Station 3: "Na Saksy" - Arbeitsmigrationen

In den Neunzigerjahren wandelte sich das Gesicht der Migration aus Polen. Einerseits gab es seit 1989 freien Reiseverkehr zwischen Polen und Deutschland, andererseits aber verhinderte die deutsche Politik, dass sich Zuwanderer aus Polen weiterhin in Deutschland niederlassen durften.
 
 
 
Arbeitsmigranten in Berlin
Deshalb stieg Anfang der Neunzigerjahre die Zahl polnischer Arbeitsmigranten, die nur befristet für ein paar Monate nach Deutschland kamen, stark an. Andere pendelten dauerhaft zur Arbeit hierher und lebten nur noch am Wochenende in Polen.

Die Polen sagen zu diesen Arbeitsmigrationen sie gehen "na Saksy" - "nach Sachsen"; das Bundesland steht hier als Synonym für ganz Deutschland. Eine besondere Stellung unter den Arbeitsmigranten haben die Angehörigen der deutschen Minderheit in Polen. Seit Anfang der Neunzigerjahren wurde rund 300 000 Menschen in Schlesien die deutsche Staatsangehörigkeit anerkannt. Als deutsche Staatsbürger war es für sie wesentlich einfacher, Arbeitsverhältnisse in Deutschland einzugehen.
 
Ein Teil der Arbeitsmigranten war legal beschäftigt, so etwa als Saisonarbeiter in der Landwirtschaft oder als Beschäftigte im Baugewerbe. Viele der Migranten arbeiteten hingegen schwarz, ebenfalls häufig auf dem Bau und in der Landwirtschaft, häufig aber auch als Putzhilfe oder Handwerker bei Privatpersonen. Der Lohn war mit durchschnittlich 5 bis 8 DM für hiesige Verhältnisse sehr niedrig. Dennoch konnte noch Ende der Neunzigerjahre beispielsweise ein Saisonarbeiter in drei Monaten ein durchschnittliches polnisches Jahresgehalt verdienen, in den Achtzigerjahren konnten es sogar zwei oder mehr Jahrgehälter sein. Die Arbeitsbedingungen der Migranten waren häufig schlecht. Besonders die nicht legal beschäftigten Migranten hatten hierunter zu leiden, am schlimmsten aber waren Frauen betroffen, die als Prostituierte arbeiten mussten.
 
 
Hier kannst du dich genauer informieren: 
 
Welche Gründe hatten polnische Migranten dafür, in der Bundesrepublik Deutschland zu arbeiten?
 
Welche "Arten" von Gastarbeitern gab es und was unterschied sie voneinander?
 
Hier erfahrt ihr etwas über diejenigen polnischen Migranten, die als Touristen nach Deutschland einreisten, um hier schwarz zu arbeiten, also einer irregulären Beschäftigung nachzugehen.
 
Viele der polnischen Migranten gehörten der deutschen Minderheit in Polen an. Was unterschied sie von anderen Einwanderern?
 
Nirgendwo werden Chancen - vor allem aber die Probleme - der Nachbarschaft Deutschlands und Polens so deutlich sichtbar wie an der deutsch-polnischen Grenze. Warum das so ist, erfahrt ihr hier!
 
 
Linktipps 
 
Basisinfos bei Migration Online
 
Das Osteuropa-Institut München bietet Kurzanalysen und Informationen zu Arbeitsmigranten aus Mittel- und Osteuropa in Deutschland, 1991-2001.
 
 
Arbeitsblatt zur Station 
 
Arbeitsblatt zu den Stationen "Eiserner Vorhang" und "Na Saksy"
Das Arbeitsblatt gibt dir Tipps und Anregungen für die Bearbeitung der zweiten und dritten Station zum Thema "Migrant ist nicht gleich Migrant - vom unübersichtlichen Zuwanderungsrecht in Deutschland."
Dateigröße: 125 KB
 
Hier geht es weiter
 
 
 
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