Tschechen und Deutsche

Beim Begriff Tschechien fällt vielen Deutschen als erstes das goldene Prag, gutes preiswertes Bier und vielleicht noch Franz Kafka und Karel Gott ein. Und umgekehrt? Was verbinden Tschechen mit Deutschland -  laute Touristengruppen und sudetendeutsche Landsmannschaften?
 
 
 
 
Deutsche und Tschechen leben seit über 1000 Jahren als Nachbarn nebeneinander und natürlich verbindet sie eine lange gemeinsame politische und kulturelle Geschichte. Wo aber liegen genau die Berührungspunkte zwischen den beiden Kulturen?

Zwischen Abhängigkeit und nationaler Identität
Im 19. Jahrhundert war das Verhältnis zwischen Tschechen und Deutschen bestimmt von der Auseinandersetzung um die Sprache - in Böhmen, das zum Habsburger Reich gehörte, war Deutsch die Amtssprache. Mit dem wachsenden tschechischen Nationalbewusstsein verschärften sich die Konflikte zwischen Deutschen und Tschechen. Als nach dem 1. Weltkrieg die Tschechoslowakei entstand, bemühte man sich, die Deutschen als anerkannte Minderheit in die demokratische Republik zu integrieren.

Unter der Herrschaft Hitlers wurden die Länder Böhmen und Mähren als Protektorat dem Deutschen Reich angeschlossen und besetzt. Die Erfahrungen der Okkupation und die anschließenden Vertreibungen der Sudetendeutschen aus der neu entstehenden Tschechoslowakei prägen das - nicht immer problemlose -  Miteinander von Tschechen und Deutschen bis heute.

Kulturelle Berührungspunkte im 20. Jahrhundert
Im kulturellen Leben, in Literatur, Kunst, Musik und Film lassen sich viele gemeinsame Berührungspunkte zwischen Deutschen und Tschechen finden. Gerade in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts galt Prag als weltoffene Stadt, in der das Zusammenleben von Tschechen, Deutschen und Juden eine besonders kreative Atmosphäre erzeugte.

Mit den Ereignissen des 2. Weltkriegs brach der kulturelle Kontakt zwischen Tschechen und Deutschen weitestgehend ab. Erst in den 60er Jahren, als sich die Politik in der sozialistischen Tschechoslowakei zunehmend öffnete und den Künstlern mehr Freiraum für ihr Arbeiten gab, kam es wieder zu einer regen Kulturproduktion: Tschechische Literatur und die innovativen Filme der "Neuen Welle" fanden große Beachtung in Deutschland. Der Prager Frühling von 1968 wurde Vorbild sowohl für Oppositionsgruppen in der DDR wie auch für die Studentenbewegung in Westdeutschland.

Und heute? Welche Kontakte in Politik, Wirtschaft und Kultur prägen 15 Jahre nach der "Samtenen Revolution" im Jahr eins der EU-Osterweiterung das Zusammenleben von Tschechen und Deutschen? Haben wir die Grenzen in unseren Köpfen schon überwunden?
 
Alle Stationen 
 
Geht in den Stationen auf Spurensuche nach verbindenden und trennenden Erfahrungen in der gemeinsamen Geschichte von Deutschland und Tschechien. Die einzelnen Stationen bieten interessante Informationen, historische Quellen, Rätsel und Tipps für eine vertiefende Recherche.
 
 
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