"Deutschland ist meine Heimat"

Sie sind hier aufgewachsen - Flüchtlingskinder, die vor ca. 15 Jahren mit ihren Eltern aus dem Libanon und der Türkei nach Deutschland kamen. Jetzt sollen sie wieder zurück - in ein Land, das die meisten von ihnen kaum kennen. Einige wurden bereits abgeschoben.

Was heißt das für die Betroffenen? Wo ist ihre Heimat? Dort wo sie aufgewachsen sind, teilweise bereits gearbeitet haben - oder in dem Land, dessen Staatsbürger sie auf dem Papier sind?
 
 
 
 
Zum Ansehen der Videos braucht ihr den Windows Media Player.
Ihr könnt ihn euch hier kostenlos herunterladen:
Windows Media Player
 
Herkunft 
 
 
Sumaya Öney
Sumaya Öney: "Nach den Angaben von meinem Vater sind sie damals aus dem Libanon 1975 in die Türkei eingereist. Sie haben versucht Schutz zu suchen, sie haben halt versucht in einem anderen Land Schutz zu finden."

Zeki Ekin: "Wir sind Kurden, wir sind eigentlich keine Libanesen und wir haben dort auch Anträge gestellt. Manche Leute haben dann libanesische Pässe bekommen, manche aber nicht."

Ayse Saban: "Man flieht vor Armut und man flieht wenn man politisch verfolgt wird. Man sucht sich einen Schutz und beides sollte gelten, denn Armut ist auch eine schwierige Sache."
 
 
 
Leben in Deutschland 
 
 
Bilal Saban
Sumaya Öney: "Ich habe die mittlere Reife gemacht und in der Schule hatte ich sehr viel Spaß, es war eine sehr schöne Zeit. Ich wurde sogar die erste ausländische Schülersprecherin in der Schule."

Bilal Saban: "Die Schule habe ich abgeschlossen, ich habe einen Realschulabschluß. Ich habe mich direkt beworben bei der Post, als Fachkraft für Brief- und Fachverkehr und wurde dann auch angenommen."

Ayse Saban: "1997 haben wir die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen und dann fühlte ich mich wohl mit meiner deutschen Staatsangehörigkeit. Ich habe mich frei gefühlt, ich war dann nicht mehr Ausländer. Ich war keine Ausländerin mehr."

 
 
 
Abschiebung 
 
 
Seyfeddin Ekin
Bilal Saban: "Zuerst habe ich einen Schock bekommen: was sucht die Kripo bei uns? Wir hatten nie was mit der Polizei oder jeglicher Art zu tun gehabt. Da haben sie mir erzählt, dass wir türkische Staatsbürger sind."

Sumaya Öney: "Die Ausländerbehörde behauptet, meine Eltern hätten gelogen, als sie nach Deutschland kamen, sie hätten angegeben wir kämen aus dem Libanon, dabei kamen wir aus der Türkei. Ob das stimmt, dass weiß ich bis heute noch nicht."

Seyfeddin Ekin: ""Man weiß ja nie wann die kommen und jemanden abschieben, es kann auch morgen schon sein, das sie kommen und mich abschieben, so wie bei meinem Papa, deswegen leben wir mit Angst, mit Aufregung."
 
 
 
Rechtliche Situation 
 
 
Ayse Saban
Ayse Saban: "Man hatte mir Anträge in die Hand gedrückt, ich sollte sie ausfüllen für eine Aufenthaltsgenehmigung und am nächsten Tag drei Gehaltsabrechnungen mitbringen."

Karl-Heinz Bartens-Winter (Rechtsanwalt): "Duldung heißt, sie haben keinen richtigen Aufenthalt, sie können aber auch zur Zeit nicht abgeschoben werden, weil es keine Ausreisepapiere für die Flüchtlinge gibt."

Bilal Saban: "bei meiner Schwester und mir ist so, dass wir uns nur in NRW aufhalten dürfen, also wenn ich außerhalb NRW erwischt werde, sozusagen, würde mir eine Geldstrafe drohen. Wegen dieser Duldung muß ich auch eine Arbeitserlaubnis beantragen."
 
 
 
Heimat 
 
 
Metin Chaabo
Fatma Saban: "Mit acht Monaten bin nach Deutschland gekommen und dann bin ich hier aufgewachsen: Kindergarten, Grundschule und jetzt bin ich auch noch mit der Schule in ein paar Monaten fertig. Ich fühle mich als Deutsche, ich kann mir nicht vorstellen da unten zu leben."

Metin Chaboo: "Ich kenne nichts von dem Land, in das ich abgeschoben werde, das Land heißt Türkei. Ich kenne mich in der Türkei nicht aus."

Fediye Önej: "Ich habe mich in Deutschland wie in meiner Heimat gefühlt, sogar besser als in meiner Heimat, ich habe mich an Deutschland gewöhnt. Ich habe zwölf Jahre da gewohnt, gelebt."
 
 
 
Medienprojekt Wuppertal 
 
 
Filme von Jugendlichen über Jugendliche
Die Interviews wurden für die Videoproduktion "Deutschland ist meine Heimat"  des Medienprojekts Wuppertal aufgezeichnet, produziert 2004 in Schwelm von den jungen Flüchtlingen unter Anleitung eines Medienpädagogen.

Eine Übersicht über alle Produktionen findet ihr auf der Website des Medienprojekts Wuppertal. Dort sind alle Filme in voller Länge als VHS-Videos erhältlich.
Medienprojekt Wuppertal: Videoproduktionen

Das Medienprojekt Wuppertal konzipiert und realisiert seit 1992 erfolgreich Modellprojekte aktiver Jugendvideoarbeit unter dem Motto "das bestmögliche Video für das größtmögliche Publikum".

Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich das "Medienprojekt" zur größten und ambitioniertesten Jugendvideoproduktion in Deutschland. Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14-28 Jahren werden (im Rahmen von pädagogischen Institutionen oder privat organisiert) produktorientiert bei ihren eigenen Videoproduktionen unterstützt, ihre Videos im Kino, in Schulen, Jugendeinrichtungen etc. präsentiert und als Bildungsmittel bundesweit vertrieben.
 
Seite druckenZum Seitenanfang