Das jüdische Prag
 
Josefov – Das jüdische Viertel in Prag
Einfach mit der grünen Metrolinie bis zur Haltestelle Staromestska fahren, in Richtung Franz-Kafka-Platz laufen und links abbiegen – schon ist man im jüdischen Viertel Prags, das sich nicht abgrenzt, sondern in die pulsierende Metropole integriert.
Es befindet sich schon sehr lange an diesem Platz, denn im Mittelalter lebten in Prags Altstadt (Stare Mesto) zwei jüdische Gemeinden nebeneinander. Einerseits gab es die aus dem Westen zugereiste Gemeinde, die sich um die Altneusynagoge konzentriert hat und zum anderen gab es die aus dem byzantinischen Reich stammenden Juden im Bereich der heutigen Spanischen Synagoge. Mit der Zeit verwuchsen diese beiden Teile immer mehr und es gab schließlich nur noch ein jüdisches Viertel. Dieses wurde als ein Ghetto abgeschlossen und die darin lebenden Juden wurden lange Zeit mit Gesetzen erniedrigt. So mussten sie zum Beispiel im 16. Jahrhundert einen gelben Kreis als Erkennungszeichen tragen.
Diese Diskriminierungen hatten erst mit Kaiser Joseph II. eine Linderung erfahren. Deswegen benannte man das Ghetto später nach ihm: Josefov bzw. Josephstadt.
Doch im 19. Jahrhundert beschlossen die Stadtväter, das jüdische Viertel niederzureißen aufgrund der herrschenden hygienischen Verhältnisse. Dies „überlebten“ nur einige Gebäude: das Rathaus, einige Synagogen und der alte jüdische Friedhof.

 
Das Jüdische Museum in Prag
Wenn man denkt, dass ein Museum ein großes Haus mit vielen Informationstafeln sein muss, wird man in Prag eines Besseren belehrt. Das Jüdische Museum in Prag besteht aus mehren Synagogen, einem alten Friedhof, einem Zeremoniensaal und einem Bildungs- und Kulturzentrum. Es sind nur kurze Wege zwischen den einzelnen Gebäuden, aber man lernt so auch gleich das ganze Viertel mit kennen.
Kurz zur Geschichte des Museums. Im Jahre 1906 begannen der Historiker Dr. Salomon Hugo Lieben und der Repräsentant der Tschechisch- jüdischen Bewegung Dr. Augustin Stein damit wertvolle Kunstgegenstände aus den Prager Synagogen zu sammeln, als diese im Zuge der Umbauten in Josefov zu Beginn des letzten Jahrhunderts aufgelöst wurden. Nach dem Einmarsch der deutschen Armee am 15. März 1939 wurde das Museum für die Öffentlichkeit gesperrt. Drei Jahre später richteten die Nazis das Jüdische Zentralmuseum ein, wo sie alle gesammelten Stücke ausstellten. Dies geschah auf die Anregung von Dr. Stein hin, der mit vielen anderen Menschen daran interessiert war, die jüdische Kunst und Kultur zu retten. Doch man muss wissen, dass die NS- Stelle das Museum nur genehmigt hat, um ein Andenken an eine „ausgemerzte Rasse“ zu erhalten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Jüdische Museum dem Zentralrat der jüdischen Gemeinden in der CSR unterstellt. Im Jahre 1950 wird es auf staatliches Drängen hin in die Hände des kommunistischen Staates gegeben. Unter dessen Leitung waren die Arbeit und die Erweiterung des Museums sehr schwer.
Erst nach dem Zusammenbruch des Regimes wurde eine Statusänderung des Museums beschlossen. Somit konnte es am 01.10.1994 wieder an die jüdische Gemeinde in Prag gegeben werden. Somit war und ist da Jüdische Museum keine staatliche Institution mehr.
Heutzutage verfügt es über eine der größten Judaica- Sammlungen in der Welt ( 40 000 Gegenstände und 100 000 Bücher). Mit der Gesamtheit der Ausstellungsstücke liefert das Museum ein komplettes Bild von Leben und Geschichte der Juden in diesem Land.

Im Folgenden stelle ich einige Synagogen und den jüdischen Friedhof näher vor.

 
a) Die Spanische Synagoge
· 1868 an der Stelle des ersten jüdischen Bethauses in Prag erbaut
· Baumeister: Vojtech Ignac Ullmann (maurischer Baustil)
· riesige Kuppel über einem quadratischen Bau, extravagante Buntglasfenster
· Exposition: - Geschichte der Juden in Böhmen und Mähren – von der Emanzipation bis zur Gegenwart
· zwischendurch war sie 20 Jahre lang geschlossen; erst 1998 wieder eröffnet

b) Die Maisel- Synagoge

· 1590- 1592 von Mordechai Maisel (Vorsteher von Josefov) gestiftet
· Baumeister: Josef Wahl und Juda Goldsmied de Herz
· starke Beschädigungen beim Brand von 1689 ® Renovierung im Barockstil
· nochmaliger Umbau 1893 – 1905 im Renaissancestil
· Ausstellungsraum und Depot des Jüdischen Museums
· Exposition: - Geschichte der Juden in Böhmen und Mähren 10. –18. Jahrhundert
- Renaissance (Synagogenbau, Mordechai Maisel)
- traditionelle jüdische Gelehrsamkeit (Talmud)

c) Die Pinkas- Synagoge

· 1535 von Aron Meschullam Horowitz gestiftet
· zwischen seinem eigenen Haus und dem Jüdischen Friedhof
· in den Nachkriegsjahren wurde sie Gedenkstätte für tschechischen und mährische Juden, die dem NS-Regime zum Opfer gefallen sind
· die Namen der Opfer und ihre Geburts- und Sterbedaten sowie der Gemeindename wurden auf die Wände der Synagoge geschrieben
· sie wurde 1968 wegen Baufälligkeit geschlossen und das kommunistische System verhinderte die Renovierung absichtlich (Abtragung der Wandschriften)
·1990 Ende der Bauarbeiten
· zwischen 1992 und 1996 wurden die 80 000 Namen der Toten wieder an die Wände geschrieben
· Exposition: - Kinderzeichnungen aus Theresienstadt 1942 – 1944