Der
Lehrer Kaufmann
*1893 in Hainstadt 1984, USA
Er war ein sehr beliebter Lehrer und ein hervorragender Pädagoge.
Das haben Ralph Eisemann, Carl Jaburg, Else Pripis und Alise Goldstein
Dreifuß bestätigt.
Mit Hilfe von Ralph Eisemann konnten wir Kontakt mit seinem Sohn Harry
Kaufmann
aufnehmen.
Dieser erinnert sich in einer Veröffentlichung des Stadtarchivs
Freiburg
(David Maier Geburtsort Freiburg, Neue Reihe, Heft
18, 2001):
Obwohl ich damals 51 Jahre jünger war, kann ich mich an Freiburg
noch gut erinnern.
Wir haben in der Kunigundenstraße gerade gegenüber dem Wiehre-Bahnhof
gewohnt.
Mein Vater Alfred Kaufmann war Lehrer und Kantor, angestellt vom Oberrat
der
Israeliten, Karlsruhe. In den 20er Jahren war er im Vorstand des jüdischen
Lehrer-
vereins in Baden und später sein Präsident, wobei er durchführte,
dass die jüdischen
Lehrer auf die selbe beamtliche Besoldungsordnung gestellt wurden wie
die staatlich
angestellten Lehrer.
Im Herbst 1935 wurde mein Vater vom Oberrat in Karlsruhe beauftragt,
eine jüdische
Volksschule in Freiburg aufzustellen und zu leiten. Die Schule wurde
eine Notwendigkeit, nachdem die jüdischen Kinder in Freiburg und
Umgebung keine öffentlichen Schulen mehr besuchen durften.
In der Lessingschule, in der Nähe der Dreisam-Brücke, wurden
zwei Schulzimmer zur
Verfügung gestellt. (Später zog die Schule in das Gemeindehaus
bei Synagoge.)
Jüdische Kinder kamen von Offenburg, Lahr, Emmendingen, Breisach,
Villingen, Lörrach
sowie von kleineren Orten in der ganzen Umgebung. Eine Frau Dr. Mendel
war der
zweite Lehrer.
Zu dieser Zeit war ich im Gymnasium Philanthropin in Frankfurt
am Main, habe aber
alle meine Ferien in Freiburg verbracht. Nach dem 10. November 1938
war ich dann
dauernd in Freiburg bis zu unserer Auswanderung im Sommer 1939, vorläufig
nach
England und 1940 nach New York.
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19.
Dez. 1938
Alfred Kaufmann, nach der Entlassung aus dem KZ Dachau |
Im
Email vom 9. Juli 2002 schreibt der Sohn Harry Kaufmann uns genauer:
Nach dem 9./1o. November 1938 wurde die jüdische Volksschule
geschlossen. Mein
Vater wurde in das Konzentrationslager Dachau verschickt, bis 16. Dezember
1938.
Danach wurde ihm der Zutritt in die Schulräume verboten, sodass
keine Klassenhefte
oder dergleichen existieren.
Überhaupt sucht man heute an der Lessing Realschule und
Lessing Förderschule,
die beide im großen Gebäude untergebracht sind, vergebens
nach irgendwelchen
Spuren der jüdischen Schule. Angaben zur Lage der Klassenzimmer
sind wider-
sprüchlich.
Während Else Pripis Geismar aus Jerusalem sich klar erinnert,
dass sie eine
halbe Treppe aufwärts gehen musste, glaubt die damals
erst 7 jährige Alice
Goldstein Dreifuß sich eher an düstere Kellerräume
zu erinnern. Der Widerspruch
ist eventuell damit zu erklären, dass Alice G.-D. nur wenige Monate
von Ostern bis
9.Nov.1938 die jüdische Schule in der Lessingschule
besuchte und ihre Erinnerung
sich auf die Kellerräume im Jüdischen Gemeindehaus beziehen.
Vom Sohn unerwähnt, aber durch das untenstehende Dokument bestätigt,
wird der
Versuch des Lehrers Kaufmann, für die jüdischen Schüler
bei der Stadt Freiburg
neue Räume zu finden. Dies gelingt schließlich im Jüdischen
Gemeindehaus, so dass
der Unterricht an Ostern 1939 zum neuen Schuljahr wieder aufgenommen
werden
konnte. Allerdings muss die Jüdische Gemeinde auf eigene Kosten
Renovierungs-
arbeiten übernehmen (Schaden durch die Reichspogromnacht?) und
der Stadt Miete
für das inzwischen enteignete Gemeindehaus bezahlen.
Alfred Kaufmann hat diesen Unterricht im Jüdischen Gemeindehaus
am Wertmanns-
platz 1 mitgetragen bis zu seiner Auswanderung im Juli 1939.
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5.
Juli 1939
Alfred Kaufmann vor der Emigration |
Dazu
der Sohn Harry Kaufmann: Meinen Eltern und mir gelang es, im Juli
1939 auf Grund eines Transit-Visas nach England zu kommen und von dort
im Januar 1940
nach USA überzusiedeln. Hier hat mein Vater seinen Beruf als Lehrer
nicht wieder
ausgeführt. Er war geschäftlich tätig bis 1970 und ist
im November 1984 verstorben.