Jirí Grusa

Grusa steht mit seiner Lebensgeschichte für das Schicksal von Schriftstellern, denen im eigenen Land die Freiheit des Wortes geraubt wird und die, weil sie eben als Intellektuelle eine Gefahr für die Herrschenden darstellen, inhaftiert und mundtot gemacht werden.
 
 
 
Jirí Grusa
Jirí Grusa gehört zu den tschechischen Schriftstellern um Václav Havel, die ihrer Publikationen wegen verfolgt wurden. Jedoch steht er nicht nur für die Gruppe verfolgter Schriftsteller, vielmehr ist er ein Symbol für die Kraft eines widerständigen Geistes, der Diktatur und Unterdrückung überwindet. 1978 wurde er verhaftet, 1980 zur Ausreise gezwungen und ein Jahr später ausgebürgert.
 
Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes in Prag war er tschechischer Botschafter in Bonn und 1997/98 tschechischer Kultusminister. Seitdem vertritt er sein Heimatland als Botschafter in Wien. Seine Gedichte schreibt Grusa inzwischen auf Deutsch.
 
Kurzbiografie 
 
1938 Jirí Grusa wirdin Pardubice (Böhmen) geboren.
 
Studium der Philosophie und Geschichte an der Prager Karlsuniversität.
 
1962 Promotion in Philosophie und Geschichte.
 
1964 Gründung der ersten nicht-kommunistischen Literaturzeitschrift "Tvár" - die Zeitschrift wird bald verboten.
 
1965 Gründung von "Sesity" (Zeitschrift für junge Literaten) - wird 1969 verboten.
 
1968 Redakteur der Wochenzeitung "Zítrek" - auch diese wird 1968 eingestellt.
 
1968 Aktive Beteiligung am Prager Frühling.
 
1969 Anklage auf Grund der Teilpublikation des Romans "Mimner" in "Sesity", Berufsverbot 1970.
 
1972 - 1980 Zusammenarbeit mit der Samisdat-Reihe "edice petlice" (Hinter Schloß und Riegel), die einen Selbstverlag verbotener Autoren darstellt.
 
1978 Die tschechische und deutsche Herausgabe der "Stunde namens Hoffnung" und strafrechtliche Verfolgung sowie Verhaftung nach der Veröffentlichung seines ersten Romans "Dotazník" (dt. 1979, "Der Fragebogen").
Freilassung nach einer Intervention Heinrich Bölls bei der tschechoslowakischen Regierung.
 
Dezember 1980 Ausreise in die USA.
 
1981 Als Mitunterzeichner der "Charta 77" wird Grusa gegen seinen Willen während eines Auslandsaufenthaltes ausgebürgert.
 
seit 1981 wohnhaft in Bonn.
 
1983 Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft, freier Schriftsteller in der BRD (Herausgeber von Havels Briefen an Olga etc.), publiziert eine Antologie verbotener tschechischer Autoren "Verfehmte Dichter" in Köln 1983, sowie 1988 einen Erinnerungsband "Prager Frühling, Prager Herbst".
 
1989 Nach der Wende Ernennung zum Botschafter der CSFR in Bonn(November 1990).
 
1993 Botschafter Tschechiens in Bonn.
 
1998 Ernennung zum Tschechischen Botschafter in Österreich.
 
 
Linktipps 
 
Im Deutschlandradio Berlin spricht Jirí Grusa im Projekt "Europäer über Europa" über die Rolle Tschechiens in der europäischen Gemeinschaft.
 
Ein Beitrag des Radio Prag.
 
 
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