|  | Der Begründer der Psychoanalyse wurde angegriffen wie kaum ein anderer Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts - von Kollegen, Intellektuellen, Kirchenvertretern und Politikern. Besonders den Anhängern der großen Ideologien der Zeit missfiel Freuds Trieblehre, deren Menschenbild sich nur schwer mit den eigenen Welterklärungsmodellen in Übereinstimmung bringen ließ.
Nach Freud wird das menschliche Verhalten vor allem durch sexuelle Kräfte geprägt. Hauptantrieb ist die "Libido" (Geschlechtstrieb). |
Später setzte ihr Freud als Gegenkraft den "Todestrieb" zur Seite. Anerzogene Verdrängungsmechanismen verschieben das Wirken dieser Kräfte laut Freud in das von ihm postulierte "Unbewußte". Aus diesem schwer zugänglichen Bereich machen sie sich dem Bewußtsein als Störungen, als "Neurosen" bemerkbar.
Freuds radikaler wissenschaftlicher Ansatz war für die 1933 in Berlin an die Macht gekommenen und 1938 in Freuds Heimat Österreich einmarschierten Nazis ein Musterbeispiel für den angeblich "zersetzenden" Einfluß jüdischer Intelligenz. Seine Schriften wurden 1933 als "jüdische Pornografie" verbrannt. Freud selbst starb 1939 in London, wohin er ein Jahr vorher vor der Verfolgung durch die Nazis geflohen war. Kurzbiografie  | 6. Mai 1856 Geburt als Sohn des jüdischer Eltern in Freiberg (heute: Pribor/Tschechien)
|  | 1873 - 1881 Medizinstudium in Wien |  | 1882-85 Arzt am Wiener Allgemeinen Krankenhaus |  | 1885-1902 Dozent für Neuropathologie an der Wiener Universität, hirnanatomische Forschungen |  | 1895 "Studien über die Hysterie": Vorstellung seiner Methode der "freien Assoziation"
|  | 1897 Theorie des "Ödipus-Komplexes"
|  | 1900 Veröffentlichung der "Traumdeutung", Grundlegende Begriffe der frühen Psychoanalyse |  | 1902 Professur für Neuropathologie in Wien |
 | 1910 Gründung der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung, Vorsitzender wird Freuds damaliger Schüler C.G. Jung
|  | 1913 "Totem und Tabu" wird veröffentlicht. In diesem Aufsatz führt Freud Religion und sozialen Zusammenhalt auf verdrängte Inzestwünsche und Aggressionen zurück
|  | 1920 "Jenseits des Lustprinzips": Freud ersetzt die Wunscherfüllungstheorie durch die Dualität von Tod und Eros als grundlegende Wirkkräfte der menschlichen Psyche
|  | 1923-1930 Modell der menschlichen Psyche: Ich (Vermittlungsinstanz), Es (Unterbewusstsein), Über-Ich (Auferlegte Normen und Verhaltensmuster)
|  | 1933 verfasst Freud gemeinsam mit Albert Einstein die Schrift "Warum Krieg?"
|  | 1933 In Deutschland werden Freuds Werke von den Nazis verbrannt |  | 1938 Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Wien wird Freud durch nationalsozialistische Repressionen ins Exil nach London getrieben
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 | 23. September 1939 Tod in London |
Linktipps  | Kurzer Lebenslauf, Schwerpunkt auf Freuds medizinischer Karriere. Freuds psychologische Grundannahmen werden einfach und verständlich erklärt.
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