Station 1: Geschichte - Schimanski und andere

Schimanski, Kowalski oder Kaczmarek - so hießen die polnischen Zuwanderer, die seit Ende des 19. Jahrhunderts aus den deutschen Ostprovinzen ins Ruhrgebiet kamen.
 
 
 
Bis 1918 gab es keinen polnischen Staat und in den Grenzen des Deutschen Reiches lebten etwa vier Millionen polnischsprachige Menschen. Von ihnen wanderten rund 750 000 aus den Ostprovinzen des Reiches in die westlicher gelegenen Großstädte oder industriellen Ballungsräume. Die meisten - rund eine halbe Million - gingen ins Ruhrgebiet. Die Arbeitskraft der polnischen Bergleute und Industriearbeiter war in der schnell wachsenden Industrieregion sehr gefragt und bald wohnten viele polnische Familien in den grauen und ärmlichen Werkskolonien von Bottrop, Herne oder Bochum.

Die "Ruhrpolen" waren die erste große Kolonie "fremder" Arbeitskräfte im Kaiserreich und wurden beargwöhnt und diskriminiert. Sie schlossen sich in Reaktion darauf in verschiedenartigen Vereinen zusammen um sich gegen die Diskriminierungen zu wehren. Seit dem späten 19. Jahrhundert lebten noch in verschiedenen anderen Städten zahlreiche polnische Migranten, so etwa in Berlin, Hamburg oder Bremen.
 
Im Zweiten Weltkrieg wurden 1,7 Millionen Polen als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. Die Polen wurden unter den Zwangsarbeitern besonders schlecht behandelt und für widrigste Arbeiten eingesetzt. Viele Zwangsarbeiter kamen ums Leben. Nach dem Krieg blieben viele von ihnen als "Displaced Persons" in den westlichen Besatzungszonen. Während des Kalten Krieges bildeten sich aus der Gruppe der ehemaligen DPs in der Bundesrepublik Deutschland verschiedene polnische Exilorganisationen.
 
 
Quellentext 
 
Der Auszug aus einer Autobiografie macht die Erwartungen und Hoffnungen deutlich, mit denen die polnischen Arbeitsmigranten Ende des vorletzten Jahrhunderts in Berlin ankamen - und oft enttäuscht werden sollten.
 
 
Infos für die Lösung der Aufgaben gibt's hier: 
 
Die meisten polnischen Einwanderer kamen seit den 1870er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg in das aufstrebende Industrierevier zwischen Ruhr und Emscher.
 
Nach dem Ruhrgebiet war Berlin mit vor dem Ersten Weltkrieg rund 100 000 Polen das zweitgrößte Zentrum polnischer Migranten im Deutschland des Kaiserreichs.
 
Unter den etwa 8 Millionen Zwangsarbeitern, die während des Zweiten Weltkrieges von den Deutschen verschleppt wurden, machten die Polen mit 1,7 Millionen einen Anteil von gut 20 Prozent aus.
 
 
Linktipps 
 
Wikipedia, die freie Enzyklopädie, liefert ausführliche Informationen zur Geschichte des polnischen Staates und seiner Bevölkerung.
 
Ergänzend zu seiner Fernsehreihe präsentiert der RBB viele Informationen und Materialien zur deutsch-polnischen Geschichte der letzten 1000 Jahre.
 
Kompakter Einblick in die Geschichte Polens, vom zehnten Jahrhundert bis zum Fall der Mauer im Jahre 1989. Mit ausführlichen Quellentexten und Statistiken.
 
Auch 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bedürfen die deutsch-polnischen Beziehungen der behutsamen Pflege. In den Artikeln der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" untersuchen die Autoren einzelne Aspekte des Verhältnisses der beiden Nachbarn.
 
 
 
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