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Dominik Sommer - Milovan Djilas

Die neue Klasse- Eine Analyse des kommunistischen Systems

 

Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit Milovan Djilas Buch „Die neue Klasse- Eine Analyse des kommunistischen Systems“. Djilas war ein ehemaliger Spitzenfunktionär im kommunistischen Jugoslawien, der jahrelang Ideologe und Theoretiker des internationalen Kommunismus war. Als Kampfgefährte Titos führte er den Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer an und war danach maßgebend an der politischen und ideologischen Ausrichtung Jugoslawiens beteiligt. Zeitweise war er stellvertretender Ministerpräsident Jugoslawiens, Mitglied im Zentralkomitee, Verbindungsmann in Moskau und Minister. Trotz dieser jahrelangen Treue zum Kommunismus kommt im Laufen seines Lebens zum Bruch mit der kommunistischen Herrschaftselite. Daraus resultierte eine vernichtende Kritik am kommunistischen Herrschaftsapparat und der vermeintlich perfekten Gesellschaft.
Dies wurde von der Machthabern jedoch nicht geduldet und Djilas verbringt etliche Jahre im Gefängnis, wo er wiederum weitere Schriften verfasst, welche die politische Klasse demaskieren sollen. 
Auf den folgenden Seiten werden ich mich intensiv mit Djilas Thesen und Analysen zu dieser Gesellschaft beschäftigen. Der Hauptaspekt fragt nach der Entstehung einer neuen Herrschaftsschicht innerhalb des politischen Verwaltungsapparates, welche Djilas als „neue Klasse“ definiert. Ich werde Ursprung, Machtsicherungsmechanismen und Ideologie dieser neuen Klasse analysieren und darstellen. Ziel wird eine Darstellung der subjektiven Betrachtungsweise Djilas sein. In den Fordergrund rückt dabei die Betrachtungsweise des kommunistischen Systems im Bezug auf die Existenz einer schmalen, gut organisierten Schicht von privilegierten Bürokraten. 
Dieser Analyse liegt sein Hauptwerk „Die neue Klasse“ zu Grunde. Daher orientiert sich meine Arbeit sehr an diesem Buch.

Milovan Djilas

Geboren am 12. Juni 1911 in Pobdisce/Montenegro 
Gestorben am 20. April 1995 in Belgrad/Ungarn 

Milovan Djilas stammte aus Montenegro und war der Sohn eines begüterten Bauern und Polizeioffiziers. Im Zweiten Weltkrieg verlor er seinen Vater, sowie vier seiner Geschwister.
Er wuchs in einer ländlichen Gegend in den montegranischen Bergen auf.
Seit 1929 studierte er Rechtswissenschaften und Literatur in Belgrad und betätigt sich im marxistischen Umfeld.
1932 trat er in die, damals illegale, Kommunistische Partei Jugoslawiens ein.
Seine erste politische Karriere begann er als führender Vertreter der KP in Montenegro und saß deshalb von 1933-1937 in Haft. 
Seit 1997 gehörte er dem Zentralkomitee und dem Politbüro Jugoslawiens an.
Außerdem organisierte er im Jahre 1937 Hilfslieferungen nach Spanien , um dort die sozialistischen Kampfverbände zu unterstützten. 
Während des deutschen Einmarsches 1941 in Jugoslawien befand sich Djilas mit Tito und weiteren Parteifunktionären in Belgrad. Ihnen gelang jedoch die Flucht und sie organisierten ab diesem Zeitpunkt den Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer. Djilas agierte als Mitglied des Obersten Stabes der „Volksbefreiungsarmee“ und des „Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung“. 
Im April 1944 reiste er als Verbindungsmann Titos nach Moskau
1945 wurde Djilas Minister ohne Geschäftsbereich, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, Propagandachef und damit die rechte Hand von Ministerpräsident und Verteidigungsminister Tito in Jugoslawien. 
Als es zum ersten Bruch zwischen der Führung der UdSSR und Jugoslawiens im Frühjahr 1948 kam, bemüht sich Djilas vergeblich als Verbindungsmann in Moskau, um eine Beilegung der Differenzen. Jedoch zählte er dann 1948 zu den ersten, die den Bruch mit Moskau befürworteten und die „Arbeiterselbstverwaltung“ als Alternative zum staatsbürokratischen Sozialismus vorantrieben.
Die Selbstverwaltung wurde umgesetzt und Djilas Ideen wurden während des 6. Parteitages im November 1952 größtenteils in die Parteilehre aufgenommen. Jedoch widersetzte sich das Zentralkomitee diesen Thesen und revidiert sie teilweise im Sommer 1953. 
Im Herbst 1953 veröffentlichte Djilas noch mit Billigung der Partei eine Broschüre „Der Anfang vom Ende vom Anfang“.
Am 28. Dezember 1953 wurde er einstimmig zum Präsidenten des Bundesparlaments gewählt.
Gleichzeitig veröffentlichte er in dem Parteiorgan der KP „Borba“ eine Artikelserie mit dem Titel „Anatomie der Moral“ in der er sich für eine Demokratisierung des, seiner Meinung nach erstarrten, Parteilebens ein.
Dies führte zu einem Bruch mit Tito, welcher ihn am 17. Januar 1954 aus dem Politbüro ausschloss und ihn aller Ämter enthob.
Im März 1954 verließ Djilas von selbst die kommunistische Partei. 
Am 26 Dezember 1954 führte Djilas mit seinem Freund, dem Titobiographen Dedijer ein Interview mit der New York Times.
Im Januar 1955 verurteilte man ihn dafür zu 18 Monaten Gefängnis. Man warf ihm staatsschädigendes Verhalten vor.
Im November 1956 wurde er erneut verhaftet, da er Kritik an der Haltung der jugoslawischen Regierung zum Volksaufstand in Ungarn übte. Hierfür wurde Djilas erneut verurteilt und für 3 Jahre eingesperrt. 
In dieser Zeit verfasst Djilas sein Hauptwerk „Die neue Klasse“, welches aus dem Gefängnis herausgeschmuggelt wurde und 1957 erstmalig von seinem amerikanischen Verleger veröffentlicht wurde. Dieses Buch verbot man in Jugoslawien und verlängerte seine Haftstrafe um weitere sieben Jahre. 
Am 20. Januar 1961 wurde Djilas entlassen und seine Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt. 
Am 14. Mai 1962 verhängten die Gerichte jedoch erneut eine neunjährige Haftstrafe, da sein Buch „Gespräche mit Stalin“ angeblich wichtige politische Geheimnisse verrieten.
Am Silvesterabend 1966 wurde er überraschend begnadigt und unter Auflegung eines Publikationsverbotes aus der Haft entlassen.
Im Oktober 1968 reiste Djilas mit einer auf zwei Jahre befristeten Ausreisegenehmigung nach Großbritannien und hielt diverse Vorträge.
Erst 1973 wurde es wieder laut um Djilas, als er in einer Armeezeitschrift als „Verräter und Feind es Vaterlandes“ tituliert wurde, was ein Veröffentlichungsverbot in Jugoslawien und ein Ausreiseverbot zur Folge hatte. 
1987 bekam Djilas nach dreizehn Jahren seinen Pass zurück und konnte somit ins Ausland reisen und wieder im eigenen Land publizieren. Zu einer gerichtlichen Rehabilitierung kam es jedoch nie.
Zu einer Rehabilitierung in der Öffentlichkeit kam es jedoch im Mai 1989 als das Belgrader Parteiblatt „Borba“ Djilas die Möglichkeit einer Interview- Serie eröffnete.
Djilas starb im am 20.04.95 im Alter von 83 Jahren ans Herzversagen in Belgrad. 

Neben seinen politischen Schriften wie „Die neue Klasse“, “Gespräche mit Stalin“, „Jenseits der neuen Klasse“ usw. veröffentlichte Djilas viele weitere Werke. Neben vier autobiographischen Büchern, unter anderem eine Tito Biographie, sowie diverse Kurzgeschichten

Quelle: Munzinger-Archiv/Internat. Biograph. Archiv 33/95 K 005786-19 Di-NOE

Der Charakter der Revolution

In diesem Kapitel seines Werkes beschäftigt sich Djilas mit den Gründen und Folgen der russischen Revolution von 1917. Er skizziert die Grundvoraussetzungen , die seiner Meinung nach zur Revolution führten und beschreibt die Unterschiede zu vorrangegangenen Revolution. Außerdem zeigt er verständlich auf, wie in der Revolution die Grundsteine für eine neue herrschende Klasse gelegt werden sollten.

Djilas erkennt die russische Revolution als eine geschichtliche Notwendigkeit, die in Russland stattfinden musste, um es auf den wirtschaftlichen Standart der restlichen europäischen Nationen zu bringen. Die Industrialisierung beschreibt er als Schlüsselwort für diese Revolution. Da Russland die Industrialisierung noch lange nicht durchlebt hatte, sei es das ureigenste Interesse der Bevölkerung gewesen, die Produktion zu steigern und das Niveau zu heben. Dies konnte in Russland nicht selbstständig geschehen, wofür Djilas zwei Gründe angibt:
1. Russland war hinsichtlich seiner geschichtlichen Entwicklung gegenüber anderen europäischen Staaten zurückgeblieben. So gab es weder Reformation oder Renaissance, noch etwas wie die mittelalterlichen Stadt-Staaten in Europa. „Rückständig, halbfeudal, belastet durch eine absolute Monarchie [und] seinen zentral gesteuerten Beamtenapparat [..]“ 
Auch der kräftezehrende 1. Weltkrieg, die ausbleibenden Reformen und die rückständige Wirtschaft führten zu einem Absterben der Treue zum monarchischen Zarenhaus und einer Verbitterung des Volkes. Die alte Herrschaft tat jedoch nichts, außer blutiges Niederschlagen der Proteste, um diese Situation zu verbessern. 
2. Russland wurde Ziel der Finanzinteressen des internationalen Kapitalismus und Bankkonzerne, welche versuchten das riesige Land als Quelle für Rohstoffe und billige Arbeitskräfte zu nutzten. Damit verhinderten sie einen Fortschritt der nationalen Wirtschaft. 
Djilas beruft sich hierbei auf Lenin und Trotzki , welche beide einen enormen Anteil der russischen Wirtschaft in der Hand international agierender Kapitalunternehmen sahen. So befanden sich nach Lenin dreiviertel des Kapitals der russischen Großbanken in ausländischer Hand und nach Trotzki vierzig Prozent der Industrieaktien. 

Djilas zu Folge führten diese Tatsachen zu der Erstarkung revolutionärer Kräfte, die eine radikale Umwälzung der Strukturen forderten und eine rasche und tiefgreifende Industrialisierung versprachen. Eine hoffnungsvolle Ideologie, ein altes reaktionäres System und eine schwache politische Partizipation des Proletariats waren Gründe für den Anschluss der Arbeiter an die kommunistischen Partei und die Revolution. Es sei eine Frage auf Leben und Tod für das Proletariat gewesen, da es am meisten unter den Umständen litt und von der kapitalbesitzenden Klasse abhängig war.
Die einzige Organisationsform für diese Ziele sieht er in einer Partei gegeben. Diese Partei musste antikapitalistisch im Inneren und antiimperialistisch nach außen sein. Ihre innere Organisation musste völlig zentralistisch sein und von einem Kader der überzeugtesten und radikalsten Berufsrevolutionäre geführt werden. Anders sei ein solch kühnes Vorhaben wie diese Revolution nicht zu bewerkstelligen.
Sozialistisch musste die Partei ebenfalls sein, da sie dem Willen des Proletariats folgte, welches im Marxismus eine heilbringende Religion sah, welche die geeignete Antwort auf ihre Situation zu sein schien. Da der Marxismus revolutionär war, deckte er sich mit dem Dogma der Partei, dass eine Revolution die einzige Möglichkeit im politischen Kampf darstelle. Viel wichtiger allerdings war die wirtschaftliche Komponente des Sozialismus. Die kommunistische Partei erkannte, dass die Industrialisierung in einem Land wie Russland nur durch die Zusammenfassung aller nationalen Hilfsquellen möglich sein würde. Daher war ein erstes Hauptanliegen die Vernichtung der Besitzerklasse. Darunter verstanden die Kommunisten die Enteignung von Großgrundbesitzern und Fabrikherren, später allerdings auch von Kleinbetrieben und Handwerkern. Der Besitz wurde unter die zentrale Verwaltung der Partei gestellt, welche so die Industrialisierung planen und durchführen konnte.
Auf diese Weise werde das Privateigentum vom Kollektiveigentum verdrängt und unter eine zentrale Verwaltung gestellt, die augenscheinlich die Interessen des Volkes wahren solle.
Die Ziele dieser Maßnahmen stellten aus Sicht der Kommunisten als Diktatur des Proletariats, klassenlose Gesellschaft und Industrialisierung dar.
In dem ausschließlichen Recht der kommunistischen Partei und ihrer Funktionäre das Kollektiveigentum zu kontrollieren und damit das tägliche Leben, erkennt Djilas die Wurzel der „neuen Klasse“ und einen Stützpfeiler für ihre Macht. 
Während der Revolution glaubten die Kommunisten, dass Terror und Gewalt legitime Mittel zur Durchsetzung dieser Ziele seien. Anders als bei vorherigen Revolutionen, die sich in manchen Fällen auch der Gewalt bedienten, endete dieser Terror nach der Revolution nicht. Im Falle der Kommunisten dehnte sie sich jedoch noch weiter aus.
Da sich die Revolution lediglich als erster Akt zum „Aufbau des Sozialismus“ darstelle, werde diese Linie nach Herrschaftsantritt beibehalten. Dies führe zu radikalem Vorgehen gegen politische Feinde. Djilas versucht dies an Hand mehrerer Beispiele zu belegen, indem er erklärt, es seien nach der Revolution Tausende von Menschen liquidiert worden, die nicht dem Weltbild der kommunistischen Partei entsprachen. Genauso wie die Enteignung kleinerer Betriebe, welche die Gesamtwirtschaft nur zu einem sehr geringen Teil beeinflussten, wurden diese Maßnahmen aus politisch-ideologischem Kalkül durchgeführt. Man bestand auf eine politische Ausschließlichkeit, die alle Aspekte des täglichen Lebens durchdringen sollte. 
Das Beharren auf politischer und ideologischer Ausschließlichkeit sollte ein Herrschaftsinstrument der neuen Klasse werden. 
Wie oben bereits erwähnt, bedarf es einer zentralistischen Parteiorganisation die von gut geschulten, aufopferungsbereiten und ideologisch hegemonialen Berufsrevolutionären geführt werde. In dieser Gruppe von Berufssoldaten erkennt Djilas den Ursprung der neuen Klasse. 
So habe dieser harte Kern der Revolution später alle wichtigen Ämter und Positionen eingenommen, welche im zentralisierten Staatsapparat für eine enorme Machtkonzentration geführt habe. Durch das Monopol auf die Ideologie und die Produktionsmittel seien diese Funktionäre zu radikaler Macht gelangt. Auf diese Weise sei eine neue Klasse von Besitzern entstanden, die einzigartig für die menschliche Geschichte sei und alle Werte und Grundsätze der Revolution verraten habe.
So beendet er sein Kapitel „Charakter der Revolution“ mit folgendem Urteil:

„Im Gegensatz zu früheren Revolutionen hat die kommunistische Revolution, die im Namen der Beseitigung aller Klassen gemacht worden ist, zur totalen Herrschaft einer neue Klasse geführt.
Alles andere ist Betrug und Täuschung.“ 

Die Neue Klasse

Nach Djilas hat sich in den sowjetisch beherrschten Ländern eine neue Herrschaftsordnung entwickelt, die ihre Wurzeln in der russischen Revolution trüge. Diese Ordnung bestehe auf allumfassender Herrschaft und Unterdrückung. Die Träger dieser Ordnung beschreibt er als „neue Klasse“. Eine Machtelite von Funktionären, die sich durch die Tragweite ihrer Machtbefugnis und ihrer Entstehung von allen anderen bisher gekannten Klassen unterscheide. Die genaue Eingrenzung der neuen Klasse sei äußerst schwierig, da sich ihre Grenzen verlaufen und es unmöglich sei ihre Mitglieder genau zu bestimmen. Dennoch beschreibt er sie als Führungsschicht, welche die administrativen Aufgaben im kommunistischen Staat wahr nehme. Damit gelange sie zu einer enormen Macht, weil sie die Möglichkeit habe jeden Aspekt des kommunistischen Staates zu lenken. Da der Staat durch und durch zentralistisch aufgebaut ist, laufen alle Fäden in den Händen weniger Spitzenfunktionäre, der neuen Klasse, zusammen. So sei das Vorrecht der Verwaltung das Kernstück und Herz der neuen Machtoligarchie. 
„Dieses Vorrecht erstreckt sich von der eigentlichen Staatsverwaltung und der Verwaltung wirtschaftlicher Unternehmen bis zur Verwaltung sportlicher und humanitärer Organisationen“. 
Also lässt sich die neue Klasse nach Djilas` Definition mit der allumfassenden politischen Bürokratie des Sowjetstaates gleichsetzten. 
Dies ergebe eine Machtkonzentration in den Händen weniger Funktionäre, welche dies nach Djilas schonungslos ausnutzen. Eine Mitgliedschaft in der neuen Klasse sei gleichbedeutend mit einem größeren Einkommen, Privilegien und einem Vielfachen an Macht gegenüber Nicht-Funktionären. 
„Man kann sagen, die neue Klasse bestehe aus Leuten, die wegen des administrativen Monopols, das sie innehaben, Privilegien und materielle Vorteile genießen.“ In diesem Zusammenhang zitiert Djilas den Schriftsteller Uralow, der in seinem Buch „Stalin au pouvoir“, welches 1951 in Paris erschien, schon feststellte, dass sich zwischen der Entlohnung eines gewöhnlichen Arbeiters und einem Staatsfunktionär eine enorme Diskrepanz auftue. So betrüge der Durchschnittslohn eines Arbeiters im Jahre 1935 1800 Rubel jährlich und der eines Sekretärs des Bezirkkomitees rund 45000 Rubel.
Das besondere an dieser neuen Klasse von Besitzern sei ihre Kontrolle über die Bürokratie aller Einrichtungen und Organe des Staates und damit über das Leben jedes einzelnen Bürgers. Diese Bürokratie benutze die neue Klasse nicht um die Belange des Volkes zu kümmern, sondern um ihren Machtapparat zu erhalten, damit ihre Vormachtstellung nicht verloren gehe. Diesen Aspekt der Bürokratie erkennt auch Rosa Luxemburg und legt ihn wie folgt dar:
„Mit dem Erdrücken des politischen Lebens im ganzen Land muss auch das Leben in den Sowjets immer mehr erlahmen. Ohne allgemeine Wahlen, ungehemmte Presse- und Versammlungsfreiheit, freien Meinungskampf erstirbt das Leben in jeder öffentlichen Institution , wird zum Scheinleben, in dem die Bürokratie allein das tätige Element bleibt. Das öffentliche Leben schläft allmählich ein, einige Dutzend hervorragender Köpfe und eine Elite der Arbeiterschaft werden von Zeit zu Zeit zu Versammlungen aufgeboten, um den Reden der Führer Beifall zu klatschen, vorgelegten Resolutionen einstimmig zuzustimmen.“ 

In dieser Aussage kritisiert Rosa Luxemburg gleich mehrere Aspekte. Die allumfassende bürokratische Verwaltung, die Einschränkungen durch den Herrschaftsapparat der neuen Klasse und die scheindemokratischen Methoden bei der Willensbildung der Staatsfunktionäre. 
Um diese machttragenden Spitzenfunktionäre bildeten sich exklusive Gruppen. Das ganze politische Geschäft bestehe aus Zank zwischen den einzelnen Gruppen. Es blühe Vetternwirtschaft und Cliquenwesen. Selbst über Entscheidungen von höchster politischer Wichtigkeit werde in kleinen Gruppen bei der Jagd oder beim Abendessen beraten. 
„Parteisitzungen, Regierungsberatungen und Versammlungen [..] dienen keinem anderen Zweck, um das bestätigen zu lassen, was schon vorher ausgekocht worden ist.“ 

Den Ursprung der neuen Klasse will Djilas in den vorrevolutionären Eliten der Berufsrevolutionäre gefunden haben. Wie bereits in dem Kapitel „Der Charakter der Revolution“ beschrieben, bestand das Kernstück der revolutionären Bewegung aus wenigen überzeugten Berufsrevolutionären und Kadern. Diese Kader zeichneten sich durch Aufopferungsbereitschaft, festen Glauben an die Revolution und den Sozialismus, Disziplin und ideologische Einigkeit aus. Ebenfalls stellten sie die Führungsspitze der kommunistischen Partei. Sie sahen sich selbst als „Avantgarde“ der Arbeiterklasse, welche in der Lage waren die Massen für ihren Kampf zu gewinnen und die zukünftigen politischen Funktionäre im „Aufbau des Sozialismus“ zu stellen.
Auch Michael S. Voslensky ist in seinem Buch „Nomenklatura- Die herrschende Klasse der Sowjetunion“ der Meinung, dass die Wurzel der neuen Klasse in dieser kleinen Gruppe von Berufsrevolutionären zu finden sei. Lenin sei der Meinung gewesen, dass diese sozial gesehen, außerhalb der Gesellschaft stand und sich keiner Klasse zugehörig fühlen konnte.
„Sie sollte ein selbstständiger sozialer Organismus werden und eigenen Regeln gehorchen.“ 
Dies ist verständlich, da ihr einzige Ziel darin bestünde die damalige Herrschaftsstruktur zu zerschlagen und in Zukunft die Geschicke des Staates zu lenken.
„[So] musste die Gruppe sich zwangsläufig aus einer Organisation der Berufsrevolutionäre in eine Organisation von Berufsherrscher des Staates verwandeln.“ 

Djilas bietet in „Die neue Klasse“ ebenfalls Lösungsvorschläge an. Da die Eigentumsverhältnisse, die auf die Verwaltung des Kollektiveigentums zurückzuführen sind, die Quelle der Macht der neuen Klasse darstelle, würde Veränderung in diesen Verhältnissen auch eine Schwächung der Stellung der Klasse nach sich ziehen. Daher sträube sich die neue Klasse auch so wehemend gegen eine Veränderung der Eigentumsverhältnisse. Djilas fordert daher eine gesellschaftliche Verwaltung und keinen Privateigentümer oder politische Verwaltung durch die neue Klasse. Da das Volk der Produzent der Waren sei, soll es diese auch verwalten können. Das Volk solle den Besitz durch direkt gewählte Vertreter verwalten lassen. Diese Forderungen würden der neuen Klasse Zugeständnisse abringen. Bestünden sie weiterhin auf diese Eigentumsverhältnisse würde, nach Djilas Sicht, der totalitäre Charakter ihrer Herrschaft offen zu Tage treten. 
Sie würden zugeben müssen, dass ihre Klasse eine Sonderstellung in der Gesellschaft einnehme und diese Sonderstellung sowie die wirklichen Eigentumsverhältnisse ein Widerspruch darstellten und durch das Gesetz auf keinen Fall gedeckt werden. 

Djilas sieht also in der neuen Klasse den Ursprung und die Wurzel für die Situation im kommunistischen System. Lediglich Machtsicherung, Gier, Korruption und ideologische Verblendung führe dazu, dass Millionen von Staatsbürgen in einer Scheinwelt lebten, welche viel verspräche, aber nichts halte. Hinter den Kulissen sitzen wenige mächtige Männer an den Schalthebeln des Staates und steuern jeden Aspekt des Staates und der Gesellschaft in ihrem Interesse. 
Dies erkannte Djilas und liefert in seinem Buch eine argumentative Vorlage für jeden, der dies auch erkennen möchte. So schließt er sein Kapitel über die neue Klasse mit folgenden bezeichneten Worten:
„Wenn die neue Klasse von der Bühne der Geschichte abtritt –das muss einmal geschehen -, dann wird weniger Trauer über ihren Abgang herrschen, als über den jeder anderen Klasse zuvor. Indem sie alles unterdrückten, was ihrem Egoismus nicht förderlich war, hat sie sich selbst zur Niederlage und zu schmachvollem Untergang verurteilt. 

Die Partei/ Der Parteistaat

Im folgenden Kapital beschäftige ich mich mit Djilas` kritischer Sicht der Funktion und des Ursprungs der kommunistischen Partei der Sowjetunion. Er beschreibt ihre Macht im Staat und erklärt ihre Relevanz im Herrschaftsapparat der neuen Klasse.

Djilas vertritt die These, dass die Wurzeln der kommunistischen Partei deren absolute Herrschaft, sowie die neue Klasse in der vorrevolutionären kommunistischen Elite zu finden sei. Wie bereits im Kapitel „Der Charakter der Revolution“ darlegt, war es für die Kommunisten durchaus wichtig eine zentralisierte Partei als Agitationsmedium zu benutzten, um darin die Kräfte bündeln zu können und eine zentrale Verwaltungsform einführen zu können. (siehe=> “Der Charakter der Revolution)
Die Partei habe die Führerrolle vor, während und nach der Revolution als „Avantegarde der Arbeiterklasse“ übernommen, um die Revolution, die Industrialisierung und „den Aufbau des Sozialismus“ durchzuführen.
„Aber keine frühere Partei war ideologisch oder organisatorisch so zentralisiert, wie es die kommunistische Partei war“. 
Auch ihre ideologische Ausschließlichkeit und die strenge Parteidisziplin lassen sich aus den revolutionären Verhältnissen und der kommunistischen Ideologie erklären.
Da sie für sich die alleinige und allumfassende Weisheit des Marxismus beanspruchten und diese als vollkommen richtig erklärten, besaßen sie, nach Meinung der Kommunisten, das alleinige Recht die Gesellschaft zu verändern und zu kontrollieren. Dabei behaupten sie, dass sie die einzigen seien, die dem Willen des Volkes Folge leisten würden. Kritiker oder Andersdenkende wurden so natürlich zu Feinden der Gesellschaft, welche bis auf das Äußerste verfolgt werden mussten. Natürlich ist die kommunistische Partei dadurch auch die einzig legitime Partei im kommunistischen System. Eine offizielle, wählbare Alternative oder Opposition sei nicht vorhanden.
Die Parteidisziplin verknüpft sich automatisch mit diesem Punkt. Eine einheitliche ideologische Ausrichtung sei zu einem wichtigen Dogma der kommunistischen Partei geworden. Die obersten Führer vertreten gleiche Ansichten und strahlten diese auf die unteren Ränge ab. Diese versuchten natürlich ihre Meinung an die der Führer anzupassen. Abweichendes Verhalten könne so kontrolliert und bestraft werden. So könne die Parteispitze vorgeben, welche Politik die richtige sei und errichte so ein Monopol auf die Gedanken ihrer Funktionäre. Djilas stellt fest, dass diese Tatsache zu einem weiteren wichtigen Punkt in der Herrschaftsdoktrin der neuen Klasse führt:
Es sei durchaus Methode, dass gesellschaftlich wichtige Ämter nur an Parteimitglieder abgegeben werden. Auch Regierungsposten stünden Nicht-Mitgliedern auf keinen Fall zur Verfügung. Daraus ergebe sich verständlicher Weise eine sehr enger Zusammenhang zwischen den gesellschaftlichen Funktionen und der Partei. 
Auf diese Weise habe die Partei, bzw. ihre obersten Führer Einfluss auf alle Phasen des Lebens.
Zu diesen Aspekten gehöre nicht nur die öffentliche politische Meinung und die Verwaltung des Besitzes, sondern auch alle staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen, wie die Polizei, die Rechtsprechung, die Geheimpolizei, die Lenkung der Wirtschaft usw. Damit wird die Partei zu einem wichtigen Träger der totalitären Herrschaft der Kommunisten und der neuen Klasse. (=> siehe Totalitarismus- Herrschaftssystem der neuen Klasse).

Die Wirtschaft nach dem Dogma

Wie ich bereits mehrfach in meiner Arbeit erwähnte, fußt die Macht und Herrschaft der neuen Klasse im Grunde auf dem Vorrecht der Verwaltung des Kollektivbesitzes im kommunistischen Staat. Um diesen Aspekt noch genauer beleuchten zu können, beschäftigt sich das nächste Kapitel mit dem Wirtschaftssystem der Sowjetunion aus Milovan Djilas Sicht. Hierbei ist wieder anzumerken, dass Djilas sein Buch im Gefängnis unter erbärmlichen Bedingungen verfasste, was die Unterstreichung seiner Argumente mit Statistiken oder umfangreichen literarischen Hinweisen machte. Außerdem verfasste er keine wissenschaftliche Analyse über die kommunistische Planwirtschaft, sondern versucht aufzuzeigen, inwiefern die neue Klasse die Wirtschaft als Herrschaftsmedium missbrauche und sie unter die kommunistische Doktrin zu stellen versucht.
Bei der kommunistischen Wirtschaft handelt es sich um eine zentralisierte Planwirtschaft, oder auch „Zentralverwaltungswirtschaft“ genannt. „Im Gegensatz zur Marktwirtschaft ein Wirtschaftssystem, in dem die Wirtschaftsvorgänge durch eine oberste Wirtschaftsbehörde zentral geplant (Planwirtschaft) und gelenkt werden. Diese allein entscheidet, was, wie viel, wo und wie produziert wird und wie die Verteilung des Sozialprodukts erfolgt.“ 

Dieser Mechanismus werde seitens der neuen Klasse dazu verwendet, die Wirtschaft nach ihren Interessen zu lenken. Wie bereits mehrfach aufgeführt, bedurfte die Durchführung der Industrialisierung die Vereinigung aller nationalen Hilfsquellen ( siehe: Der Charakter der Revolution), welche unter eine zentralisierte Nationalverwaltung gestellt wurden. Gleichzeitig müsse ein Wirtschaftssystem geschaffen werden unter welchem die politische Bürokratie, und damit die neue Klasse, absoluter Machtträger sei. Durch das Kollektiveigentum und die absolute Herrschaft darüber, sei ein solcher Machtsicherungsmechanismus entstanden. 
Hierbei beriefen sich die Kommunisten wiedereinmal ihrer angeblich Wissenschaft des Marxismus, um die Tyrannei und die Beherrschung der Wirtschaft zu rechtfertigen. Dabei handele es sich nur um reine Dogmen, die lediglich den Schein des Marxismus trügen. So handele es sich bei der kommunistischen Wirtschaftspolitik nicht um eine Reaktion auf eine gegebene Wirtschaftssituation, sondern die Wirtschaftssituation sei eine Reaktion auf eine gegebene politische Situation. Dieses politische Kalkül hebt Djilas an mehreren Stellen hervor. Die Wirtschaft folge den politischen Machtinteressen einer kleinen herrschenden Schicht. Und nicht wie behauptet dem Willen des Volkes zur Steigerung der Produktion, um den Lebensstandart der Arbeiter zu verbessern. 
Diese Tatsache bekäme auch der Arbeiter direkt zu spüren. In Folge der Planwirtschaft sei eine freie Arbeitsplatzwahl unmöglich geworden. Der Arbeiter müsse arbeiten, um leben zu können. Dabei habe er keinerlei Einfluss auf die Arbeitsbedingungen, weil er sich ja keinen besseren Arbeitgeber suchen könne, da es nur einen gebe- nämlich den Staat. Streiks seien verboten und träfen das System nicht wirklich. Unter diesen Umständen sei es auch ganz natürlich, dass das Interesse der Arbeiter an einer hohen Produktion und ordentlicher Arbeit rapide abnähme und so Verschwendung, Behinderung des Fortschritts, Diebstahl, Qualität der Produktion usw. an der Tagesordnung seien. Ein weiterer Punkt, der verständlicherweise zu Verschwendungen im Staatshaushalt führe, sei das Fehlen jeglicher Opposition, welche Investitionen und Ausgaben kritisch beäugen könne. So werden Unsummen in Projekten verschwendet, die keinerlei Nutzen für die Wirtschaft trügen. 

Der Totalitarismus- Herrschaftssystem der neuen Klasse

Djilas benutzt in seinem Werk sehr häufig die Bezeichnung des „Totalitarismus“ bzw. der „totalitären Herrschaft“. Er bezeichnet sie als Herrschaftsstruktur der Kommunisten und damit auch direktes Werkzeug der neuen Klasse. Im folgenden Kapitel werde ich mich nur zu einem kleinen Teil auf Djilas` „Die neue Klasse“ beziehen, da ich die Meinung vertrete, dass seine Ausarbeitungen auf diesem Gebiet nur marginal fundiert sind, um ein objektives Bild der totalitären Herrschaft wiederzugeben. Anfangs möchte ich eine Definition des Begriffs „Totalitarismus“ anbringen:
„Begriff, der das Herrschaftsprinzip einer Staatsführung kennzeichnet, die die totale Verfügungsgewalt über die Gesellschaft und alle Lebensäußerungen ihrer Mitglieder beansprucht. Der totalitäre Staat sucht seine Bürger gleichzuschalten, durch eine Ideologie zu formen und zu mobilisieren. Diejenigen, die sich seinen Ansprüchen nicht unterwerfen, werden ausgegrenzt, gegebenenfalls vernichtet. Der totalitäre Staat ist eine Erscheinung des 20. Jahrhunderts und unterscheidet sich grundlegend vom Typus des demokratischen Verfassungsstaates, von einer autoritären Diktatur und auch von früheren autokratischen Staatsformen. Er hat die Unterdrückungsmechanismen früherer autokratischer Regime ins Unermessliche gesteigert.“[..]
(Quelle:www.wissen.de)

Als Totalitarismuskonzept möchte ich eine Herrschaftsordnung anbringen, der sechs Wesensmerkmale zuzuordnen sind. Dem liegt das Referat von Georg Brunner „Abkehr vom Totalitarismus? Wandlung im Herrschaftssystem osteuropäischer Staaten“ zugrunde.

1. Wie bereits im Kapitel „Die Partei/Der Parteistaat“ darlegt, existiert in kommunistisch beherrschten Ländern eine offizielle Ideologie, die jedem Staatsbürger aufdoktriniert wird. Diese Ideologie tritt mit dem Anspruch auf absolute Richtigkeit auf und wird zu einem Dogma, welches jeden Aspekt des täglichen Lebens bestimmt und begleitet. Wird diese Ideologie, die zu einer Art Staatsreligion ausartet, nicht befolgt, muss man mit Verfolgung und Vernichtung rechnen. Die Ausschließlichkeit der Ideologie lässt sich durch die revolutionäre Bewegung, die folgende Herrschaft und den Willen zur totalen Macht erklären. So benötigen die Kommunisten eine Ideologie, von der sie behaupten konnten, dass sei dem Proletariat den Himmel auf Erden bringe und somit genügend Menschen in ihren Bann zog. Nach dem Sieg der Revolution war es wichtig, dass sie die einzigen Machthaber blieben, um die Industrialisierung und die klassenlose Gesellschaft herzustellen. Sie behaupteten, dass sie die einzigen seien, die um die Gesetze wissen, auf welche die Gesellschaft fußt. So seien sie auch die einzigen, die das Recht anheim hatten, diese zu gestalten und zu verwalten. Nach Herrschaftsantritt wurde die Ideologie zur Legitimation ihrer Herrschaft und zum Kampfmittel gegen Oppositionelle und Feinde. 

2. Der zweite Punkt der totalitären Herrschaft besteht in der Existenz einer hierarchischen Massenpartei, weshalb ich wiederum auf das Kapitel „Die Partei/Der Parteistaat“ verweise. Die Partei wird als eine Herrschaftsstütze gesehen, da sich von ihr aus alle gesellschaftlichen Funktionen und Institutionen von einer relativ kleinen Gruppe lenken und kontrollieren lassen. Brunner vertritt hier die These, dass die Partei ebenfalls despotisch, also nach dem Führerprinzip aufgebaut sei. Zwar verfügten die obersten Parteifunktionäre über enorme Macht, welche allerdings durch die personifizierte Parteispitze (Stalin) in den Schatten gestellt wird.

3. Die Geheimpolizei steht ebenfalls unter der Kontrolle der Parteispitze und der neuen Klasse. Sie gilt als eines der mächtigsten Organe im Sowjetstaat. Durch sie werde rücksichtsloser Massenterror ausgeübt, um gegen Feinde vorzugehen und Widerstand im Keim zu ersticken. Vor allem aber um Angst und Misstrauen in der Gesellschaft zu sähen. 

4. Genauso wie die Existenz einer offiziellen Ideologie verhält es sich mit dem Nachrichtenmonopol der Partei. Die Massenmedien wurden direkt unter die Kontrolle der Partei gestellt, so dass Zensur und Propaganda an der Tagesordnung sind. Auch die Presse- und Meinungsfreiheit wurde derart eingeschränkt, so dass dem Sowjetbürger keine differenzierte Sicht seitens der Medien präsentiert werden kann. 

5. Die Herrscher verfügen über das Waffenmonopol. Es ist niemanden gestattet bestimmte Waffen zu besitzen, herzustellen oder zu vertreiben. Einzig allein das Militär und die Polizei, welche beide durch die Führung gelenkt werden, ist es erlaubt Waffen zu tragen. Damit versucht sich der totalitäre Staat gegen mögliche Aufstände und Putschversuche zu schützten. Gleiche Bedingungen herrschen allerdings auch in den meisten demokratischen Staaten. Jedoch zeigt Brunner hier auf, dass Vergehen gegen das Waffengesetz in der Sowjetunion wesentlich härter bestraft würden. 

6. Die Wirtschaft untersteht völlig einer zentralen Lenkung (siehe „Die Wirtschaft unter dem Dogma“) 


Marxismus- Leninismus- Stalinismus

Eine Besonderheit, die das gesamte Werk durchzieht, ist die von Djilas vorgenommene Bewertung der Entwicklung der marxistischen Ideologie, über den Revolutionär Lenin bis hin zum Staatsterrorismus Stalins und später der Kollektivführung unter Chruschtschow. Djilas betont immer wieder, dass es zu einer negativen Entwicklung von der ursprünglichen marxistischen Ideologie gekommen ist.
Marx sei seinerzeit ein Theoretiker und Wissenschaftler gewesen. Er sei davon überzeugt war Gesetze gefunden zu haben, nach denen sich die Gesellschaft entwickele. Trotzdem habe er niemals ins Auge gefasst ein allumfassendes philosophisches und ideologisches Herrschaftssystem zu errichten. Erst seine ideologischen Nachfolger wie Stalin und Lenin hätten seine Lehren übernommen und versucht aus ihnen ein Staats- und Gesellschaftsgebilde zu formen. Dabei hätten diese die wissenschaftlichen Errungenschaften Marx in absolute Züge verkehrt und als Propaganda benutzt. Seine Lehren und Analysen wurden für viele zur heilbringenden Religion. Viele klammerten sich an sie und machten sie zu ihrem Lebensinhalt. Gerade in Ländern, in denen die wirtschaftlicher und politischer Fortschritt schwierig war und die Arbeiterklasse keinen hohen Grad an politischer Partizipation trug, entstanden Tendenzen, den Marxismus in ein Dogma zu verkehren.
Die marxistische Ideologie sollte zur allumfassenden und endgültigen Lehre werden aus der eine neue Gesellschaft und ein neuer Staat erwachsen könne. Dies sei auch in den damaligen Zeiten geglückt und die marxistische Ideologie sei zu einer Massenbewegung geworden. In diesen Ländern sei der Ruf nach der Revolution immer lauter geworden. So war es nach Djilas auch ein natürlicher Schritt, dass Lenin diesen Ruf erhörte und die marxistische Ideologie in eine universell anwendbare Weltanschauung transformierte.
Marx ist theoretisch ein Revolutionär gewesen. Lenin war es praktisch. Darum verwandelte er den Marxismus in den Leninismus, welcher den Kampf um die Neuordnung Russlands anführen sollte. Seine Grundlagen waren die Vorstellungen von der Revolution, der zentralisierten Kommunistischen Partei und eines zukünftigen Staates. Als dieser Kampf gewonnen war, der Aufbau des Sozialismus begann und die neue Klasse anfing ihre Arme nach der Macht auszuschrecken, änderte sich wiederum der Kommunismus in das was er zu Zeiten Djilas geworden ist- Totalitärer Staatsterror. Diese Entwicklung habe nach Djilas Stalin hervorgebracht, welcher den ursprünglichen Marxismus völlig umgekehrte und ihn lediglich noch als Scheinlegitimation für seine Befehle benutzte. Diese Wandlung von Marx über Lenin zu Stalin beschreibt Djilas wie folgt: “Marx wäre es nie eingefallen, andere daran zu hindern, ihre Gedanken auszusprechen. Sogar Lenin duldete noch in seiner Partei freie Diskussion.[..] Stalin unterdrückte jede Art von innerparteilicher Diskussion und machte die Äußerung ideologischer Meinung zum alleinigen Recht des Zentralkomitees- bzw. zu einem eigenen.“ 
Damit sei auch erst Stalin der wirkliche Begründer der neuen Klasse gewesen. Zwar hätte Lenin den Grundstein dafür gelegt, in dem er eine Kaste von Berufsrevolutionären heranzog, jedoch sei erst Stalin dazu fähig gewesen den Machtapparat völlig auf die neue Klasse abzustimmen und deren Macht zu etablieren. 
„Während er [Lenin] an der Macht war, bestand noch Freiheit der Meinungsäußerung und das Recht, für oder gegen eine bestimmte Ansicht zu stimmen. Die totale Macht über alles und jedes war noch nicht errichtet.“ 
Anders als der Leninismus logischerweise auf die Verhältnisse in Russland reagierte und den Marxismus weiterentwickelte, war der Stalinismus keine nötige Konsequenz. Er entwickelte sich lediglich als Rechtfertigungsideologie eines bürokratisch-zentralistischen-diktatorischen Systems. Somit kann er nur als künstliche Weiterentwicklung verstanden werden, der nach dem Willen weniger Machthaber stattfand, aber nicht als Fortschritt im Sinne des Volkes und der Gerechtigkeit. Die folgende kollektive Führung unter Chruschtschow beschreibt Djilas als logische Konsequenz der Machtfülle der neuen Klasse. Chruschtschow sei kein großer Ideologie oder Staatsmann. Er lasse sich völlig von der neuen Klasse beherrschen und leiten. Dies sei für die neue Klasse sinnvoller als eine erneute Machtkonzentration in einer Person, wie bei Stalin. Denn auch Stalin hätte nicht davor zurückgeschreckt Mitglieder der neuen Klasse entfernen zu lassen, falls diese ihre Machtansprüche in einem zu hohen Maß ausweiten wollten.

Kritische Auseinandersetzung

1. Wieso war Milovan Djilas` Buch „Die neue Klasse“ so brisant?

Kritik an bestehenden System und politischen Ideologien beinhalten in ständig eine gewisse Brisanz. Systemkritik greift immer das Gefüge eines Staates sowie die Werte einer Gesellschaft an. Demnach ist es verständlich, dass vor allem Okkupanten, Nutznießer und Machthaber dieses Systems Kritik an selbigem ablehnen. 
Kritik greift also in allen Facetten Umstände an, die von einer Person oder einer Gruppe als kritikwürdig aufgefasst werden. Dabei spielt natürlich ideologische, religiöse, politische usw. Ausrichtung des Kritikers eine wichtige Rolle. Es ist nachzuvollziehbar, dass sich oppositionelle politische Lager gegenseitig kritisieren, um ihre eigene Position zu stärken. 
Diese Kritiker haben in den unterschiedlichen System mit unterschiedlichen Reaktionen seitens der Öffentlichkeit und der Machthaber zu rechnen. In Demokratien gehört es an der Tagesordnung, dass sich diverse politische Lager untereinander kritisieren und auch das System, welches sie hervorgebracht hat, umwälzen oder verändern wollen. In den meisten Fällen wird dies toleriert, da die Demokratie auf Werten wie der Meinungsfreiheit fußt. Der öffentliche Streit zwischen Gruppen mit verschiedenen Ansichten wird sogar gefördert und gewollt, um eine große Zahl von unterschiedlichen Meinungen in den Prozess der politischen Willensbildung einzugliedern. Zwar gibt es auch dort Ausnahmen und Einschränken, was allerdings nicht Teil meiner Arbeit sein kann.
Im Gegensatz dazu stehen Systeme, welche Kritik nicht dulden und Abweichungen hart bestrafen. Eine ideologische Richtung wird vom totalitären Staat vorgegeben, welche der Bürger zu befolgen hat. Tut er dies nicht, muss er mit schwerer Repression, Einkerkerung und sogar Tod rechnen. Damit versucht sich das System an der Macht zu halten und Widerstand und Opposition zu ersticken. Einen besonders schweren Stand haben verständlicher Weise Systemkritiker aus totalitären Staaten, wie es Milovan Djilas einer war.
Diese sind auch am gefährlichsten für das System. Es sind keine Theoretiker und feindliche 
Ideologen aus konkurrierenden politischen Systemen, sondern Personen, die in dem System, welches sie kritisieren, leben und aufgewachsen sind. Ihre Kritik kann nicht einfach von den Machthabern wegdiskutiert oder als feindliche Diskreditierung gebranntmarkt werden. Gerade im Falle des Milovan Djilas erhöht sich dieser enorme Druck noch weiter, da er jahrelanger Funktionär im jugoslawischen Kommunismus war. Eine öffentliche Abkehr und Kritik vom Kommunismus eines Spitzenpolitikers war ein Schlag ins Gesicht der kommunistischen Elite. Ein Theoretiker des Systems, welches er eigens mitgeformt hat, übt eine solch harsche Kritik an selbigen, so dass es einem Todesurteil gleichkommt. So urteilt die Zeitschrift Times nicht umsonst: „Das vernichtendste antikommunistische Dokument, das je geschrieben wurde“. (Bucheinband Die neue Klasse)
Verwunderlich ist nur die Tatsache, das Djilas seine Anklagen gegen die kommunistische Herrschaft so glimpflich überstanden hat. Natürlich verbrachte er lange Jahre in Kerkerhaft für seine Meinung, behielt jedoch sein Leben. In seinem Buch „Die neue Klasse“ schildert er die Liquidierung von Tausenden Andersdenkenden. Da bleibt die Frage, wieso nicht auch er ermordet worden ist. Möglicherweise war seine schon erlangte Berühmtheit dafür ausschlaggebend. Es hätte für internationales Aufsehen gesorgt, wenn er von der Bildfläche verschwunden wäre, oder man sogar von seinem Tod erfahren hätte. Möglicherweise schützten ihn auch alte Freunde, die ihn als Menschen schätzten und verhinderten einen möglichen politischen Mord.

2. Wie kam Milovan Djilas zu seiner Sicht der Dinge 

Die Fragestellung wie und warum Djilas zu seinem zuerst kommunistischen Glauben und später zu der Abkehr davon gekommen ist, wird nicht leicht zu beantworten sein. Sein Buch „Die neue Klasse“ bietet jedoch einige Ansatzpunkte. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass dieses Buch größtenteils von emotionalen Bewertungen frei ist. Findet der Leser jedoch solche emotionalen Verurteilungen und Einschätzen kann man davon ausgehen, dass sie Djilas besonders bewegten und betroffen haben. Diese Aussagen versuche ich im Folgenden zu selektieren und einzuordnen. Im dritten Punkt der kritischen Betrachtung werde ich dann Djilas Kritik am Kommunismus mit anderen Kritiken vergleichen und seine Sicht nach ideologischen Gemeinsamkeiten hin analysieren.
Schon im Vorwort zu seinem Werk „Die neue Klasse“ versucht Djilas dem Leser aufzuzeigen, dass er freiwillig Kommunist wurde und von dem Gedankengut des Kommunismus überzeugt war. Er grenzt sich damit schon früh von den Karrierekommunisten ab, die ihre Geisteshaltung erst nach der Revolution, der ihrer Führer angepasst haben, um Teil des politischen Machtelite zu werden. Dennoch stellt sich die Frage, wieso Djilas so vom Kommunismus fasziniert wurde. Als Antwort könnte folgende Textstelle dienlich sein: „Ich halte es für überflüssig, den Kommunismus als Idee zu kritisieren. Die Gedanken von Brüderlichkeit und Gleichheit unter den Menschen [..] sind Prinzipien, die Kämpfer für Fortschritt und Freiheit immer anstreben werden“. Also sieht sich Djilas selbst als Kämpfer für Fortschritt und Freiheit und sah einst diese Ideale in den Ideen der Revolution am ehesten verwirklicht.
Zu gleichem Ergebnis gelangt man, wenn weitere Zitate zu Rate gezogen werden.
„Überall beginnt der Kommunismus als Streben nach einer schönen, idealen Gesellschaft. Damit verlockt und begeistert er Menschen von hoher Moral und allgemein hohem Niveau“ 
Hier bestätigt Djilas die erste These, dass er sich von dem Ideal und der Idee des Kommunismus angezogen gefühlt hat und gibt gleichzeitig noch eine Begründung dazu an. 
Im gleichen Atemzug nennt Djilas allerdings auch seine Gründe für seine Abkehr. Djilas zu Folge verändere sich die Haltung der Parteimitglieder gegenüber diesen Idealen dahin gehend, dass sie diese meist nur als Lippenbekenntnisse benutzten. In Wirklichkeit könne man sie gar nicht beibehalten, da sich die Methoden zur Umsetzung der kommunistischen Gesellschaft damit nicht vereinbaren ließen. 
Der Bruch mit der kommunistischen Herrschaftselite wird noch klarer, wenn man sich veranschaulicht, dass Djilas im Grunde nicht die kommunistischen Ideale und Ideologie angreift, sondern die Methoden der Umsetzung und Machtapparat der politischen Bürokratie. 
Dass es sich bei Djilas eben um einen Kritiker am Machtapparat und den Methoden des Kommunismus handelt, zeigen auch folgende Zitate: 
„Die meisten im kommunistischen System sind keine Gegner des Sozialismus, sondern Gegner der Methoden, mit denen er errichtet wird“ und „So entfernt sich das Ziel, wenn man mit ihm die Mittel rechtfertigt, immer weiter und wird immer unwirklicher, während die schreckliche Wirklichkeit der Mittel immer offensichtlicher und unerträglicher wird.“ 

3. Wie lässt sich Djilas Sicht am Kommunismus einordnen?

Nach Djilas` Bruch mit dem kommunistischen Herrschaftssystem nannte Tito ihn einen Anarchisten. „[..] Aber er hat sich in wirklichkeitsfremde Phantasien verstiegen. Er glaubt, der Sozialismus sei bei uns bereits verwirklicht und so könne Lenins Prophezeiung vom Absterben des Staates bei uns akut werden. Die Vorschläge Djilas sind völlig verfrüht. Sie stellen einen Rückfall in die Ideen der Anarchisten dar, die den Sozialismus ohne Staat und Partei durchführen zu können meinen. Schade um den Mann.“ 
Der Vorwurf der anarchistischen Sicht Djilas lässt sich jedoch leicht widerlegen und enthüllt das wahre Gesicht der Argumentationsweise und Reaktion auf Kritik gegenüber dem Herrschaftsapparat. Da Djilas jahrelang an der Seite Titos gekämpft hat, kann dieser natürlich nicht behaupten, dass Djilas ein „westlicher Spion“ sei, der versuche das kommunistische System zu korrumpieren. Trotzdem versucht Tito ihn auf ideologischer Weise anzugreifen, indem er behauptet er vertrete anarchistische Ideen. Diese richten sich verständlicher Weise völlig gegen den autoritären Sozialismus, sowohl in Jugoslawien als auch in der übrigen UdSSR. Jedoch fordert Djilas kein Wegfallen einer Regierung oder eines Staatsapparates. „Die Gesellschaft kann ohne Staat oder Regierung nicht existieren und darum auch nicht ohne die Leute, die sich dafür betätigen.“ 
Er entfernt sich auch nicht direkt vom autoritären Sozialismus hin zu einem libertären. Er fordert lediglich einen demokratischen Sozialismus und die Machtverminderung der neuen Klasse. Djilas Ziele sind in der Arbeiterselbstverwaltung und dem ursprünglichen Rätesystem dargestellt. Der Staat und seine Vertreter sollen in kleinen Untereinheiten der Gesellschaft, wie Betriebe, Wohneinheiten usw., gewählt werden und dadurch ihre Legitimation erhalten. Die Machtpyramide des sozialistischen Staats soll von unten herauf gestaltet werden und nicht von oben herab.
Ebenfalls ist es sehr auffällig, dass Djilas in seinem Buch regelmäßig Marx und die marxistische Ideologie verteidigt. Seiner Meinung berufe sich der Realsozialismus nur auf Dogmen, die von machtgierigen Führern erlassen wurden, als auf die reine marxistische Lehre. Marx habe zwar den Ursprung für die kommunistische Gesellschaft gelegt, sei aber immer nur Theoretiker und Wissenschaftler gewesen. Erst seine Schüler wie Lenin und Stalin haben versucht aus seine Ideologie zum Absoluten zu erklären und eine Staatsform daraus zu formen. 
In diesem Zusammenhang weist Djilas der Sozialdemokratie die legitime Nachfolge der marxistischen Lehre zu. Die Sozialdemokraten hätten nicht nur erkannt, dass der Kapitalismus durch eine sozialere Form ersetzt werden müssen, sondern auch durch einen höheren Grad an menschlicher Freiheit. Gerade diese Freiheit sieht Djilas im realexistierenden Kommunismus bis auf das Äußerste bedroht. So ist er verständlich, dass Djilas die Sozialdemokratie dem Kommunismus vorzieht und seine Kritik auch so formuliert.
Diese Ansicht ist meiner Meinung jedoch nicht universell anwendbar. Es ist nachzuvollziehen, dass Djilas die persönliche Freiheit durch seine eigenen Erfahrungen heraus immer wieder fordert und betont. Diese ist sicherlich in einem sozialdemokratischen System in größerem Maße verwirklicht als im Kommunismus. Jedoch betrachtet er die Stellung der Sozialdemokratie im kapitalistischen System als zu theoretisch. So entwickelte sich niemals ein sozialistischer Staat aus einer sozialdemokratischen Partei. Ich denke auch nicht, dass er wirklich von einem pluralistischen Parteiensystem ausging, als er die Sozialdemokratie als Mittel zur Verwirklichung des Sozialismus anbringt. Djilas vertritt also immer noch sozialistische Gedanken, die sich klar von einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung abgrenzen. Er forderte eine Demokratisierung der sozialistischen Gesellschaft. Eine Rückbesinnung auf die wahren Werte für die er einst kämpfte. Er fordert einen gerechten Staat und eine gerechte Führung und prophezeit ihre Verwirklichung nach dem Abdanken der neuen Klasse