Station 2: Geschichte der europäischen Juden

Die Zerstörung des Tempels im Jahre 73 n.Chr. und die anschließende Vertreibung der Juden aus Jerusalem bedeutete das (vorläufige) Ende der jüdischen Nation auf eigenem Boden.
Nach der "Zerstreuung" in alle Welt fanden viele Juden Zuflucht in Europa, wo sich in der Folge bedeutende Stätten jüdischer Kultur herausbildeten.
 
 
 
Davidsstern an einer alten Holztür
Ausgrenzung und Diffamierung
Die Geschichte der Juden in Europa ist zugleich die Geschichte ihrer gesellschaftlichen Ausgrenzung und Verfolgung.
Im christlichen Europa des Mittelalters dienten Juden als Sündenböcke, gegen die jederzeit mit Gewalt vorgegangen werden konnte. Hinzu kam die soziale Ausgrenzung, die durch getrennte und abgeriegelte Wohnviertel - der "Judengasse" als Vorläufer des Ghettos - und das verordnete Tragen äußerer Abzeichen wie dem Judenhut oder dem gelben Fleck für jedermann sichtbar gemacht wurde.

Auch beruflich waren die Möglichkeiten europäischer Juden im Mittelalter stark eingeschränkt. Landbesitz war ihnen verboten. Von den Handwerkszünften waren sie ausgeschlossen. Daher blieb für viele nur der Handel.
 
Berufliche Einschränkungen
Als weitere Einnahmequelle bot sich das Verleihen von Geld gegen Zinsen an ("Wucher"), das Christen von der Kirche verboten war.
Auf diese Weise erwarben sich Juden über Generationen hinweg Erfahrung als Kaufleute und Bankiers, die sich weltliche wie geistliche Herrscher stets gern zu Nutze machten. Zugleich aber wurde die allgemein judenfeindliche Haltung um das stereotype Bild vom "raffgierigen Juden" erweitert.
Innerhalb der jüdischen Gemeinden gab es allerdings ebenso hervorragende Ärzte, Wissenschaftler und Philosophen.

Jüdische Zentren in Europa
In Spanien und Portugal erlebte das jüdische Gemeinwesen unter arabischer Herrschaft eine Blütezeit, bevor die dort lebenden Juden ("Sepharden") schließlich Ende des 15. Jahrhunderts - wie bereits in England und Frankreich - von den christlichen Herrschern des Landes verwiesen wurden.

Der Schwerpunkt jüdischer Kultur verlagerte sich in der frühen Neuzeit nach Mittel- und Osteuropa. Insbesondere im deutschsprachigen Raum wurden ab dem 18. Jahrhundert jüdische Gemeinden von Landesherrn geduldet oder gar gefördert. Mit der Aufklärung setzte ein Prozess der Toleranz ein, der schließlich in die Emanzipation europäischer Juden mündete.
 
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Bereits im frühen Mittelalter entstanden im deutschsprachigen Raum jüdische Gemeinden. Aberglaube und Unwissenheit der christlichen Bevölkerung führten aber auch zu Vorurteilen und absurden Anschuldigungen gegen Juden.
 
Nach der französischen Revolution genossen Juden in Europa erstmals volle bürgerliche Rechte. Aus Schützlingen wohlgesinnter Fürsten wurden auch in Deutschland allmählich gleichberechtigte Bürger.
 
 
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