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Vorwort oder besser gesagt, warum schreibe ich meine Hausarbeit über das Buch die Stille ist ein Geräusch?
Diese Frage stellte ich mir zunächst auch. Jedoch nach mehrmaligem Lesen des Buches und nach der intensiven Auseinandersetzung mit der Autorin wurde die Thematik von Tag zu Tag interessanter, und ich beschloss, meine Hausarbeit über das Buch "Die Stille ist ein Geräusch" zu schreiben. Nicht nur der Titel und das Titelbild machten mich neugierig auf die intensive Auseinandersetzung mit dem Buch, sondern auch die besondere, gefühlvolle und poetische Sprache sowie das Inhaltsverzeichnis , welches dem Leser nicht wirklich den Inhalt verrät. Problematisch war das erstmalige Lesen des Buches. Ich konnte zunächst weder herauslesen, welche Reiseroute sie gewählt hat, noch welche Verbindung zwischen den einzelnen Absätzen und Kapiteln besteht, da Juli Z. sehr impressionistisch, sehr philosophisch, also sehr nachdenklich, und sehr gefühlvoll und emotional erzählt/ schreibt. Sie schreibt immer das, was ihr gerade in den Sinn. Dies macht es sehr schwer ihrem Gedankengang zu folgen. Jedoch hoffe ich, dass es mir einigermaßen gut gelungen ist, die Gedanken und die Botschaft von Juli Zeh richtig erfasst und analysiert zu haben.
Viel Spaß beim Lesen!
Inhaltsangabe:
Das Buch "Die Stille ist ein Geräusch" von Juli Zeh beschreibt eine besondere Reise durch ein besonderes Land, namens Bosnien. Sie fährt im Sommer 2001 nach Bosnien, mit einem Rucksack und ihrem Hund Othello im Gepäck, um bestimmte Fragen, wie z.B. "Warum war dort Krieg?" und "Wer hasst wen und wie sehr?" beantworten zu bekommen. Ihre Reise beginnt in Wien, führt sie durch die Städte Zagreb, Jajce, durch das Trümmerfeld Mostar und durch Sarajevo sowie durch Trebinje und Travnik. Auf ihrer Reise lernt sie sehr viele Menschen kennen sowie deren Kultur, und wie sie die traumatischen Erinnerung an den Krieg verarbeiten.
Sie sieht zerstörte Häuser und verfallene Existenzen, Granatenlöcher in den Wänden und auf den Straßen, muslimische Friedhöfe und vieles mehr.
Juli Zeh versucht durch ihre poetische und philosophische Sprache dem Leser die Situation der Menschen in Bosnien zu verdeutlichen, sowie durch die Darstellung ihrer eigenen Gefühle und Emotionen, die sie auf dieser Reise empfindet.
Sie will mit diesem Bericht erreichen, dass die Menschen Bosnien nicht mehr so sehen, wie Ende 1995 und sich wieder trauen, dorthin zu fahren, oder wenigstens ein Buch darüber zu lesen.
Lebenslauf
der Autorin
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G
e b o r e n
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S
t u d i u m
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- 1993
bis 1995 Jurastudium in Passau
- 1995
bis 1998 Jurastudium in Leipzig
- 1998
erstes juristisches Staatsexamen, beste Abschlussnote
in Sachsen
- 1996
bis 2000 Studium am Deutschen Literaturinstitut
Leipzig
- 2000
Diplom des Deutschen Literaturinstituts Leipzig
- 1999
bis 2001 Juristischer Aufbaustudiengang "Recht
der Europäischen Integration" (Magister,
LL.M.Eur.)
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A
u s l a n d s a u f e n t h a l t e
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- 1999
dreimonatiger Aufenthalt in New York City, USA,
Praktikum bei den Vereinten Nationen (von über 1800
Bewerbern ausgewählt)
- 2000
achtmonatiger Aufenthalt in Krakau, Polen,
Osteuropastudium an der Jagellionian Universität
Krakau
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S
t i p e n d i e n
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- 1993
bis 1998 Stipendiatin der Studienstiftung des
Deutschen Volkes
- 1999
und 2000 Stipendiatin des Deutschen Akademischen
Auslandsdienstes
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V
e r ö f f e n t l i c h u n g e n
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- 1996
und 1997 Kurzgeschichten in Anthologien des Verlags
Faden, Berlin
- 2001
Veröffentlichung des Romans "Adler und
Engel" bei Schöffling & Co.
- 2001
die Kurzgeschichte "Do ut des" beim Rowohlt
Verlag
- 2002
die Kurzgeschichte "Der Hof" in der
Anthologie "20 unter 30"
- 2002
Veröffentlichung des Romans "Die Stille ist ein
Geräusch" bei Schöffling & Co.
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P
r e i s e
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- 1999
Preis der Humboldt Universität im Beitragswettbewerb
"Recht und Wandel"
- 2000
Caroline Schlegel Preis für Essayistik
- 2001
Bremer Literaturpreis
- 2002
Rauriser Literaturpreis
- 2002
Deutscher Bücherpreis, Kategorie
"Erfolgreichstes Debüt"
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Beweggründe, die zur Reise führten:
Wie man an der Biographie sieht, hat sie sich schon immer für die osteuropäischen Länder interessiert ;Auslandsaufenthalte in Krakau, Praktikum bei der UNO usw.; und vielleicht hat das Praktikum bei der UNO sie neugierig gemacht auf das Land Bosnien, von dem viele grausame Dinge berichtet wurden. Außerdem ist Juli Zeh Juristin und hat sich spezialisiert auf Völkerrecht, was auch darauf hinweisen könnte, dass sie sich deshalb für das Land interessierte.
Ein weiterer Grund für die Reise könnten sein, dass sie gewisse Fragen, wie zum Beispiel "Wo lag die Ursache des Krieges?" oder "Wer hasst wen, wie sehr?", beantwortet haben wollte und ein anderer könnte sein, dass sie dorthin fuhr, um zu sehen, ob das Land Bosnien noch existiert, da das Thema Bosnien in den letzten Jahren eher totgeschwiegen wurde.
Sie wollte von den Menschen in Bosnien hautnah erfahren, wie sie den Krieg empfunden und später verarbeitet haben, und wo und wie weit der Krieg heute noch sichtbar ist
Das Buch von Juli Zeh sollte keine Kriegsberichtserstattung werden, sondern einfach nur ein Bericht über eine Reise durch irgendein Land, mit irgendeiner Vergangenheit.
Darstellung der politischen Situation in Bosnien- Herzegowina:
Der Friedensvertrag von Dayton aus dem Jahre 1995 hat aus Bosnien eine sehr komplizierte Staatsform gemacht. Drei Völkergruppen (Moslems, Kroaten und Serben) wurden voneinander getrennt und besitzen auch jeweils eigene staatliche Institutionen. Bosnien verfügt über ein 3köpfiges Präsidium, dessen Vorsitz sich alle 8 Monate wechselt. Jedes Mitglied unterstützt eine Völkergruppe und wird von den einzelnen Völkergruppen gewählt.
Jedes Bundesland Bosniens, also die Konföderation und die Republika Srpska, haben ihren eigenen Präsidenten, ihre eigene Polizei, ihre eigene Armee, ihr eigenes Steuersystem, Bildungswesen und ihre eigene Staatsangehörigkeit.
Das parlamentarische System besteht aus der Abgeordnetenkammer und der Nationalitätenkammer und hat ihren Sitz in Sarajevo. Verantwortlich für Überwachung des Dayton- Vertrages ist die internationale Organisation, das OHR (Office of the High Representative).
Die Hauptstadt der Konföderation ist Mostar und von der Republika, Banja Luka. Die Konföderation ist in 10 Kantone und die Republika in 5 Regionen aufgeteilt. Das Gebiet um Brcko gehört beiden Entitäten.
Die Grenze innerhalb Bosniens, die zwei fast ethnische reine Gebiete voneinander trennt, bleibt eine Ursache von Streit und Unsicherheit. Das innerpolitische Ziel der bosnischen Politik ist es, die Flüchtlinge in ihre Dörfer zurückzuführen, von wo sie vertrieben wurden, was jedoch schwer werden könnte, da die Dörfer entweder von anderen Menschen, wenn nicht sogar von z.B. serbischen Familien in ehemals muslimischen Dörfern bewohnt werden.
In Orten z.B. in Dobrinja, wo die Grenze mitten durch die Stadt läuft, wird der Frieden durch die Friedenstruppe SFOR gesichert.
Die Marktwirtschaft und große Teile der Industrie wurden durch den Krieg zerstört. Das Bruttosozialprodukt in Bosnien liegt bei etwa 10 Mrd. K- Mark, davon entfällt ein Drittel auf die Konföderation. Die Armut in der Republika Srpska ist äußerst hoch. Der Republika ist inoffiziell die Kriegsschuld zugesprochen worden.
Kriegsverlauf:
Die Unabhängigkeitserklärung Kroatiens 1991 führt zu Kämpfen zwischen Serben und Kroaten. In Bosnien entstanden drei Parteien, die Moslems, die Serben und die Kroaten. Die Moslems und die Kroatische Partei verbinden sich gegen die Serben und erklären am 9.1.1992 die Unabhängigkeit der Republik Bosnien- Herzegowina. Durch den Einfluss des Präsidenten Milosevic beginnen die Serben einen Hass gegen Moslems und Kroaten zu entwickeln. Es entsteht einen Art Krieg, bei dem die Serben einen großen militärischen Vorteil besitzen, da ihnen das gesamte Waffenarsenal der jugoslawischen Volksarmee zu Verfügung steht. Durch die Führung von General Mladic bringen die Serben Gebiete im Norden und Osten Bosniens in ihre Gewalt, um so eine Art "Großserbien" zu gründen. Die Kroaten versuchen auch einige Gebiete zu besetzen, um Ihr Land Kroatien zu stärken.
Die Mittel der einzelnen Gruppierungen, um Gebiete zu besetzen und um eine ethnische Säuberung zu erhalten, waren Massenhinrichtungen von Zivilisten, systematische Vergewaltigungen, Vertreibungen aus den Dörfern und Verminung der Dörfer, damit die Zivilisten nicht zurückkehren können.
Dadurch wurde Mostar von den Kroaten und Sarajevo von den Serben besetzt.
Die UNO schickt 1992 "Die Blauhelme" nach Bosnien: die UNPROFOR. Jedoch fehlt das Mandat der Kriegshandlung, das heißt, dass sie als Zuschauer bei den Massakern z.B. in Srebrenica zusehen mussten.
Es wurden viele Friedensverträge entwickelt, aber jeder wurde von den Kriegsparteien abgelehnt.
Ende 1995 gelingt es, den Daytoner Vertrag durchzusetzen. Der Zeitpunkt ist günstig, da die einzelnen Parteien über gleichgroße Gebietsteile besitzen. Der Vertrag macht Bosnien- Herzegowina zu einem selbstständigem Staat. Zwei Bundesländer entstehen: Zum einen die Konföderation, wo nur Kroaten und Moslems wohnen und zum anderen die Republika Srpska, wo nur Serben leben. Nun setzt die NATO die Friedenstruppe SFOR (Stabilisation Force) ein, um Frieden zu schaffen und um das Land zu stabilisieren.
Die Zahl der Kriegsopfer liegt etwa bei 300.000 Toten, die Zahl der Vertriebenen und Flüchtlingen bei 1.8 Millionen und die Flüchtlinge nach Westen ca. bei 500.000. Die Zahlen variieren stark, deshalb ist eine genaue Schätzung schwierig.
Hauptteil
Warum wird der Titel "Die Stille ist ein Geräusch" benutzt?
"Die Stille ist ein Geräusch". Ein besonderer Titel, der zunächst noch nichts über den Inhalt des Buches preisgibt. Der Titel "Die Stille ist ein Geräusch" ist eine Art Paradoxon, das heißt zwei Dinge stehen im Zusammenhang, die etwas völlig Verschiedenes sind.
Wie kann die Stille ein Geräusch sein? Unter einem Geräusch stellt man sich etwas vor, das man hören kann, zum Beispiel einen Schrei oder ein Pfeifen usw., und unter der Stille stellt man sich etwas vor, das "still" ist und keinen Laut von sich gibt. Jedoch benutzt Juli Zeh diese Worte im Zusammenhang und dadurch, dass dieses Paradoxon die Überschrift des Buches ist, muss er wohl ein besondere Bedeutung für den Inhalt des Buches haben.
Im Buch findet man einige Stellen, die Antwort darauf geben könnten, zum Beispiel auf der Seite 30. Dort benutzt Juli Zeh den Ausdruck "Kein Geräusch mehr, sondern das Wesen der Stille selbst". Das Wesen der Stille ist in dem Kontext die Stille und das Schweigen, das sie umgibt und das in ihrem Kopf vorhanden ist (Letztes Kapitel "Die Stille im eigenen Kopf"). Sie befindet sich auf dem Weg nach Mostar und sie wird umgeben von Felsen, Wasser, ein paar Bäumen und von dem Geräusch von Zikaden . Sie befindet sich in einem fremden Land, umgeben von fremden Menschen, von einer fremden Landschaft und von dem fremden Zirpen von Zikaden. Sie ist einsam und zumeist auf ihrer Reise allein, außer ihrer Begleitung, ihrem Hund Othello, der ihr ein bisschen Gesellschaft leistet. Der Anblick der Zerstörung und der Anblick der Hilflosigkeit der Menschen, veranlasst sie dazu, zu schweigen und versetzt sie in eine Art Trance- Zustand. Auffallend ist aber nicht nur die Überschrift des Buches, sondern auch der Umschlag des Buches. Auf dem Umschlag werden weder viele Farben, noch großartige Bilder benutzt, außer einem Bildnis von einer Heuschrecke oder besser gesagt von einer Zikade, und ein Zitat aus dem Buch: "In meinem Kopf gibt es nur noch Imperfekt und für mich selbst kein "Ich", sondern die dritte Person. Meinen Gedanken klingen, als erzählte in ferner Zukunft jemand über mich und diesen ersten Tag in Mostar". Die Zikaden werden in diesem Buch häufig erwähnt und spielen deshalb eine große Rolle. Sie werden zum Beispiel auch auf S,39 erwähnt, wo Juli Z. davon spricht, dass sie nur das Geschrei der Zikaden und das Wesen der Stille hört. Das heißt, dass das Geschrei der Zikaden und das Geräusch der Stille etwas miteinander zu tun haben. Es könnte sein, das die Zikaden das Wesen der Stille beschreiben, da das Zirpen der Zikaden das einzige Geräusch ist, das sie in der Stille hört und die Stille deshalb ein Geräusch ist.
Das oben aufgeführte Zitat (Im Buch S,47), welches auf der Rückseite des Einbandes steht, beschreibt das Empfinden von Juli Zeh, welches sie während des Aufenthaltes in Mostar hat. Die Textpassagen vor diesem Zitat beschreiben ihren Seelenzustand. Sie fühlt sich verloren und losgelöst von allen Erinnerungen, und der Ausdruck, das es in ihrem Kopf nur noch Imperfekt und die dritte Person gibt und die Gedanken klingen, als ob jemand in ferner Zukunft über sie erzählt, beschreibt, in welchem psychischen Zustand sie sich befindet. Man hat das Gefühl, dass sie völlig neben sich steht. (S,20))
Nach meiner Meinung nach beschreibt sowohl der Titel als auch das Titelbild und das Zitat auf dem Einband die Gefühlswelt von Juli Zeh. Außerdem bereiten diese drei Dinge den Leser auf den Inhalt, als auch auf den Stil der Autorin vor. Sie deuten darauf hin, das dieser Reisebericht kein normaler Reisebericht ist, sondern ein ganz besonderer Bericht, von einer ganz besonderen Autorin.
Welche Form und welche Werkzeuge benutzt sie, um ihre Fahrt durch Bosnien zu beschreiben?
Juli Zeh verwendet eine sehr gefühlvolle, poetische und persönliche Sprache. Sie beschreibt und sieht alles sehr genau. Zum Beispiel beobachtet sie Schmetterlinge, die frisch und unbeschwert fliegen, himmelblaue und orangefarbene Borten haben und ihre Stiefel bedecken (S,27) oder die Beschreibung von Libellen, die knallblaue und schwarze Flügelunterseiten haben. Die Beschreibung der Landschaft und der Umgebung, wo sie sich befindet, ist ihr sehr wichtig, da man sich dadurch die Gegend, obwohl man noch nicht da war, gut vorstellen. "Die am Himmel beratend im Halbkreis zusammensitzenden Bergriesen geben dem Bus eine Weile Geleit und oben schwimmen Gipfel im Hitzenebel."(S,21) oder "Die Fassaden gucken wie Totenschädel, hohle Augen, grinsend aufgesperrte Mäuler, der Kugelhagel hat ihnen die Gesichter abgeschmirgelt bis auf die porösen Knochen."(S,44).
Sie benutzt für ihre intensive Darstellung sehr viele Bilder oder Vergleiche zum Beispiel vergleicht sie ihren Hund, der beim Friseur war, mit einem Fisch mit Hosenträger (S,9) oder sie vergleicht sich mit einer Ameise, indem sie sagt, dass eine Ameise mehr tragen könnte wie sie selbst (S,18) oder der sie vergleicht Bosnien mit "dem Herzen der Finsternis"(S,9) usw. Erstaunlich ist die Benutzung von witzigen, ironischen, wenn nicht sogar zynischen Bemerkungen, wie zum Beispiel auf der Seite 13. Dort spricht sie mit Mile, einem kroatischen Freund eines Freundes, und stellt erschrocken fest, dass er besser Deutsch spricht als sie oder sie steht fassungslos vor den Trümmern eines Hauses in Mostar und sieht plötzlich, statt Scherben nur noch Fratzen, die sie anstarren. Ihr Kommentar darauf lautet: "Wenn das nicht witzig ist!"(S,45) .Oder sie sieht grasende Schafe, die aussehen wie schmutzige Wolken. "Vielleicht regnen sie zurück. Es wurde mich nicht wundern, wenn es hier von unten nach oben regnet."(S,63) Oftmals benutzt sie auch paradoxe Ausdrücke wie zum Beispiel "Ich sehe alles und nichts."(S,44)oder Fragen, wie z.B., warum es in Bosnien kein McDonalds gäbe, die nicht in den Zusammenhang passen. Sie macht sehr viele kurze Absätze, die das Nachvollziehen bestimmter Situationen schwierig macht. Außerdem besteht kein richtiger Zusammenhang zwischen den Absätzen, da jeder Absatz eine andere Thematik enthält.
Durch das Darstellen ihrer eigenen Sehnsüchte und Empfindungen, kann der Leser ihre Seelenleben nachempfinden. Z.B. "In meinem Kopf gibt es nur noch Imperfekt und für mich selbst kein Ich, sondern die dritte Person. Meine Gedanken klingen, als erzählte ich in ferner Zukunft jem. über mich und diesen ersten Tag in Mostar."(S,46) oder "Ich habe Angst, weil ich nicht weiß, wovor. Wenn die Scheißmenschheit sich selbst den Krieg erklärt, gibt es nichts, was zu sagen oder zu denken übrig bleibe. Hör auf zu suchen. Fahr nach Hause(S,95)!" Juli Zehs Darstellung ist gewöhnungsbedürftig, aber sehr besonders und macht das Buch "Die Stille ist ein Geräusch" sehr lesenswert.
Reiseroute und Reisebeschreibung
Was und wie beschreibt Juli Zeh diese Reise und was wiederfährt ihr?
Reisevorbereitung
Nun zur eigentlichen Reise. "Pascal hat mal gesagt" (S,9). Juli Zeh' s Reise beginnt in ihrem Wohnort Leipzig. Dort wohnt sie zusammen mit ihrem Hund, die Reisebegleitung Othello.
Als sie zu Hause die ersten Reisevorbereitungen trifft, bemerkt sie, dass ihr Hund Othello sie flehend anschaut, und ihr gerne sagen würde, dass sie sich diese Schnapsidee von einer Reise, "In das Herz der Finsternis", nach Bosnien aus dem Kopf schlagen soll. Nicht nur der Hund ist dieser Auffassung, auch die Frau im Reisebüro ist völlig erstaunt darüber, dass jemand, vor alle Dingen ein Frau, alleine, eine Reise nach Bosnien machen will. "Was wollen sie dort? Da ist doch Krieg!" sagt die Reiseverkehrskauffrau. Außerdem sei Bosnien ein eher seltenes Reiseziel und eigne sich nicht wirklich für touristische Reisen. Juli Zeh beruhigt sie ein bisschen, indem sie sagt, das sie diese Reise aus Recherchegründen mache. Ihr Bekannter Pascal sagte zu ihr, das alles Unheil auf dieser Welt daher komme, dass der Mensch nicht ruhig zu Hause auf seinem Hintern sitzen könne.
Die Reise von Juli Z. kostet 3500 US- Dollar, "womit sie das ganze Land (Bosnien) kaufen und zuschicken lassen könnte".
Nach mehrtägigen Telephongesprächen mit dem ADAC, vermittelte dieser ihr einen Wagen. Juli Z. zynischer Nebenkommentar zum ADAC: "Bei der nächsten Bundestagswahl stimme ich für den ADAC".
Juli Zeh kauft sich im Buchladen eine Touristenführer über Bosnien aus den 80er Jahren, mit Bildern von Dingen, die es wahrscheinlich heute nicht mehr gibt. Kurz vor Reiseantritt schickt sie ihren Hund zum Friseur, da er aussieht, wie ein Fisch mit Hosenträger, hoffentlich wird er von Tschechniks nicht für einen Streuner gehalten und versehentlich erschossen. Hier tauchen ihre ersten Zweifel an, und ihre ersten Ängste vor der Reise auf. Diese werden durch ihre Mutter bestärkt, die noch im letzten Moment versucht, die Abreise ihrer Tochter zu verhindern, indem sie sagt, dass Griechenland auch sehr schön und weit im Südosten sei. Sie sitzt zu Hause vor ihrem Gepäck, obwohl sie nicht weiß, was sie mitnehmen soll und fragt sich und den Hund für die Gründe, die zur Reise führten. Sie kann sich diese Frage nicht beantworten. Ist sie urlaubsreif? Oder will sie sehen, ob Bosnien ein Ort ist, der zusammen mit der Kriegsberichterstattung gestorben sei?
Reisebeginn
"Wer die Hölle überleben will". Ankunft am Bahnhof in Maribor . Zugverbindung Wien- Zagreb . Ihr endgültiges Ziel: Sarajevo. Die Farben draußen sind blass, das Licht trüb und vor der Hitze, sowie vor Landminen, Serben, vor Krankheiten, vor Tod und Teufel fürchtet sie sich. Sie steigt für einen kurzen Moment aus dem Zug und plötzlich wird ihr übel. Wer die Hölle überleben will, muss ihre Temperaturen annehmen.
Ankunft in Zagreb, welches sie mit weit ausgebreiteten Armen empfängt. "Die Stadt schaut, als hätte sie einen schon immer vermisst", sagt Juli Zeh. Zagreb hat herrliche Fassaden, was sie etwas verwirrt, da sie sich Zagreb als Bombenkrater vorgestellt hatte, an dessen Rand Flüchtlinge sitzen. In Zagreb besucht sie Mile, den Freund eines Freundes, der Besitzer eines Wohnverlages ist. Von Ihm erhält Juli eine Einführung in bosnischer Staats- und Gesellschaftskunde. Mile verdeutlicht ihr die momentane Situation in Bosnien. Er sagt, dass Bosnien eine Föderation sei und in zwei Bundesländer aufgeteilt wurde; in die Republika Srpska (bosnische Serben) und in die Konföderation (bosnische Moslems+ Kroaten). "Meiden sie die Republika Srpska, viele Landesteile sind verwildert, und kein Schwein will dort leben". Mile ist der Meinung, dass die meisten im Westen den Krieg nicht verstanden hätten. Es sei ein Krieg zwischen den Bauern und den Städtern gewesen.
Nach dem Besuch bei Mile, macht sie noch einen Spaziergang durch Zagreb und sucht sich eine Bleibe in einer Jugendherberge. Es ist Abend, und sie hat das Gefühl, schon immer hier gelebt zu haben. An manchen Haustüren zuckt sie sogar in der Hosentasche, um ihren Schlüssel herauszuholen.
"Heute Zagreb, morgen Sarajevo, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind".
Es ist 8 Uhr früh, sie liegt in dem Park vor dem Bahnhof, breitet ihre Arme und Beine aus, damit sie ein Kreuz bilden. "Dorthin mit eurem Segen." Sie hat Ehrfurcht vor der Reise und hofft auf göttliche Unterstützung.
"Catcher in the Rye". Die Bahn nach Sarajevo fährt erst in zwei Wochen wieder, das heißt, dass sie den Bus benutzen muss. Am Busbahnhof stellt sie fest, dass Hunde in Bussen nicht erlaubt sind. Sie bietet dem Fahrer 200% des Fahrpreises an, damit er ihren Hund mitfahren lässt, jedoch lässt sich dieser nicht erweichen. Wie kommt sie mit dem Hund nach Sarajevo??
Nun probiert sie es mit eine List. Zwei Frauen, mit dunklen Zahnreihen voller Lücken, stehen neben dem Bus und rauchen. Juli Z. probiert durch ein Eigenkreation einer Sprache namens Endepol, die aus 10 englischen, 100 deutschen, ein paar polnischen Worten besteht, beinahe ohne Grammatik und Personen auskommt und nur eine Zeit besitzt, und zwar die Gegenwart, die Frauen zu einer List zu überreden. Als der Fahrer pinkeln geht, sprintet sie mit ihrem Hund in den Bus. Es klappt. Die Mitfahrgäste lächeln und die beiden Frauen klatschen, als ob sie eine Pokal gewonnen hätte. Die Fahrt nach Sarajevo ist sehr anstrengend. der Hund sitzt kauernd unter dem Sitz, um nicht bemerkt zu werden.
Die Landschaft ist etwas ganz Besonderes. "Die am Horizont beratend im Halbkreis zusammensitzenden Bergriesen geben dem Bus eine Weile Geleit und oben schwimmen die Gipfel im Hitzenebel".
Vor ihr liest jemand "Catcher in the Rye". Dieser jemand heißt Dario, ist 22 Jahre alt, 1,90m groß und UNHCR- Fahrer(S,32). Er hat lange Zeit in Deutschland gelebt, kann Deutsch sprechen, wohnt aber nun in Jajce. Mein erster Bosnier, mein erster Bosnier. Er sieht gut aus.(S,22)
"Was wollt ihr hier, zum Teufel", fragt Dario. "Gute Frage", denkt sich Juli Z. Diese Frage stellt sie sich selbst schon die ganze Zeit.
Draußen ändert sich plötzlich die Landschaft. das Gelände ist unentschieden, die Felder sind struppig, die Sonnenblumen schauen in alle Himmelsrichtungen, als könnten sie nicht erkennen, wo das Licht herkommt.(S,23) und die Autobahn wird zur Landstraße, die ruckelt und schüttelt wie ein Pferdekarren.
Unterwegs sieht sie die ersten zerstörten Häuser, als Geröllhaufen in den Feldern sitzen. Sie sieht katholische Kirchen, zerrissene Betonwände, leere Denkmalsockel, Sattelschlepper voller Melonen am Straßenrand.(S,23)
Darios Meinung zum Krieg ist, dass der Krieg dir die Kindheit raube und er deshalb heute ein großes Kind sei!
Auf der Fahrt fallen Juli Z. die frisch gebauten und verputzten Häuser in den Straßendörfer auf. Es sind seltsame Gebilde, wie Zwiebeltürme oder amerikanische Motels sehen sie aus und sind so groß, wie Wohnkomplexe im Vorort einer Großstadt. Eine Müllkippe erstreckt sich über 100 Meter.
Nach einer Weile überqueren sie die Grenze. "Auf Wiedersehen in die Republika Srpska."
In Jajce angekommen, vorher durch Banja Luka gefahren, fragt sie Dario, wie weit es noch bis nach Sarajevo sei. Dieser antwortet, dass es noch sehr weit bis dorthin sei.
"Sarajevo, da bin ich sicher, gibt es nicht!"
Die Ankunft in Jajce ist traumatisch. Sowohl Hund als auch Juli Zeh taumeln im Trance- Zustand aus dem Bus. "Alles klar, trägt."
Wieso sollte der bosnische Boden sie nicht tragen? Hält sie ihn wegen des Krieges für instabil? Das heißt also, dass der Bosnische Boden nicht den Anschein von Halt gibt.
"Stadt der Eierschalen" (S,27)
In Jajce darf die befestigte Straße nicht verlassen werden. NIEMALS, wegen möglicher Minengefahr. Trotzdem ist Jajce eine schöne Stadt, und hat eine 30m hohen Wasserfall mitten im Zentrum. Jedoch wirkt die Atmosphäre betäubt, ein bisschen, wie unter Wasser (Quellentext aus Internet). Jedoch hat die Stadt keine Geschäfte, außer einem Lebensmittelladen, mit Coca- Cola- Werbung. Die Innenstadt von Jajce besteht aus Trümmern und Überresten kommunistischer Flachbauten, z.B. "Dom Kulture", aus stillgelegten Fabriken, osmanischen Befestigungsmauern und aus einem Cafe, mit lauter Radiomusik, in das sie sich mit Dario setzt. Jajce ist eine verfallene Königsstadt.
Sie findet eine Bleibe bei Dario, da seine Eltern übers Wochenende weggefahren sind. Am Abend setzen sie sich an den See Plivska Jezero, trinken Wein, reden über dies und jenes, währenddessen im Hintergrund Partymusik läuft. Eine Art Freundschaft entsteht.
Im Taxi nach Mostar(S,35). Am nächsten Morgen, nach dem Aufstand, verabschiedet sie sich von Dario "Laku noc"(einzige kroatischer Satz, den sie kennt) und geht zum Busbahnhof. Nun ist ihr nächstes Ziel Sarajevo.
Die Landschaft verändert sich. Aus Laubwald wird Nadelwald und ein See, dessen Oberfläche weiß schimmert, zeigt sich zwischen den Bäumen. Warum weiß? Weil er bedeckt ist mit Plastikflaschen und Müll.
Man kann die Berge atmen sehen, wenn man hinschaut, bis sie sich gerade mal unbeobachtet fühlen."
Diese Landschaft ist nach J. Z 's Beschreibung ein Paradies. Auf jeder Wiese Obst- und Walnussbäume usw., jedoch keine Melonen. Hier in der Umgebung haben die Dörfer Namen, an deren Ortseingang handschriftlich beschriftete Ortsschilder stehen. Plötzlich sind überall nur noch Felsen, Wasser und Bäume. Kein Geräusch mehr, sondern das Wesen der Stille selbst.
Auf dem Weg nach Mostar, tauchen an den Straßenränder Zigeuner auf, die sich eine Stadt aus Pfählen mit UNO- Lastwagenplanen erbauten. Außerdem befinden sich an den Seiten der Straßen muslimische Friedhöfe mit weißen Steinen, die aussehen wie Radiergummis.
Jednokrevetna (S,43). Ankunft in Mostar . Ein Taxifahrer bietet ihr eine kostenlose Stadtrundfahrt und eine Ruinen- Sightseeingtour an. Mostar hat eine schöne türkische Altstadt, wie im Amazonas?!, Überall sind Menschenmassen und Einkaufstüten schlagen gehen die Taxitür. Auffallend ist der Flecktarn der Soldaten. und die modern angezogenen Benettonmädchen.
Leben herrscht in dieser Stadt. Orientalische Pop- und Discomusik kommt aus jeder Ecke.
"Die Stadt stinkt", sagt Juli Zeh. "Ich sehe alles und nichts."(S,44)
Die Häuser sind voller Einschuss- und Granatenlöcher. Überall sind ins wasserhängende Brückenteile, Müllkippen unter durchgebrochenen Zimmerdecken, massenweise Geröllfelder und ein riesiges beleuchtetes Kreuz auf dem höchsten Gipfel. Juli Zeh befindet sich im Schockzustand, sie ist blass, und völlig verwirrt von den ganzen Eindrücken. Sie hat das Gefühl, dass die Häuser sie anstarren und angrinsen. Was gibt es zu grinsen?"
Hotelankunft. Taxifahrer verabschiedet sich von ihr, als wäre er ein alter Freund. Die Zimmer sind sauber und hübsch, mit Klimaanlage und Bad, wie ein Kriegsreporterzimmer. Als erstes duscht sie sich und verspürt dabei starke Schmerzen. Sie sieht die zerstörten Häuser und die Menschen vor ihren Augen. Maskierte Soldatengesichter, die sich in Affenfratzen verwandeln. Am nächsten Morgen wird sie immer noch von diesen Bildern verfolgt. Sie schickt eine Postkarte nach Hause: Bin in Mostar. Hier ist es auch nicht anders als anderswo. Adresse: DEUTSCHLAND
Sie geht zum Bahnhof, holt sich 2 Tickets für die Fahrt nach Sarajevo. Geht zurück zum Hotel, holt ihr Gepäck, bezahlt ihr Bleibe und geht zum Bahnhof, um mit dem Zug um 19.30Uhr nach Sarajevo zu fahren. War das wirklich Mostar???
Sa-ra-je-vo (S,54). Auf der Nachtfahrt nach Sarajevo begegnet sie Thomas aus Sarajevo, mit dem sie sich gut unterhält. Sie fahren an Dörfern vorbei, die beschossen, gesprengt, mit Benzin übergossen und abgebrannt wurden.
Wir sind da.(S,58) Sie steigen aus und stehen im Nichts, das aus vielen, nichtssagenden, grauen Gebäuden besteht, die nicht einmal zerbombt wurden.
Es gibt viele neue Wahrzeichen in der Stadt, wie das Parlamentshochhaus, das im Stehen gestorben ist, und die Rosen von Sarajevo, also, die Granatenlöcher im Boden. Juli Zeh ist erschöpft und lässt sich einfach auf den Hintern fallen. Es ist 6 Uhr morgens und äußerst kühl. Langsam füllen sich die Straßen mit Menschen.
"Es gibt soviel zu sehen, so dass mir schon wieder langweilig ist"
Das Reparieren von Fassaden, repariert nicht die Seele der Stadt, nicht unabhängig von den Menschen.(S,63)
Auf dem Weg durch die Stadt und durch die Hänge entdeckt sie einen Mann, der seiner Kuh beim Grasen zusieht, dabei verspürt sie Unbehagen, als müsste sie etwas dagegen tun. (S,63) Am Hang grasen auch die Schafe, die aussehen wie schmutzige Wolken. Vielleicht regnen sie zurück. Es würde sie auf jeden Fall nicht wundern. Sie ist enttäuscht von Sarajevo und möchte es auch wieder verlassen.
Nun macht sie sich auf die Suche nach einer Unterkunft. Nachdem sie eine gefunden hatte, stellt sie ihr Gepäck ab und geht noch mal in die Stadt. Menschen spazieren herum, die Frauen sind schlank, und man versteht sich zu kleiden, zu gehen und zu lachen. Kinder tragen Schuluniformen und die Zivilisten sehen aus, wie Paradiesvögel. SFOR- Soldatinnen spazieren vorbei. Juli Zeh erinnert sich zurück an Mile, wie ihr sagt, dass wenn sie ein Problem habe, solle sie zu den internationalen Organisationen, wie SFOR, OSZE, UNO usw. gehen, die würden ihr helfen, da die meisten von ihnen auch westliche Ausländer seien.
Sie besucht einen Bücherladen "Buybook" und fragt dort nach bosnischer Gegenwartsliteratur. Sie findet ein Buch, mit dem Titel: "Das Kind. Die Frau. Der Soldat. Die Stadt." Zwar entdeckt sie vier Rechtschreibfehler, kauft es aber trotzdem.
Es ist Freitagabend, und die Städte in diesem Land wechseln ihr Gesicht sekundenschnell, genau, wie die Landschaft und das Wetter.
"Ich will was einkaufen, was essen, Kneipen besuchen, ich will nach Hause in mein Bett!" Juli Zeh hat Heimweh.
Als sie abends in ihrem Hotelzimmer angekommen, schläft sie wenig und unruhig. Sie hat wirre und unruhige Träume. Sie träumt von Menschen, die alle gleichzeitig lachen, reden und schweigen. Auch Ihre Bekanntschaft Thomas aus dem Zug taucht in ihren Träumen auf, dann ist er plötzlich wieder verschwunden und sie verspürt das drängende Gefühl ihn zu suchen und zu finden. Sie empfindet die Sehnsucht ein bekanntes Gesicht zu sehen. Die Sehnsucht nach der Abreise wird größer.
Am nächsten Tag geht sie in einen Copy-Shop, der so groß ist, wie ein Dixiklo. Dort trifft sie eine 60jährigen Mann, der ihr den Tipp gibt, die OHR zu besuchen. Die könnten ihr die Informationen geben, die sie braucht. Durch Zufall entdeckt sie die OHR. Das Gebäude der OHR ist umgeben von Kameras, Zäunen, panzerverglaster Pförtnerkabine und runden Verbotsschildern mit durchgestrichenen Maschinengewehren. Der Pförtner meldet sie an.
Sie trifft die OHR- Gesandte Amelie Lauscher und ihren Freund. Amelie Lauscher gibt ihr einen Schnellkurs in bosnischer Politik.
Am gleichen Tag kehrt Juli zurück in die Stadt und besucht noch einmal den Buybook. Dort trifft sie andere Schriftsteller, wie Goran, den Besitzer, Suada, auch Cuki genannt, Maja und fünf weitere Autorin. Sie reden über europäische Literatur und über den Lauf der Dinge. Zum ersten Mal fühlt sich Juli Zeh wohl, weil sie hier einfach nur eine deutsche Schriftstellerin sein kein und nicht nur ein Tourist.
Kurz darauf, also Samstagnachmittag, sieht Juli Zeh, wie die Alten zu den Gräbern ihrer Verwandten auf die muslimischen Friedhöfe gehen. Die Gräber liegen sehr eng beieinander, im Leben wie im Tod.
"Mich packt das Grauen. Nicht darüber, dass Menschen zu töten im Stande sind, sondern darüber, dass man es ihnen nicht ansieht. Es hinterlässt keine Spuren im Gesicht."
Sie holt ihren Mietwagen, ruft die Nummer der SFOR an, die Amelie ihr gegeben hat, um einen SFOR- Ausweis zu erhalten und um ein Gespräch mit einem der Friedentruppe zu führen. Ein freundlicher Herr namens Monsieur Pescaran meldet sich und verabredet sich mit ihr.
Belagerung von Sarajevo(S, 86). Sie fährt mit ihrem Mietwagen musikhörend in den Stadtteil Ilidza, sie passiert bunte, halbeingestürzte Neubauten, Frauen, die ihre Wäsche waschen, spielende Kinder, zwischen den flatternden, gelben Plastikbändern der Minenabsperrungen. Überall stehen prunkvolle, leerstehende und zerstörte Häuser. Der Park ist übersäht mit Schildern, die Totenköpfe und Explosionswolken zeigen.(S,87)
Ich rauche eine Zigarette nach der anderen, um mir zu beweisen, dass die Zeit nicht stehen geblieben ist.(S,88)
Auf dem Heimweg überlegt sie sich, ob sie M. Pescaran heiraten könnte, allein, wegen seiner netten Stimme und auch gegen die Einsamkeit.
"Ich komme hier nicht weg, obwohl ich mir lange gewünscht habe herzukommen. Ich sehe keinen Sinn mehr in der Stadtbesichtigung."
Sie kann nicht schlafen, da der Krieg sie nachts in ihren Träumen verfolgt. Die Angst, irgendwann zu verstehen und nie wieder vergessen zu können, nicht mehr in der Lage zu sein, ins eigene Leben zurückzukehren, wächst tagtäglich.(S,94/95)
Süß und stark und ohne Milch(S,97). Die Stadt wechselt das Wetter, wie andere ihre Hemden. Heute ist der Tag, an dem sie das Treffen mit dem Herr von der SFOR, Monsieur Pescaran, hat. Hinter der Kathedrale von Sarajevo wartet ein grüner Kleinbus auf sie. Mit diesem Kleinbus fährt sie in die Tito- Baracke, und erhält dort ihren SFOR- Ausweis, mit einem Nato- Abzeichen. Auf dem Weg zu dem SFOR- Hauptgebäude, in das Lager Rajlovac, erzählt ihr ihre Begleitung Jolas, Mann, Haupt, von der schweren Situation der Soldaten. Das Heimweh dieser Soldaten sei so groß, so dass eine dicke, violette Wolke über dem Lager schwebe. Das Wichtigste für die Soldaten seien die Fotos und die Anrufe der Familie. "Bitte sprechen sie niemals die Soldaten auf die Massengräber und die Kriegsverbrechen an. Dies verdirbt die Stimmung unter den Soldaten."(Jolas)
Sie kommen im Lager Rajlovac, das mit Stacheldrahtmauern und tarnfarbenen Plastikplanen umzäunt ist, an. Ein Mann springt aus einem R4. Es ist M. Pescaran. Sie fahren zusammen durch das Lager. Überall stehen Militärjeeps und auch ein kleiner Tante- Emma- Laden ist vorhanden.
M. Pescaran ist eigentlich Minenexperte, und nicht Presseoffizier. Er war vorher in Afrika und Kambodscha und will dorthin wieder zurück. "Er sieht mit und ohne Sonnebrille gut aus." Juli Z. und M. Pescaran verstehen sich auf Anhieb gut.(S,100)
Zunächst besuchen sie den General. Dieser erläutert ihr die Schwächen des Dayton- Vertrages und die Zurückhaltung anstelle von militärischer Dauerabschreckung. Nach dem Gespräch geht es weiter zu einem ehemaligen Exerzierplatz, danach in den Stadtteil von Sarajevo Dobrinja. Am Straßenrand stehen Männer und Frauen und winken ihnen zu.
Nun stehen sie mit einem Bein in der Republika und mit dem anderen in der Konföderation.
Dobrinja ist eine hässliche Plattenbausiedlung, mit überquellenden Müllcontainer, schmutzigen Grasbüscheln, Häuser mit riesigen Granatlöchern. Die Grenze zwischen der Republika und der Konföderation geht mitten in Zick-Zack- Linien durch den Stadtteil. Die Grenzen trennt und vermischt zugleich die Bevölkerungsgruppen, so kommt es zu einer ethnischen Trennung. Ein Problem, so sagt M. Pescaran, ist die Rückführung der Flüchtlinge in ihre früheren Wohnorte. Es könnte nämlich sein, dass z.B. die kroatischen Familien in ein inzwischen serbisches Dorf zurückkehren.
Am Abend treffen sich M. Pescaran und Juli Zeh zu einem Ausflug nach Pale. Ein Kaff ohne Charakter. "So sehr ich mich bemühe, es gibt nicht zu sehen."
Wenig später fahren sie nach Sarajevo, um sich das Filmfestival an zu sehen und um essen zu gehen. Sie lernen bei ihrem Treffen Srdan kennen, der ihnen das Phänomen des Huja erzählet. "Jeder in diesem Land bekommt mal einen Huja, einen Anfall, weil dieses Land ein einiges Irrenhaus ist." sagt Srdan.
Plötzlich kommt es zu zwei Explosionen, die Gläser klirren, die Gespräche verstummen, jemand rennt zu einem Haus und presst sich an eine Wand, Kreischende Autobremsen und ein flackernder Widerschein über den Dächern. "In der plötzlichen Stille scheint der Herzschlag, den ich so laut höre, allen Anwesenden gemeinsam zu gehören." Es war ein Feuerwerk.
Im betrunkenen Zustand versucht M. Pescaran Juli Zeh erklären, wie sie sich im Extremfall verhalten muss. Sie pressen sich an eine Hauswand, Er nimmt ihren Arm, reißt sie mit sich und laufen solange, bis sie an eine Hauswand prallen. "Die Granate kann einschlagen, wo du gerade noch gestanden hast, oder wo du gleich stehen wirst. Oder genau da, wo du stehst."
Fojnicatours (S,123). Sie ist glücklich darüber, dass sie Sarajevo entkommen ist. Sie hat sich noch keine Gedanken gemacht, wohin sie fahren will. Ein Gebiet zieht sie an, wo es keine dicken, roten Straßen mehr gibt. Das Panorama (S,124) ist wunderschön. Wiesengrüne Hügel sind im Vordergrund, zartgraue Nebelberge befinden sich am Horizont
Sie fährt nach Fojinca= "Reumal"(S, 125/126). Es ist klein, aber gut in Schuss, die Menschen sehen aus, als wüssten sie, wohin sie gehen. Niemand nimmt Notiz von ihr, anders als in Sarajevo oder in Mostar. Sie geht in das Reisebüro von Fojinca, um eine Unterkunft vermittelt zu bekommen. Dort begegnet sie einem Mann mit dem Namen "Mustafa". Er erzählt ihr, dass er Moslem und seine Frau Serbin sei, was eine komplizierte und konfliktreiche Beziehung ist
Als sie gehen will, schenkt er ihr einen Tischkalender. "Wenn sie schon keinen Ort haben, an dem sie zu Hause sind, sollten sie sich wenigstens an die Zeit halten."(S, 128)Sie will nach Prokosko Jezero (M. Pescaran hat ihr davon erzählt, dass nach der Abenddämmerung große Schafherden einfallen würde und man den Boden nicht mehr unter den Füßen sehe.)
Die Landschaft zwingt sie dazu, überall auszusteigen. Die Wiesen sind in 2 Farbschichten eingeteilt: unten grün, oben gelb, nur die Wolken grasen auf ihnen. Überall ist der Geruch von Thymian, Disteln und der Hund verfällt in einen Huja- Anfall. Er rennt bockspringend herum. In Prokosko(S 135) ist alles aus grauem Holz, winzige Häuser ohne Fenster, spitze Dächer und knorpelige Zäune. Niemand außer ihr wundert sich, dass sie da ist. Prokosko hat weder Strom, noch Telephon, noch Wasserleitungen. Sie fährt nach Fojnica zurück mit Preisners Klängen, durch die Dunkelheit und durch den Regen.
Wer A sagt.(S, 138) Sie fährt zurück nach Mostar. Sie geht in ihr altes Hotel zurück, und wird wie ein verlorener Sohn empfangen und bekommt ihr altes Zimmer wieder. Als sie einen Spaziergang macht, befällt sie die Unruhe, die Straßen sind leergefegt, es ist Mittagsruhe. Nur das Sirren der Hitze, sonst ist es still. Plötzlich steigt ein bestimmter Geruch in die Nase. Ist es der Geruch von Nudeln mit Spinatsoße und Schafskäse?(S, 139) Nein, es ist der Geruch von Leichen, Verwesungsgestank. Wie geht das? Die moslemischen Gräber sind tief und die Särge schlecht gezimmert. Gestern hat es geregnet und heute ist es sehr heiß.
Im Hotel begegnet sie einem Herrn(S,144), der ihr Gespräch mit einer Journalistin über die Gründe des Krieges belauscht hat. Er sagt ihr, dass er die Gründe für den Krieg kenne. Er sagt, dass der Krieg ein großer Kampf zwischen Materialismus und der Welt von Glauben und Ideen gewesen sei. "Fahren sie nach Medugorje. Dort erfahren sie mehr", sagt der Mann. Am nächsten Tag fährt sie dorthin, um das Kreuz auf der Kuppe eines Berges zu besichtigen. Auf der Kuppe angekommen, bemerkt sie kopfgroße, rotbemalte Brocken und gelbe Plastikbänder, wie von einer Baustellenabsperrung "Federalna Uprava Civilne Zastite." Es sind Minenabsperrungen. Plötzlich bekommt sie Angst. Sie ruft ihren Hund. "Es ist still, bis auf das Geräusch des Windes in meinen Kleidern. Es gibt Dinge, die mir wichtig sind im Leben, einige habe ich bereits erledigt, die meisten noch nicht." Juli Zeh wird von der Todesangst ereilt. Sie schreibt noch schnell eine SMS an die fünf wichtigsten Menschen in ihrem Leben und sagt ganz laut "B". Beide oder keiner! Sie gehen los und sind erleichtert, wie sie die Straße erreichen.
Am folgenden Tag trifft sie sich mit Mustafa, den sie Jar Jar Binks nennt, weil er aussieht, wie einer aus den Star Wars Episoden. Er ist der Meinung, dass der Krieg deshalb ausbrach, weil die Bauern faul wurden und diese deshalb nachts am Fluss oder in den Bergen den Gegnern Waffen verkauften. Heute muss du die Moslems und Kroaten dazu zwingen das gleiche Wasser aus der gleichen Leitung zu trinken. Jar Jar Binks liebt Mostar. Man sieht es an jeder Handbewegung und an jedem Augenzwinkern. Er sagt, dass Fojnica mit Hilfe der EU, der UNO, Deutschland und der NGO aufgebaut wurde. Am gleichen Tag besucht sie die MAC, the Mine Action Center, um eine Minenkarte für ihre Weiterreise zu erhalten. Im MAC trifft sie den Chef, er ist ein netter Kerl. Jedoch kann sie sich nicht auf ihn konzentrieren, weil überall Bilder, von weißen Knochen, die aus rosarotem Fleisch stechen, von verbrannten Resten einer Jeans in blutiger Matsch usw. hängen. Der Chef erzählt, dass monatlich 8 Unfälle passieren und Bosnien erst in hundert Jahren minenfrei sei.
Nach dem Gespräch fährt sie nach Capljina, später weiter nach Pocitelj, dass an Rom erinnert, wegen den Ruinenfeldern und den vielen Gassen. Dort entdeckt sie Feigenbäume und kann sich für diese Frucht erfreuen. Nun fährt sie weiter nach Medugorje.
In Medugorje erwartet sie ein besonderes Ereignis. Vor der Kathedrale stehen Open-Air-Beichtstühle. Zwanzig Priester sitzen auf Gartenstühlen und hören den Beichtenden zu. Vor den Priestern stehen Schilder, auf denen jede Sprache steht, wie z.B. Deutsch- Italian. Juli Z. denkt darüber nach, was sie beichten würde. Sie würde sagen, dass sie oft genug Gottesgeschöpfe hasst und am meisten sich selbst. Er würde sagen, dass es mir vergibt. "Über Christen zu spotten ist leicht, leichter als über Atheisten."(S, 166)
Am Abend trifft sie noch einmal Monsieur Pescaran(S,171). Es ist ein seltsamer Abend. sie gehen Essen und schweigen sich an, weil es nichts zu sagen gibt. Nach dem Essen fahren sie an einem Wald vorbei, der ohne Blätter, dafür aber voller schwarzer Vögel ist. "Das Böse reist um die Welt und macht hier und da Station. Wo es sich gezeigt hat, ist eine Zeitlang alles voller Zeichen. Sie sollten das schätzen lernen (S,173)!" sagt M. Pescaran. Nach dem Rauchen setzt sie ihn an der Schranke zur SFOR- Zentrale ab. Sie geben sich die Hand und wissen, dass sie sich nicht wiedersehen werden. Nach diesem Treffen ist sie verzweifelt, so dass sie den Gedanken hat, die Reise abzubrechen. sie hält in der Nähe eines Wasserfalls, schlägt sich ins Gebüsch, scheißt auf die Minen und pflückt Feigen, um diese zu essen. Sie scheißt auf Leben oder Tod. Sie scheint sehr verzweifelt zu sein, weil sie jetzt wieder allein ist.
Tag des Römers. Sie fährt das letzt Mal durch Mostar (S, 177) und ist sogar ein bisschen traurig darüber. Sie will weiter nach Gabela. Unterwegs hält sie an dem bosnischen Badeort "Struge". Struge(S,178) ist wunderschön. Sie setzt sich mit ihrem Hund an den Dorfweiher, wo Kinder planschen, schwimmen und Hunde bellen. In der prallen Sonne, denkt sie über den Sinn des Lebens nach.
Struge erinnert sie an das normale Leben, an Idylle, weil der Krieg hier nicht zu finden ist.
Girlscout (S, 184). Auf dem Weg nach Ravno macht sie Halt in dem Dorf Malineja. Die Grenze zur Republika geht hier durch und besteht aus Müll. Am Straßenrand sind Kühe, herrenlose Jugendliche, flache, schattenlose Häuser, ohne Farben.
Ravno ist leidlich bewohnt und auch schwierig zu erreichen. Am Straßenrand steht ein schwarzes, kommunistisches Denkmal, dessen Gesicht weggeschossen wurde. Der Sockel des Denkmals ist mit Minenbändern eingewickelt, weißgebleicht von Sonne und Regen. Die gelben Plastikbänder ziehen sich den Berg hinauf und begleiten sie auch am Wegrand. Als sie zurück fahren will, bleibt sie in einem Schlagloch stecken. Sie sieht eine Ruine, parkt ihr Auto im Gebüsch und richtet sich in der Höhle häuslich ein. Als sie sich nachts schlafen legt, hört sie drei Männer nach ihr rufen. Sie sagt, dass sie nur eine Touristin sei und nicht lange bleibe. Als sie die Männer nicht mehr hört, schnappt sie ihren Hund und ihr Gepäck, läuft hoch, zum Auto und schließt sich in diesem ein. Plötzlich klopft es am Fenster und zwei Polizisten stehen vor ihr. Sie machen ihr den Vorschlag , dass sie Sie mit nach Ravno nehmen und sie dort vor dem Polizeipräsidium in ihrem Auto schlafen kann. Einer, der Polizisten, weckt sie um 5Uhr, und sie fährt gleich weite in Richtung Adria. Die Adria tauscht den schwarzen Morgenmantel gegen ein silbernes Kettenhemd(S, 196). Sie sieht, nach ihrer Ankunft in der kroatischen Stadt Dubrovnik, den Fischern beim Fischen zu. Das Meer liegt friedlich und lässt sich von einzelnen Booten Kratzer auf die anthrazitfarbenen Haut zeichnen. In Dubrovnik (S, 198) wird Juli Zeh von einer Art Depression befallen. "Wie können die Menschen so freundlich sein, so bemüht, das Polnisch einer Deutschen zu verstehen, die sie für eine Russin halten?", "Heimweh wäre schön, es bewiese, dass es ein Zuhause gibt. aber Heimweh stellt sich nicht ein, nur das Gefühl weg zu wollen, weiter. Woandershin. Das ist nicht dasselbe. Ich kann nirgendwo bleiben, schon gar nicht bei Menschen. Alleinsein ist die beste Erklärung für Sprachlosigkeit." Sie schläft mit ihrem Hund auf der Straße.
"Das ist der Arsch der Welt. Ich habe ihn gefunden. Er ist klein"
Panik(S, 213). Am folgenden Tag fährt sie nach Tuzla. Auf dem Weg dorthin macht sie Halt im Drecksnest Gacko. Dort setzt sie sich an den Bilecko(Panik-)- See, wo sie Jasmin trifft. Er ist ein junger, durchtrainierte Mann, der sehr gut Deutsch spricht und so eine Art Kriegsbemalung im Gesicht hat. Er fragt, ob sie ihn bis nach Foca mitnehmen könnte. Sie bejaht dies und sie fahren gemeinsam los. Unterwegs erzählt er ihr, dass es für die IPTF arbeitet, eine Polizeitruppe der UNO. In Foca angekommen, steigt Jasmin aus und sie muss ihm schwören, mal zu ihm nach Travnik ins X- Cafe zu kommen.
(S, 219)Sie nähert sich ihrem eigentlichen Ziel: Tuzla, dem nächsten Hort des Bösen. Die Schönheit Tula's schmerzt. Überall stehen efeubewachsene Gemäuer und lächelnde Menschen. Im Hotel angekommen, sieht sie im TV einen Minenaufklärungsfilm für Kinder.
(S,220)Sie verbringt den Abend mit Zigarette und Rotwein auf der Terrasse, und sie denkt darüber nach, was die Menschen hier glücklich machen könnte. Ist das Glück in Bosnien anders als in Deutschland? Verdrängen sie durch Feiern den Schrecken des Krieges? In Bosnien ist es nämlich so, dass bei jeder Gelegenheit Musik laut aufgedreht wird und Schnaps getrunken wird.
"Immer meint man auf Reisen sich verändert zu haben. Zu Hause wartet das alte Selbst im Sessel und bereitet einen großen Empfang"(S,221)
Sie fängt an, nachdem sie eine Flasche Rotwein getrunken hatte, Bosnien zu lieben. Sarajevo inklusive. (S,221/222/223)In ihrer Phantasie stellt sie sich vor, wie es wäre, wenn man fünf Menschen jeweils in einem Stadtteil von Sarajevo aussetzen würde. Der eine, der in Bascarsija ausgesetzt wurde, würde sagen, dass er in Istanbul sei, wegen der vielen orientalischen Einflüsse. Der andere, der 300m weiter vor der Kathedrale ausgesetzt wurde, würde sagen, dass er in Wien ist oder vielleicht in Budapest, ein andere, der vor dem Kulturklotz Skenderija stehen würde, würde sagen, dass er in Warschau sei, und der vierte, der auf dem Berg Hadzici ausgesetzt wurde, würde sagen dass Deutschland wirklich schön sei, und der fünfte würde in Sniper Alley, vor den zerschossenen, gesprengten Gebäuden steht, würde sagen: "Ach herrje, ich bin in Sarajevo."
Tuzla, I was not here(S, 224). Dort besucht sie den Stadtteil Brcko und dessen berühmten Markt, auf dem man alles kaufen kann. Als sie abends nach Tuzla zurückkehrt, kauft sie ihre erste feste Nahrung seit langem: Leja. Das ist bröckliges, zugleich feuchtes Zeug, aus Mais. Sie fährt weiter nach Srebrenica. Unterwegs fährt sie über die Drina. Da fällt ihr eine Geschichte ein, von einem Wasserwerk ganz in der Nähe, in Visegrad, dessen Turbinen verstopft waren. Man fand heraus, dass es Leichen waren, die die Turbinen verstopftet. Aus diesem Grund wird die Drina nur noch "Rote Drina" genannt.
In Srebrenica angekommen (S,231), ist Juli Zeh geschockt. Überall, wo man hinschaut, sind gewaltige, schmutzige und halbzerstörte Gebäudekomplexe, wichtige Organisationsbüros und ein paar Mehrfamilienhäuser. In der Stadt ist nicht zu sehen, keine Autos, keine Geschäfte, Parks, Cafes und sehr wenige Passanten, die krank wirken und tiefliegende Augen haben. Nach Juli Zeh ist die Stadt ein Sanatorium, ein Museum der Defekte. Sie kann sich einfach nicht vorstellen, dass die Straße, die sie überquert, ein Leichenfeld war und dass hier Tausende Menschen, im Anblick internationaler Organisationen, hingerichtet wurden.
"Wüsste ich nichts über die Stadt, dann würde ich an ihr nichts Ungewöhnliches finden, oder!?"(S, 234)
"Ich habe den ganzen Tag kein Wort gesprochen, als ich lange genug geschwiegen haben, gehe ich zum Wagen. Der Weg nach Tuzla ist weit, ich werde ihn genießen."(S,235)
In Tuzla schreibt sie sich kurz vor ihrer Abreise eine Gedicht von einer Wand ab:
Ovdje se ne zivi somo/da bi se zivjelo. Hier lebt man nicht nur/ um zu leben
Ovdje se ne zivi somo/ da bi se umbro. Hier lebt man nicht nur/ um zu sterben
Ovdje se i umive/ da bi se zivjelo. Hier stirbt man auch/ um zu leben
Den kenne ich(S, 238). nun fährt Juli Zeh nach Travnik, um Jasmin zu besuchen und um sich noch ein letztes Mal mit Dario zu treffen. Travnik hat nicht viel abbekommen, außer, dass die Köpfe von Denkmälern zerstört wurden. Sie sucht und findet das X- Cafe, sowohl auch Jasmin. Am Abend ist in diesem X- Cafe Discotime. Die Schwester von Jasmin, Jasmina, legt Musik auf. Sie trifft Dario, der extra wegen ihr aus Jajce gekommen ist.
Als sie Dario umarmt, kommt Jasmin dazwischen und zieht sie zur Seite. "So fängt es immer an," sagt er,"zuerst berühren sie eine Frau als Freund." Jasmin droht ihr mit dem elektrischen Stuhl und mit anderen Strafen. Juli Zeh vermutet, dass er rogenabhängig ist.
Nach diesem Gespräch verabschiedet sie sich von Dario und Jasmin, und fährt zurück nach Zagreb, um ihr Auto abzugeben. Unterwegs gibt sie einem kleinen Welpen Unterkunft, der von seiner Mutter verstoßen wurde(S,251). Juli Zeh hat kein Interesse mehr an der Natur und an zerstörten Gebäuden. Sie will nur noch nach Hause.
Die Stille im eigenen Kopf.(S, 262) Sie gibt ihr Auto in Zagreb zurück und setzt sich mit ihren beiden Hunden in den Zug und fährt nach Hause. Sie hat das Gefühl, als ob sie alles nur geträumt hätte.
Gibt es Gott?" fragt sie sich auf der Heimreise.
"Ich fühle mich, als wäre das Land durch mich gereist und kehrte nach Hause zurück, während ich übrigbleibe, mit hängenden Armen. Bereist! Die Stille im eigenen Kopf ist doch die lauteste von allen. Wer die Hölle überleben will, muss ihre Temperaturen annehmen."(S, 12)
Sie kommt nach dieser Reise zu dem Fazit, dass Frieden dem Krieg verwechselnd ähnlich sei. Zumindest bei Nacht.
"Mir ist kalt. Ich werfe meine Jacke auf den Boden, setze mich darauf und decke mich mit den Hunden zu!"
Besondere Begegnungen und Gespräche, die Juli Zeh auf ihrer Reise geprägt haben und die für sie besonders wichtig waren:
Juli Zeh begegnet auf der Reise vielen Menschen wie zum Beispiel Jasmin, Mustafa usw., die sie beeinflussen und zu denen sie eine Art Freundschaft aufbaut. Jedoch gibt es besondere Begegnungen wie zum Beispiel die Begegnung mit Dario und Monsieur Pescaran, zu denen sie eine besondere Bindung entwickelt.
Beginnen wir mit Dario. Sie begegnet dem 22jährigen Dario, der UNHCR- Fahrer ist, auf der Busfahrt nach Jajce, oder besser gesagt auf der Busfahrt nach Mostar(S,19). Er fällt ihr auf, weil er ein Buch mit dem Titel "Catcher in the Rye". Sie kommen miteinander ins Gespräch, was auch keine großen sprachlichen Barrieren mit sich bringt, da er lange Zeit in Deutschland gelebt hat und somit gut Deutsch sprechen kann. "Mein erster Bosnier, mein erster Bosnier." In Jajce angekommen, findet sie eine Bleibe bei ihm. Abends gehen sie zusammen essen und freunden sich bei einer Flasche Rotwein an(S,30fff.). Die beiden verstehen sich äußerst gut, was nicht weniger daran liegt, dass Dario ein kleiner Charmeur ist und ihr schmeichelt, wie schöne, leuchtende Augen sie doch hätte(S,25 und 31). Sie reden viel über den Krieg und über Frage nach der Schuldigkeit. Dario' s Meinung dazu ist, dass es viele Menschen in Bosnien gibt, die sich nicht verstehen(S,31), vor alle Dingen nicht die Städter und die Bauern. Die Bauern seien aus den Feldern gekommen und hätten alles an sich gerissen und wären dadurch stinkreich geworden. Als Beispiel nennt er einen Typen, der zwei Lebensmittelläden und ein Cafe besitze. Dieser hätte vor 10 Jahren noch Mais angebaut. Außerdem hätten die Bauern keinen Stil (S,33). Leider müssen sie sich nach einem gemeinsamen Tag wieder verabschieden, da er seiner Arbeit nachgehen muss und Juli Z. ihre Reise fortsetzen will. Jedoch treffen sie sich kurz vor Abreise aus Bosnien wieder, und zwar in Travnik, im X- Cafe. Da kommt es jedoch zum endgültigen Abschied. "Reise heim, kleine Frau. Wir werden aneinander denken, jeder in seiner Welt. Dario!"
Die für mich wichtigste Begegnung, ist die, mit Monsieur Pescaran. M. Pescaran ist Franzose und ein Gesandter der SFOR, die Bosnien beschützt und es wieder aufbaut. Eigentlich ist er Minenexperte und hat in Kambodscha gearbeitet. "Wir verstehen uns auf Anhieb!"(S,100), obwohl er so gut wie nur französisch und ein bisschen Englisch spricht. Zwar reden sie nicht viel miteinander, verstehen sich aber dennoch ohne Worte (S,112) "Das Schweigen ist ungezwungen.). Er hat eine ruhige Persönlichkeit, er zuckt häufig mit den Schultern und spricht sehr leise, immer dicht an ihren Ohren. Sein Blick ist intensiv und seine Augen suchen ihren Blick(S,116). "Ich will sagen, dass er mir nichts mehr zuflüstern soll, andererseits, soll er nicht aufhören."(S,116) Sie sucht seine Nähe, sowie er ihre, was nicht wohl daran liegt, dass beide sehr einsam sind.
Als Juli Zeh das erste Mal mit ihm telefoniert, überlegt sie sich, ob sie ihn heiraten könnte, alleine schon wegen seiner netten Stimme und gegen die Einsamkeit.
Als es zum Abschied kommt, wissen beide, dass dies ein endgültiger Abschied ist. Juli Zeh ist verzweifelt. Sie fährt nach Hause. Auf dem Heimweg hält sie plötzlich an, steigt aus, rennt durchs Gebüsch, scheißt auf die Minen, und pflückt Feigen. Es scheint als sei es ihr egal, ob sie lebt oder stirbt. Warum bringt sie sich in eine solch gefährliche Situation? Aus Verzweiflung? Aus Einsamkeit? Aus Trauer? Aus Liebeskummer? Man weiß es nicht. Es lässt nur vermuten, dass sie sich vielleicht, nach der "Trennung" von Monsieur Pescaran, einsam und verlassen füllt.
Ich denke, dass M. Pescaran einer der Menschen ist, die sie nie vergessen wird.
Reisebegleitung Othello
Juli Zeh' s Reisebegleitung Othello schien für mich im ersten Moment keine große Rolle zu spielen, da er nur an wenigen Stellen erwähnt wird. Jedoch nach mehrmaligem Lesen des Buches, wurde seine Rolle für mich immer wichtiger. Othello ist nämlich der Einzige, der sie immer begleitet und nie im Stich lässt. Er ist immer für sie da, wenn es ihr schlecht geht oder wenn sie aufgeben will. Durch ihn schöpft sie neuen Lebensmut. Zum Beispiel auf der S,95: Sie ist in Mostar und liest Bücher über vergewaltigte Frauen und Kinder, über Massengräber usw. "Unterschwellig wächst die Angst, irgendwann zu verstehen und nie wieder vergessen zu können, nicht mehr in der Lage zu sein, ins eigenen Land zurückzukehren." Juli Z. hat Angst vor dem Nichtvergessen und ist völlig entmutigt. Doch dann steht Othello neben ihr und ermutigt sie durch seine Bewegung und durch seine bloße Anwesenheit, mit dem Appell: Lebe! oder besser gesagt: Du schaffst das, wir stehen das gemeinsam durch! Sie haben die Reise gemeinsam überstanden, ich glaube, dass Juli Zeh ohne ihre Reisebegleitung aufgegeben hätte, oder niemals die Reise angetreten hätte.
Wo wird der Krieg sichtbar, und was sagen die Menschen zu dem Krieg, zu den Gründen des Krieges und zu der momentanen Situation in Bosnien?
Der Krieg wird in jeder Stadt, an jedem Grashalm, in jedem Gesichtsausdruck sichtbar. In Jajce, in Mostar, in Sarajevo und in allen anderen Städten sind überall Ruinen, zerstörte Häuser, zerrüttete Existenzen, riesige Granatenlöcher in Häusern und in den Böden, überall gelbe Minenabsperrungen, muslimische Friedhöfe, Leichenverwesungsgeruch, wahnsinnig große Armut in der Republika usw. . Juli Zeh ist durch den Anblick der Zerstörung wie gelähmt (S,44). Obwohl das Land viele schöne landschaftliche Gegenden hat und die Menschen versuchen, durch feiern und Musik den Krieg zu vergessen, gelingt es nicht den Krieg völlig unsichtbar zu machen.
Die Menschen können nicht so tun, als ob es nie einen Krieg gegeben hätte. Goran, der Besitzer eines Buchladens in Sarajevo (S,84), sagt dazu, dass der Krieg nicht nur die Menschen, sondern auch ihre Geschichte getötet hat.
Juli Zeh führt eine sehr interessantes Gespräch mit dem Pförtner der OHR (S,78/79).
er fragt sie zunächst, wie ihr denn Bosnien gefällt.
"Ganz gut!" erwidert sie darauf.
Darauf sagt er: " Ich sag ihnen was. Dieses Land ist ein Nichts. Früher war es alles, jetzt ist es nichts!"
"Seien sie nicht so streng mit ihrem Land." sagt Juli Zeh. "Zukunft ist hierzulande das, was 5cm vor deiner Nase liegt. Dahinter ist das Nichts!" erwidert er darauf!
An diesem Gespräch sieht man, dass er nicht mehr viel von seinem Land hält. Er war mal stolz auf Bosnien, doch jetzt gibt es , nach seiner Meinung, nichts mehr, worauf er stolz sein könnte.
Wenn Zukunft und Gegenwart nichts sind und die Vergangenheit der Ort, an dem das Nichts produziert wurde, was bleibt?
Im Gegensatz zu diesem Gespräch, steht das Gespräch mit Mustafa, Jar Jar Binks(S, 153). er liebt Bosnien und vor alle Dingen Mostar. Das sieht man an jeder Handbewegung und an jedem Augenzwinkern. Er ist stolz auf die hässlich sanierten, weißen, grellgelben Fassaden. "Ich liebe die Leute."
Jedoch sagt er auch, dass er zwar das Land liebt und es sehr interessant ist, er aber lieber in einem Land leben würde, das niemand kennt. Wo keiner leben will, außer ihm!
Der Besuch beim MAC (S,156)ist für Juli Zeh sehr schockierend. Sie sitzt in einem Büro, einem netten Herrn gegenüber, der ihr erzählt, währenddessen sie sich die Bilder im Hintergrund mit den zerfetzten Körpern, verbrannten Menschenüberresten anschaut, dass es im Monat noch ca. 8 Minenunfälle gibt und das Bosnien erst in 100 Jahren minenfrei seien wird. Ein deutliches Zeichen dafür, das der Krieges immer noch vorhanden ist.
Auch der Hass der Menschen aufeinander ist immer vorhanden. Die Bauern hassen die Städter, die Serben hassen die Moslems und anders herum. Jasmin hasst den Serben Dario, Dario hasst einen ehemaligen Bauern und jetzigen Cafebesitzer usw. . Bis der Völkerhass in Bosnien überwunden ist, wird Jahre, nein, Jahrzehnte dauern. Aus diesem Grund wird der Krieg in B. noch lange sichtbar sein.
Welche Empfindungen hat Juli Zeh und was gibt sie von sich persönlich preis?
Juli Zeh durchlebt auf ihrer Reise ein Meer der Gefühle. Sie wird gelenkt durch sie, und ist völlig abhängig von ihnen. Zu Beginn ihrer Reise empfindet sie nur Ängst und Zweifel daran, ob diese Reise das Richtige sei. Diese Zweifel verändern sich in Ehrfurcht vor dieser Reise. Dies zeigt sich daran, wie sie in Jajce aus dem Bus steigt und sie das Gefühl hat, dass der Boden sie nicht trägt. Ihre Beine reagieren nicht, sie hat das Gefühl, dass der Boden labil ist(S,26).
Ihre Gefühle lassen sich durch eine Art Konjunkturzyklus beschreiben: Er beginnt in der Depression, da sie zunächst Angst und Zweifel an der Reise hat, dann gelangt dieser Zyklus
langsam in den Aufschwung, da sie in Jajce, und wenig später in Mostar ankommt und dort das erste Mal so eine Art Freude empfindet darüber, dass sie endlich angekommen ist und einen Freund, Dario, gefunden hat und nicht mehr völlig alleine ist. Jedoch wird dieser Aufschwung in Sarajevo je unterbrochen, das heißt, dass es in diesem Zyklus keinen Boom gibt. In Sarajevo befindet sie sich in so einer Art Trancezustand. Sie steht in einem Nichts (S,58), das aus vielen nichtssagenden, grauen Gebäuden besteht. Sie ist wieder allein mit ihrem Hund. "Ich gehe durch die Straßen, als hätte jemand meinen Körper ausgeliehen, um eine Weile damit herumzulaufen." Der Zyklus gelangt langsam in die Rezession und führt schnellen Schrittes in die Depression. Sie hat großes Heimweh und Sehnsucht nach einem Gespräch mit einem bekannten Menschen. "Ich will was einkaufen, was essen, Kneipen besuchen, ich will nach Hause in mein Bett!" (S,71 oben)
"Ich bin unglücklich! Ich habe das Glücklichsein vergessen!"(S,72)
Außerdem ist sie völlig überfordert mit der ganzen Situation. "Es gibt soviel zu sehen, so dass mir schon wieder langweilig ist." Man hat das Gefühl, dass Juli Zeh enttäuscht ist von Sarajevo, da sie am liebsten Sarajevo sofort nach der Ankunft wieder verlassen wollte. Juli Zeh wird auch von Tagträumen und seltsamen Phantasien verfolgt. Häuser grinsen sie an, sie sieht Fratzen, wo Gesichter waren, sie sieht, wie sich Sarajevo vor ihren Augen wieder aufbaut und nachts wird sie von Kriegsvorstellungen verfolgt. Die Depression endet, als sie Monsieur Pescaran begegnet. Durch ihn überwindet sie ihre Einsamkeit und ihr Heimweh. So langsam bewegt sich der Zyklus wieder in Richtung Aufschwung, doch als sie sich wieder von ihm trennt, stürzt der Zyklus wieder in die Tiefe. Sie gerät in Panik, und läuft einfach in ein Feld hinein, ohne auf die Minenabsperrung zu achten. Der Zyklus bewegt sich zwischen Depression und Rezession, und manchmal ereignet sich auch ein kleiner Aufschwung. Meiner Meinung nach befindet sich Juli Zeh erst dann wieder im glücklichen Zustand, wenn sie wieder nach Hause fährt in Begleitung ihres Hundes und ihrer Erinnerungen(S,262/263). Gefühle, Empfindungen, Phantasien und Träume lassen Juli Zeh ihre Erinnerung und das Erlebte verarbeiten. Durch ihre persönliche Darstellung erfahren wir sehr viel über sie und über ihre Persönlichkeit. Sie lässt uns teilnehmen an ihrem Seelenleben und an ihren Sorgen. Eine sehr schöne Art zu erzählen, wie ich finde!
Nachwort:
Die Arbeit an dieser Hausarbeit hat mich sehr viel Kraft und Nächte gekostet, und bin noch nicht wirklich zufrieden mit der Endfassung. Jedoch bereue ich es nicht, meine Hausarbeit über dieses Thema geschrieben zu haben, da Juli Zeh mich durch diesen Bericht für das Land Bosnien begeistern konnte. Nicht nur die Art ihrer Darstellung, sondern auch ihre emotionale, gefühlvolle Selbstdarstellung haben mich fasziniert. Sie hat sich nicht als die perfekte, mutige Autorin dargestellt, sondern als eine Frau mit Ängsten und Fehlern, die ein noch immer gefährliches Land besucht.
Bevor ich dieses Buch las, wusste ich nur sehr wenig über den Krieg in Bosnien, über die Menschen und über die Kultur. Doch dieses Buch hat mich auf seine emotionale Art über das Land und den Krieg aufgeklärt.
Ich kann jedem empfehlen, dieses Buch zu lesen, da es sich nicht um einen trockenen und einseitigen Reisebericht handelt. Zwar ist die Schreibweise von Juli Zeh sehr gewöhnungsbedürftig, aber man lernt, sich während des Lesens, daran zu gewöhnen.
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