Interview mit Arzu Toker

Die Schriftstellerin Arzu Toker, in Ostanatolien (Türkei) geboren, lebt seit 1974 in Deutschland. Sie wehrt sich dagegen, dass Frauen ihre Haare verhüllen müssen. Ihre Argumente findet ihr hier:
 
 
 
Arzu Toker
Arzu Toker: "Die Begründung ist, dass die Frauen mit ihren offenen Haaren die Männer sexuell anregen. Und für mich als eine Frau kommt es nicht in Frage, das zu akzeptieren. Denn ich kann auch die Haare eines Mannes sexy finden. Was ist mit ihm? Habe ich keine Sexualität?
Und ich glaube auch nicht, dass Männer so primitiv sein müssen, dass sie jede Frau, die kein Kopftuch trägt, anfallen."
 
"Sicherlich sind Haare schön, sicherlich wünscht man sich auch manchmal, lange Haare mal zu streicheln oder zu berühren. Aber die Frage ist immer eine Frage der Zivilisation: Ist unsere Gesellschaft so verwildert, dass wir die Haare, die eventuell den Wunsch, sie zu streicheln, erwecken, verbieten müssen, unter Kopftüchern verstecken müssen, um die Menschen, die Männer und Frauen, sexuell in Zaum zu halten? Das ist, glaube ich, die Kernfrage. Und ich schätze mich persönlich so ein, dass für mich die Männer ihre Haare nicht bedecken brauchen. Ich werde sie nie überfallen."


Über religiöse Vorschriften und philosophische Alternativen

Arzu Toker: "Es gibt für mich eine einzige Alternative und das ist die der humanistischen Philosophie. Dass ich mich als Mensch begreife, die Freiheit begreife und fähig bin, die Grenzen meiner Freiheit da aufhören zu lassen, wo die Freiheit anderer anfängt. Wenn ich fähig bin, meinen Freiheiten selbst Grenzen zu setzen, nämlich solche, welche die Grenzen anderer nicht stören, dann wird meine Freiheit ohne Kopftuch niemanden sexuell  provozieren oder aggressiv auf mich stimmen, weil auch die anderen sich von einer humanistischen Philosophie leiten lassen werden."


Diskriminierung

Arzu Toker: "Und die Reduzierung der sexuellen Reize auf die Haare ist mir auch zu diskriminierend, denn manchmal kann ein Wort viel erotischer sein als ein Bündel Haare. Wie wollen wir das beurteilen? Was mache ich, wenn ich eine Frau bin, die mit dem Wort erotisch wirken kann? Dann hilft es auch nicht, dass ich Schleier anhabe. Dann werde ich jeden Mann natürlich sexuell provozieren. Und ich denke auch, dass Blicke sehr eindrucksvoll sein können."


© Medienprojekt Wuppertal 2000

 
Zum Interview 
 
Das Interview mit Arzu Toker wurde für den Film "Enthüllungen" des Medienprojekts Wuppertal aus dem Jahr 2000 aufgezeichnet. Der Film mit allen Interviewbeiträgen ist beim Medienprojekt Wuppertal als VHS-Video erhältlich.
Kontaktadresse und Infos zum Medienprojekt findet ihr hier:
Medienprojekt Wuppertal
 
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