Wolf Biermann

"Hätte ich damals in Köln vor den achttausend Menschen in der Sportarena die ganzen viereinhalb Stunden nichts anderes als Hänschen-Klein-Ging-Allein gesungen - ich wäre trotzdem ausgebürgert worden. Es war ein abgekartetes Spiel." Originalton Wolf Biermann über seine Ausbürgerung aus der DDR.
 
 
 
Wolf Biermann
Der deutsche Schriftsteller und Liedermacher Wolf Biermann ist bekannt geworden als scharfer gesellschaftskritischer Beobachter des geteilten Deutschlands. In Hamburg geboren, übersiedelte der Sohn eines kommunistischen Widerstandskämpfers mit 17 Jahren in die DDR. Dort arbeitete er als Regieassistent, beginnt, Texte und Lieder zu schreiben - und machte sich bei den DDR-Oberen durch seine zunehmend kritische Haltung unbeliebt. Vorgeworfen wurden ihm "Klassenverrat" und Obszönität. Die Folge: ein mehr als zehn Jahre dauerndes Auftritts- und Publikationsverbot.
 
Eine Konzertreise Biermanns in die BRD nutzten die ostdeutschen Machthaber 1976 aus, um ihn - entgegen der Zusage auf ungehinderte Rückkehr - auszubürgern. Dieses Ereignis führte zu einer Protestwelle unter ostdeutschen Künstlern, von denen sich viele mit Biermann solidarisierten.

Nach der Wende 1990 griff Biermann ostdeutsche Politiker und Künstler scharf an, die als Täter oder Mitläufer das DDR-Unrechtssystem unterstützt bzw. sich nach Biermanns Auffassung nicht ausreichend distanziert hatten, u. a. Gregor Gysi und Stefan Heim.
Biermann ist Träger von Deutschlands bedeutendster Literaturauszeichnung, dem Georg-Büchner-Preis.
 
Kurzbiografie 
 
15.11.1936 Wolf Biermann wird in Hamburg als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren.
 
1943 Biermanns Vater wird in Auschwitz als Angehöriger des kommunistischen Widerstandes ermordet
 
1950 Vertreter der Bundesrepublik Deutschland als Junger Pionier bei dem Weltjugendtreffen in Ost-Berlin, 1953 Übersiedlung in die DDR.
 
1955-1957 Studium der politischen Ökonomie an der Humboldt-Universität Berlin.

 
1959-1963 Studium der Philosophie und Mathematik an der Humboldt-Universität in Berlin.
 
1960 Biermann beginnt Gedichte zu schreiben und Lieder zu komponieren.
 
1961-1963 Gründung und Aufbau des Berliner Arbeiter-und Studententheaters. Biermanns Inszenierung des Stückes "Berliner Brautgang" über den Mauerbau wird nicht zur Aufführung freigegeben. Das Theater wird 1963 wieder geschossen.
 
1963 Nach einer zweijährigen Zeit als Kandidat wird die Aufnahme Biermanns in die SED abgelehnt.
 
1965 Nachdem in der Bundesrepublik Deutschland seinen Gedichtband "Die Drahtharfe" und seine erste Langspielplatte "Wolf Biermann (Ost) zu Gast bei Wolfgang Neuss (West)" erscheint, erhält Biermann Auftritts- und Publikationsverbot durch die DDR-Behörden. Man wirft Biermann "Klassenverrat" und "Obszönität" vor.
 
September 1976 Nach elf Jahren Berufsverbot erster Auftritt in der DDR in der Prenzlauer Nikolaikirche.
13. November: Mit einem Konzert in Köln beginnt eine Tournee durch die Bundesrepublik.
16. November: Das Politbüro der DDR beschließt die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR. Begründet wird die Entscheidung damit, daß sich sein Programm in der Bundesrepublik gegen die DDR und den Sozialismus richte.
17. November: In einer Petition von dreizehn führenden Intellektuellen der DDR wird gegen die Ausbürgerung protestiert.
 
ab 1977 Biermann unternimmt erste Tourneen durch westeuropäische Länder. In seinen Liedern rechnet er einerseits mit der DDR ab und bekundet andererseits immer wieder seine sozialistische Einstellung.
 
1980 Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises für Chanson.
 
Dezember 1989 Biermann hält nach 25 Jahren sein erstes Konzert in der DDR in Leipzig ab. Er wird "als Mensch gewordener Mythos" und als Legende bezeichnet und als solcher vor allem von den älteren DDR-Bürgern empfangen.
 
ab 1990 Mit Aufsätzen und Reden mischt sich Biermann in die Tagespolitik ein und beteiligt sich u.a. an der Besetzung der Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit.
 
1991 In seiner Dankesrede für die Verleihung des Georg-Büchner-Preises attackiert Biermann die Oppositionsgruppen der DDR sie seien "von Stasi-Metastasen zerfressen".
 
1998 Verleihung des Nationalpreises der Deutschen Nationalstiftung.
Erscheinen der Live-Doppel-CD: "Brecht-Deine Nachgeborenen".
 
1999 Erscheinen der CD "Paradies uff Erden. Ein Berliner Bilderbogen".
 
 
Linktipps 
 
Zahlreiche Songtexte des Liedermachers Biermann zur Veranschaulichung seiner politischen Überzeugungen.
 
Die Bundeszentrale für politische Bildung liefert hier ausführliche Informationen über die Entwicklung der DDR hinsichtlich des kulturellen und politischen Lebens bis Ende der 80er Jahre.
 
Biografie des LeMo (Lebendiges virtuelles Museum online) mit allen bedeutenden Lebens- und Karrieredaten.
 
Projektwebsite des FMG Bad Brückenau zu Biermanns Zeitgenossen und Freund Jürgen Fuchs mit Informationen zur Verfolgung von Intellektuellen und Systemkritikern in der DDR.
 
Aussprüche und eine ausführliche Biografie Biermanns finden sich im Aphorismen-Archiv
 
 
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