Stefan Heym

Stefan Heym zählt zu den renommiertesten Autoren der DDR-Literatur. Seine Romane und Erzählungen thematisieren häufig die politischen Ereignisse in der DDR anhand einzelner Personenschicksale.
 
 
 
Stefan Heym 1913-2001
Stefan Heym floh vor der Nazidiktatur nach Amerika, verließ das Land in der McCarthy-Ära und lebte seit 1952 in der DDR. Er verstand sich nie als Gegner des sozialistischen Regimes, vielmehr als sein Kritiker.

Heym bezog klar Stellung gegen Selbstherrlichkeit, Unterdrückung und Zensur, blieb aber immer ein Schriftsteller, der "seine Kunst an keine Ideologie verriet" (Die Zeit). Unvergessen ist seine Rede am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz, die er vor einer begeisterten Menge hielt:

"Aber sprechen, frei sprechen, gehen, aufrecht gehen - das ist nicht genug. Lasst uns auch lernen zu regieren. Die Macht gehört nicht in die Hand eines einzelnen oder ein paar weniger oder eines Apparates oder einer Partei. Alle müssen teilhaben an dieser Macht. Und wer immer sie ausübt und wo immer, muss unterworfen sein der Kontrolle der Bürger, denn Macht korrumpiert!"
 
Kurzbiografie 
 
10. April 1913 Stefan Heym, eigentlich Hellmut Flieg, wird in Chemnitz als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren.
 
1931 Verweis des Chemnitzer Gymnasiums wegen eines antimilitaristischen Gedichts.
 
1932 Abitur in Berlin. Erste Beiträge für verschiedene Berliner Zeitschriften, unter anderem für Ossietzkys "Weltbühne". Studienbeginn der Philosophie, Germanistik und Zeitungswissenschaften in Berlin.
 
1933 Aus Rücksicht auf seine Familie nimmt er das Pseudonym Stefan Heym an und flieht nach Prag, wo er als Journalist für deutschsprachige und tschechische Zeitungen arbeitet.
 
1935 Übersiedlung in die USA über und Beendigung des Studiums 1936 an der Universität von Chicago mit einer Magisterarbeit über Heinrich Heine.
 
1942 Veröffentlichung des Romans "Hostages" (dt.: "Der Fall Glasenapp" 1958).
 
1943 Eintritt in die US-amerikanischen Armee.
 
1945 Mitbegründer der Zeitung "Neue Zeit" in München. Rückversetzung in die USA und Entlassung aus der Armee wegen "prokommunistischer" Haltung.
 
1948 Veröffentlichung des Kriegsromans "The Crusaders" (dt.: "Kreuzfahrer von heute" 1950).
 
1951/52 Aus Protest gegen den Koreakrieg verlässt Heym die USA. Über Warschau und Prag gelangt er 1952 nach Ost-Berlin über.
 
1953-1956 Kolumnist für die "Berliner Zeitung".
Kritische Auseinandersetzung mit dem DDR-Regime.
 
1965 Erich Honecker kritisiert Heyms Manuskript "5 Tage im Juni", eine Darstellung der Ereignisse um den 17. Juni 1953.
 
1969 Heym wird wegen der Veröffentlichung des Romans "Lassalle" in der Bundesrepublik zu einer Geldstrafe verklagt. 1974 wird das Buch auch in der DDR verlegt.
 
1976 Heym unterzeichnet die Protesterklärung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns.
 
1979 Sein Roman "Collin", der in der DDR nicht erscheinen darf, wird in der Bundesrepublik veröffentlicht.
Ausschluss aus dem DDR-Schriftstellerverband.
 
1981 Heym hält die deutsche Wiedervereinigung für "möglich und naturgegeben".
 
4. November 1989 Heym hält eine Rede über "den neuen, den besseren Sozialismus in der DDR" auf dem Alexanderplatz.
 
1993 Ehrenpräsident des Deutschen PEN-Zentrums Ost.
Auszeichnung mit dem Jerusalem-Preis für Literatur für sein Engagement gegen Rassismus.
 
2001 Stefan Heym stirbt am 16. Dezember in Israel.
 
 
Linktipps 
 
Eine Sammlung berühmter Zitate und Aussprüche im Aphorismen-Archiv.
 
Die ausführliche Homepage zu Leben und Werk Stefans Heyms mit vielen weiterführenden Links.
 
 
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