicherheitsrats zur Sicherheitszone erklärt.
3. UN Schutzzone
3.1 Allgemeine Definition der „Sicherheitszonen“

Die Resolution 824 des UN-Sicherheitsrates vom 06. Mai 1993 legte die wichtigsten Merkmale einer Sicherheitszone fest. Die Sicherheitszone war ein von den Vereinten Nationen bewachtes Gebiet. Die Sicherheit der Bewohner hat höchste Priorität. Bewaffnete Angriffe auf die Schutzzonen sollten sanktioniert werden. Des weiteren waren die Sicherheitszonen entmilitarisierte Zonen. Die Bewohner mussten ihre schweren Waffen an die UNPROFOR (UN-Schutztruppe) aushändigen.
„Der Sicherheitsrat
[...]
4. erklärt ferner, dass in diesen Sicherheitszonen folgendes befolgt werden sollen:
a) die sofortige Einstellung der bewaffneten Angriffe und jeder anderen feindseligen Handlung gegen die Sicherheitszonen und den Abzug aller militärischen oder paramilitärischen Einheiten der bosnischen Serben aus diesen Städten auf eine Entfernung, aus der sie keine Gefahr mehr für die Sicherheit und die Sicherheit ihrer Bewohner darstellen, was von Militärbeobachtern der Vereinten Nation zu überwachen ist;
b) seitens aller Parteien, die volle Achtung aller Rechte der Sicherheitstruppe der Vereinten Nationen (UNPROFOR) und der internationalen humanitären Organisationen auf freien und ungehinderten Zugang zu allen Sicherheitszonen in der Republik Bosnien-Herzegowina und die volle Achtung der Sicherheit der beteiligten Personen;
[...]
7.erklärt, dass er in dem Fall, dass eine der Parteien dieser Resolution nicht Folge leisten sollte, bereit ist, [...] zusätzliche Maßnahmen zu erwägen, die zu ihrer vollständigen Durchführung notwenig sind, [...].
3.2 UN-Resolutionen zur Errichtung der Sicherheitszonen
Mit der Resolution 819 vom 16. April 1993 wurde die Stadt Srebrenica zur Sicherheitszone erklärt. Die Serben waren kurz davor die Enklave einzunehmen. In einer weiteren Resolution
824 vom 6. Mai 1993 beschloss der UN-Sicherheitsrat die Einrichtung weiterer Sicherheitszonen in Bosnien-Herzegowina, nachdem es erneut feindselige Angriffe auf bosnische Städte gegeben hatte. Eine von ihnen war auch Srebrenica gewesen.
„Der Sicherheitsrat
[...] erneut bekräftigend, dass der er alle Verstöße gegen das humanitäre Volkerrecht, [...] verurteilt, unter Berücksichtigung der dringenden Sicherheits- und humanitären Bedürfnisse mehrerer zahlreicher Städte in der Republik Bosnien-Herzegowina [...], zutiefst besorgt über das Andauern der bewaffneten Feindseligkeiten, die von paramilitärischen Einheiten der bosnischen Serben gegen mehrere Städte in der Republik Bosnien-Herzegowina verübt werden [...] in den Städten Sarajewo, Tuzla, Zepa, Gorazde, Bihac sowie Srebrenica, [...]
in der Überzeugung, dass es zur baldigen Umsetzung des Friedenplans kommt, dass die oben erwähnten Städte als Sicherheitszonen gelten,
sowie in der Überzeugung, dass je nach Bedarf Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Sicherheit aller solcher Sicherheitszonen zu gewährleisten,[...].
3.3 UN-Resolution zur UN-Schutztruppe (UNPROFOR = United Nation Protection Force)
In der Resolution 743 des UN-Sicherheitsrates vom 21. Februar 1992 legten die Mitgliedstaaten die Entsendung einer Schutztruppe der Vereinten Nationen für das Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens fest.
„Der Sicherheitsrat
[...]
1. billigt den Bericht des Generalsekretärs vom 15. 1992 (S/23592)
2. beschließt, unter seiner Aufsicht in Übereinstimmung mit dem oben genannten Bericht und den Friedensplan der Vereinten Nationen eine Schutztruppe der Vereinten Nationen (UNPROFOR) aufzustellen, und ersucht den Generalsekretär, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um eine möglichst baldige Dislozierung sicherzustellen;
[...]
11.beschließt in diesem Rahmen auch, dass das mit Ziffer 6 der Resolution 713 (1991) verhängte Embargo nicht für Waffen und militärische Geräte gilt, die ausschließlich zur Verwendung der UNPRPFOR bestimmt sind;
12. ersucht erneut alle Staaten, die UNPRPFOR in geeigneter Weise zu unterstützen und insbesondere den Transit des Personals und Geräts der Truppen zu gestatten und zu erleichtern; [...].“
Die Forderung nach einer sicheren Stationierung der Schutztruppe wurde in der Resolution 749 des UN-Sicherheitsrates vom 07. April 1992 wiederholt.
„Der Sicherheitsrat,
[...]
4. bittet ferner nachdrücklich alle Parteien und anderen Beteiligten; durch alle notwendigen Maßnahmen die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit der UNPROFOR im Luftraum zu gewährleisten;
5. fordert alle Parteien und anderen Beteiligten auf, keine Gewalt anzuwenden, insbesondere in den Gebiet, in denen die UNPRPFOR stationiert beziehungsweise disloziert werden soll;
[...] .“
Die Länder, die bis zu diesem Zeitpunkt Truppen für die UNPROFOR entsandt hatten, waren Frankreich, Großbritannien. Spanien und Kanada spielten für die Bodenoffensive eine große Rolle. Die Förderation Russland zog in Erwägung, ihre in Kroatien stationierten Truppen für den Einsatz in Bosnien bereit zu stellen.
Mit der Einrichtung von Sicherheitszonen in Bosnien-Herzegowina vergaben die Vereinten Nationen neue Mandate an die UN-Schutztruppe. Sie sollten in diesen Gebieten als Beobachter tätig werden. Zu diesem Zweck wurde eine Verstärkung der Truppe in der Resolution 824 des UN-Sicherheitsrates von 06.Mai 1993 genehmigt.
Der Sicherheitsrat,
[...]
unter Hinweis auf die Bestimmung der Resolution 815 (1993) betreffend des Mandates der UNPROFOR und in diesem Kontext tätig werdend nach Kapitel VII der Charta,
[...]
6. ersucht den Generalsekretär, geeignete Maßnahmen im Hinblick auf die Überwachung der humanitären Situation in den Sicherheitszonen zu ergreifen, und genehmigt zu diesem Zweck die Verstärkung der UNPROFOR durch weitere 50 Militärbeobachter der Vereinten Nationen, [...].
Nachdem sich die Situation auch nach der Errichtung der UN-Schutzzonen nicht verbesserte, entschied der UN-Sicherheitsrat, das Mandat der UNPROFOR zu erweitern. In der Resolution 836 vom 4. Juni 1993 legte der Sicherheitsrat fest, dass es der UNPROFOR erlaubt sei, sich und die Sicherheitszonen mit Waffengewalt zu verteidigen. Des Weiteren legte die Resolution fest, dass Maßnahmen zu Abschreckung und Einnahme bestimmter Bodenpositionen getroffen werden dürften.
„Der Sicherheitsrat,
5. beschließt zu diesem Zweck das Mandat der UNPROFOR zu erweitern, um sie in der Resolution 824 (1993) genannten Sicherheitszonen in die Lage zu versetzen, von Angriffen auf diese Sicherheitszonen abzuschrecken, die Waffenruhe zu überwachen, [...]
9. ermächtigt die UNPROFOR [...] zur Selbstverteidigung, als Antwort auf die Bombardierung der Sicherheitszonen durch irgendeine der Parteien oder bewaffnete Einfälle in die Zone [...]die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, einschließlich Anwendung der Gewalt.
[...].“
Wie ich später versuchen werde aufzuweisen, war diese Resolution für die Verantwortlichen der UNPROFOR nicht eindeutig zu verstehen.
4. Der Angriff der Serben vom 06.Juli bis zum 11. Juli 1995

„Im Nachhinein ist klar, dass die Zeichen gröblich missdeutet wurden. Die Serben hatten vor Srebrenica zu erobern und zwar für immer.“
Der Angriff der Serben begann am 6. Juli 1995 um 3.15 Uhr mit sechs Raketen aus nördlicher Richtung der Enklave. Die im Südosten stationierten OP (Observation Post) meldeten Kämpfe. Auch die im Norden befindlichen Einheiten berichteten von kleineren Übergriffen. Der Angriff der Serben konzentrierte sich an dem ersten Tag auf das Areal um den Berg Javor, ein Stück südöstlich der Enklave gelegen. Der Berg gehört zu den drei Erhöhungen, die die Hauptzufahrtsstraße der Enklave schützen. Auf diesem Berg war OP Foxtrot stationiert. Der erste Angriff direkt auf die niederländischen Soldaten geschah gegen 13.00 Uhr des 6. Juli 1995 mit zwei direkt auf sie gerichteten Panzerrohren. Verletzt wurde niemand. Der Kommandeur der niederländischen Schutztruppe Srebrenica Oberstleutnant Ton Karreman wusste nicht, wie er auf diesen Angriff reagieren sollte. Er entschied sich für den diplomatischen Weg und bat die Serben um Klärung. Er erhielt keine klare Anwort, sondern die Bitte, seine Anfrage schriftlich zu verfassen. Karreman wandte sich an seinen niederländischen Stabschef und Leiter des Einsatzes in Bosnien Brigadegeneral Cees Nicolai um mit ihm die Möglichkeit eines Luftangriffes zu besprechen. Der Stabschef Nicolai teilte ihm mit, dass gerade Verhandlungen der Europäischen Union und dem serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic über eine mögliche Anerkennung des Staates Bosnien-Herzegowina im Gange waren. Diese Verhandlungen durften nicht durch militärische Zwischenfällen gestört werden. Die Kämpfe klangen ab und ein heftiger Regen setzte ein.
Am zweiten Tag der Eroberung, Freitag der 07. Juli 1995, war keine klare Sicht vorhanden. Am Morgen detonierten siebenundzwanzig Granaten, abends dann sechzehn weitere, auch in der Nähe des niederländischen Stützpunktes. Der niederländische Kommandeur der Enklave, Oberstleutnant Karreman, war allerdings zu dieser Zeit noch von einem Einschüchterungsversuch der Armee der bosnischen Serben (BSA) überzeugt. In der Nacht zum 08. Juli 1995 wurden siebenundzwanzig weitere Granateneinschläge registriert.
Der Sonntag begann ebenso neblig und ruhig wie der Vortag. Um 12.30 allerdings war der OP Foxtrot wieder unter direktem Beschuss und ein Volltreffer eines serbischen Panzers zerstörte die rechte Schutzmauer des Postens. Der Postenkommandant Feldwebel Frans van Rossum erbat beim Bataillonshauptquatier um Evakuierungsgenehmigung des Postens. Diese wurde gewährt, allerdings nur unter der Bedingung, dass das Leben der Soldaten nicht gefährdet wurde. Die eskalierenden Feuergefechte zwischen Serben und Muslimen machten einen sicheren Rückzug unmöglich. Die Soldaten zogen sich in den Posten zurück, um auf einen geeigneten Moment zu warten. Gegen 14.30 Uhr zeigte ein serbisches T-54 Geschützrohr auf den Posten. Die Serben forderten sie auf sich zu ergeben. Die Soldaten wurden entwaffnet, der Posten geplündert und den niederländischen Soldaten die Erlaubnis gewährt sich nach Srebrenica zurückzuziehen. Am Fuß der Berges Javor stießen die Niederländer mit ihren YPR Panzern auf eine von Muslimen errichtete Straßensperre. Der Panzerzug stoppte und Feldwebel van Rossum rief seinen Kompaniechef per Funk um Rat. Dieser riet ihm, wenn keine Panzer der Gegenseite sichtbar wären, die Sperre zu durchbrechen. Van Rossum wies seine Männer an, diesen Rat zu befolgen. Die Panzer wurden geschlossen und wieder in Bewegung gesetzt. In diesem Moment hörte man einen dumpfen Schlag. Der Gefreite Raviv van Renssen wurde in den Kopf geschossen und starb noch auf dem Weg zum Feldlazarett in Potocari. Nach der Eroberung des OP Foxtrot wollten die Serben die Hauptstraße hinter dem OP Uniform abschneiden. Nach dreistündigem Feuergefecht zwischen Serben und Muslimen um den Obsevation Post entspannte sich die Lage. Gegen 18.30 übernahmen die Serben den OP Uniform. Die Soldaten samt ihrem Postenkommandant Feldwebel Alwin van Eck wurden gefangen genommen. Die Serben bürgten für ihre Sicherheit. Der OP Sierra weiter im Tal gelegen verlebte einen ruhigen Tag außerhalb der Gefechte. Die Soldaten überlegten allerdings, den serbischen Soldaten zuvorzukommen und früher abzuziehen. Eine Botschaft der gefangenen Kameraden riet ihnen, den Posten nicht zu verlassen, da die Armee des Staates Bosnien-Herzegowina (ABiH) das Gebiet noch nicht geräumt hatte. Des Weiteren teilten ihnen ihre Kameraden mit, dass sie auf dem Weg zu einem Hotel waren und schon bald eine Ausreisegenehmigung nach Holland erhalten sollten.
Oberstleutnant Karreman glaubte immer noch an einen harmlosen Versuch der Serben das Tal des Jadar zu erobern. Er sah den Granatenbeschuss der Enklave als ein Ablenkungsmanöver an. Trotzdem sorgte er sich um seine in den OPs stationierten Soldaten. Jedem Posten war es freigestellt in die Stützpunkte nach Srebrenica oder Potocari zurückzukehren oder in den jeweiligen Posten zu verweilen.
Außerdem bot Karreman dem Kommandeur des bosnischen Armee Ramiz Becirevic an, die in den letzten Jahren eingesammelten Waffen wieder herauszugeben. So hätte die bosnische Armee die Enklave besser verteidigen können. Becirevia lehnte ab, weil die Serben die Grenzen der Schutzzone noch nicht überschritten hatten. Außerdem hatte er Angst, dass die Wiedergabe der Waffen ein Vorwand für die Serben liefern würde, die Enklave anzugreifen und zu übernehmen.
Um den Verlust der beiden OPs auszugleichen und einen besseren Überblick über die Aktivitäten der Serben zu bekommen, veranlasste der Bravo-Kommandant Hauptmann Jelte Groen vier seiner schnellen Eingreifstrupps sich rings um Srebrenica zu stationieren. Einer der Trupps stieß mit der bosnischen Armee zusammen, die versuchte den niederländischen Trupp mit Hilfe von Handgranaten in Richtung der Serben zu drängen. Nach diesem Vorfall beeilte sich der Trupp so schnell wie möglich in die Stadt zurückzukommen.
An diesem Samstag den 08.Juli 1995 zeichnete sich das Scheitern der bosnischen Verteidigung ab. Um dies nicht geschehen zu lassen, versuchte die bosnische Armee die niederländischen UN-Soldaten in den Kampf gegen die Serben zu verwickeln. Das Ziel war es, die Blauhelmsoldaten in die serbischen Schusslinien zu manövrieren. Die Soldaten allerdings zogen sich nach der Ermordung van Renssens lieber in ihre Stützpunkte zurück. Die Serben ihrerseits nutzen diese Entwicklung aus. Sie veranlassten, dass die übrigen OP erfuhren, wie gut es ihren Kameraden in Gefangenschaft erging.
Am Sonntag, den 09. Juni 1995 klärte sich die Frage, ob die Serben das Ziel verfolgten nur einen Teil oder die ganze Enklave einzunehmen. Um 9.00 Uhr fiel OP Sierra in bosnische Hand. Um 18.15 Uhr fiel dann auch OP Kilo. Der Postenkommandant von OP Delta zog es nach Beschuss des Postens vor, sich und seine Männer in Sicherheit zu bringen und freiwillig abzurücken. Sie fielen auf dem Weg Muslimen in die Hand und wurden die Nacht über festgehalten. Die Frage, die sich nun Oberstleutnant Karreman stellen musste, war, ob er Luftunterstützung anfordern solle oder nicht. Ein Luftangriff würde die Lage in der Enklave eskalieren lassen. Eins war ihm bewusst, er konnte mit seinen nur leicht bewaffneten Soldaten die Schutzzone gegen die Serben unmöglich verteidigen. Er hielt an einer diplomatischen Lösung fest und sah Luftunterstützung in diesem Stadium für nicht erforderlich an. Auch die NATO lehnte in Brüssel den Antrag der Vereinigten Staaten auf Luftunterstützung als „gefährlich“ und „kontraproduktiv“ ab. Der niederländische Außenminister hatte seinen amerikanischen Kollegen um Rat gefragt. Derweil verschlechterte sich die Lage im Süden. Muslimische Flüchtlinge strömten aus dem so genannten Schwedischen Schutzprojekt in das nördliche Tal Jadar. Gegen 18.30 Uhr flauten die Kämpfe ab. Die Serben standen nun zwei Kilometer vor der Stadt. Die Tatsache, dass die Serben die ganze Schutzzone einnehmen wollten, war nicht mehr von der Hand zu weisen. Nach langen Beratungen zwischen dem Oberbefehlshaber der UNPROFOR Generalleutnant Bernard Janvier und dem für die Einsätze verantwortlichen Stabsoffizier Oberst Harm de Jonge empfing das Bataillon um 22.00 Uhr folgenden Befehl:
„Beziehen Sie unter Einsatz aller verfügbaren Mittel Riegelstellungen, um ein weiteres Eindringen und Vormarsch von BSA-Einheiten in Richtung Srebrenica zu verhindern. Um diese Stellungen zu stärken, ist jedes Mittel erlaubt, einschließlich bewaffneten Maßnahmen."
Das bedeutete, dass die schlecht ausgerüsteten Soldaten nun kämpfen mussten. Eigentlich waren sie nur zur Beobachtung und zur Verbreitung einer sicheren Atmosphäre in die Schutzzone gekommen. Keiner von ihnen war auf den Kampf vorbereitet. Der Bravo-Kompanie gelang, es fünfzig Mann zu bewaffnen. Jeweils zwei Panzer postierten sich in der Stellung Bravo Eins und die anderen zwei an der Stellung Bravo Vier südlich der Enklave. Zur weiteren Feuerunterstützung wurde ein 81-mm Mörser auf dem Stützpunkt in Srebrenica in Stellung gebracht.
Zusätzlich übermittelten Generalleutnant Janvier und Yasushi Akashi, Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs, den Serben ein Ultimatum. Sie forderten einen Rückzug aus der Enklave und die Freilassung der gefangenen niederländischen Soldaten. Gegen 22.30 Uhr übermittelte General Nicolai Mladics Stellvertreter General Zdravko Tolimir das Ultimatum. Die Anfrage stieß auf Unverständnis. Es gäbe doch gar keine Serben in der Enklave. Das sei alles muslimische Propaganda.
Schon in der Nacht nahmen die niederländischen Soldaten ihre Riegelstellung ein. Im Morgengrauen eröffneten serbische Panzer wieder das Feuer auf Srebrenica. Der Versuch des stellvertretenden Kommandeurs der Bravo-Kompanie, Hauptmann Peter Hagemann, die Stellung Bravo zwei zu besetzen, schlug fehl. Der YPR wurde von einer serbischen Granate beschossen und kam zum Stillstand. Der Panzer steckte fest, so dass die Besatzung zu Fuß Richtung Bravo Vier marschieren musste. Um neun Uhr morgens erbat das Bataillonshauptquatier Luftunterstützung. Man teilte ihnen mit, dass sie zuerst die Zielliste erneuern müssten. Die alte sei schon 24 Stunden alt und die Serben hätten weitere Fortschritte gemacht. Allmählich schwächten sich die Kämpfe ab und es schien als ob eine Luftunterstützung nicht mehr notwendig war. Die NATO-Maschinen, die in der Luft gewesen waren, kehrten gegen 14.00 Uhr auf ihren Stützpunkt in Italien zurück.
Die Panik unter der Zivilbevölkerung stieg an. Bis 18.00 Uhr schwoll der Strom der Flüchtlinge unaufhaltsam an.
Der Kommandant des OP Hotel Feldwebel Frank Struik berichtete, dass sich oberhalb von Srebrenica in einer Kurve achtzig serbische Soldaten befanden. Sie schienen bereit für den Überfall auf die Stadt. Gegen 18.30 Uhr begannen die Serben ihren Vormarsch. Unter der Zivilbevölkerung brach Panik aus. Bravo Eins eröffnete das Feuer. Zur Warnung schossen sie zuerst über die Köpfe der Serben. Währendessen flohen die Zivilisten in Richtung des niederländischen Stützpunktes. In ihrer Panik durchbrachen sie Tore.
Auch Bravo Vier feuerte jetzt aus Richtung des Marktplatzes auf die Serben. Trotz allem machten diese immer noch Boden gut. Um einen direkteren Kontakt mit den Serben zu haben, beschloss Hauptmann Peter Hagemann, seine Stellung weiter in den Stadtkern zu verlegen. Dies wollten die Muslime nicht. Sie trauten den Niederländern nicht und dachten, diese wollten sich nur aus der Schusslinie bringen. Die Muslime bedrohten die Soldaten mit Panzerabwehrwaffen, und auch ein Gespräch mit Srebrenicas Bürgermeister, Fahrudin Salihovic, verringerte das Misstrauen nicht. Unterdessen setzten die Serben ihren Vormarsch fort. Die letzte Chance der Niederländer war jetzt die Luftunterstützung der UNO. Gegen 19.00 forderte der stellvertretende Kommandeur der Schutzzone Major Rob Franken erneut Luftunterstützung an. Die Serben zogen sich gegen 19.30 Uhr freiwillig zurück. Es schien, als ob sie den Zivilisten Zeit geben wollten aus der Stadt nach Potocari in das Dutchbat- Hauptquartier zu fliehen. Auch dieser Plan scheiterte an der bosnischen Armee. Diese sah ihre einzige Chance darin, die Vereinten Nationen in die Kämpfe zu verwickeln. Zu diesem Zweck mussten die niederländischen Soldaten an den Frontlinien verweilen und die zivile Bevölkerung in der Stadt bleiben. Schon geflohene Zivilisten wurden von der bosnischen Armee (ABiH) zurückgeholt. So blieb die zivile Bevölkerung in der Nacht von 10. auf den 11. Juli in der Stadt.
Eine Genehmigung für eine Luftunterstützung dauerte ca. zwei Stunden. Gemäß der UNPROFOR-Anweisungen OPO 14/94 musste die Bitte erst an das im Nordosten stationierte Bataillon gereichtet werden. Dieses musste die Bitte an den nächsthöheren Rang, die UNPROFOR in Sarajevo richten. Der niederländische Stabschef Cees Nicolai und sein französischer Kollege stimmten zu und gaben die Bitte an das Oberkommando der United Nation Protection Force (UNPF) in Zagreb weiter. Dort erörterte Generalleutnant Bernard Janvier die Sache erstmal militärisch und zog dann den UN-Sonderbeauftragten Yasushi Akashi zu rate. Janvier zögerte mit seiner Entscheidung. Er hatte Angst, dass diese Luftangriffe die NATO in Kämpfe mit den Serben verwickeln könnten. Da gegen 22.00 Uhr die Kämpfe in der Schutzzone vollständig erloschen waren, entschied man sich, keine Angriffe mehr zu starten. Allerdings sollten die F-16-Jagdbomber des Air Operations Coordination Centre für den nächsten morgen kampfbereit sein. Danach rief Javier erneut Mladic an und wiederholte das Ultimatum. Am Dienstag den 11. Juli meldete sich gegen 6.00 Uhr ein gefangener OP-Kommandant. Die Serben gaben den Niederländern achtundvierzig Stunden Zeit, um die Stadt zu räumen und garantierten einen sicheren Abzug. Das Bataillon erfuhr jedoch gegen Mitternacht von dem Ultimatum der UNO. An dieser Stelle setzte eine tragische Kette von Missverständnissen über die Luftangriffe ein. Das niederländische Bataillon in Srebrenica und Sektor Nordost (Tuzla) gingen von schweren Luftangriffen aus, egal wie die Serben sich verhalten würden. Kommandant der UNPF Generalleutnant Janvier dagegen wollte nur handeln, wenn die Serben seine Soldaten massiv angriffen. Oberstleutnant Karremann teilte die letzten Geschehnisse den Muslimen mit. Diese hatten ihr Vertrauen in die niederländische Armee schon verloren. Eine Zusammenarbeit war nicht mehr möglich. In der Nacht zum 11. Juli beobachtete der Posten auf OP Hotel Flüchtlingswellen in Richtung Potocari. Selbst unter den bosnischen Soldaten gab es Kämpfe.
Gegen 6.00 Uhr gingen Bravo Eins und Drei wieder in Riegelstellung. Die von Italien abgehobenen Abfangjäger warteten auf ein Zeichen der Niederländer in Srebrenica. Diese dachten allerdings, die Angriffe würden ohne einen Funkspruch von ihnen starten. Um 8.00 Uhr war noch immer keine Luftunterstützung eingetroffen. Das Dutchbat bat gegen 10.00 Uhr erneut um Luftunterstützung. Gegen 11.00 Uhr traf die Bitte bei UNPF ein. Zur gleichen Zeit startete der serbische Angriff auf Bravo Eins. „Die Situation war unhaltbar“ , sagte Unteroffizier Hans Beckers.
Genauso wie die muslimischen Kämpfer, verließen auch die Niederländer ihre Stützpunkte. Sie zogen sich in den Stadtkern zurück. Zu diesem Zeitpunkt gaben die Niederländer auf. Die Niederländer setzten gegen 14.30 Uhr unter serbischem Granatenbeschuss die Evakuierung der Zivilbevölkerung fort. Zur gleichen Zeit starteten die NATO-Luftangriffe. Sie zerstörten ein serbisches Panzerbataillon. Die Serben ihrerseits stellten an die NATO ein Ultimatum. Entweder stoppte man die Luftangriffe, oder die gefangenen niederländischen Soldaten würden sterben. Die Antwort kam aus den höchsten niederländischen Kreisen. Der niederländische Verteidigungsminister Voorhoeve stoppte per Telefon den Angriff. Er war genau zu dem gleichen Schluss wie auch Janvier und Akashi gekommen. Inzwischen ging die Evakuierung in Windeseile weiter. Als letztes verließen die Männer der Riegelstellung die Stadt.
„Am 11. Juli 1995, kurz nach 16.00, fiel die Stadt Srebrenica in serbische Hände.“
5. Das Massaker
5.1 Die Deportationen 11. Juli bis 14. Juli 1995
Nach der Einnahme Srebrenicas durch die serbische Armee am Mittag des 11. Juli 1995 versammelten sich ca. 25.000 Muslime, darunter auch 1.200 Männer, um den niederländischen Stützpunkt in Potocari. Den Niederländern war es allerdings nur möglich, 3.000 bis 4.000 Flüchtlinge in einer Fabrikhalle aufzunehmen. Ein grausames Szenario spielte sich um den Stützpunkt herum ab. Schreiende Frauen waren auf der Suche nach ihren Kindern, Verletzte suchten Ärzte und Hilfe und bei einigen schwangeren Frauen setzten die Wehen ein. Da es keine sanitären Anlagen gab, musste sich jeder im Freien entleeren. Es gab weder genug Essen noch zu trinken. Das Dutchbat teilte alle Vorräte mit den Flüchtlingen. Das Wetter machte die Situation noch schwieriger. Die Soldaten verteilten bei 35°C kalte, feuchte Tücher, um den Durst der Menschen ein wenig zu lindern. Die Angst vor Ausbreitung einer Seuche machte sich breit. Der Gestank von Exkrementen war kaum auszuhalten. Aus Angst vor ersten Todesfällen schaufelten die Soldaten ein tiefes Loch. Es sollte als Massengrab dienen.
Die Strategie der Serben war, nach der Eroberung der Enklave die Menschen auf möglichst kleinem Areal zu konzentrieren. Das würde die spätere Deportation vereinfachen. Der ganze Vorgang musste schnell von statten gehen, damit eine Antwort der UNO zu spät kommen würde. Die Frauen und Kinder sollten nach Klandanji, in bosnisch kontrolliertes Gebiet gebracht werde. Die Männer dagegen ins Gefangenenlager in Bratunac.
General Ratko Mladic übernahm am 11. Juli persönlich das Kommando über die serbische Armee. Er lud den Kommandant des Dutchbat Ton Karreman zu einem Gespräch ein. Die Unterredung fand um 20. 30 Uhr im Hotel Fantanen statt und dauerte 45 Minuten. Mladic machte deutlich, dass er sich neue NATO-Luftangriffe verbitte und die Evakuierung nach seinem Plan ablaufen werde. Ton Karreman wies alle Schuld von sich. Er sagte vor laufender serbischer Kamera: „Nein [...], das entscheide nicht ich, [...].Das ist etwas, was die Vereinten Nationen anbieten. [...].“ Dass Karreman die Wahrheit verdrehte, stört Mladic nicht. Er ordnete an, dass der Kommandant der Enklave später mit einem muslimischen Vertreter wiederkommen sollte. Gegen 22.45 kehrte Karreman zusammen mit zwei Verbindungsoffizieren und dem Direktor der hören Schule in Srebrenica Nesib Mandzic in das Hotel zurück. Mladic kündigte einen befristeten Waffenstillstand an, um eine sichere Evakuierung zu garantieren. Die bosnischen Soldaten müssten ihre Waffen niederlegen, anderenfalls würden sie getötet.
Am Morgen des 12. Juli schrieb Karreman ein Fax an alle vorgesetzten Stellen, auch an das Verteidigungsministerium in Den Haag. Er war besorgt, denn weder die niederländischen Soldaten, noch die Flüchtlinge könnten sich gegen die Serben verteidigen. Der einzige Ausweg seien Verhandlungen auf höchster Ebene.
Daraufhin sprach der US-Geschäftsträger in Belgrad Rudolph Perina mit dem serbischen Präsidenten Milosevic. Der allerdings wies die Verantwortung zurück. Er habe Mladic seit Tagen nicht gesprochen. Man habe ihm die Sicherheit aller Zivilisten und UN-Angehörigen versichert.
Ein weiterer Verhandlungsversuch durch General Cees Nicolai mit Mladic schlug fehl. Der Kommandeur der serbischen Armee war nur mit Gespräch mit Ton Karreman bereit.
Das dritte Treffen zwischen Karreman und Mladic fand am 12. Juli um 10.30 Uhr statt. Außer Karreman waren noch zwei Verbindungsoffiziere und eine vierköpfige bosnische Delegationen anwesend. Mladic wies sie in seinen Evakuierungsplan ein. Die Flüchtlinge sollte in fünf Gruppen aufgeteilt werden. Die erste bis vierte Gruppe sollte Frauen, Kinder, Verletzte und UN-Personal beinhalten. Die fünfte Gruppe sollte ausschließlich aus bosnischen Männern bestehen. Diese sollten wegen möglicher Verwicklungen in Kriegsverbrechen an einem anderen Ort verhört werden. Die bosnischen Vertreter protestierten gegen diesen Plan.
Auch Kommandant Karreman, der seine Sorge des niederländischen Verteidigungsministers Voorhoeve miteilte, befürchtete, der serbische Plan beinhalte eine ethnische Säuberung. Der niederländische Verteidigungsminister wies ihn an, alles zu tun um solch ein grausames Szenario nicht geschehen zu lassen.
Kurz vor Mittag am 12. Juli kehrte die Delegation nach Potocari zurück. Die bosnischen Soldaten wurden angewiesen einen Evakuierungsplan aufzustellen. Kurz danach trafen schon serbische Lastwagen und Kleinbusse in Potocari ein. Sie sollten die Muslime nach Bratunac
Zwischen 11.00 und 12.00 Uhr marschierten die ersten serbischen Soldaten in Potocari aus nördlicher Richtung ein. Es schien, als ob der Hauptangriff auf die Enklave beendet sei. Die ersten Angriffe der Serben am 6. Juli kamen aus südlicher Richtung. Die serbischen Soldaten verlangten Zutritt zu dem niederländischen Stützpunkt. Erst nach Androhung von Waffengewalt wurde dieser gewährt.
Zur gleichen Zeit ließen sich weitere Soldaten der BSA dabei filmen, wie sie Wasser und Brot an die Muslimen verteilen. „Ein Propagandatrick“, wie ein niederländischer Soldat berichtete. Selbst der Kommandeur der serbischen Armee verteilte die Lebensmittel. Er kam in Begleitung seines eigenen Kamerateams und versuchte die Muslime von der getrennten Evakuierung zu überzeugen. Die vertrauten ihm. Der niederländische Leutnant Koster fragte Mladic immer wieder nach seinem weiteren Vorgehen und der Absprache mit Kommandant Karreman. Doch Mladic reagiert unbeeindruckt. „[...] Ihr Kommandant interessiert mich nicht“ , war seine Antwort. Während Leutnant Koster die Geschehnisse Karreman meldete, drängten sich verzweifelte Muslime in die Busse. Die Männer wurden von ihren Familien getrennt und in einem Haus von serbischen Soldaten mit Hunden bewacht. Später fuhren sie mit einem Bus nach Bratunac.
Niederländischen Gefangenen fielen die zahlreichen Busse, die die muslimischen Männer aus Potocari holten, auf. Des weiteren berichteten sie von Schüssen. Zwei serbische Soldaten erzähltem dem niederländischen Feldwebel Johan Bos voller Stolz, dass sie muslimische Männer getötet und muslimische Frauen vergewaltigt hatten. „Weder eine Spur von Rache und Wut war zu spüren, es schien als würde es ihnen Spaß machen“, so Feldwebel Johan Bos.
Karreman erkannte, dass er zu wenig Personal zur Verfügung hatte, um jede der serbischen Evakuierungsfahrten begleiten zu lassen. Er entschied sich, dass jeweils zwei Mercedes Jeeps einen Konvoi begleiteten sollen. Bis zur Ausstiegsstelle in der Nähe von Kladanji war das sichere Geleit gewährleistet. Dann beschlagnahmten die Serben die Fahrzeuge und die Soldaten wurden an mehreren Punkten auf der Strecke festgehalten. Keines der Fahrzeuge kehrte zurück. Ein weiterer Zwischenfall geschah am 12. Juli gegen 18.00 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt setzte sich ein Konvoi aus fünfzig Verwundeten, 10 muslimische Frauen und einige niederländische Soldaten in Bewegung. Bei Ankunft an der Ausstiegstelle in Kladanji stellten die Serben fest, dass sich unter den Verwundeten auch Muslime im wehrfähigen Alter befanden. Zwanzig Verwundete wurden aus dem Bus gezogen und mussten die 6 km in die Stadt zu Fuß gehen. Die meisten konnten nur kriechen. Eine der muslimische Frauen musste auch aussteigen und kehrte nach einiger Zeit zurück. Sie war von drei serbischen Soldaten vergewaltigt worden.
Trotz geäußerter Bedenken der muslimischen Vertretung ging die Deportation am 13. Juli gegen 6.30 Uhr weiter. Die Familien wurden weiter getrennt und die Männer in ein südlich gelegenes Haus gebracht. Die niederländischen Soldaten machten sich Sorgen um die Männer, die in dem völlig überfüllten Haus kauerten. Gegen 16.00 Uhr war die Evakuierung der Muslime außerhalb des niederländischen Stützpunktes abgeschlossen.
Der nächste Schritt war die Deportation der Muslime innerhalb des Dutchbatgeländes. Der niederländische Major Franken versuchte, die Bosnier zu beruhigen. Er erzählte von einem Gespräch mit den Serben. Er hatte alle Personalien der 239 anwesenden Männer auf einer Liste notiert und per Fax nach Genf weitergeleitet. Franken garantierte dadurch Sicherheit. Er versprach den Männer eine Evakuierung mit ihren Familien. Gegen 19.00 Uhr am 13. Juli 1995 waren fast alle Bewohner der Enklave evakuiert. Srebrenica war zu diesem Zeitpunkt „ethnisch gesäubert“.
5.2 Die Massakerorte
Die meisten Exekutionen fanden auf dem Weg Richtung Konjevic Polje statt. Meist wurden die Muslime entweder am Straßenrand oder auf örtlichen Fußballfeldern (wie z.B. in Nova Kasaba oder Bratunac) zusammengepfercht und erschossen. Des Weiteren gab es Häuser, von denen die Muslime dachten, sie seien Verhörorte, in denen die Männer erschossen wurden. Auch Verstecke der Muslime, wie in Kravica, wurden von den Serben beschossen. Die Serben waren bemüht, die Spuren des Massakers immer schnellstmöglich zu verwischen. Ein U-2-Spionageflugzeug fotografierte am 13. Juli ein Fußballfeld in Nova Kasaba. Man erkannte ungefähr sechshundert Muslime, die von serbischen Soldaten bewacht wurde. Zwei Tage später war kein Muslim mehr zu sehen. Die Fotos zeigten Spuren frischer Grabungen.
5.3 Die Durchführung der ethnischen Säuberung

In der Nacht von 11. auf 12. Juli versammelten sich die bosnischen Kämpfer in der Gegend um Jaglici zum Abmarsch. Sie hatten beschlossen sich zurückzuziehen und die Enklave nicht länger zu verteidigen. Der Plan, die UNO in die Kämpfe um Srebrenica zu verwickeln, war fehlgeschlagen. Sie entschieden sich für einen Vormarsch in nordwestlicher Richtung nach Konvejevic Polje und Cerska. Es kursierten Gerüchte, dass die südlich gelegene Stadt Zepa schon gefallen war. Die 10 000 bis 15 000 Menschen große Gruppe musste sich in kleinere Untergruppen teilen, um den Marsch so schnell wie möglich zu gestalten. Neben den muslimischen Kämpfern marschierten noch einige Frauen und Kinder, meist Angehörige des höheren Militärs, mit. Die erste Gruppe bestand aus erfahren Soldaten und hohen Politikern Srebrenicas. Unter ihnen war auch Verteidigungssekretär Hasanovic. Die Gruppe kam schnell voran und erreichte in sechs Stunden das 25 km entfernte Konjevic Polje. Dort entschieden sie, auf die Nacht zu warten und dann den Vormarsch fortzusetzen. Die Serben hatten ihren Vormarsch nicht verhindert. Anderes erging es den anderen Gruppen. Die unerfahren Soldaten und Zivilisten tappten in die Fallen der Serben. Diese warteten mit Panzern und schweren Maschinengewehren an der Straße von Bratunac nach Konjevici und der Straße von Konjevici nach Milici. Im Morgengrauen entdeckten die Serben die Kolonne im Norden des Weilers Kamenica. Sie eröffneten sofort das Feuer, um die Flüchtlinge einzuschüchtern. Die dagegen wussten nicht, wie sie reagieren sollten. Nach einer Nacht Bedenkzeit setzten sie den Vormarsch fort. Nach 500m fingen die Serben an zu schießen. Ein Baum fiel um und tötete 20 muslimische Männer. Die übrigen Männer wurden entlang der Straße Bratunac-Konjevici nach Nova Kasba abgedrängt. Die Kolonne verlor den Zusammenhalt. Die meisten folgten den serbischen Aufrufen, aufzugeben, und kamen mit erhoben Armen aus den Wäldern. Die anderen wurden mit Handgranaten aus den Wäldern getrieben. Sie wurden auf kleine Felder zusammen getrieben. Die Bosnier waren erschöpft, hungrig, orientierungslos und voller Furcht. Ein paar verloren den Verstand und halluzinierten. Einige nahmen sich das Leben, weil sie keinen anderen Ausweg mehr sahen. Dr. Ilijas Pilav, einer der wenigen Ärzte der Enklave berichtet von muslimischen Kämpfern, die die Nerven verloren und wild um sich schossen. Sie erschossen dabei ihre eigenen Gefährten. Andere berichten von serbischen Soldaten, die sich als Blauhelmsoldaten verkleidet unter die Kolonne mischte. Sie versprachen die Gruppe sicher ins bosnisch regierte Gebiet zu führen. Keiner der Gruppe wurde je wieder gesehen.
Die größte Gruppe von Gefangen wurden von Frauen und UN – Soldaten beim Abtransport nach Kadanji in der Nähe von Kravica gesehen. Hunderte von Männern knieten neben Leichen im Gras und wurden gezwungen auf serbische Art mit drei Fingern zu grüßen. Widerstand erkannten die UN-Soldaten nicht.
Der sechzehnjährige Überlebende Enver Husic berichtete später in einem BBC-Panorama Interview von seinen Erlebnissen.
„Man brachte sie zu diesem Haus, einen nach dem anderen. [...] Sie selektierten die Leute für dieses Haus; die Verwundeten rührten sie nicht an. Sie schnappten sich bestimmte Leute und sagten: „Keine Sorge, du kommst auch noch an die Reihe. Es gibt keinen Grund Angst zu haben. Ihr werdet bloß verhört. “ Aber niemand kam da wieder raus.“
Im Dorf Kravica suchten die muslimischen Männer Schutz in einer Lagerhalle. Die Serben feuerten willkürlich in die Lagerhalle hinein. Der zweiundfünfzigjährige Hakija Huseinoviv konnte nur überleben, weil er sich vierundzwanzig Stunden unter zwei Leichen versteckte. Die Serben rissen eine Wand der Halle ab und baggerten die Leichen auf Lastwagen. Nur weil sie Feierabend machten und die übrigen Leichen mit Heu bedeckten, gelang ihm die Flucht.
In der Nacht auf Donnerstag wurde der Vormarsch Hunderter Muslime gestoppt. Es waren zu viele, um sie nach Bratunac zu schaffen. Deswegen wurden sie im Fußballstadion in Nova Kasba zusammengepfercht.
Ein Donnerstagmorgen sollen es schon tausend gewesen sein. Niederländische Soldaten, die gezwungen worden waren die Nacht vom 13. auf 14. Juli in Nova Kasba zu verbringen, berichteten von Schüssen aus Richtung des Fußballfeldes. Im August fand der Journalist David Rohde dort frische Massengräber und muslimische Ausweispapiere.
Die in Potocari verhafteten muslimischen Männer wurden in der Schule und auf dem Fußballfeld in Bratunac festgehalten. Am 13. Juli stießen weitere dazu, die auf der Straße eingesammelt worden waren. Das Fußballfeld, sowie die Schule waren überfüllt. Die ganze Nacht wurden die Männer verhört und selektiert exekutiert. Am Freitagmorgen gab es keinen lebendigen muslimischen Mann mehr in Bratunac. Die Operation war gut organistisiert und geplant worden.
Ein Überlebender berichtete: “Die Tschetniks (Serben) holten uns aus dem Laster; wir mussten die Hände im Nacken verschränken und brüllen: `Lang lebe Serbien! Srebrenica ist serbisch! `“
Der Gruppe mit den führenden Politikern und den meistgesuchtesten Kriegsverbrechern auf der serbischen Liste gelang es schon am 15. Juli, Kontakt mit bosnischen Gruppen herzustellen. In der Nähe von Krizevici übernahm Naser Oric, der bis zum April für Srebrenica verantwortlich war, das Kommando. Die Mitglieder des Präsidiums wurden am frühen morgen des 16. Juli in Sicherheit gebracht.
Es schien, als ob die Überprüfung der Männer auf frühere Kriegsverbrechen nebensächlich geworden war. Muslimische Männer jeden Alters waren Freiwild für die Männer.
6. Die Gräber
6.1 Ausgrabung / Identifikation der Verscharrten

Zur Ausgrabung und Identifikation der Vermissten in Bosnien-Herzegowina wurde 1996 die Internationale Kommission für vermisste Personen (ICMP) von den Mitgliedern des G-7 Bündnisses eingesetzt. Die der Kommission angehörigen Archäologen, Anthropologen entwickelten ein umfangreiches DNA-Programm.
Bevor das geschehen kann, müssen die einzelnen Knochen der Toten aus den Massengräbern freigelegt und geordnet werden. Jeder Tote bekommt, auch wenn seine Knochen unvollständig sind, eine Nummer. Ein Teil der Nummer bestimmt den Fundort und die Fundnummer. Damit der Kriminaltechniker später die Umrisse des Toten nachvollziehen kann, wird jeder Fundort eines Knochens mit Hilfe einer reflektierenden Stange und einem elektronischen Messgerätes im Computer festgehalten. Daraufhin werden die Überreste und auch persönliche Fundsachen in eine weiße Plastikhülle verstaut. Diese kommt dann in die Leichenhalle nach Tuzla. Dort stapeln sich weiße Plastiksäcke. Für die Autopsie wechselt der Leichnam den Raum. Die noch vorhandenen Textilien werden gewaschen. Später werden sie zusammen mit dem Knochen und den persönlichen Fundsachen, wie Uhren, Ringe und Feuerzeuge fotografiert. Dieses Album der Toten liegt für die Familien aus. Die Knochen müssen für die Autopsie mit einer Hochdruckpumpe gereinigt werden. So werden Verletzungen und Folterspuren erkennbar. Der Pathologe erstellt ein biologisches Profil des Toten. Die entnommene DNA-Probe wird nach Sarajevo ins ICMP-Labor geschickt. Dort sind mehr als 20 000 Blutproben möglicher Angehöriger gespeichert. Eine Übereinstimmung der DNA kann mit einem speziellen Computersystem schnell herausgefunden werden. Bis jetzt hat es nur 600 Übereinstimmungen für ganz Bosnien-Herzegowina gegeben.
7. Das Leben nach dem Massaker
Das Leben im heutigen Srebrenica ist auch acht Jahre nach dem Massaker geprägt von Trauer und Wut. Nach dem Massaker standen viele Überlebende vor dem nichts. Ohne Haus und Arbeit war es schwer ein neues Leben zu beginnen. Dazu kommt das die meisten muslimischen Männer als vermisst gelten und noch nicht identifiziert werden konnten. Weder ein Begräbnis noch die dazugehörigen Klagerituale konnten durchgeführt werden. Das ist nach Meinung der Psychologin Irfana Pasagic der Grund dafür, dass die Frauen kein neues Leben beginnen können. Das Oberthaupt der Familie kann nicht ohne ein Begräbnis ersetzt werden. Das ist im muslimischen Glauben so verankert. Außerdem fühlen sich die Frauen mitschuldig an dem Tod ihrer Männer. Sie hatten sich damals von ihnen einfach trennen lassen. Dieses Denken überträgt sich auch auf die Kinder. Ohne den Mann oder Vater können die Angehörigen nicht glücklich sein.
Die Angst ist immer noch spürbar. Die meisten Mädchen gehen nicht in die Schule, und wenn sind die Buskosten für die Familie kaum tragbar. Viele leben in engen Wohnungen, in Flüchtlingslagern und halten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser.
Es gibt noch immer keine Geschäft in der Stadt. Der Straßenhandel ist die einzige Möglichkeit in der Nähe Nahrungsmittel zu kaufen.
Die Entwicklung ins Srebrenica geht nur langsam voran. Als im Jahr 2000 die ersten Muslimen, es waren insgesamt nur 260 Menschen, wieder zurückkehrten wendeten die Serben sich massiv ab. Srebrenica ist zu einer serbischen Stadt geworden. Heimlich leben frühere Freundschaften zwischen Muslimen und Serben wieder auf. Der Hass zwischen den Völkern bestimmt heute noch das Leben.
Am 31. März 2003 wurden die ersten identifizierten Überreste zweier Toten beerdigt. Die ersten Opfer fanden ihre letzte Ruhe. Dieser Montag wurde zu einem nationalen Feiertag erklärt.
Doch ein echtes Leben nach dem Massaker ist überhaupt nicht möglich. Es gehört noch immer zum Alltagsgespräch.
7.2 Präsente Hilfsorganisation
Es gibt verschiedene Hilfsorganisationen, die das Leben in Srebrenica erleichtern möchten. Das Rote Kreuz (Red Cross) listete die vermissten Menschen von Srebrenica auf. Heute stehen auf der Liste 6522 Menschen.
Die größte Hilfe bietet die bosnische Organisation „Women Srebrenica“, die auf ihrer Homepage die verschiedenen Vermissten zeigt und auflistet. Ihr Ziel es, ist die Menschen auf das Geschehene aufmerksam zu machen.
Die 1996 in Tuzla gegründete International Commission on Missing Person (IMPC) in the former Yugoslavia unterstützt die Ausgrabung und Identifizierung.
Auch weitere große Hilfsorganisation, wie z.B. Amnesty International versuchen zu helfen. Die meiste Unterstützung von Seiten der Organisation erfahren die Bewohner Srebrenica bei der Identifikation der Toten. Besonders die bosnische Organisation Physicians for Human Rights (PHR) und ihre Schwesterorganisation das Office of High Representative (OHR) haben sich auf diesem Gebiet spezialisiert.
Weitere Organisation, wie verschiedene Lions Club oder gemeinnützige Organisation spenden Geld oder kaufen Ziegen, damit die Kinder in Srebrenica Milch und Butter als Nahrung haben.
8. Epilog
Eine abschließende Bewertung abzugeben fällt mir sehr schwer. Ich bin über das Ausmaß menschlicher Grausamkeit sehr erschüttert. Hätte das Geschehene nicht verhindert werden können?
Die Resolutionen 819 und 824 des UN-Sicherheitsrates gaben keine klaren Anweisungen. Die Soldaten der UNPROFOR wussten nicht, ob sie nur sich oder auch die Enklave verteidigen sollten. Vielleicht hat der Kommandant der Enklave, Oberstleutnant Ton Karreman, gehofft, das der Angriff nur territoriale Gewinne erbringen soll. Er hätte schneller handeln und Unterstützung anfordern müssen. Die UNO hat jedoch viel zu spät reagiert. Sie hätte das Massaker vielleicht verhindern können, wenn sie nicht Rücksicht auf die politischen Verhandlungen mit Milosevic genommen hätte. Das war ein kluges Ablenkungsmanöver der damaligen serbischen Regierung.
Die niederländischen Soldaten konnten niemals allein gegen die serbischen Streitkräfte gewinnen. Sie waren den Serben hilflos ausgeliefert. Darauf hätte die UNO reagieren müssen. Ich denke, dass die Luftangriffe vom 11. Juli schlecht vorbereitet und organisiert waren. Sie hätten die serbischen Soldaten aufhalten können. Dieses Missverständnis führte zur endgültigen Übernahme durch die Serben.
Der Angriff der Serben schien gut geplant zu sein. Die Gefangennahme der UN-Soldaten, diente nur dazu die UNO zu erpressen, um die Luftangriffe zu stoppen. Auch nach der Übernahme Srebrenica gab es noch Chancen den Konflikt friedlich zu lösen. Die geplante ethnische Säuberung war der UNO schon lange bekannt. Man hätte das Vorhaben der Serben ahnen können.
Die größten Fehler hat, jedoch der Kommandant der Schutzzone begangen. Als Mladic ihn zum Gespräch bat, leugnete er eine Beteiligung an den Luftangriffen. Aus Angst tat er alles, was Mladic ihm auftrug, anstatt wirklich zu verhandeln. Zu diesem Zeitpunkt standen Mladic alle Möglichkeiten offen. Die Muslime waren auf sich allein gestellt. Auch sie glaubten Mladic. Er versorgte sie mit Nahrung und sprach ihnen gut zu. Er täuschten vor keine bösen Absichten zu haben. Damit stiegen meisten Familien ohne Widerwillen in getrennte Busse und fuhren freiwillig in ihren Tod.
Das Massaker ist kaum zu begreifen. Menschen bringen unzählige Menschen auf grausame Weise um und was hat man Ende gewonnen?
Ich finde es auch erschreckend, dass sich in Srebrenica innerhalb von acht Jahren kaum etwas verändert hat. Es ist fast so, als wäre die Zeit stehen geblieben. Damit die Menschen auch heute, ohne ständig an das Geschehene zu denken, leben können, muss die Entwicklung dort schneller voran gehen. Allerdings darf diese Ereignisse auch niemand vergessen. Auch wir nicht!
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