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Kurt Held: Die rote Zora - von Britta Heering

A: Vorwort

Im Unterricht haben wir uns zu Beginn des ersten Halbjahres in der Jahrgangsstufe 12 im Leistungskurs „Politik und Wirtschaft“ mit dem Thema Jugoslawien beschäftigt. 
Zudem planen wir Ende Mai eine Kursfahrt nach Istrien und somit war es für uns besonders spannend etwas über diese Region zu erfahren.
Wie haben zum Thema viele Dossiers und Artikel aus den Zeitungen „Die Zeit“, „Das Parlament“ und „Die Welt“ untersucht, die sich mit den vielseitigen Problemen des gespaltenen Landes beschäftigen. Es war interessant und erschreckend zugleich etwas über den Krieg im ehemaligen Jugoslawien zu erfahren und über die heute noch andauernden Folgen wie z.B. Armut und Kriminalität Informationen zu erhalten. Auch haben mich die Verbrechen in Srebrenica am 11. Juli 1995 sehr betroffen gemacht.
Es ist traurig, dass der Kampf der Völkergruppen in Jugoslawien, der so viel Elend über das Land gebracht hat, auch in der nächsten Zeit nicht beigelegt werden wird. Dass konfessionelle Gegensätze, Stammesfehden und die Furcht vor dem Gegenüber solche schrecklichen Folgen für die Bevölkerung haben, ist furchtbar.
Durch unsere Beschäftigung mit dem Thema und durch unsere geplante Kursfahrt war sich unsere Gruppe einig, dass auch die zu schreibende Hausarbeit das Thema Jugoslawien behandeln sollte. 
Unser Tutor Herr Scheld stellte uns die möglichen Themenbereiche vor. Man konnte zwischen politisch, geschichtlichen, sozialen und literarischen Schwerpunkten wählen.
Mein Interesse wurde durch das Jugendbuch „Die rote Zora“ und durch die Lebensgeschichte des Autors Kurt Held geweckt.
In dieser Hausarbeit wird es nun meine Aufgabe sein, den Exilautor Kurt Held und seinen Jugendroman in seiner ganzen Faszination darzustellen. So werde ich versuchen, dem Leser an Hand des Buches „Die rote Zora“ und weiterer wichtiger Sekundärliteratur das Leben in dem kleinen Hafenstädtchen Senj an der kroatischen Küste näher zu bringen. 

B: Einleitung

In dieser Hausarbeit werde ich mich zunächst mit dem Autor Kurt Kläber/Held und seiner Lebensgeschichte befassen. Als erstes gebe ich einen Überblick über seine Jugend, später beschreibe ich seinen Weg vom politisch revolutionären Schriftsteller zum Jugendbuchautor. Im darauf folgenden Punkt C b) gehe ich noch einmal speziell auf die Zeit ein, die Kläber im Exil verbracht hat. Der letzte Teil C c) beschäftigt sich mit der Idee, dem realen Hintergrund und dem Erfolg des Buches „Die rote Zora“.
Dann folgt auf den nächsten Seiten eine kurze Inhaltsangabe des Jugendbuches.
Im fünften Teil stelle ich literarische Besonderheiten, die sozialen und historischen Hintergründe des Jugendbuches dar. Zuletzt bemühe ich mich um eine eigene Bewertung der literarischen Leistung von Kurt Held.

C: Biografie von Kurt Held

a) Politischer Werdegang
Kurt Held wurde mit seinem bürgerlichen Namen Kurt Kläber am 4. November 1897 in Jena geboren. Mit vierzehn Jahren verließ er das Gymnasium, um eine Schlosserlehre zu absolvieren und anschließend als Mechaniker zu arbeiten. Kurt Kläber war sein Leben lang ein idealistischer Mensch. Schon früh schloss er sich der deutschen Jugendbewegung an. Er war hauptsächlich in der „Wandervogel-Bewegung“ aktiv. Heute denken viele bei dem Wort „Wandervogel“ an eine Art Hitlerjugend. Dabei lag dieser Vereinigung von jungen Menschen zunächst nichts an der Verwirklichung politischer Interessen, sondern sie versuchten sich vom gutbürgerlich, spießigen Leben abzugrenzen. Erst später missbrauchte Hitler die Wandervogelinhalte wie z.B. Gemeinschaft, Lagerfeuer und Lieder für seine Zwecke und machte sie später zum festen Bestandteil seiner Hitlerjugend.
Arm und reich sollte es nicht mehr geben, alle sollten Genossen werden. Diese Überzeugung vertrat später die Mehrheit der „Wandervögel“. Kurt Kläber entwickelte sich zum Berufsrevolutionär und ging neben seinem Job als fahrender Buchhändler und Bergmann dem Veröffentlichen seiner politischen Ideen nach.
1914 mit dem Beginn des 1. Weltkrieges hatte zunächst das Wanderleben und das Journalistendasein ein Ende. Kläber wurde als Soldat eingezogen.
Er kehrte verletzt und schwer an Typhus erkrankt aus dem Krieg zurück. 
Im Jahre 1919 schrieb Kläbers spätere Frau Lisa Tetzner über ihr erstes Zusammentreffen: „Es war im Jahr 1919. Ich wanderte Märchen erzählend durch den Thüringer Wald. In einer kleinen Stadt, Lauscha, dem Mittelpunkt der Glasbläser, traf ich eine laute Kirchweih mit vielen Buden und Wagen der Schausteller. Besonders eine Bude fesselte sofort meinen erstaunten Blick. Davor stand ein junger Bursche mit dichtem, braunem, ziemlich struppigen – oder sagen wir offen – liederlichem Haar. Es fiel ihm bei jeder Bewegung über Augen und Nase und wurde dann mit kühner Kopfbewegung nach rückwärts geworfen.
Er trug nach damaliger Wandervogelart einen rostbraunen Leinenkittel mit dem freideutschen Jugendabzeichen, kniefreie schwarze Manchesterhosen, nackte Beine und Sandalen, so genannte Jesuslatschen?“ 
In den zwanziger Jahren trat Kurt Kläber der Kommunistischen Partei bei und begann mit seinen Freunden Bert Brecht, Johannes R. Becker und vielen anderen Sinnesgenossen „Arbeiterliteratur“ oder „proletarisch-revolutionäre“ Literatur zu schreiben. Diese Schriften sollten die unterdrückte Arbeiterschicht wachrütteln und gegen das Kapital vorgehen.
Durch seine Veröffentlichungen galt Kläber in den zwanziger Jahren als führender Vertreter der kommunistischen Literatur. Er reiste 1923 nach Amerika, um die Arbeitswelt und die dort vorherrschenden Verhältnisse zu erkunden.
Nach seiner Rückkehr 1924 heiratet er Lisa Tetzner.
Die Nationalsozialisten bezeichneten Kurt Kläber als „bolschewikische Schriftstellergröße“. „Bolschewiken“ war für sie das gängige Schimpfwort für Kommunisten. Kommunisten waren neben den Juden ihre erklärten Todfeinde. Als offener Gegner des Nationalsozialismus nahm man ihn einige Tage nach dem Reichstagsbrand in Schutzhaft. Nur dank seiner Frau Lisa Tetzner, die zu dieser Zeit schon eine bekannte und bei Kindern beliebte Märchenerzählerin und Redakteurin des Berliner Kinderfunks war, gelang es ihm über Österreich in die Schweiz zu fliehen.
Seine Frau folgte ihm und beide blieben bis zum Ausgang des Krieges in Carona in der Schweiz. Dort duldete man ihn nur widerwillig und verbot ihm alle schriftstellerischen Tätigkeiten. Erst 1948 erhielt er die Schweizer Staatsbürgerschaft. 
Während seiner Jahre im Exil verlor Kläber immer mehr den Glauben an die kommunistische Partei und trat schließlich aus. Kurt Kläber hatte zwischenzeitlich auch den Glauben an eine bessere Welt verloren und war sehr verzweifelt. Doch seine Frau half ihm, indem sie sein Interesse an Kinder- und Jugendbüchern weckte. 
Im Mittelpunkt seiner Werke standen seitdem Kinder als Leidtragende des bestehenden Gesellschaftssystems.
Seine Bücher erreichten zahlreiche Auflagen und wurden in mehrere europäische Sprachen übersetzt. 
Zu Beginn der fünfziger Jahre verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Schriftstellers. Die durch den ersten Weltkrieg verursachten Verletzungen und die nicht auskurierten Krankheiten machten ihm immer häufiger zu schaffen. Am 9. Dezember 1959 starb Kurt Held im Krankenhaus von Sorengo in der Schweiz.
Über sein Leben und Wirken schrieb sein Freund W. Humm in Erinnerung an Kurt Held. „Er zog aus, die Welt zu verbessern. Er kehrte heim, den Menschen auf das Gute zu verweisen. Seine Wege waren immer gradlinig. Das war weder für ihn noch für die, die ihn liebten oder mit ihm lebten, einfach. Aber man konnte ihm nicht gram sein, denn er suchte die Wahrheit und war nicht bereit sie zu verkaufen.“ 

b) Exil
Die Jahre im Exil verliefen für das Ehepaar Kläber/Tetzner eigentlich recht glücklich, wenn man von der finanziellen Notlage und von dem Berufsverbot absieht. Die Übersiedlung in das Tessiner Bergdorf Corona verlief ohne größere Probleme, weil sie dort seit 1924 einen zweiten Wohnsitz besaßen. Zunächst plante Kläber mit „alten Genossen“ wie Brecht und Brentano eine ähnliche Kunstkolonie entstehen zu lassen wie jenes rote Künstlerviertel am Breitenbacherplatz in Berlin, in dem sie früher wohnten. Doch diese Idee kam nicht zum Tragen. Der Abstand zur revolutionären Bewegung war zu groß geworden und zudem war Kläber enttäuscht von seinen Parteigenossen. Kläber trat aus der KPD aus und drohte zunächst in Trübsinn zu verfallen. Das Berufsverbot für Emigranten traf das Ehepaar wie jeden anderen. Lisa Tetzner durfte bald wieder arbeiten, weil sie einen Teil ihrer Schulzeit in der Schweiz absolviert hatte. Sie wurde Lehrerin für Stimmbildung und Sprechtechnik am Basler Lehrerseminar und zusätzlich schrieb sie weiter Bücher.
Die finanzielle Lage des Ehepaares war außerordentlich schlecht, bis unerwartet 1936 eine Bekannte der beiden sie überraschend als Erben einsetzte. Für das Geld kaufte Kurt Kläber Land und damit löste er sich endgültig aus dem politischen Leben und flüchtete in die „ländliche Idylle“. Kläber ging es nicht gut in dieser Zeit ohne seine politische Arbeit. Glücklicherweise weckte aber die literarische Tätigkeit Lisa Tetzners an einem Jugendbuch sein Interesse. 
Er ließ sich immer mehr von der Problematik des armen kleinen Schornsteinfegerjungen, der nach Mailand verkauft wird, eingefangen und schrieb das Buch „Die schwarzen Brüder“ zu Ende. 
Wegen der fehlenden Arbeitsbewilligung wurde das Buch unter dem Namen Lisa Tetzner veröffentlicht. 
Sein erstes eigenes Buch „Die rote Zora“ war so von seinem persönlichen Stil geprägt, dass er es nicht unter dem Namen seiner Frau veröffentlichen konnte. Deswegen ließ er sich das Pseudonym „Held“ einfallen. „Held“, so hieß ein Teil von Lisa Tetzners Familie und wahrscheinlich hat der „Abenteurer“ Kläber auch so gefallen an dem Namen gefunden.
Seine Frau Lisa Tetzner beschrieb seine Veränderung vom politisch engagierten Kommunisten zum Kinder- und Jugendautor wie folgt. „Gewiß hatte ihn die Abkehr und der neue Weg viel Kraft gekostet; aber er hatte es geschafft. Er hatte neu begonnen. Er war zurückgegangen zum Kindsein, zum natürlichen Gutsein. Er hatte noch einmal ganz von vorn begonnen. Schaut, dass ihr Erwachsene, nicht das Gute im Kind verderbt. Jedes Kind hat die Möglichkeit, ein guter Mensch zu werden. – Wenn ihr als Erwachsene nicht mehr seid, übertragt eure Schlechtigkeit nicht auf die Kinder. – seht doch, wie viel Schönheit und Idealismus in jedem Kind steckt, lernt daraus und versucht, auch wieder ein wenig gut zu sein. Seid auch ein wenig gut miteinander.“ 
Auch wenn sich Kläber von der KPD und seiner frühen Arbeit als proletarisch- revolutionärer Schriftsteller und Redakteur der „Linkskurve“ verabschiedet hatte, so blieb er doch immer ein Mann, der für eine bessere und gerechtere Welt gekämpft und immer gegen Verfolgung, Ungleichbehandlung und Fremdenfeindlichkeit eingetreten ist.
Zurück nach Deutschland wollte Kläber nie.

c) Geschichte und Idee zum Buch „Die rote Zora“
Kurt Kläber und seiner Frau Lisa Tetzner war der direkte Umgang mit Kindern und Jugendlichen immer sehr wichtig. Nach seinem ersten Buch „Die schwarzen Brüder“ schrieb er das Buch „Die rote Zora“. Inhaltlich haben beide Bücher einen realen Bezug.
Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte er auf einer Reise in Jugoslawien mit seiner Frau und einem deutschen Freund Zora La Rouquine und ihre Freunde kennen gelernt.
Es war eigentlich Zufall, dass die drei Reisenden in diesem kroatischen Ort blieben. Doch Kurt, der geschwächt von einer Art Blutvergiftung war, sah sich um und sagt zum Erstaunen der anderen: „<<Hier bleiben wir, weiter fahre ich nicht.>> <<Hier? In diesem Drecknest?>> fragte unser Freund erstaunt. <<Ja, hier>>, beharrte Kurt.“4 „Erstaunlich zielbewusst betrat Kurt das Hotel, mietete Zimmer, ergriff das Gepäck und sagte immer wieder wie schlafwandlerisch: <<Ja, hier ist es.>> <<Was denn?>> fragten wir erstaunt. <<Der Junge da, der ist es.>>“5 Dabei zeigte er auf einen Jungen, auf Branko, der gerade Weise geworden war. Durch Branko, der auch später eine Hauptrolle im Buch erhielt, lernte er Zora La Rouquine und die anderen Kinder kennen. Über Zora erfuhr er, dass die Polizei hinter ihr her sei, aber man könne ihr nichts nachweisen. Die Zeit, die er mit den Kindern verbrachte und die Dinge, die er mit ihnen erlebte, haben ihn dazu veranlasst, sein erstes eigenes Jugendbuch zu schreiben.
Am liebsten hätte Kläber Branko bei sich in der Schweiz aufgenommen, aber dies war ihm als Emigrant nicht möglich. 
Kurt Kläber hat viele Gerüchte über die Entstehung seiner „roten Zora“ in die Welt gesetzt. Denn Kläber neigte auch im wahren Leben zum Ausmalen und Übertreiben. So hat er einmal einem Bauern in Corona erzählt, dass er sein Haus von seiner lieben Tochter geschenkt bekommen habe. Aber weil das Ehepaar Kläber/Tetzner kinderlos blieb, brodelte die Gerüchteküche. Dabei hatte er mit der „lieben Tochter“ keine andere als seine Zora gemeint.
Seine Frau Lisa Tetzner hatte ihm einen großen Erfolg mit dem Buch „Die rote Zora“ prophezeit. Aber das war Kläber nicht wichtig.
Das Jugendbuch „Die rote Zora“, welches 1941 zum ersten Mal im Sauerländer Verlag in Aarau in der Schweiz veröffentlicht wurde, wird als bedeutendstes Schweizer Kinderbuch des zwanzigsten Jahrhunderts angesehen. Es gibt bis heute immer wieder Neuauflagen unterschiedlicher Verlage und das Interesse an diesem Buch scheint keine Ende zu nehmen. Der Entwurf für das Coverbild wurde 1941 von Felix Hoffmann gezeichnet. Bis heute blieb die Zeichnung auf dem Cover, mit kleinen Veränderungen erhalten.
„Die rote Zora“ und ihre Bande wurde 1978 verfilmt. Es war eine jugoslawisch, deutsch, französische Koproduktion nach der Vorlage von Kurt Held. Erstmals gesendet wurde die dreizehnteilige Serie 1980 im Programm der ARD und wurde seit dieser Zeit unzählige Male im dritten Programm wiederholt.
„Der begabte Kurt Kläber hatte seine schweren politischen Enttäuschungen überwunden und den Weg zum Jugendbuch gefunden.“6 

D: Inhaltsangabe „Die rote Zora“

In dem Buch „Die rote Zora“ erzählt Kurt Held die Geschichte des Halbwaisen Branko, der sich der Bande der roten Zora anschließt. 
Die Geschichte spielt in Senj, in einer Stadt in Kroatien, wo Branko allein mit seiner Mutter lebt. Sein Vater ist Milan, einer der besten Geigenspieler und immer auf Wanderschaft. Brankos Mutter hat in einer Tabakfabrik gearbeitet, bis sie an Schwindsucht erkrankt und stirbt. Nun ist Branko allein. Sein Vater weiß nichts vom Tod der Mutter und so wird er zu seiner Großmutter, der alten Kata geschickt. Kata, die von ihren „Hexenkünsten“ lebt, will nichts von Branko wissen und gestattet ihm deshalb nur eine Nacht zu bleiben.
Als er am nächsten Tag auf dem Senjer Markt herumgeht, bekommt er großen Hunger. Da sieht er, dass von einem Stand ein kleiner Fisch auf die Erde gefallen ist. Er hebt ihn auf und wird dabei von einem rothaarigen Mädchen beobachtet. Aber nicht nur von ihr, denn ein reicher Bauer, der wohlhabende Karaman, sieht es ebenfalls und lässt Branko wegen Diebstahls verhaften. Trotz großer Gegenwehr kommt er ins Gefängnis. Zora, das rothaarige Mädchen, taucht am Gefängnisfenster auf und befreit Branko.
Nach der Flucht wird Branko durch eine Mutprobe in Zoras Bande, die Uskokenbande aufgenommen. Wegen der Gefangenenbefreiung und anderer Straftaten werden Zora, Branko, Nicola, Pavle und Duro von den Gendarmen gesucht und verfolgt. Die Bande versteckt sich in der von Brombeerhecken umgebenen Burg Nehajgrad, die sie Uskokenburg nennen. Als sie nun wieder einmal der Hunger quält, stehlen die Kinder vom alten Gorian ein Huhn. Als Branko sein Gewissen quält, weil er den netten alten Fischer kennt und weiß, dass auch dieser hart für sein Überleben arbeiten muss, will er den Diebstahl wieder gut machen. Mit Zora zieht er los, um beim reichen Karaman zwei Hühner für den alten Gorian zu stehlen. Dort sehen sie Karamans Hund Leo, der eine Scherbe im Fuß stecken hat und sie ziehen diese heraus. Anschließend gehen sie zu Gorian um ihm die beiden Hühner in den Stall zu setzen. Dabei werden sie von ihm ertappt. Zunächst haben die Kinder große Angst, doch der Alte zeigt Verständnis und fordert, dass sie die Hühner zurückbringen. Als Wiedergutmachung für das gestohlene Huhn helfen Zora und Branko ihm beim Fischen und versprechen ihm öfter zu helfen, wenn er sie braucht.
Stjepan, ein Freund der Bande, wird von sechs Gymnasiasten zusammengeschlagen. Seine mit Aprikosen beladenen Esel treiben sie auseinander. Seine Ware, die er auf dem Markt für einen Bauern verkaufen sollte, ist verloren. Da Stjepan aufgrund dessen Ärger mit dem Bauern bekommt, verspricht die Bande ihn zu rächen.
Beim Sohn des Försters befreien sie die Tiere, beim Müller lassen sie das Wasserbecken mit dem ganzen Fischbestand auslaufen. Einem anderen Gymnasiasten, dem Sohn des Kaufmanns, rauben sie das ganze Diebes- und Tauschlager aus und die übrigen drei verprügeln sie.
Nach diesen Rachetaten muss die Bande aus Senj fliehen, um vor der aufgebrachten Bevölkerung und den Gendarmen Abstand zu gewinnen. Sie verstecken alle ihre Sachen auf dem Turm der Burg und gehen nach Brinje zu Stjepan. Aber dort hält es sie nicht lange und sie machen sich wieder auf den Heimweg nach Senj. Unterwegs begegnen sie einem Luchs, der Pavle schwer verwundet. Im letzten Moment kommt ihnen Bauer Polajec zur Hilfe. Nachdem sie von Polajec sieben Tage aufgenommen worden sind, setzen sie ihre Rückkehr in die Uskokenburg fort. Doch als sie eintreffen, wird die Burg von den Gendarmen bewacht. Deshalb müssen sie in die Brombeerhecken ziehen.
Nach einigen Tagen erhalten die Kinder die Nachricht, dass Gorian und sein Freund Orlovic sie zum Thunfischfang brauchen. Nach anfänglichem Misserfolg gelingt es ihnen einen riesigen Fang zu machen. Die Freude ist groß, doch als die Bande und Gorian ein paar einzelne Fische auf dem Markt verkaufen, werden sie von Karaman, seinem Hund Leo und ein paar anderen gesehen und verfolgt. Dabei lässt Karaman Leo auf die Kinder los. Weil Leo die Bande kennt und mag, beißt er nicht und wird deshalb von Karaman erschossen und achtlos liegen gelassen. Als die Bande das sieht, bringen sie Leo zu Gorian, um ihm ein angemessenes Begräbnis als „ehemaliges Mitglied“ der Uskokenbande zu bereiten.
Gorian und Orlovic wollen die anderen Fische verkaufen, aber die Fischgesellschaft will ihnen die Thunfische nicht abkaufen, weil sie nicht in ihrer Vereinigung sind.
Auf dem Markt gelingt es ihnen auch nicht, alle Fische zu verkaufen. So gibt Orlovic nach und tritt in die Fischgesellschaft ein. Doch als er und ein paar Leute von der Gesellschaft Orlovics Anteil aus dem Wasser holen wollen, droht Gorian, alle Fische aus dem Netz frei zu lassen, wenn die Gesellschaft ihm nicht auch seine Fische abkauft, ohne dass er in sie eintreten muss. Nach längerer Überlegung entschließt sich die Gesellschaft, auch Gorians Fische zu kaufen. 
Als sie die Thunfische herausholen wollen, fällt ihnen ein besonders großes Exemplar auf, das sie mit viel Mühe eingefangen haben. Die Gesellschaft, die vom Bürgermeister unterstützt wird, beschließt ihm den Thunfisch bei einem großen Festzug zu schenken.
Doch als die Bande allein ist, lassen sie den Fisch wieder frei und legen den toten Hund Leo in den Behälter. Als dann ein paar Leute nach dem Festzug den Behälter öffnen, ist der Schock und die Wut beim Bürgermeister und den Magistraten groß. Die versammelten Bewohner von Senj sind außer sich vor Lachen, laufen durch die Stadt und besingen den Streich der Kinder. Nur Szlata, die Tochter des Bürgermeisters, die eigentlich immer zu der Bande gehalten hat und in Branko verliebt ist, geht der Streich zu weit. Durch ihren Tipp erfährt der Bürgermeister, dass die „Täter“ die rote Zora und ihre Bande waren. Nun wird die Bande wieder von den Gendarmen gesucht und Zora und Branko werden beinahe geschnappt.
Gorian erhält kurze Zeit später eine Einladung zu einer Ratssitzung, bei der es um die Zukunft der Bande geht. Gorian setzt sich für die Kinder ein und versucht den Männern im Rat klar zu machen, dass Verfolgung und Bestrafung keine Lösung sind und dass die Versäumnisse der Gesellschaft die Kinder erst in diese Lage gebracht haben. Die Abstimmung geht nur mit einer Stimme mehr für die Bande aus. Dank Szlata, die ihrem Vater ins Gewissen geredet hat und damit auch die Sympathie der Bande zurückgewinnt.
Es wird beschlossen, dass die Uskokenbande aufgelöst werden muss und die Kinder nicht bestraft werden, sondern stattdessen einer geregelten Arbeit nachgehen sollen.
Nicola wird Schiffsjunge auf der Minervat, einem Schiff der Gesellschaft. Pavle kommt zum netten Bäcker Curcin, der die Bande immer heimlich mit Brot versorgte. Duro kommt zum Bauer Polajc und Branko und Zora bleiben beim alten Gorian. Szlata verlässt Senj, um Sängerin zu werden. Nach der Anordnung des Bürgermeisters muss die Uskokenbande sozusagen sterben. Doch die Freunde beschließen, sich trotzdem noch heimlich zu treffen.

E: Kritische Auseinandersetzung

a) Literarische Besonderheiten
Der Autor Kurt Held nimmt im Buch „Die rote Zora“ die Rolle eines auktorialen Erzählers ein. „Ja, es gab wohl kaum einen Menschen in der Stadt, den er nicht getauft oder verheiratet hatte und von dessen Leid, Glück, Kummer und Freuden er nicht unterrichtet war. Branko hatte auf einmal ein schlechtes Gewissen, als die Augen des Pfarrers auf ihm ruhten“ (Seite10, Zeile 18-23).
Das Jugendbuch ist in 25 Kapitel gegliedert. Jedes trägt eine eigene Überschrift, die kurz den Inhalt beschreibt.
Held verwendet viele Adjektive in seinem Roman. Dadurch lässt er alle Personen besonders anschaulich vor dem inneren Auge des Lesers entstehen. „Die Frau, die so laut rief, war die alte Stojana, eine hochgewachsene, zaundünne Person, mit einem faltigen, ausgedörrten, aber gutmütigen Gesicht. Weiße Haare lohten wie ein wilder Kranz um den schmalen Kopf“ (Seite7, Zeile 6-9).
Kurt Held beschreibt sehr anschaulich und detailliert Situationen, Umgebung und Personen. Dabei benutzt er eine besonders bildhafte Sprache. „Die Kinder spürten schon lange an der beginnenden Helle, dass es tagte und die Sonne bald kommen würde. Jetzt lag ein erster Streifen, der oben ganz spitz war, auf dem Wasser, und er kam wie eine Pyramide auf sie zu“ (Seite 145, Zeile 33 bis Seite 146, Zeile 2).
„Das große Meer, so weit es die Sonne beleuchtete, wurde in diesem Moment zu fließendem Silber“ (Seite 146, Zeile 14ff).
„Sein bester Anzug blähte sich über dem prallen Bauch, auf dem kugeligen Kopf saß wie ein roter Pilz seine Schülermütze, und seine Stiefel glänzten, als hätte er sie mit Sonnenstrahlen gewichst“ (Seite 196, Zeile 28-30).
Bis zum Ende gelingt es Held die Spannung zu erhalten durch Verwendung von typischen „Abenteurerelementen“, wie z. B. der Angriff des Luchses oder auch der Kampf mit dem Tintenfisch (siehe Kapitel 13 und 21).
Ein geheimnisvoll mystisches Element kommt durch die „Hexe“ Kata zum Tragen. Die Liebesgeschichte zwischen Branko und Zlata erzeugt ebenfalls Spannung, weil Branko bei den heimlichen Treffen immer Gefahren auf sich nimmt.
Nicht zuletzt die Streiche der Kinder, mit denen sie zumeist auf Ungerechtigkeiten reagieren, machen die Geschichte durch die fantasievollen Einfälle bis zum Ende interessant und abwechslungsreich. 


b) Dargestellte Gesellschaftsstrukturen
Kurt Held hat in seinem Buch „Die rote Zora“ eine Gesellschaft mit typischen und etwas klischeehaften Merkmalen entstehen lassen. Die teilweise überzeichneten Personen aus dem Städtchen Senj stellen ganz charakteristische Gegensätze und Bestandteile einer Gemeinschaft dar. So bekommt man den Eindruck, es handle sich um eine reale Gesellschaftsstruktur. Um dies zu verdeutlichen, stelle ich die wichtigsten Charaktere aus dem Buch vor. 
Auf der einen Seite stehen die korrupten machtinteressierten Menschen, die kein Verständnis für die Bande haben. Ganz wichtig zu nennen wäre hier der geizige Bauer Karaman, der versucht durch sein Geld Einfluss zu erhalten. Besonders gut erkennt man seinen Charakter, als er alleine darauf besteht, dass der hungrige Branko nur deshalb verhaftet wird, weil er einen Fisch, der auf den Boden gefallen war gestohlen hat (Kapitel 3, Seite 53, Zeile 28-Seite 54, Zeile 10). Karamans Herzlosigkeit wird deutlich, als er seinen eigenen Hund Leo erschießt, weil dieser nicht auf die Bande losgeht (Kapitel 19, Seite 335, Zeile 19ff). Seine Gier, sein Geiz aber auch seine Unsicherheit dem gegenüber, was er nicht beherrschen kann, erlebt man, als er die „Hexe“ Kata um Rat fragt (Kapitel 14, Seite 258ff).
Auch der Bürgermeister und die korrupte Fischfanggesellschaft stehen für den Teil einer Gesellschaft, der sich immer mehr von Menschlichkeit und Mitgefühl losreißt. Dennoch wird am Beispiel des Bürgermeisters deutlich, dass sich Menschen in ihrem Denken und Empfinden auch ändern können. Denn schließlich stimmt der Bürgermeister zum Schluss, durch den Einfluss seiner Tochter, für die Freiheit der Bande und sieht vielleicht auch seine Verantwortung an der Situation der Kinder.
Für ein schwächeres Glied in der Gemeinschaft halten die tollpatschigen Gendarmen her, die den Interessen und teilweise der Willkür der Einflussreichen unterliegen (Kapitel 3, Seite 53 Zeile 28ff).
Auf der anderen Seite befinden sich die Personen, die für die Bande Verständnis haben und mit Weitblick und Mitgefühl die Lage der Bande beurteilen.
Der alte Fischer Gorian steht für eine solche Person. Er ist immer für die Kinder da, ist kritisch mit der Gesellschaft und bleibt seinem Überzeugungen treu. Er möchte unabhängig bleiben und nicht an die Fischfanggesellschaft verkaufen. „ >> Willst du sie nun der Gesellschaft verkaufen? << Der alte Orlovic sah ihn an.
Gorian schüttelte den Kopf. >> Noch nicht. Ich habe mir Dragans Wagen geborgt. Ich will einmal sehen, ob sie mir auch verbieten, meine Fische auf dem Markt zu verkaufen << “ (Seite 321, Zeile 13 bis 17).
Gorian zeigt seine Vernunft und Objektivität an vielen Stellen des Romans, auch bei der Ratssitzung. „ >> Ihr seid immer noch der falschen Meinung, dass es diesen Kindern Spaß macht zu stehlen, um ihren Hunger zu stillen. Sie sind mit Freude gekommen, als ich sie um ihre Hilfe bat, und mit genauso viel Freude haben sie gearbeitet... << “ (Seite 464, Zeile13 bis 16).
Der gutmütige Bäcker Curcin hat Mitleid mit der Bande und versorgt sie heimlich mit Brot, obwohl er sich dabei in die Gefahr der Entdeckung durch seine Frau oder die Gendarmen begibt.
Die „Hexe“ Kata ist sehr arm und doch gelingt es ihr, Einfluss durch ihre angeblichen „Hexenkünste“, auf die Reichen und Mächtigen zu nehmen (Siehe Kapitel 14 „Im Hexenhaus“). In diesem Kapitel zeigt sich die Naivität und auch die Einfachheit der reichen Leute. Der junge Leser merkt so, dass Geld nicht zwangsläufig Intelligenz und Weitblick mit sich bringt.
Die Bande der roten Zora ist ebenfalls ein schwaches Glied der Gesellschaft, doch sie haben sich nicht mit ihrer Situation abgefunden. So kämpfen sie immer für Gerechtigkeit und zu guter Letzt auch für Einigkeit. Unstimmigkeiten gibt es auch in der Bande, doch es gelingt ihnen immer besser Differenzen auszuräumen. Nicht zuletzt durch Gorians Einfluss erhalten sie den festen Zusammenhalt in der Gruppe. Besonders deutlich wird dies in Kapitel 20 auf der Seite 321, Zeile15ff.
Mit ihren Streichen antworten die Kinder nur auf die Mängel und Fehler in der Gesellschaft, unter denen sie leiden müssen.
Sehr interessant ist auch die Rolle der Zora. Man bemerkt, dass die Menschen im Buch oft stutzen, wenn sie hören, dass ein Mädchen eine Bande von Jungen anführt. Held bringt hier eine ganz neue Frauen- bzw. Mädchenrolle zum Vorschein, die in der Entstehungszeit des Buches gerade in der kroatischen Welt nicht selbstverständlich war. Zoras Intelligenz und ihren Durchblick stellt sie als Anführerin der Bande immer wieder unter Beweis (z. B. Im Kapitel 14 „Im Hexenhaus“ S. 266 S. 267).

c) Historischer Hintergrund
Kurt Held hat sich für das Buch „Die rote Zora“ nicht nur an wirklich bestandenen Gesellschaftsproblemen orientiert, sondern er hat in diesem Buch auch den sehr interessanten geschichtlichen Hintergrund des Städtchen Senj beleuchtet. 
Senj ist die älteste kroatische Stadt und hat etwa 5300 Einwohner. Zwei große Bergmassive, die Velika Kapela und das Velebit, stoßen hinter der Stadt aufeinander und schaffen über dem Vratnik-Sattel eine günstige Verbindung im kroatischen Hinterland. Wie im Buch erwähnt, schießt zwischen den Gebirgen die berüchtigte Bora von Senj zu Tal, die eine Windgeschwindigkeit von 150 km/h erreichen kann. Die Stadt wurde von den Römern Senia, den Venezianern Segna, den Österreichern Zengg und den Kroaten Senj genannt. Sie entstand Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr.. Senj war im 16.Jahrhundert ein berüchtigtes Seeräubernest und in ganz Europa berühmt durch die Uskoken. Die Uskoken (Serben und Bosniaken) führten von hier einen Bandenkrieg gegen die Türken und lebten später von der Seeräuberei. Sie hatten es vor allem auf die venezianischen Frachtschiffe abgesehen. Mit deren Beute ließen sie den Wohlstand Senjs wachsen. Nachdem es zwischen Venedig und Österreich zu einem Krieg wegen der Seeräuberei gekommen war, siedelten die Habsburger die meisten der Uskoken aus Senj zwangsweise ins kroatische Binnenland um.

Die perfekt erhaltene Festung Nehajgrad (Fürchte nichts) wurde als Fliehburg 1558 gebaut und steht etwas außerhalb der Stadt auf einem Hügel. 
Mit diesem historischen Hintergrundwissen bemerkt man, dass die „Die rote Zora“ in ein historisch wissenswertes Thema der kroatischen Geschichte eingebettet ist. Die Bande der roten Zora hat sich die Ideale der Uskoken zum Vorbild gemacht. 
Sicherlich ist es auch kein Zufall, dass die Kinder Unterschlupf in der Burg Nehajgrad finden, in der die echten Uskoken hausten. Durch die Erzählung des alten Fischers Gorian auf Seite 395 im Kapitel 21 „Der Kampf mit dem Tintenfisch“ in dem Buch „Die rote Zora“ wird Kindern und dem Leser die Geschichte der Uskoken anschaulich näher gebracht.


d) Persönliche Stellungnahme
Das Buch „Die rote Zora“ habe ich gern gelesen. Die bildhafte Sprache und das anschauliche Beschreiben von Personen, Umgebung und Situationen haben mir geholfen mich in die Geschichte einzufühlen.
Inhaltlich finde ich das Buch unterhaltsam und weitestgehend spannend. Doch einige Episoden sehe ich als etwas zu langatmig, wie z. B. die Umstände des Begräbnisses von Brankos Mutter (Kapitel 1, Seite13ff), die Flucht aus dem Gefängnis (Kapitel 4, Seite 65ff) oder die Beschreibung Umgebung beim Krebsfang auf der Rückwanderung nach Senj (Kapitel 12, Seite 215ff).
Manche Begebenheiten und Reaktionen im Buch waren mir zu realitätsfremd. Besonders empfand ich das beim Kampf mit dem Tintenfisch (Kapitel 21, Seite 383ff). Ebenso unrealistisch ist die Angst der Erwachsenen vor dem Gespensterspuk der Kinder (Kapitel 17, Seite 300ff).
Die Streiche der Kinder fand ich sehr originell. 
Das Buch ist eigentlich für eine jüngere Leserschaft geschrieben worden und berücksichtigt deshalb die Bedürfnisse junger Leser nach Abenteurern und fantasievollen Dingen. Vielleicht bin ich schon etwas zu alt und zu realistisch um mich völlig von der Geschichte fesseln zu lassen. Dennoch war für mich das beschriebene Leben der Bande, gerade als ich vom realen Bezug zu einer wirklich existierenden Zora und ihrer Bande in Senj erfahren habe, sehr interessant.
Die Person der Zora hat mir gut gefallen. Ein Mädchen, das so tapfer, intelligent und mitfühlend ist und zudem eine Bande anführen kann, bewundere ich besonders im Hinblick auf die Entstehungszeit des Romans. Kurt Held hat durch den Charakter der Zora etwas ganz Neues und vielleicht auch Provokatives entstehen lassen. Schließlich war die Zeit der Veröffentlichung eine Zeit, in der es in der Realität wie auch in der Literatur um männliche „Helden“ ging.
Man kann sehr viel Positives und Lehrreiches aus dem Buch mitnehmen. Da ich die Biografie und die Gesinnung von Kurt Held untersucht habe, fällt es mir leicht sein Anliegen im Buch zu verstehen. Held möchte auf Defizite unserer Gesellschaft hinweisen und dem jungen Leser zeigen, dass sich Dinge in der Gesellschaft verändern lassen. Im Buch erkennen einige der Verantwortlichen in Senj ihr Versagen und bemühen sich eine Lösung für die Bande zu finden.
Die Problematik von Kindern am Rande der Gesellschaft hat auch heute noch Aktualität.
Auch wir müssen uns fragen, ob nicht die Gesellschaft mitverantwortlich am Schicksal vieler Außenseiter ist. Jugendliche, die drogenabhängig werden, die in die Kriminalität abrutschen oder arbeitslos sind, werden ähnlich abgestempelt wie die Kinder der Bande im Roman.
Die Ursache für die Situation der Kinder in der „roten Zora“ sind familiäre Schwierigkeiten. Manche der Kinder sind Waisen oder wurden zu Hause schlecht behandelt und mussten so aus ihrer Misere fliehen.
Auch heute liegen die Gründe für Probleme oft in der Familie und wie die Gesellschaft mit diesen Schwierigkeiten umgeht oder versucht zu helfen.
Wahrscheinlich hat auch deshalb der ganze Roman „Die rote Zora“ noch nicht an Aktualität verloren!