Station 3: Antisemitismus

Ausgrenzung und Verfolgung von Juden gab es schon im Mittelalter. Im Lauf der Jahrhunderte hat sich der Antisemitismus gewandelt. Von der Judenfeindschaft fanatisierter Christen führte der Weg über pseudowissenschaftliche soziale und biologische Rassetheorien im 19. und 20. Jahrhundert bis zur politischen "Begründung" heutiger Diffamierung.
 
 
 
Antisemitisches Wahlplakat              Quelle: LeMo / DHM
Antisemitischer Rassismus
Als Gegenreaktion auf die Judenemanzipation entwickelte sich gegen Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue Form der Judenfeindschaft. Von nun an wird - nicht nur in Deutschland - die so genannte "Judenfrage" als soziales Problem erörtert, das es zu "lösen" gelte.

Der "moderne Antisemitismus" begann sich politisch zu organisieren. Gestützt auf pseudowissenschaftliche Erkenntnisse der zeitgenössischen "Rassentheorie" verfestigte sich der Glaube an vermeintlich jüdische Eigenschaften zu einem stereotypen Feindbild, das bis heute überdauert hat.

Menschen jüdischer Abstammung und Religion wurden von nun an als "minderwertig" bzw. als "von Natur aus bösartig" diskriminiert.

Antisemitismus als Staatsdoktrin
In Deutschland suchten nationalistische und rechtsextreme Politiker nach dem Ersten Weltkrieg einen Sündenbock für die miserable Lage des wirtschaftlich und militärisch geschwächten Staats.
 
"Die Juden" wurden verantwortlich gemacht für die absehbare Niederlage Deutschlands gegen übermächtige Gegner im Krieg, für soziales Elend, für Inflation, Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit.

Der Vernichtungsgedanke der antisemitischen Rassenideologie wurde von den Nationalsozialisten zur Staatspolitik des Dritten Reichs erhoben. Bis zur letzten Konsequenz umgesetzt, führte er schließlich zum Holocaust: zur Ermordung von sechs Millionen Juden in Europa.
 
Antisemitismus heute
Auch heute noch ist antisemitisches Gedankengut verbreitet. Zu althergebrachten Stereotypen wie dem angeblich weltweit herrschenden "jüdischen Einfluss" auf Politik und Wirtschaft kommen Ressentiments gegen jüdische Institutionen und einzelne Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Auch die Politik des Staates Israel muss häufig als Anlass für antisemitische Angriffe herhalten. Nahostkonflikt und islamischer Fundamentalismus haben starke antijüdische Einstellungen in der arabischen Welt begünstigt.
 
 
Hier kannst du dich genauer informieren 
 
Der "moderne Antisemitismus" kann als dumpfe Abwehr gegen die Moderne aufgefasst werden. Ängste vor den nicht absehbaren Folgen von Industrialisierung, Kapitalismus und Liberalismus kanalisierten sich im Hass gegen Juden.
Unterstützt wurde diese Entwicklung durch pseudowissenschaftliche Rassentheorien des 19. Jahrhunderts, die die Grundlage für die antisemitische Ideologie der Nazis bildeten.
 
Antisemitismus unterstellt "typische" Eigenschaften von Juden und beruft sich dabei auf kollektive Erfahrung. Dabei beruhen die angeblichen "Fakten" durchweg auf Vorurteilen, Gerüchten und Klischees.
Im Laufe der Geschichte entstand eine ganze Reihe von antijüdischen Stereotypen: der antichristliche Dämon des Mittelalters, der "reiche Wucherer" der frühen Neuzeit, die "jüdische Weltverschwörung" des 19. Jahrhunderts und das langlebige Feindbild vom "ewigen Juden".
 
Neben offen antisemitischer Hetze in rechtsextremer Propaganda sowie Anschlägen auf Synagogen und jüdische Friedhöfe existiert auch heute noch ein "latenter" Antisemitismus, der nur selten öffentlich zu Tage tritt. Häufig geht es dabei um den Umgang mit der NS-Vergangenheit und dem Holocaust. Vereinzelt gibt es auch in etablierten Parteien Versuche, antisemitische Tendenzen politisch zu nutzen.
 
 
Linktipps 
 
Begriffe, Stereotype und historischer Abriss auf der Website der Amadeu-Antonio-Stiftung
 
Definition und historischer Abriss bei shoa.de
 
Ausführliche Informationen, Hintergründe, Chronologie antisemitischer Vorfälle, zahlreiche Links auf der Website von haGalil.com/Antisemitismus.net
 
Hintergrundinformationen und Fotos zur Geschichte des Anitsemitismus in Deutschland insbesondere im 20. Jahrhundert
 
 
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